Archivierte Einträge für Finanzierung

Ende der Ära Blumencron für Spiegel und SpOn

Vom 1. Dezember 2000 bis Anfang 2008 war der nun abberufene Mathias Müller von Blumencron Chefredakteur von Spiegel Online, bis er zusammen mit Georg Mascolo an die Spitze des Print-Spiegels rückte. Ab Februar 2011 war Blumencron offiziell der Digital-Beauftragte des Doppelspitze, trotz oder wegen der kolportierten Auseinandersetzungen um die Digitalstrategie des Spiegels und das Reizwort Paid Content (Die Devise: “Gemeinsam Marschieren, getrennt schlagen” ging freilich nicht ganz auf.).

Ingesamt war Blumencron also mehr als 12 Jahre für die Ausrichtung von Spiegel Online verantwortlich, seit der ehemalige US-Korrespondent des gedruckten Spiegel die SpOn-Chefredaktion nach einer hektischen Boomphase unter seinem Vorgänger Hans-Dieter Degler übernahm.

Blumencron machte SpOn endgültig zum Nachrichten-Marktführer des deutschen Online-Journalismus und zum Leitmedium für die Berliner Republik (auch wenn das Kollegen anderer Medien lange nicht zugeben wollten). Immer wieder kritisiert wurde – auch von onlinejournalismus.de – hingegen der gefühlt wachsende Anteil von Boulevardthemen, die teilweise hektische Überdrehtheit von Teasern und Schlagzeilen auch bei harten Themen.

Was die Weiterentwicklung von interaktiven und multimedialen Formaten angeht, verfolgte SpOn unter Blumencron wie beim Design angekommen den Kurs behutsamer Neuerungen, setzte immer wieder Zeichen, ohne wirklich zum Avantgardisten zu werden. Ähnlich die abwartende Haltung in Sachen Bezahlinhalte: “Warum sollte ausgerechnet Spiegel Online Vorreiter sein?“ fragte Rüdiger Ditz 2009, der Blumencron als direkter Spiegel-Online-Chef nachfolgte.

Der Erfolg dieser Linie Recht – vor allem in Vergleich mit den Schlingerkurs anderer Printhäuser. Man darf gespannt sein, was jetzt kommt. Vielleicht kehrt ja mit Wolfgang Büchner von der dpa jemand zurück, der schon mal im Team mit Ditz für die operative Umsetzung der Blumencron-Linie verantwortlich war.

Dazu drei aktuelle Stimmen – und rückblickend auf die Ära Blumencron ein paar Links auf ältere Beiträge von uns.

Wolfgang Blau, bis vor kurzem Chef von Zeit Online und nun beim Guardian:

Die Geschäftsführerin von Standard.at meint:

Und Thierry Chervel vom Perlentaucher analysiert:

Mehr über Mathias Müller von Blumencron bei onlinejournalismus.de:

Presserat äußert sich zu “problematischen Kombinationen von Foto und Werbung”

Bei den einschlägigen Fällen gruselt es einen immer wieder: Ein Unfall, eine Katastrophe ist passiert. Es wird auf Websites darüber berichtet, es wird auch weiterhin Werbung auf den Seiten ausgespielt. Business as usual. Freilich geht das – fast absehbar – manchmal gehörig schief: Die automatisch eingespielte Werbung erzeugt eine unwillkommene Situationskomik. Der achso gesunde Menschenverstand bleibt erst mal ausgeschaltet. Hier ein von Flurfunk Dresden dokumentiertes Beispiel. Weiterlesen…

Weckruf durchs Leistungsschutzrecht

Das Leistungsschutzrecht (LSR) ist da, doch die Verlage wissen offenbar noch nicht so recht, was sie genau damit anfangen sollen. Die emotionale Debatte um das Gesetz hat aber viele Verlage aus dem digitalen Dornröschenschlaf aufgeweckt und sie motiviert, sich Gedanken um eigene digitale Geschäftsmodelle zu machen.

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Wie spendabel sind Zeitungsleser im Lokalen?

