Archivierte Einträge für Ethik

“Zu viel Hetze”: Zeit.de schließt Kommentarbereich zur Nahostkrise

Der “taz” war es heute eine Meldung wert: Bei Zeit.de können seit letzter Woche die Artikel zur Nahostkrise nicht mehr kommentiert werden. Chefredakteur Gero von Randow begründet dies so:

“Im Netz gibt es eine Vielzahl von miteinander debattierenden Zirkeln, und offenbar haben sie sich auf unserer Website festgesetzt; wir hatten es mit so vielen gegen Juden und Muslime hetzenden Beiträgen zu tun, dass wir sie nicht mehr einzeln entfernen konnten. Also haben wir zugesperrt.”

Randow spricht von “einer bitteren Entscheidung”. Zum Teil interessant sind die Leserkommentare dazu.

Bereits im März hatte die Redaktion den Kommentarbereich zum Tod von Slobodan Milosevic geschlossen. Wir berichteten darüber.

Zapp über die Readers Edition

Wenn es ein guter PR-Agent ist und der hat einen wirklich guten Text geschrieben, so what? Dann kann man den ja auch veröffentlichen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Zeitungen ihre Buchbesprechungen einfach aus den Klappentexten abschreiben, ohne dass es dem Leser jemals mitgeteilt wird. Es geht um die Qualität der Texte und wenn die gut sind, dann soll sie der PR-Agent geschrieben haben.

Dr. Michael Maier, Chefredakteur der Netzeitung, über Bürgerjournalismus und die Gefahr der Vermengung mit PR bei der Readers Edition (O-Ton aus einem TV-Beitrag, der beim NDR-Medienmagazin Zapp gelaufen und online abrufbar ist).

Das nächste Mal wird Schleichwerbung teuer

Die Berliner Justiz hat Bild.de einen kräftigen Nasenstüber verpasst.

Das Kammergericht Berlin erließ in zweiter Instanz eine einstweilige Verfügung (pdf)18, die es Bild.T-Online untersagt, in gleicher Weise in redaktionell gestalteten Beiträgen für einzelne Unternehmen zu werben. Andernfalls muss Bild.T-Online Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro zahlen.

formuliert Bildblog nüchtern.

Bei uns berichtete Stefan Niggemeier vor gut einem Jahr “Über das Glück, Bildblog zu machen”.

Mitmachjournalismus, böser

Wenn ein Bild sehr gut ist oder einmalig, landet es auf der Titelseite. Ist ein Text langweilig, wird er höchstens vom Autoren und den Betroffenen gelesen. – Für Citzen Journalism gilt das gleiche wie für professionellen Journalismus. Im Guten aber auch eben auch im Schlechten, worauf in den letzten Tagen zahlreiche Medienberichte über “Bürger-Paparazzi” aufmerksam machten. Weiterlesen…

In sechs Semestern Online-Redakteur

Konrad Scherfer, FH Köln | Foto [M]: privat
Neben den Darmstädter Online-Journalisten gibt es auch noch einen Studiengang in Köln: In sechs Semestern bildet die Fachhochschule dort Online-Redakteure mit Bachelor-Abschluss aus. Professor Konrad Scherfer zieht im Interview mit onlinejournalismus.de eine erste Bilanz der Ausbildung. Weiterlesen…

Mit Bewegtbildern und PR-Drachen klarkommen

Professor Klaus Meier, Hochschule Darmstadt
Hoffnungsvoll startete 2001 in Darmstadt der erste Journalismus-Studiengang, der sich auf das Medium Online konzentrierte – direkt in die große Job-Krise hinein. Jetzt bessert sich die Lage – und Darmstadt hat längst seine ersten Absolventen auf den Markt gebracht. Professor Klaus Meier berichtet im Interview mit onlinejournalismus.de, wo sie heute sind und was sie aus Darmstadt mitgenommen haben. Weiterlesen…

Peter Turi meint: Bildblog zu 90 Prozent Schrott

In der Gesprächsreihe Blogtalk bringt der Medienjournalist Peter Turi seine Abneigung gegenüber dem Bildblog auf den Punkt:

“90 Prozent des Inhalts beim Bildblog sind Schrott. Und: Ein Blog ohne Kommentarfunktion ist wie ein Hahn ohne Libido.”

