Archivierte Einträge für Finanzierung

Nachrichten im Internet: Wer soll das bezahlen?

Paid Content beim Hamburger Abendblatt [M]

Dröge Agenturtexte, uninspirierte Aufmachungen, langweilige Bilderstrecken: Wer bitte soll für Online-Nachrichten in Deutschland jemals Geld bezahlen? So wird Paid-Content jedenfalls nicht funktionieren …

Weiterlesen…

New York Times setzt (erneut) auf Bezahlschranke

Arthur Ochs Sulzberger Jr., Herausgeber der The New York Times, kündigt in einem “Brief an unsere Leser” an, dass die Times von heute an wieder hinter einer Bezahlschranke verschwinden wird. Zuerst in Kanada, damit die Times “das Kundenerlebnis feiner abstimmen kann” (“will enable us to fine-tune the customer experience” – auch die NYT ist sich leider längst nicht mehr für dieses Brechreiz hervorrufende PR-Gefasel zu schade), bevor dann am 28. März alle Leser weltweit zur Kasse gebeten bzw. ausgesperrt werden, sobald sie mehr als eine bestimmte Anzahl Artikel gelesen haben. Weiterlesen…

Fußball-WM: Zwei junge deutsche Multimedia-Projekte

Die WM scheint traditionell ein Innovationsmotor für den deutschen Multimediajournalismus zu sein: Ich erinnere mich noch, wie ich vor vier Jahren zur Fußball-WM für jetzt.de ein selbstentwickeltes Multimedia-Format ausprobiert habe (Hat leider nie so richtig funktioniert, für die meisten Leser war es zu ungewohnt). Jetzt haben wieder zwei Gruppen von Journalisten zur WM multimediale Experiment gewagt – nicht nur erzählerisch, sondern auch wirtschaftlich.

2470media

2470_gruender.jpg

2470media.com ist ein Zusammenschluss von einigen jungen Hannoveraner Foto-Journalisten. Anna Jockisch, Shooresh Fezoni, Michael Hauri und Daniel Nauck stammen alle aus der neuen Talentschmiede für Audio-Slideshows, der Fachhochschule Hannover mit ihrem speziellen Studiengang Fotojournalismus. Die vier haben sich gut vorbereitet, Experten befragt und sowohl Unterstützung durch den Gründercampus Niedersachsen als auch Kapital bei einer Bank beantragt.

Die GmbH erinnert sofort an die amerikanische Produktionsfirma Mediastorm und mein erster Gedanke, als die vier mich vor über einem Jahr in ihre Pläne einweihten war, wie bei Mediastorm: Und mit was wollen die Geld verdienen? Neben dem reglären Verkauf von ihren Produktionen an Verlage (mit vermutlich bescheidenen Honoraren, die ich ungern durch vier teilen wollen würde), sind Auftragsproduktionen etwa für Imagekampagnen von Konzernen sicher nicht unwahrscheinlich und sicher auch ganz lukrativ. Und dann fällt auf der Seite noch der kleine Kachingle-Button auf, ein Unternehmen und eine Idee, das durchaus die Vorstufe zu einem neuen Bezahlmodell für Journalismus sein könnte.

Bei ihrem WM-Projekt Soccer for Life steht dagegen der Charity-Gedanke im Vordergrund. Die hervorragenden Reportagen aus Afrika von Felix Seuffert (der mir bereits mit seiner Übungsreportage an der FH positiv aufgefallen war) werden mit Partnern wie “11 Freunde” und “taz” und einem Spendenaufruf präsentiert. Finanziert wird das Projekt vom Gründercampus und über Honorare von DFB-TV. Jedenfalls ist es eine Freude, diese mit Leidenschaft gemachten Reportagen aus Film und Fotos anzusehen, etwa über einen taxifahrenden Fußballtrainer, der alles macht, damit seine Kunden glücklich sind und seine Jungen Fußball spielen können.

Das Wintermärchen

wintermaerchen_frey_schaech.jpg

Begeisterung für Fußball und für Multimediajournalismus stand auch bei Christian Frey und Kai Schächtele im Vordergrund. Sie berichten in ihrem vor wenigen Tagen gestarteten Projekt wintermaerchen2010.com täglich aus Südafrika. Beide arbeiten als freie Journalisten und haben bereits einige Audio-Slideshows zusammen produziert. Und auch sie setzen auf freiwillige Unterstützung: Bereits 450 Euro kamen über einen einfachen Paypal-Link zusammen, das ist immerhin mehr, als die großen Verlage für einen Multimedia-Beitrag zahlen. Vielleicht ist es irgendwie ein schönes Gefühl für Rezipienten, einen Privat-Korrespondenten dort unten zu haben.

wintermaerchen_ticketwarten.jpg

Was mir auch hier gefällt: Das Geld interessiert die beiden gar nicht so sehr. Sie wollen in erster Linie dabei sein und schöne Geschichten erzählen. Aktuell zum Beispiel über den Ärger der Afrikaner, die in der Nacht auf Montag an den Ticketbuden umsonst gewartet haben.

