Archivierte Einträge für Langtext

Online vs. Print reloaded

Dass der Kampf zwischen Online und Print anscheinend immer noch nicht beigelegt ist, zeigen verschiedene Veröffentlichungen aus den vergangenen Tagen: Stefan Niggemeier  und netzpolitik.org haben innerhalb von zwei Tagen mehrere Anzeichen dafür gesammelt.

Kern aller Aussagen ist dabei: Print wirkt, online ist immer noch nicht als eigenes Medium oder gar journalistisches Umfeld anerkannt. Markus Beckedahl berichtet über die zweite Jahrestagung der “Nationalen Initiative Printmedien” und zitiert aus deren Thesenpapier. Interessant ist am Rande, dass die Tagung im Kanzleramt stattfand und sowohl Gewerkschaften als auch Verlegerverbände sowie der Kulturstaatsminister Mitglied sind.

Das Thesenpapier fasst die Kernaussagen zusammen, die alle natürlich sagen: Nur Print bietet hochwertigen Journalismus, und den bieten nur die Verlage (die, nebenbei ein wenig polemisch gesagt, Online zum Großteil noch heute verschlafen haben).

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Best Practice bei Zeit Online: Recherchefleiß meets Datenvisualisierung

Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland, Zeit OnlineEs ist noch keine zwei Monate her, dass die Veröffentlichung der Afghan War Diaries durch Wikileaks für großes Aufsehen sorgte. Dabei wurde auch die Frage aufgeworfen, wie gut die drei beteiligten Medien diese Datenflut aufbereitet hatten, wobei Spiegel Online nicht besonders gut abschnitt. Zeit Online hat nun mit der Veröffentlichung einer interaktiven Karte zu Todesopfern rechter Gewalt selbst Datenjournalismus betrieben und dabei Maßstäbe gesetzt. Weiterlesen…

Fußball-WM: Zwei junge deutsche Multimedia-Projekte

Die WM scheint traditionell ein Innovationsmotor für den deutschen Multimediajournalismus zu sein: Ich erinnere mich noch, wie ich vor vier Jahren zur Fußball-WM für jetzt.de ein selbstentwickeltes Multimedia-Format ausprobiert habe (Hat leider nie so richtig funktioniert, für die meisten Leser war es zu ungewohnt). Jetzt haben wieder zwei Gruppen von Journalisten zur WM multimediale Experiment gewagt – nicht nur erzählerisch, sondern auch wirtschaftlich.

2470media

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2470media.com ist ein Zusammenschluss von einigen jungen Hannoveraner Foto-Journalisten. Anna Jockisch, Shooresh Fezoni, Michael Hauri und Daniel Nauck stammen alle aus der neuen Talentschmiede für Audio-Slideshows, der Fachhochschule Hannover mit ihrem speziellen Studiengang Fotojournalismus. Die vier haben sich gut vorbereitet, Experten befragt und sowohl Unterstützung durch den Gründercampus Niedersachsen als auch Kapital bei einer Bank beantragt.

Die GmbH erinnert sofort an die amerikanische Produktionsfirma Mediastorm und mein erster Gedanke, als die vier mich vor über einem Jahr in ihre Pläne einweihten war, wie bei Mediastorm: Und mit was wollen die Geld verdienen? Neben dem reglären Verkauf von ihren Produktionen an Verlage (mit vermutlich bescheidenen Honoraren, die ich ungern durch vier teilen wollen würde), sind Auftragsproduktionen etwa für Imagekampagnen von Konzernen sicher nicht unwahrscheinlich und sicher auch ganz lukrativ. Und dann fällt auf der Seite noch der kleine Kachingle-Button auf, ein Unternehmen und eine Idee, das durchaus die Vorstufe zu einem neuen Bezahlmodell für Journalismus sein könnte.

Bei ihrem WM-Projekt Soccer for Life steht dagegen der Charity-Gedanke im Vordergrund. Die hervorragenden Reportagen aus Afrika von Felix Seuffert (der mir bereits mit seiner Übungsreportage an der FH positiv aufgefallen war) werden mit Partnern wie “11 Freunde” und “taz” und einem Spendenaufruf präsentiert. Finanziert wird das Projekt vom Gründercampus und über Honorare von DFB-TV. Jedenfalls ist es eine Freude, diese mit Leidenschaft gemachten Reportagen aus Film und Fotos anzusehen, etwa über einen taxifahrenden Fußballtrainer, der alles macht, damit seine Kunden glücklich sind und seine Jungen Fußball spielen können.