Zum Stichwort Crowdfunding im Journalismus ist auch in Deutschland seit dem Start von Krautreporter vor wenigen Wochen einiges geschrieben worden, das erste Projekt ist finanziert. Die journalistischen Pläne, für die dort oder auf anderen Crowdsourcing-Plattformen Unterstützer gesucht werden, kommen von freien Journalisten oder Teams.

Wenn sich ein mutmaßlich nicht völlig notleidender Zeitungsverlag auf Unterstützersuche begibt, kommt das erst mal unerwartet – aber andererseits ist das ja genau das, was wir immer einfordern: Nach neuen Geschäftsmodellen suchen und einfach mal ausprobieren. Das tut jetzt der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag: Unter dem Titel “Wie glaubt der Norden?” würde er gerne zwei Volontäre auf eine Reportagereise durch Norddeutschland schicken und das Ergebnis als einer Zeitungsbeilage drucken.

Angestrebt werden mindestens 2500 Euro. Für die Mindestspende von 5 € gibt’s das Magazin per Post. Wer 500 Euro spendet, bekommt neben einer persönlichen Widmung plus Namensnennung im Heft, ein Magazin-Abo, eine Einladung in die SHZ-Druckerei und die persönliche Überreichung von 50 Exemplaren an einem Ort nach Wahl.

Weitere Links
… bei onlinejournalismus.de:

… im sonstigen Internet

Optimismus im Zeitalter des Zeitungssterbens

Die FR ist pleite, um die FTD ranken sich hartnäckige Einstellungsgerüchte. Eine Reihe bekannter Medienschaffender sieht trotz “Zeitungssterbens” gute Chancen für die Zukunft des Journalismus – wenn er bei Inhalten und Finanzierungsmöglichkeiten orignell ist. Eine Webschau.

Feodo: Neuer Crowdfunding-Versuch im Journalismus

Feodo – Crowdfunded Magazine wirbt gerade bei Indiegogo für 10.000 Euro Startkapital – ein weiterer Versuch, um Journalismus über die Crowd zu finanzieren. Medienberater Peter Schink ist skeptisch, ihm fehlt die Reichweite. Stephan Dörner stellt auf Carta weitere journalistische Crowdfunding-Projekte auf und legt den Finger in die Wunde: “Guter, funktionierender Journalismus ist [...] ein Allgemeingut, von dessen Nutzen niemand ausgeschlossen werden kann. Wer nicht bezahlt, ist Trittbrettfahrer: Er profitiert, ohne beizutragen.” Hier die Links:

Posted from Diigo. The rest of my favorite links are here.

Schnell, exklusiv und transparent

Hannoversche Allgemeine Zeitung - Stuttgarter Zeitung - Augsburger Allgemeine

Was zeichnet journalistische Web-Angebote aus Sicht der Nutzer aus? Eine Studie befragte das User-Publikum und überprüfte daraufhin das Onlineangebot dreier großer Regionalzeitungen. Das Ergebnis lässt zu wünschen übrig. Von Pierre Gehmlich

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Nachrichten im Internet: Wer soll das bezahlen?

Paid Content beim Hamburger Abendblatt [M]

Dröge Agenturtexte, uninspirierte Aufmachungen, langweilige Bilderstrecken: Wer bitte soll für Online-Nachrichten in Deutschland jemals Geld bezahlen? So wird Paid-Content jedenfalls nicht funktionieren …

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New York Times setzt (erneut) auf Bezahlschranke

Arthur Ochs Sulzberger Jr., Herausgeber der The New York Times, kündigt in einem “Brief an unsere Leser” an, dass die Times von heute an wieder hinter einer Bezahlschranke verschwinden wird. Zuerst in Kanada, damit die Times “das Kundenerlebnis feiner abstimmen kann” (“will enable us to fine-tune the customer experience” – auch die NYT ist sich leider längst nicht mehr für dieses Brechreiz hervorrufende PR-Gefasel zu schade), bevor dann am 28. März alle Leser weltweit zur Kasse gebeten bzw. ausgesperrt werden, sobald sie mehr als eine bestimmte Anzahl Artikel gelesen haben. Weiterlesen…