Egal was aus den Projekten finanziell wird … journalistisch sind sie für mich jetzt schon eine Inspiration.

Hinter der Paid-Content-Strategie von abendblatt.de steckt System

So scheint es zumindest nach dem Aufmacher von heute Nachmittag bei abendblatt.de.

Screenshot abendblatt.de, 8. April 2010

Amüsanterweise ebenfalls kostenpflichtig: die Startseiten-Artikel “Hafen verzichtet auf Mieterhöhung”, “Quickborner gebeb ihrer Stadt Millionenkredit”, “Wacken-Open-Air vier Monate vor Beginn ausverkauft”, “Lidl wegen angeblich irreführender Werbung ausverkauft”, “Polizeitaucher findet Tresore im Abbenflether Hafen”, “Rocker der ‘Red Devils’ nach Bankraub verhaftet”, “Nach Urteil: Einzelhandel auf Kirchen sauer” …

Mehr zum Hamburger Abendblatt bei onlinejournalismus.de

Online-Videojournalismus – wohin?

DV-Kamera mit Laptop für den Videoschnitt
Online-Videos – eben noch große Hoffnung bei Zeitungen, jetzt schon in einem gefährlichen Abwärtstrend, weil sich Qualität nicht refinanzieren lässt? Videopunk Markus Hündgen fasst eine aktuelle Diskussion aus US-Blogs zusammen.

Dazu passt eine Umfrage von TNS Emnid, die unter anderem zu dem Ergebnis kommt:

40 Prozent der befragten Zeitungsleser ist Web-TV, also ein eigenes, breitbandig über das Internet übertragenes Fernsehprogramm, unbekannt. Ein Viertel der Befragten weiß nichts von der Möglichkeit, sich Videos zu den Nachrichten auf den Websites anschauen zu können. Entsprechend niedrig ist der Anteil der Nutzer: Lediglich vier Prozent haben diese Angebote auf den Websites der Tagszeitungen bereits genutzt – ähnlich gering ist der Anteil derjenigen, die sich diese Angebote dort überhaupt wünschen.

Befragt wurden Zeitungsleser, die auch Internetnutzer sind.

Update, 21.03.2010
Ein paar Details der Emnid-Studie zum Thema Web-TV:

  • “ist mir unbekannt”: 40%
  • “kenne ich zumindest dem Namen nach”: 41,7%
  • “Habe ich schon einmal genutzt”: 9,3%
  • “habe ich schon einmal auf der Website meiner Tageszeitung genutzt”: 3,9%
  • “wünsche ich mir auch auf der Website meiner Tageszeitung”: 3,4%

Eine andere Frage aus der Studie betraf “Videos zu den Nachrichten zum Herunterladen auf der Website”: 48% sagten “kenne ich – zumindest dem Namen nach”, 15,6% “habe ich schon einmal genutzt”.

Zahlen für nicht zeitungslesende Nutzer wurden laut Emnid nicht erhoben.

Weitere Links
… bei onlinejournalismus.de

Schnell und unkompliziert: Test.de-Artikel per Handy bezahlen

Wenn es um das Thema Paid Content geht, wird die Stiftung Warentest stets als einer der Pioniere auf diesem Gebiet genannt (siehe auch Onlinejournalismus.de vom 15.07.2002!). Und bei Test.de funktioniert das Ganze auch: „Im Jahr 2009 riefen Nutzer fast 800.000 kostenpflichtige Inhalte für insgesamt mehr als 1,5 Millionen Euro ab“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stiftung Warentest.

Seit heute bietet die Stiftung Warentest auf Test.de ein neues Bezahlverfahren per Handy an. Der Artikelkauf über das Handy funktioniert ohne Registrierung, lediglich die Handynummer muss bei der Bestellung auf Test.de eingegeben werden. Dann erhält der Nutzer eine SMS mit einer Transaktionsnummer (TAN) zugeschickt. „Diese gibt er im zweiten Schritt online ein. Unmittelbar nach der Bestätigung sind die kostenpflichtigen Inhalte freigeschaltet“, heißt es in der Beschreibung. In rund 30 Sekunden wird der gewünschte Artikel freigeschaltet. Abgerechnet wird über die Mobilfunkrechnung.

