Archivierte Einträge für Ethik

Ein Medienkodex für alle

Soll er kommen? Soll er nicht? Der Onlinekodex ist im Moment ein wieder heißt diskutiertes Thema. In der aktuellen „Journalist“-Ausgabe gibt es Pro, Contra und ich weiß nicht. Dabei dreht sich die Diskussion ein wenig im Kreis. Denn eigentlich gibt es den Kodex schon – wenn auch als zahnloser Tiger.

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„Die Zeit“: „237 Gründe, Sex zu haben“

Ja, Sie lesen richtig, das da oben ist der aktuelle Aufmacher des „Zeit“-Feuilletons! Freilich dreht es sich um ein anderes Thema:

„Im Internetjournalismus geht es vor allem um Klicks, also die Zahl der Zugriffe, die eine Seite provoziert. Je mehr Sex, Quiz oder Bilder, desto höher die Quote. Was aber zählt Qualität?“

Eigentlich ein altbekanntes Thema für unsere Leser, doch Autor Karsten Polke-Majewski bietet auch für das Fachpublikum neue Facetten.

Neben dem wohlinformierten Beitrag halte ich es Polke-Majewski vor allem zugute, dass er neben anderen Medien (u.a. Spiegel Online, Sueddeutsche.de.) auch bedenkliche Entwicklungen bei Zeit Online aufzeigt. Das ist Journalismus, danke! Eine hervorragende Diskussionsgrundlage für die Debatte rund um das Thema Qualität im Onlinejournalismus.

Nachtrag
Auch die „Taz“ beschäftigt sich heute mit dem Thema: „Internet-Journalismus: Ein Gütesiegel muss her“ fordert Frank Überall. Ebenso Don Dahlmann in seinem Blog bei Welt Online, Die Welt im Kasten, Dahlmann resümiert: „Ob der Deutsche Presserat da [für ein Gütesiegel, T.M.] die richtige Adresse ist? Besser wäre es, etablierte Blogger würden mal zusammen mit einem Verein wie der „Bundeszentrale für politische Bildung“ ein solches Konzept entwickeln.“ Und auch unser neuer Onlinejournalismus.de macht sich seine Gedanken: „Ein Medienkodex für alle“.

Weitere Links

bei onlinejournalismus.de:

  • Der neue Hype: Die allzu starke Fixierung auf Klickquoten könnte allerdings dem Bestreben um Qualitätsjournalismus schaden (aus: „Journalist“ 12/2007)
  • Sueddeutsche.de: „Vielleicht waren wir zu zögerlich“: Interview mit Hans-Jürgen Jakobs
  • Welt.de: Die Welt steht Kopf
  • Im Quotenparadies: Wie Klickzahlen die redaktionelle Arbeit verändern. Von Klaus Meier und Benedikt Tüshaus.
  • im sonstigen Internet:

Konferenz zu Onlinejournalismus und Pressefreiheit

Die gemeinnützige InWEnt GmbH, die irgendwie mit dem Bundesentwicklungshilfeministerium verwandt ist und unter anderem Fortbildungen für ausländische Journalisten organisiert, veranstaltet am 13. März eine halbtägige Tagung mit dem Oberthema „Online Journalism: Opportunities and Challenges for Press Freedom“ in Berlin. Mitveranstalter ist interessanterweise die FAZ.

An einer Panel-Diskussion nehmen teil: Werner D’Inka, FAZ, Charles Onyango-Obbo, Geschäftsführender Redakteur für Konvergenz and neue Medien der Nation Media Group, Kenia, Alan Robles, Herausgeber des Online-Magazins www.hotmanila.ph, Philippinen,
Sankarshan Thakur, Editor-at-Large beim Telegraph and ehemals geschäftsführender Redakteur des Online-Magazins www.tehelka.com (mehr darüber), Indien, Michael Rediske, Vorstandssprecher von Reporter ohne Grenzen, Deutschland , Bertrand Pecquerie, Direktor des World Editors Forum, Frankreich.

Weitere Informationen der Veranstalter.

