Archivierte Einträge für Ethik

Online-Zuständigkeit des Deutschen Presserats ab 1.1.2009

Ab dem 1.1.2009 ist der Deutsche Presserat auch für journalistisch-redaktionelle Beiträge im Internet, sofern es sich dabei nicht um Rundfunk handelt, zuständig. Beschwerden können jetzt auch per E-Mail oder ein Beschwerdeformular eingereicht werden (bei Online-Beschwerden muss ein Screenshot beigelegt werden). Auf der komplett überarbeiteten Website des Presserats (jetzt unter einer info-Domain: www.presserat.info) dominieren zwar noch Abbildungen von Druckwerken, doch es wird für die Freiwillige Selbstkontrolle der Presse wohl viel Arbeit im Online-Bereich zukommen. Allein, wenn man an die oftmals doch recht legere oder überhaupt nicht vorhandene Trennung von redaktionellen und werblichen Inhalten denkt. Interessant wird es auch sein, welche Wirksamkeit der Presserat in Zukunft entfalten kann.

Weitere Artikel bei Onlinejournalismus.de zum Deutschen Presserat

Blogs, Meinungsfreiheit, PR & Lügen: DFB vs. Jens Weinreich

Der freie Sportjournalist Jens Weinreich hatte im Juli im Blog Indirekter Freistoss in einem Leserkommentar den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger als “unglaublichen Demagogen” bezeichnet.

“Dagegen hatte Zwanziger vor Gericht geklagt und bis jetzt zwei Mal verloren, ein drittes Mal [wollte] er es offenbar in seiner Heimat Koblenz versuchen. Nun macht sein Verband aus dem Schmierenspiel eine einzige dummdreiste Lüge und fantasiert von einer diffamierenden Kampagne, die der Journalist angezettelt habe. Kein Wort von den verlorenen Prozessen, kein Wort davon, dass der Journalist nicht eingeknickt ist und keine Erklärung abgegeben hat, sondern bei seinem Wortlaut bleibt”,

beschreibt Hal Faber in seiner Heise.de-Kolumne “Was war. Was wird.” den Sachverhalt. Weiter heißt es dort:

“Vom DFB-Präsidenten ist dieser Satz unstrittig zitierbar: “Wenn sie die Kommunikationsherrschaft nicht haben, sind sie immer Verlierer.” Ein Verlierer will er auf keinen Fall sein, der Kommunikationsherrscher. Was ist eigentlich jemand, der zwei Gerichtsbeschlüsse unterschlägt? Macht ihn die Defraudation zu einem Defraudagogen?”

Wer den ganzen Sachverhalt noch mal nachlesen will (es lohnt sich wirklich!), möge die folgenden Quellen nutzen. Die Sache bietet viel Materie für Lehrbücher oder Seminare: Ob – wie zuletzt – völliges PR-Versagen, Medienethik, das Ausreizen der Meinungsfreiheit oder irrationale Ängste vor der Internet-Kommunikation. Und alle Quellen sind so weit als möglich für jedermann zugänglich. Weiterlesen…

Nachrichtenwert gleich Null

Tja, so ist das mit den Sensationen – guten wie schlechten. Eine ganz üble war heute der Amoklauf in Finnland, bei dem ein 20-Jähriger, inzwischen toter, Mann zehn Schüler erschossen hat. Dass er seine Tat vorher mit einem Internetvideo angekündigt und die Polizei in ignoriert hat, ist dabei schlimm. Dass dieses Video immer noch kursiert typisch fürs WWW.

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Personensuche oder die doppelte Kanzlerin

Ich bin wahrscheinlich nicht der einzige, der diese Erfahrung gemacht hat: Bei der Suche nach Personennamen in den gängigen Suchmaschinen taucht unter den ersten Ergebnissen inzwischen schon verdammt oft die entsprechende Trefferliste von Yasni, einer im Herbst gestarteten deutschen, auf Personensuche spezialisierten Suchmaschine auf. Sie meldet aktuell drei Millionen Nutzer pro Monat.

Yasni fragt wie ähnliche Dienste in erster Linie vielversprechende Websites nach entsprechenden Nutzerprofilen ab – von der Fotocommunity bis Wikipedia, von Xing bis zur Amazon-Wunschliste. Und Yasni ist dabei für den deutsprachigen Raum – anders als etwa Spock.com oder Zoominfo.com, die US-zentriert suchen und finden – erstaunlich treffsicher.