Ob andere Anbieter dieses unkomplizierte Verfahren demnächst auch anbieten werden?

Abendblatt.de verliert im Dezember überdurchschnittlich Visits

Das “Hamburger Abendblatt” hat im Dezember deutlich an Reichweite eingebüßt. Die Zahl der bei der IVW gemeldeten Visits sank von 6,4 Millionen im November auf 5,6 Millionen im Dezember. Das sind fast 14 Prozent weniger als im November. Blickt man allein auf die Angebotsteile, die gegenüber der IVW als redaktioneller Content definiert werden, ergibt sich ein ähnliches Bild (13,2 Prozent weniger Kategorien-Visits aus dem Inland).

Sind die Verluste darauf zurückzuführen, das Besucher von Abendblatt.de seit dem 15. Dezember regionale Beiträge nur gegen Bezahlung abrufen können (es sei denn, sie kommen über Suchmaschinen)? Das lässt sich aus den Zahlen (Excel-Datei) auf den ersten Blick nicht herauslesen. Zwar waren die Visit-Einbußen stärker als im Vergleich November/Oktober (minus 5,4 Prozent). Aber im Dezember ist auch die Gesamtzahl der Visits aller bei der IVW gemeldeten Angeboten zurückgegangen (minus 3 Prozent), sicherlich wegen der Feiertage. Auch Spiegel Online verbuchte beispielsweise rund 7,5 Prozent weniger Visits, tagesspiegel.de und taz.de ähnlich wie das Abendblatt jeweils rund 14 Prozent Verlust.

Wie sieht es bei der “Berliner Morgenpost” aus, die ebenfalls zum Springer-Verlag gehört und zeitgleich mit dem “Hamburger Abendblatt” ein entsprechendes Bezahlmodell eingeführt hat? Dort sind die Visits im Dezember noch drastischer gesunken – um mehr als 20 Prozent. Das könnte möglicherweise ein Indiz dafür sein, dass der Rückgang bei beiden Sites tatsächlich mit der Bezahlschranke für die lokalen Inhalte zu tun hat, da diese bei der “Berliner Morgenpost” mutmaßlich noch eine größere Rolle spielen als beim “Hamburger Abendblatt”, die gerne ihren überregionalen Anspruch herausstreicht.

(Hinweise und Meinungen zur Deutung der Zahlen gerne in den Kommentaren.)

Weitere Links
… im übrigen Internet:

  • Horizont.net Bild.de überholt Spiegel Online
  • Meedia – mit ähnlichem Tenor aber ausführlicheren Betrachtungen.

Gelungene Sueddeutsche.de-App und ein neues App-Blog

Werbung für die iPhone-App der SZ (Screenshot)

Ausgerechnet ein geschätzter Kollege den ich eher für einen Paid-Content-Skeptiker halte, machte mich eben in einem Twitter-Beitrag auf die App von Sueddeutsche.de aufmerksam: Giesbert Damaschke schrieb dort: “Ah, die SZ als iPhone App – für 1,59 im Monat könnte ich das glatt abonnieren.”

Dabei braucht man – zunächst – gar nicht die kostenpflichtige “Gold-Version”, denn die so genannte “Basic-Version” tut’s auch: Ohne Schnickschnack findet man dort übersichtlich angeordnet eine Auswahl von 15 Ressorts unter “News”; sehr gut angepriesen wird auch die Paradedisziplin der “Süddeutschen Zeitung”: aktuelle Meinungsbeiträge finden sich unter einem eigenen Menüpunkt (auf der Website geht diese Rubrik neben vielen anderen eher etwas unter).

In der Gold-Version auf deren Existenz man beim Aufruf der Kostenlos-Version in einem zehnsekündigen Vorspann zwangsweise hingewiesen wird, gibt es eine “Offline-Nutzung durch Download-Funktion”, einen News-Alert und keine Werbung – für 1,59 Euro/30 Tage. Mehr bei Sueddeutsche.de.

Sicher ist das Ganze nicht perfekt und bietet auch keine endgültige Lösung der Finanzierungsfrage, aber die Münchner Tageszeitung bietet damit einen weiteren, unprätentiösen Einstieg in den Mobil-Bereich.