Vorher schildert er freilich, dass er mit dem Bildblogger Stefan Niggemeier ein persönliches Problem hat:

“Vielleicht liegt’s an der Person. (…) So circa 2001/2002 hat Nigge einen sehr, sehr bösen und hämischen Artikel über die Krise beim kressreport geschrieben, der in dem Satz gipfelte. “Der kressreport ist tot.” Das war und ist gelogen und hat den Kollegen, die ums Überleben kämpften, sehr, sehr, sehr geschadet. Es wäre um ein Haar eine Self-Fullfilling-Prophecy geworden. Deshalb möchte ich von Stefan, der meines Erachtens an in dramatischen Situation jedes Verantwortungsgefühl hat vermissen lassen, nicht über Ethik im Journalismus belehrt werden.”

Das Ganze ist für einen Medienjournalisten ziemlich unprofessionell. Selbstverständlich sollen und müssen das Bildblog und seine Macher auch kritisiert werden, aber nicht auf so eine dämliche und primitive Art und Weise.

Nachtrag 24.06.2006

Jürgen Habermas lobte das Bildblog kürzlich bei einer Tagung in Dresden:

Laut Habermas kann die Online-Kommunikation nur dann einen relevanten Beitrag zum politischen Diskurs leisten, wenn sie sich mit der Berichterstattung der etablierten Medien auseinander setzt. Ein positives Beispiel hierfür sei die Webseite von bildblog.de. Die Bildblog-Redakteure haben der Online-Ausgabe des Massenblatts neulich eine Honorarforderung in Höhe von 2088 Euro für ihre ungebetenen Korrekturarbeiten zukommen lassen. Über diesen Gag kann sich der Theoretiker des kommunikativen Handelns köstlich amüsieren.

Nachzulesen im “Tagesspiegel” vom 23.06.2006

Aufbruch in die Utopie – oder nur ein Missverständnis?

Die einen wollen ein “demokratisches Web”, die anderen finden es “irgendwie ein geiles Gefühl, sich im Internet zu lesen”. Die Welt des Bürgerjournalismus ist bunt – gestützt auf neue Technologien ist sie dabei, einen Teil der alten Netz-Utopien Wirklichkeit werden zu lassen. Eine Bestandsaufnahme inklusive Video-Interview mit Peter Schink von der “Readers Edition” der Netzeitung.
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Zeit.de schließt Kommentarbereiche zum Tod Milosevics

In ihrem Redaktions-Blog teilt die Zeit.de-Redaktion mit:

“Wir haben die Kommentarfunktion zu den Texten über den Tod von Slobodan Milosevic abgeschaltet. Wenige Stunden nach dem Erscheinen der ersten Texte, hatte sich der Kommentarbereich zu einem Forum für Leugner der Verbrechen des ehemaligen serbischen Ministerpräsidenten Milosevic entwickelt. Diesen wollen wir keinen Platz geben.”

Bei Focus Online ist das Forum zu diesem Thema hingegen weiter offen. Das Niveau der Beiträge darf ohne Übertreibung als grauenhaft bezeichnet werden.

Diese Beispiele zeigen wieder mal die Pole, zwischen denen sich Redaktionen in diesem Bereich bewegen: von restriktiv bis freizügig. Beide Strategien können den jeweiligen Medien schaden. Vor knapp drei Jahren habe ich für den “journalist” einen Artikel zu diesem Thema veröffentlicht: “Kommunikative Kundschaft“. Die Frage, wie Online-Redaktionen sinnvoll mit Nutzerkommentaren umgehen können, kann ich allerdings auch nicht endgültig beantworten.

Ungebetene Kritiker

Die Blogger-Szene hat die Medienkritik entdeckt. So sind neben dem bekannten BILDblog inzwischen viele andere Watchblogs entstanden, die ein Korrektiv gedruckter oder online gestellter Berichterstattung darstellen.

[Der nachfolgende Artikel ist in ähnlicher Form im "journalist", 1/2006, S. 44-46, erschienen.]

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