Clement / Alte Medien / Qualitätskriterien

Schon mal vormerken: Wenn demnächst wieder die Diskussion auf den hehren, nur in Druckerzeugnissen zu verwirklichenden Qualitätsjournalismus kommt, auf die Wolfgang-Clement-Kolumne in der „Welt“ verweisen. In seinem umstrittenen Beitrag zu den energiepolitischen Vorstellungen der hessischen SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti, ist mit keinem Wort erwähnt, dass Clement im Aufsichtsrat von RWE Power sitzt. Weder in der gedruckten Ausgabe noch in der Online-Version der Kolumne. Ich halte Disclaimer zwar manchmal für übertrieben („Der Autor hat XY schon mal die Hand geschüttelt“), in diesem Fall wäre es aber mehr als angebracht gewesen.

Auf seiner persönlichen Homepage verrät Clement übrigens außer seinen Kontaktdaten nichts über sich. Bei der SPD findet ihn zwar Google noch – die Partei ist aber hier offenbar einem Ausschlussverfahren schon zuvor gekommen: Fehler 404.

DJV-Qualitätsdiskussion: Niveau einer Christiansen-Sendung

Kommentar 12.01.08
Mag sein, dass die Rederunde aus verschiedenen Gründen nicht unmittelbar ertragreich war, das wird wohl keiner bestreiten, das war auch nicht unbedingt zu erwarten. Aber das ist nicht wichtig. Ohne es zu glorifizieren: Allein die aufgrund dieser Runde von Neuem begonnene Debatte auf der Metaebene (siehe etwa Schulzki-Haddouti, Jarchow, Niggemeier) kann dereinst noch Früchte tragen. Stets bereichernd für die Praxis ist es, wenn Fehler und Fehlentwicklungen rücksichtslos und sofort aufgezeigt werden. Selbst hierfür lieferte die DJV-Diskussion nolens volens Anschauungsmaterial (siehe etwa Don Alphonsos und Thomas Knüwers Kritik an einem „FAZ“-Artikel oder das Beispiel von „Win-Win-Win-Win-Journalismus“ bei Stern.de und beim „Stern“).

Medienschau – Update 19.01.08
„Das große Hauen fand nicht statt“, beschreibt der Weltenweiser in seinem Blog die gestrige Podiumsdiskussion des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) „Regeln oder Anarchie? – Journalismus im www“. Leider konnte ich den Livestream – wie offenbar viele andere Nutzer auch – nicht sehen, hier eine kleine Medienschau. Ein Mitschnitt ist unter www.djv.de/livestream abrufbar.

Die Veranstaltung war wohl eher enttäuschend, Medienberater Steffen Büffel schreibt: „Die DJV-”Talkrunde” hatte das Niveau einer brillianten Christiansen-Sendung. Wer mich kennt weiß, dass das kein Kompliment ist.“ Weiterlesen…

Konken, Knüwer, Alphonso im Livestream

Am Donnerstagabend, 10.01., findet in Berlin die Diskussion über die Qualität des Journalismus im Netz statt, bei der der DJV-Vorsitzende Michael Konken auf seine Kritiker wie Thomas Knüwer und Don Alphonso trifft. Konkens Rede zum Thema, die er auf dem DJV-Verbandstag hielt, hatte nach einem Hinweis von onlinejournalismus.de ein starkes Gegenecho geernet.

„Die Diskussion ist bereits ausgebucht, kann aber live im Internet unter http://www.djv.de/livestream ab 19.00 Uhr bis zum vorgesehenen Ende gegen 21.00 Uhr verfolgt werden“, teilt der DJV mit.

Update 10.01.08

Auch die am 15. Januar in Berlin stattfindende Konferenz „Neue Öffentlichkeit? Was Videojournalismus, Bloggen und Co. für Gesellschaft und Auslandsrundfunk bedeuten“ bietet einen Livestream an.

Mehr:

Update 11.01.08
DJV-Qualitätsdiskussion: Niveau einer Christiansen-Sendung

Miststücke in der „Zeit“

Herrje, es sollte etwas mehr Aufmerksamkeit geniessen – das Meckerblog von Zeit Online. Obzwar ich den Autor „Onkel Brumm“ persönlich kenne (siehe auch Interview mit Onkel Brumm im Dezember 2006), weiß ich nicht, ob das Blog an zu wenig Aufmerksamkeit leidet, aber allein wenn ich die Kommentare und Trackbacks als Maßstab nehme, dämmert diese – meines Wissens in Deutschland einmalige – Institution redaktioneller Selbstkontrolle ein wenig vor sich hin. Dabei kann Onkel Brumm doch mit wohlfeilen Worten ganz schön eklig sein und langt dort hin, wo es weh tut – im neuesten Beitrag lässt er sich beispielsweise über „ausführliche Produktbeweihräucherung“ aus. Wohlgemerkt bei der „Zeit“, und wünscht sich, dass Zeit Online „diese Mist-Stücke nicht übernimmt“.