Neues App-Blog
Zum Jahresanfang haben altbekannte Blogger und Journalisten, nämlich Franziska Bluhm, Daniel Fiene, Thomas Knüwer und Jens Schröder ein Blog “über Smartphone-Apps für iPhones & Co.” gestartet: Mind the App.

Nachtrag 06.01.2010
Was natürlich bei den Sueddeutsche.de-Artikeln, die alle aus der aktuellen Online-Ausgabe kommen, fehlt, ist der Datumsstempel, den es auch in der in der Bezahlversion nicht gibt. Iphone-Nutzer haben offenbar schon länger auf dieses Angebot des Süddeutschen Verlags gewartet – bei Itunes liegen sowohl die kostenlose als auch die kostenpflichtige Version in der Kategorie Nachrichten bei den Downloads derzeit an zweiter Stelle. Bei den meistgekauften Apps steht “Bild” (0,79 Euro) an erster Stelle, Dritter ist Welt Mobil (1,59 Euro).

Nachtrag 11.01.2010

Spreeblick bemängelt via Twitter: Habe die Push-Benachrichtigungen über “Eilmeldungen”, die ich schon vor zwei Tagen gelesen habe, abgestellt.

Sueddeutsche.de berichtet heute in einem Artikel: “App in die Zukunft! iPhone: Verleger hoffen”; im Vorspann heißt es: “Goldgräberstimmung im Online-Journalismus: Bezahl-Apps für das iPhone sind ein Verkaufsschlager. Damit könnten Nachrichten im Netz endlich profitabel werden.” Zahlen, die diese Aussagen belegen, werden allerdings nicht genannt.

Nachtrag, 18.01.2010
Das Upload Magazin meint “Peinlich, peinlich: “Süddeutsche Zeitung” kauft sich lobende Blogposts” für die iPhone-App. Die zuständige Marketing-Agentur Trigami reagiert mit einer Stellungnahme.

Kleiner Relaunch bei taz.de

Zum 3. Januar kündigt im taz-Hausblog der Leiter von taz.de, Matthias Urbach, “ein neues und großzügigeres Layout” seiner Seite an. Die umfangreiche Internet-Berichterstattung soll in einem neuen Ressort “Netz” ausgebaut werden. Urbach resümiert, dass 2009 ein gutes Jahr für taz.de gewesen sei, zugleich räumt er aber auch ein, dass das Angebot trotz gestiegener Anzeigenerlöse “die vollen Kosten der Onlineausgabe noch nicht erwirtschaften” könne.

Weitere Artikel über taz.de bei onlinejournalismus.de

Nachtrag 03.01.2010
“Der Relaunch wird sich ein paar Tage verzögern”, schreibt Matthias Urbach im taz-Hausblog, es gibt technische Probleme, zutreffend ist der Beitrag “Eichhörnchen beim Relaunch” betitelt.

Nachtrag 07.01.2010
Während der Relaunch noch auf sich warten lässt, berichtet einer der beiden “taz”-Geschäftsführer, Andreas Bull, heute im taz-Hausblog über “Spektakuläre Zuwächse bei der Nutzung von taz.de”.

Bull nennt einige Zahlen, die dieses Wachstum belegen, unter anderem diese: Im 4. Quartal 2009 hatte taz.de 9.849.589 Visits während es 2008 im gleichen Zeitraum noch 5.731.321 Visits waren – ein Zuwachs von 4.118.268 Visits (72 Prozent).

“Die wahrscheinlich eigentlich wichtige Nachricht daran ist, dass diese Zuwächse nicht durch oberflächlich pfiffige Suchmaschinenoptimierung oder hinterhältige „clickmonster“, die unbefangene Besucher zu immer neuen Seitenaufrufen verführen, oder durch publizistisch abwegige Spieleangebote „generiert“ sind. Sie sind vielmehr Ergebnis von sorgfältiger Präsentation originärer Texte der taz-Redaktion und Beteiligung der Lesenden an den Debatten, die dadurch angestoßen werden.”


Nachtrag 15.01.2010

Es ist vollbracht! “Die Web-Revolution fällt aus”, stichelt Meedia. Es ist tatsächlich nix Sensationelles nicht, solide Arbeit und eben richtig bemerkt Stefan Winterbauer bei Meedia, dass es bei der “taz” eh mehr auf die Inhalte als auf die Verpackung ankomme. Allerdings sollten die taz.de-Verantwortlichen auch einige der im taz-Hausblog geäußerten Kritiken an Technik und Barrierefreiheit der neuen Seite berücksichtigen.

