Archivierte Einträge für Mapping

Zensus: Daten und Visualisierungen

Heute hat das Statistische Bundesamt eine riesige Datensammlung veröffentlicht: die Ergebnisse des Zensus 2011. Neben – für eine Statistik-Behörde – erfreulich frisch aufgemachten Pressemitteilungen (Thema Bevölkerungsentwicklung insgesamt, Ausländer und Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland*, Wohnungen) gibt es auch ein eigenes Daten-Unterportal zum Thema. Dort lassen sich Daten in relativ verständlicher Form anzeigen und auch downloaden. Und was fangen Journalisten dann damit an?

  • Open Data City hat für die Bundeszentrale erste Visualisierungen auf einer Karte online gestellt (unter CC-BY-Lizenz, also auch zum Einbinden für andere Medien wie hier. So zeigt der visualisierte Ausländeranteil neben dem bekannten höheren Anteil in Großstädten sehr schön, wie in den Grenzgebieten in Niedersachsen im Westen und Brandenburg im Osten Niederländer und Polen sich ein Haus auf der günstigeren, deutschen Seite der Grenze gesichert haben.
  • süddeutsche.de hat einen “Deutschland-Atlas” im Angebot. Ähnlich, aber nicht baugleich mit dem umfangreichen Europa-Atlas, den die SZ vor einigen Wochen veröffentlicht hat. So basiert der Deutschland beispielsweise auf Google Maps, nicht auf Bing und bietet keine keine Diagramm-Darstellung alternativ zur Karte an.
  • Spiegel Online hat das Thema nicht groß gefahren und beschränkt sich auf einen durch Bullet-Points gegliederten Überblicksartikel und in Kästen portionierten Zusatzinformationen. In Bilderstrecken werden einige simple Tortendiagramme gezeigt. Visuell ähnlich mager sieht es auch bei Zeit Online und Heute aus.

Weitere Hinweise auf journalistische Daten-Aufbereitungen zum Zensus 2011 gerne in den Kommentaren.

* Definition hier

Weitere Links
… im sonstigen Internet

  • Open Data City erläutert in Blogeintrag die Karte
  • Netzpolitik hat Open Data City zur Zensuskarte interviewt.

Blick auf die Schäl Sick

Schönes Onlinejournalismus-Projekt der Konrad-Adenauer-Stiftung: Die Site “Schäl Klick” entstand im Rahmen eines Seminars und widmet sich der weniger populären “Schäl Sick” Kölns. Unter anderem mit Audio-Slideshows und einer visualisierten Aufbereitung des Kölner Stadthaushalts, aus dem ein großer Teil auf die rechte Rheinseite fließt. Trainer der Nachwuchsjournalisten war Marco Maas von Open Data City.

Schnell mal was eingebaut …

Heddesheimblog / Google-Verkehrsinfos [M]

So geht’s Business: Heute morgen meldete Meedia: “Google startet kostenlose Stauschau”. Heute Nachmittag schrieb Hardy Prothmann via Twitter (@heddesheimblog):

“Experiment: Haben gerade die Verkehrsinfo von Google in die Website eingebaut http://bit.ly/o4o9j

Nix Spektakuläres, aber doch ein schönes Beispiel, wie flexibel und schnell kleine Lokalblogs auf neue, nutzwertige Angebote von Google & Co. reagieren können. Ich bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis Lokalzeitungen ihre Leser vermehrt auf solche praktische Angebote verweisen und sie in ihre Seiten einbauen. Da gibt es bei den einen technische Hürden (CMS & Co., das Layout), bei den anderen vielleicht verlagspolitische Gründe (unsere Leser freiwillig zum Dämon Google schicken – geht gar nicht) und bei manchen ist die Mär, dass man die Leser um Gotteswillen nur in Ausnahmefällen ins Netz schicken soll – und schon gar nicht von der Startseite aus –, weiterhin eine onlinejournalistische Kardinaltugend.

Häufig scheitert die Installation aber auch schlichtweg an langwierigen internen Entscheidungsprozessen. Positive Ausnahmen, etwa beim Einsatz von Google Maps, bestätigen die Regel. Die Leser des Heddesheim-Teils auf der Website des “Mannheimer Morgens” werden wohl in naher Zukunft kaum mit solchen praktischen Zugaben – sofern es sich nicht etwa mit Werbekooperationen verknüpfen lässt – rechnen können.

Kleine Anbieter können mit solcher Netzkompetenz bei den Lesern punkten und sie vielleicht zum Stammkunden machen. Und viele treue Besucher haben sie auch dringend nötig: “Im Schnitt verdiene er um die 1.500 Euro pro Monat”, heißt es etwa in im “taz”-Bericht “Ein Mann, ein Blog” vom Wochenende über Prothmanns mittlerweile auf fünf Lokalblogs angewachsenes Netzwerk. So flexibel in vielfacher Hinsicht und so unabhängig diese Angebote auch agieren können und damit letztlich auch einen positiven Beitrag für die Weiterentwicklung des Journalismus leisten, so fragil ist leider bis dato deren wirtschaftliche Basis.