Fußball-WM: Zwei junge deutsche Multimedia-Projekte

Die WM scheint traditionell ein Innovationsmotor für den deutschen Multimediajournalismus zu sein: Ich erinnere mich noch, wie ich vor vier Jahren zur Fußball-WM für jetzt.de ein selbstentwickeltes Multimedia-Format ausprobiert habe (Hat leider nie so richtig funktioniert, für die meisten Leser war es zu ungewohnt). Jetzt haben wieder zwei Gruppen von Journalisten zur WM multimediale Experiment gewagt – nicht nur erzählerisch, sondern auch wirtschaftlich.

2470media

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2470media.com ist ein Zusammenschluss von einigen jungen Hannoveraner Foto-Journalisten. Anna Jockisch, Shooresh Fezoni, Michael Hauri und Daniel Nauck stammen alle aus der neuen Talentschmiede für Audio-Slideshows, der Fachhochschule Hannover mit ihrem speziellen Studiengang Fotojournalismus. Die vier haben sich gut vorbereitet, Experten befragt und sowohl Unterstützung durch den Gründercampus Niedersachsen als auch Kapital bei einer Bank beantragt.

Die GmbH erinnert sofort an die amerikanische Produktionsfirma Mediastorm und mein erster Gedanke, als die vier mich vor über einem Jahr in ihre Pläne einweihten war, wie bei Mediastorm: Und mit was wollen die Geld verdienen? Neben dem reglären Verkauf von ihren Produktionen an Verlage (mit vermutlich bescheidenen Honoraren, die ich ungern durch vier teilen wollen würde), sind Auftragsproduktionen etwa für Imagekampagnen von Konzernen sicher nicht unwahrscheinlich und sicher auch ganz lukrativ. Und dann fällt auf der Seite noch der kleine Kachingle-Button auf, ein Unternehmen und eine Idee, das durchaus die Vorstufe zu einem neuen Bezahlmodell für Journalismus sein könnte.

Bei ihrem WM-Projekt Soccer for Life steht dagegen der Charity-Gedanke im Vordergrund. Die hervorragenden Reportagen aus Afrika von Felix Seuffert (der mir bereits mit seiner Übungsreportage an der FH positiv aufgefallen war) werden mit Partnern wie “11 Freunde” und “taz” und einem Spendenaufruf präsentiert. Finanziert wird das Projekt vom Gründercampus und über Honorare von DFB-TV. Jedenfalls ist es eine Freude, diese mit Leidenschaft gemachten Reportagen aus Film und Fotos anzusehen, etwa über einen taxifahrenden Fußballtrainer, der alles macht, damit seine Kunden glücklich sind und seine Jungen Fußball spielen können.

Das Wintermärchen

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Begeisterung für Fußball und für Multimediajournalismus stand auch bei Christian Frey und Kai Schächtele im Vordergrund. Sie berichten in ihrem vor wenigen Tagen gestarteten Projekt wintermaerchen2010.com täglich aus Südafrika. Beide arbeiten als freie Journalisten und haben bereits einige Audio-Slideshows zusammen produziert. Und auch sie setzen auf freiwillige Unterstützung: Bereits 450 Euro kamen über einen einfachen Paypal-Link zusammen, das ist immerhin mehr, als die großen Verlage für einen Multimedia-Beitrag zahlen. Vielleicht ist es irgendwie ein schönes Gefühl für Rezipienten, einen Privat-Korrespondenten dort unten zu haben.

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Was mir auch hier gefällt: Das Geld interessiert die beiden gar nicht so sehr. Sie wollen in erster Linie dabei sein und schöne Geschichten erzählen. Aktuell zum Beispiel über den Ärger der Afrikaner, die in der Nacht auf Montag an den Ticketbuden umsonst gewartet haben.

Egal was aus den Projekten finanziell wird … journalistisch sind sie für mich jetzt schon eine Inspiration.

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