Das Wintermärchen

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Begeisterung für Fußball und für Multimediajournalismus stand auch bei Christian Frey und Kai Schächtele im Vordergrund. Sie berichten in ihrem vor wenigen Tagen gestarteten Projekt wintermaerchen2010.com täglich aus Südafrika. Beide arbeiten als freie Journalisten und haben bereits einige Audio-Slideshows zusammen produziert. Und auch sie setzen auf freiwillige Unterstützung: Bereits 450 Euro kamen über einen einfachen Paypal-Link zusammen, das ist immerhin mehr, als die großen Verlage für einen Multimedia-Beitrag zahlen. Vielleicht ist es irgendwie ein schönes Gefühl für Rezipienten, einen Privat-Korrespondenten dort unten zu haben.

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Was mir auch hier gefällt: Das Geld interessiert die beiden gar nicht so sehr. Sie wollen in erster Linie dabei sein und schöne Geschichten erzählen. Aktuell zum Beispiel über den Ärger der Afrikaner, die in der Nacht auf Montag an den Ticketbuden umsonst gewartet haben.

Egal was aus den Projekten finanziell wird … journalistisch sind sie für mich jetzt schon eine Inspiration.

Heikle Twitter-Debatte um die “Rhein-Zeitung”

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Bei der Koblenzer “Rhein-Zeitung” scheint der Haussegen schief zu hängen. Scheint, denn die Quelle, die einige Ungereimheiten bei der Regionalzeitung anprangert, bedient sich eines anonymen Twitteraccounts. Weiterlesen…

Nachrichten.de: Rätselhafter Bildbeschnitt und anderer Nachholbedarf

Screenshot nachrichten.de
Kollege Thomas Mrazek sah nachrichten.de in der Beta-Phase „auf gutem Wege“. Die Macher freuen sich im Begleitblog nun über „Überwältigende Trafficzahlen, erfreuliches Feedback“.

Mir fallen mir nach ein paar Tage sporadischer Beobachtung des neuen Nachrichtenaggregators aus dem Haus Burda eher die Stellen auf, wo es noch Nachholbedarf ist. Seltsamkeiten des Automatismus gibt und gab es bei bei Google News natürlich auch – aber dort hatte vorher auch nicht ein Verleger kräftig gepoltert … Ein paar Notizen zu Nachrichten.de Weiterlesen…

“Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen.”


Internet | Foto: Fiete Stegers
Auch ohne oder trotz Sachkenntnis kannt man ja heutzutage Erklärungen in die Welt posaunen oder fromme Wünsche formulieren oder forsche Forderungen aufstellen. Wir haben versucht, Sachkenntnis einfließen zu lassen. Auch wenn wir uns an manchen Stellen nicht einigen konnten und andererorts auf abwägendes Einerseits-Andererseits zugunsten der Thesenhaftigkeit der große Linie mit dem griffigen Kürzel Internet-Manifest verzichtet wurde.

1. Das Internet ist anders.
Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln – das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.

Formuliert und unterzeichnet haben diese und 16 weitere Behauptungen zum Journalismus im Internet-Zeitalter Johnny Haeusler, Thomas Knüwer, Stefan Niggemeier, Mario Sixtus u. a.

Update:
Da der Internet-Manifest-Server auch ohne Link von Heise oder SpOn schon ächzt, gibt es gesamte Manifest jetzt auch hier.


Update, 08.09.2009:
Internet-Manifest, ein Beitrag zur Diskussion

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Eine neue Zeit Online

Zeit Online Relaunch - Banner [M]

Anderthalb Jahre nach dem letzten Relaunch und kein halbes Jahr nach zarten Veränderungen im April 2009 legt das Team von Chefredakteur Wolfgang Blau bei Zeit Online am Samstag einen größeren Hebel um. Der zusammen mit der Agentur Information Architects (Schweiz/Japan) entwickelte Relaunch verschafft Zeit Online ein rundum moderneres Aussehen und erlaubt den Redakteuren hinter den Kulissen mehr Flexiblität beim Bauen der Seite. onlinejournalismus.de durfte zusammen mit anderen Medien schon mal einen Blick auf das neue Design werfen. Weiterlesen…

Problemverbindung: News-Sites und externe Links

Screenshot: Verlinkung bei Heise.de

Jeff Jarvis mag es noch so predigen: Externe Links auf deutschen Nachrichtensites sind eine Seltenheit. Strukturen und Skepsis verhindern, was selbstverständlich sein sollte. Weiterlesen…

Massenbeschäftigung für moderne Mediennutzer

Screenshots [M]: NPR, Guardian, ORF

Journalisten setzen zu selten auf ihren Publikumsjoker: Ein Plädoyer für mehr Crowdsourcing und gegen Sockelgehabe. Weiterlesen…

Making of einer Multimedia-Reportage

Das Geo-Multimediafeature über die Region Raja Ampat war 2008 für den Grimme Online Award nominiert. Redakteur Lars Abromeit erzählt im Video über die crossmediale Arbeit für Magazin und Netz.


Und, ja, es gehört eigentlich zum Basiswissen: Man sollte O-Töne aus lichttechnischen Gründen möglichst nicht mit einem Fenster im Hintergrund drehen.

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