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… bei onlinejournalismus.de:

Online-Medien zur Katastrophe in Japan – Update

Screenshot: Vorher-Nachher-Vergleich im Slider bei ABC
Erst ein Erdbeben, dann ein Tsunami und nun ein drohendes, möglicherweise schon eingetretenes Atom-Desaster: Hinter den Online-Nachrichtenreaktionen liegen ereignisreiche Tage. Seit Freitag laufen die Liveticker quasi durchgehend. Nun ein paar weitere, willkürliche Schlaglichter zur Japan-Berichterstattung


(Dank für Tipps an C.R. und T. K.)

Mapping a Revolution

Screenshot New York Times

Die New York Times hatte bereits in den ersten Tagen des Protests gegen Ägyptens Präsident Mubaraks Visualisierungen dazu erstellt. Zunächst eine Überblickskarte mit den Schauplätze in Ägypten und der Kairoer Innenstadt (28. Januar), dann eine bei onlinejournalismus.de bereits besprochene, Satellitenfoto-Übersicht von Kairo. Diese wurde nachträglich um eine Auswahlmöglichkeit nach Tagen ergänzt (“Mapping the Protests, day by day”), die aber meiner Meinung nach für den User nicht ganz so deutlich war.

Nach dem Sturz Mubaraks hat man nachgelegt und – wohl auf dieser Basis – eine mit einem Zeitstrahl kombinierte Visualisierung der komplexen Ereignisse erarbeitet. Je nach ausgewählten Tag wechselt die Kartenperspektive. Unterhalb der Karte werden dazu ergänzend passende Inhalte von nytimes.com angeboten – also kein abgeschlossenes Flash-Ghetto.

Die BBC bietet ein interaktives Foto des Tahrir-Platzes, das erläutert, was sich auf dem Zeltplatz der Demonstranten wo befand – vom der provisorischen Apotheke über den Kindergarten bis zum Flaggenshop.

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… bei onlinejournalismus.de:

… im übrigen Internet:

Prozessjournalismus und Ägypten: Deutschsprachige Onlinemedien enttäuschen

Von Lorenz Matzat

Was Spiegel-Online und Welt-Online in ihren Live- oder Nachtichtentickern bringen, ist in der Ignoranz des Potentials von Onlinejournalismus mehr als befremdend. Es drückt sich aber auch schon in den Begrifflichkeiten aus: Das Wort Live-Blog wird vermieden. Beide Websites, nach Bild-Online die Meistgelesenen – setzen im Jahr 2011 kein einziges Link auf Quellen außerhalb ihres eigenen Angebots.

Soziale Medienkanäle, wie Twitter, YouTube oder Flickr werden gänzlich ignoriert. Nur klassische Nachrichtenagenturen und etablierte Sender wie die BBC gelten als verlässliche Quellen. Insofern spielt es für die deutschsprachige Onlineberichterstattung eigentlich überhaupt keine Rolle, dass in Ägypten das Internet durch die Regierung abgeschaltet wurde
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Do-It-Yourself-Datenjournalismus bei der taz

Die “taz” macht einen Schritt Richtung offenen Datenjournalismus und zeigt, dass tatsächlich funktioniert, wovon andere in Deutschland nur reden: Daten mithilfe von kostenlosen, externen Tools darstellen und auch die Rohdaten verfügbar machen. Einen Bericht über die Schließung von Post-Filialen zugunsten von Post-Service-Agenturen in anderen Geschäften ergänzt die Online-Redaktion mit einer Google-Maps-Karte der verschiedenen Arten von Postvertretungen in Berlin (passt leider nicht in der richtigen Darstellungsgröße ins taz.de-Design), einem Chart zur Fillialentwicklung und zur Flächenabdeckung der Postfilialen. Im Print wird das Ganze abgerundet mit längeren Lesestrecken.

Vor gut einem Jahr hatte Sebastian Heiser für die “taz” schon mal die Standorte von Überwachungskameras auf einer Karte verzeichnet.

Update: Das Blog Datenjournalist hatte gestern schon die Machart des taz-Beitrags seziert.