“Scary” oder ähnliches war die Reaktion etlicher Leute, mit denen ich über diese Suchmaschine gesprochen habe. “Datenschützer, wetzt die Messer!” hieß es dazu schon vor Monaten im Blog Netzwertig: “Jeder, der dann den Datenschutz in Gefahr sieht, sollte sich aber ins Gedächtnis rufen, dass sämtliche von yasni gefundenen Informationen sowieso schon im Netz existieren und von dem Dienst lediglich zusammengeführt werden.”

Die Problematik ist genau die, die GaryCory Doctorow vor einiger Zeit beschrieben hat. Irgendwie beruhigend aber, wenn es dann doch noch nicht so weit ist:

Screenshot Spock.com

Weitere Links:

Ein Punkt macht noch nicht anonym

Die arme Frau ist geschützt. Dank der Medien. Denn sie setzen konsequent auf die Anonymisierung. Elisabeth F., die misshandelte Tochter aus dem erschreckenden Inzest-Fall in Österreich. Die TV-Stationen zum Beispiel haben sie konsequent F. genannt. So wie es sein muss.

Den Nachnamen ihres Peinigers und den Nachnamen ihrer schwer kranken 19-Jährigen Tochter haben sie allerdings in voller Länge genannt.

Update: Jetzt soll Elisabeth F. zum Schutz eine neue Identität erhalten. Zu lesen hier. Mal sehen, wann sie aufgespürt werden wird.

Als Verlag ins Internet investieren? Find ich immer gut …

Im aktuellen Newsletter von News Aktuell (Download als PDF, 8 Seiten, 1,33 MB) heißt es: “Die meisten deutschen Journalisten sind der Meinung, dass sich die Investitionen der Verlage in Internetangebote und Web-Firmen lohnen werden. Das ergab der Medien-Trendmonitor der dpa-Tochter news aktuell und Faktenkontor”.

Die konkrete Frage lautete “Verlage investieren im großen Umfang in Internetangebote und Internetfirmen. Lohnt sich das?” Die Antworten waren in der Tat überwiegend positiv, wobei Mehrfachnennungen möglich waren (danach waren es sogar über 100 Prozent, die das Ganze irgendwie positiv sahen).

Ja eine gute Sache, investieren ins Internet, ist doch zukunftsweisend, und die meisten Online-Redaktionen sind doch eh noch personell chronisch unterbesetzt, wie kürzlich sogar die Umfrage zum Onlinejournalismus des arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) belegte, wo resümiert wurde: “Für den hochwertigen Journalismus im Netz sind das nicht die besten Bedingungen.” Also, um es mal salopp zu formulieren: “Her mit der Kohle!”

Nur ist eben so, dass einige Verlage viel Geld in Objekte investieren, die ich gelinde gesagt für virtuelle Luftschlösser halte (ausführlicher hierzu etwa mein Artikel “Millionenschweres Provisorium” in “Journalist” 9/2007, leider nicht online). Weitere Kritik an Investitionen für gewisse Onlineplattformen äußerte in der März-Ausgabe des “Journalist” Falk Lüke: Damit sich das große Engagement der Verlage auch auszahlt, benötigen diese vor allem die Aufmerksamkeit der Nutzer. Folge: “Journalistische Angebote vermischen sich jedoch häufig mit den verlagseigenen ‘neuen Geschäften’. Auch in den Navigationen von zeit.de oder Spiegel Online sind die kommerziellen Verlagsangebote nicht als Werbung erkennbar”, schreibt Lüke.

Die meines Erachtens etwas blumige Fragestellung und Interpretation der oben genannten Umfrage könnte ein Gegenstand bei den kommenden Diskussionsrunden von News Aktuell innerhalb der Media Coffee-Reihe sein, die im gleichen Newsletter angekündigt werden. Darin wird erwähnt, dass “Verlage zunehmend Internetfirmen [aufkaufen], die mit dem eigentlichen Kerngeschäft wenig zu tun haben.”

Nachtrag 03.04.08
Als vernünftiges Investment eines Verlagshauses betrachte ich beispielsweise die gestern verkündete Beteiligung des Madsack MediaLabs an MyHeimat, eine der wenigen auch ökonomisch funktionierenden Bürgerjournalismus-Plattformen (wir berichteten).