7’21“ mit Patricia Dreyer

Es war keine 08/15-Personalie, als vor gut einem Jahr bekannt wurde, dass die Bild-Journalistin Patricia Dreyer als Leiterin des Ressorts Panorama zu Spiegel Online wechselte: Dreyer war seinerzeit an der Bild-Kampagne die Schauspielerin Sibel Kekilli beteiligt. SpOn-Chef Mathias Müller von Blumencron verteidigte seine Entscheidung und Dreyer im Interview mit onlinejournalismus.de: „Wissen Sie, wie viele Leute aus Boulevardredaktionen bei großen Tageszeitungen und Magazinen arbeiten? Das sind häufig hervorragende Kollegen, zum Teil mittlerweile Chefredakteure – wollen Sie die alle verteufeln, nur weil sie mal bei “Bild” gearbeitet haben?“ Dreyer selbst mochte sich vor ihrem Wechsel nicht äußern – und auch nachher nicht.

Heute war Dreyer im Interview bei Deutschlandradio Kultur zu hören (MP3-Audio, 7’21 min) – es ging um die Berichterstattung über die jüngsten Fälle von Kindstötungen. Sie klingt nüchtern, sagt, dass ihre Redaktion bei der Annäherung an Beteiligte und deren Umfeld zurückhaltend agiere und auch bei der Bilderauswahl vorsichtig sei. Bunte Themen stünden erst in zweiter Reihe. Und ohne empirische Studien betrieben zu haben: Die gefühlte Boulevardisierung bei SpOn scheint sich zumindest nicht weiter verstärkt zu haben, auch wenn die Redaktion jetzt Ressourcen hat, um bei dramatischen Panorama-Themen häufiger eigene Reporter vor Ort zu haben.

Ein Fazit des Interviews fällt schwer: Wirklich spannend ist es mangels kritischer Fragen aber nicht.

„Abendzeitung“ und Video: „Hauptsach mir san in d‘ Schickeria“

Zum Thema Zeitung und Video resümierte der Berater und Dozent Christian Jakubetz kürzlich in seinem Blog: „Das, was viele machen, sieht inzwischen weitaus besser aus als die ersten Gehversuche mit wackeligen Kameras, ohne Vertonung und irgendwie absurden Geschichten.“ Da stimme ich ihm zu. Negativbespiele gibt es aber weiterhin.

Es scheint immer die gleiche Variante zu sein: Redakteuren wird eine Kamera in die Hand gedrückt: Macht mal! Ist gar nicht so wichtig, was dabei rauskommt, wir probieren das jetzt einfach mal aus. „Hauptsach mir san in d‘ Schickeria“ (Ohrwurm der Spider Murphy Gang), lautet denn wohl auch das Motto der Münchner „Abendzeitung“. Man will halt allzu gerne bei den Großen dabei sein. Weiterlesen…

Bild ohne T-Online – und ohne Sex?

Gestern Abend haben Bild und T-Online Schluss gemacht (Pressemitteilung).

Jetzt kaufte Springer der Telekom die 37-Prozent-Beteiligung an dem Gemeinschaftsunternehmen ab. Zu welchem Preis, ist offen, es soll ein zweistelliger Millionenbetrag sein.

Derzeit wird an einem Neustart von Bild.de gearbeitet, der noch in diesem Jahr online gehen soll. Springer will dabei stärker auf Inhalte und weniger auf Erotik setzen.

… heißt es bei sueddeutsche.de. Das deutete sich ja schon länger an – mit mittelschwerem Knirschen im Getriebe (W&V). Bisher sieht man bei bild.de nur vermehr Videos – u. a. die der Seite-1-Girls.

Passend dazu: Wie Springer seinen Nutzern erklärt, wie mit dem Internet Geld verdient werden kann – und dabei irgendwie mit der Trennung von redaktionellem Inhalt und Werbung durcheinanderkommt -, erläutert Joachim Dethlefs (via Bildblog).

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