Selbstmörderisch? Hamburger “Abendblatt” startet mit Paid Content

abendblatt.de (Screenshot)

“Vielleicht ist es aussichtslos. Vielleicht ist es selbstmörderisch. Vielleicht ist es auch unverschämt. Doch vor allem ist es eins: Es ist alternativlos”, orakelt Matthias Iken auf Abendblatt.de, weiter heißt es: “Der Zugriff auf Lokal- und Regionalberichte sowie das Archiv ist nun für 7,95 Euro pro Monat im Abo zu haben. Für Zeitungs-Abonnenten bleibt das komplette Angebot von abendblatt.de kostenfrei.”

Nachtrag, 15.12.09, 18.50 Uhr
Herrje, ich habe nur wenig Zeit, hier etwas zum Thema zu schreiben, wer eine fundierte Analyse sucht, findet sie bei Stefan Niggemeier. Nur ein paar Notizen: “Eine neue Phase des Journalismus im Internet beginnt”, heißt es bei Abendblatt.de verheißungsvoll, das ist nicht ganz richtig.

Der Axel Springer Verlag startete unter dem Markennamen “Go On” schon im September 1996 (!) in Hamburg und Berlin lokale Angebote, die nur über T-Online erreichbar waren. “Bis Ende 1997 sollen 10.000 zahlende Mitglieder pro Stadt gewonnen werden”, schreibt Klemens Polatschek in einem Papier mit dem Titel “When Newspapers Go Electric – Bausteine zu einer Chronologie des Hypes” (PDF-Dokument). Springer soll in diese Projekte 30 Millionen Mark investiert haben. Das Projekt scheiterte. Lesenswert hierzu auch ein DPA-Artikel von Christoph Dernbach bei Heise Online aus dem Jahr 2001 mit dem bezeichnenden Titel “Bezahl-Web – Springer, geh du voran …”.

Übrigens gibt es solche Formen des Bezahljournalismus längst bei anderen Angeboten, wie etwa bei der Sächsischen Zeitung Online. Dort wurden die Bezahlschranke wohl auch nicht über Nacht eingeführt. Unter anderem an dieser meines Erachtens kundenunfreundichen Vorgehensweise wird das Experiment beim Hamburger “Abendblatt” und bei der Berliner “Morgenpost” wohl scheitern (apropos über Nacht, Chip Online weist schon auf eine “löchrige Content-Sperre” hin …, aber das wird sich ja wohl beheben lassen, ebenso wie die undeutsche Datumsanzeige “December”).
Obendrein gibt es noch eine “Hintertür” für die Leser, die via Suchmaschinen auf die kostenpflichtigen Artikel zugreifen können, wie unter anderem DWDL berichtet.

Wie könnte es weitergehen? Klar wird es signifikante Einbrüche bei der Reichweite geben, das ist freilich einkalkuliert, andererseits wird das starre Abo-Modell wie beim “Abendblatt” wohl nicht lange Bestand haben. Spätestens im Januar, Februar könnte ich mir vorstellen, dass lokale und regionale Inhalte zu einem geringen Teil wieder frei erhältlich sein werden und das es vielleicht flexiblere Preismodelle geben wird.

Dass die Kassenhäuschen wieder verschwinden, könnte ich mir hingegen frühestens im Sommer vorstellen, aber das ist eher unwahrscheinlich, weil es auch mit einem Gesichtsverlust verbunden wäre. Von Seiten des Axel Springer Verlags wird in den nächsten Wochen wohl eher gut kontrollierter PR-Sprech in dieser Sache zu hören sein: “Unser Paid Content-Angebot wird für uns selbst überraschend gut angenommen, kaum Reichweitenverluste”; Leserstimmen, Testimonials: “Das ist es mir wert!”.

Nachtrag, 16.12.09, 9.30 Uhr
Auf Abendblatt.de äußern sich prominente Befürworter des Paid Content-Angebots “Guter Online-Journalismus ist umsonst nicht zu haben” und weniger Prominente, die das Bezahlangebot eher ablehnen: “Das denken Leser und Internet-Community – “Das wird sich nicht durchsetzen”.

Weitere Links
… bei onlinejournalismus.de

 1 2 3 4 5 6 7 8 »


onlinejournalismus.de beobachtet die Entwicklung des Journalismus im Internet.

onlinejournalismus.de wird mit WordPress betrieben (Theme: Modern Clix von Rodrigo Galindez).