Nachtrag 04.04.08
Eine Aufstellung der “Beteiligungen und Marken in den digitalen Medien – außerhalb des Markenkosmos der traditionellen Medien” entdeckte ich eben (via Hugo E. Martin) bei Werben & Verkaufen. Das von der Unternehmensberatung OC&C Strategy Consultants GmbH erstellte Papier ist auf dem Stand vom Februar 2008 (Download als PDF, 2 Seiten, 115 kb).

Welt Online, YouTube und wo sind die Grenzen?

Falk Lüke dachte kürzlich darüber nach, ob YouTube-Videos “Content-Freiwild für deutsche Nachrichtensites” sind:

Was mich immer wieder erstaunt: wie große Nachrichtensites Videos der Plattform YouTube einbinden. Ich sehe fast nie Copyright-Vermerke, wie sie bei Bildern Standard sind. Ob Spiegel oder Welt Online, Netzeitung, dass die Rechtefragen stets geklärt wurden, kann man wohl getrost bezweifeln

Da ist zum einen die rechtliche Grauzone zwischen dem Einbinden in ein kommerzielles Angebot (YouTube-FAQ hierzu, YouTube-AGB Abschnitt 6) bzw. was unter Zitatrecht-Embedding fällt.

Ebenso wichtig bleibt aber die dauernde Frage danach, wann denn das Einbinden von Videos journalistisch sinnvoll und wann überflüssig oder vielleicht sogar aus ethischen Gründen abzulehnen ist. Welt Online bietet heute mal wieder ein passendes Diskussionsbeispiel für sämtliche Aspekte: Ein Video von “News of the World”, bei YouTube veröffentlicht (schönes Detail am Rande: mit der “Flip4Mac Trial Version” konvertiert), dass den Formel-1-Chefmanager bei Sexspielchen mit Prostituierten im KZ-Outfit zeigen soll, wird direkt in den Artikel eingebunden. Aufklärung pur. Und in der URL wird der im Text noch vorsichtig formulierte Vorwurf schon mal zur Tatsache.

Und das Kommentarniveau bei Welt Online wird einem auch noch mal vor Augen geführt: Da argwöhnt jemand “irgendeine zionistische Finanzgruppe will Einfluss in der Formel 1 gewinnen. (…) Welcher Religionsgemeinschaft gehören eigentlich die YOUTUBE Eigner an?”

Bemitleidenswerte/r “Online Redakteur/in” gesucht

Eben in einem Kommentar in der Blogbar entdeckt, ein interessantes Stellenangebot aus dem Hause Burda (zur Sicherheit musste ich noch mal dort nachschauen, ob das wirklich so stimmt – es stimmt so!). Ich publiziere es mal kommentarlos mit Fehlern …

“(…) sucht zum nächstmöglichen Termin am Standort München eine/n

Online Redakteur/in

Ihre Aufgabe:

* Verfassen von monatlichen Teaser für aktuelle Artikel der Print-Ausgaben
* Verfassen von neuen Meldungen, Texten, Interviews, Events zu Genuss- und Gesundheits-Themen
* Rezept-Datenbank-Pflege (Verschlagwortung)
* Regelmäßig Gewinnspiele generieren und abwickeln, Sponsor-Akkquise, Verwaltung von Gewinner-Adressen
* Foren-Pflege (Chats, Umfragen etc.), Kontrolle der Kommentare, Auswertung von Umfragen, Nutzung der Ergebnisse in Print
* Redaktionelle Umsetzung von Online-Content im Rahmen von Cross-Media-Anzeigen-Kooperationen
* Generieren von neuen Blogs
* Direkt-Beantwortung von User-Anfragen”

Nachtrag 22.03.08
Don Alphonso hat das Thema in der Blogbar noch mal unter dem Titel “Burdas Online-Elend: Wenn Blogger und Journalisten zu Honkbespassern werden” aufbereitet.

Hurra, ich bin in Geo

Dankeschön. Für die netten Grüße, die G+J geschickt hat. Aus der Geo-Reisecommunity, einem neuen Projekt aus dem Verlagshaus. Das so richtig schön am Nutzer verdient.

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Ein Medienkodex für alle

Soll er kommen? Soll er nicht? Der Onlinekodex ist im Moment ein wieder heißt diskutiertes Thema. In der aktuellen “Journalist”-Ausgabe gibt es Pro, Contra und ich weiß nicht. Dabei dreht sich die Diskussion ein wenig im Kreis. Denn eigentlich gibt es den Kodex schon – wenn auch als zahnloser Tiger.

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