Best Practice bei Zeit Online: Recherchefleiß meets Datenvisualisierung

Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland, Zeit OnlineEs ist noch keine zwei Monate her, dass die Veröffentlichung der Afghan War Diaries durch Wikileaks für großes Aufsehen sorgte. Dabei wurde auch die Frage aufgeworfen, wie gut die drei beteiligten Medien diese Datenflut aufbereitet hatten, wobei Spiegel Online nicht besonders gut abschnitt. Zeit Online hat nun mit der Veröffentlichung einer interaktiven Karte zu Todesopfern rechter Gewalt selbst Datenjournalismus betrieben und dabei Maßstäbe gesetzt. Weiterlesen…

Im Kanu mit Kamera und UMTS rund ums Ruhrgebiet

… das hat WDR.de-Reporter Stefan Domke ab Montag vor: “In fünf Tagesetappen wird er den Nebenfluss des Rheins von Schwerte bis Duisburg befahren. Seine Geoposition und das Bild einer Bordkamera werden live im Internet übertragen.” Warum das Ganze? “Am Anfang stand die Idee, das Gebiet der Kulturhauptstadt im Sommer, zur Urlaubszeit, aus eher ungewöhnlicher Perspektive kennenzulernen und zu präsentieren. Im Mittelpunkt einer solchen Tour, so der Wunsch, sollten dabei weniger die Leuchtturm-Projekte des Ruhr2010-Jahres stehen. Vielmehr wollten wir uns Orten und Landmarken widmen, die das Ruhrgebiet auch abseits von Zollverein&Co zu einem ausgesprochen lohnenswerten Ausflugziel machen.” Bin mal gespannt, wie er während des Paddelns wie versprochen mit dem Publikum kommunizieren will – gibt’s fleißige Paddelhelfer?

AR im SZ-Magazin: Spielerische Avantgarde

Als ich heute morgen das “SZ-Magazin” in die Hand nahm, rätselte ich zuerst, wer auf dem Cover sein Gesicht hinter seinen Händen verbarg, tippte dann aber doch bald auf Sandra Maischberger. Doch das zweite Rätsel folgte sogleich: “Dieses Heft lebt”, suggerierte ein eingekreistes Plus-Zeichen. Also blätterte ich wie geheißen auf Seite 27 und erfuhr vom Augmented Reality-Experiment des SZ-Magazins.”Augmented Reality” (AR) heißt so viel wie “angereicherte Realität” oder “erweiterte Wirklichkeit.” Man richtet seine Handykamera auf einen realen Gegenstand und wenn der im Kanal einer Smartphone-App wie Layar oder Junaio hinterlegt ist, werden auf dem Display weiterführende Informationen zu dem Objekt angezeigt.Sehen wir uns das am Beispiel des “SZ-Magazins” an: Ich habe mir die Junaio-App auf mein IPhone geladen und den Channel SZ-Magazin ausgewählt. Wenn ich nun mein Smartphone auf das Cover halte, erscheint über dem mit Händen verborgenen Gesicht eine Video-Play-Taste. Wer draufdrückt, sieht ein wenige Sekunden langes Video (ohne Ton), in dem die Hände zur Seite genommen werden und das Antlitz von Sandra Maischberger erscheint. Nett, aber noch nicht der Knaller.Lena Meyer-Landrat-Augmented Reality-SZMagazinDas zweite “Plus”-Zeichen findet sich beim “Sagen Sie jetzt nichts” mit Lena Meyer-Landrut. Hier werden Sprech-, nein Gedankenblasen sichtbar, die visualisieren sollen, was Lena sich bei den Fragen gedacht hat. “Ein ganz klares Nööp” zum Beispiel auf die Frage, ob wir Lena durchschauen. Sieht gut aus, gibt dem Ganzen aber eine comic-hafte Anmutung, vor allem aber konterkariert es die Idee des “Sagen Sie jetzt nichts”, die ja auf Mimik und Gestik der Interviewten beruht.Spielerei ohne MehrwertEs tauchen noch drei weitere AR-Elemente auf: ein Garmischer Bauer, der auf einmal einen Parkplatz voller Autos auf seiner grünen Wiese hat, die Auflösung des Rätsels “Das Kreuz mit den Worten” und eine Animation zur Hacke-Kolumne “Das Beste aus aller Welt”. In allen fünf Fällen bleibt aber der Eindruck: eine nette, schön anzusehende Spielerei, aber wo bitte bleibt jetzt der Mehrwert der AR-Erweiterung? Was bringt mir das außer einem – allerdings sehr kurzen – Moment der Unterhaltung? Dem “SZ-Magazin” bringt es die Erwähnung, die erste deutsche Print-Redaktion gewesen zu sein, die sich an Augmented Reality versucht hat. Das ist schon mal was, da waren die Münchner mal wieder Avantgarde. Spielerische Avantgarde. Bei aller inhaltlicher Kritik muss man aber auch sagen: Sie haben es wenigstens mal ausprobiert, sie haben Mut zum Experiment bewiesen. Und der ist in der deutschen Zeitungslandschaft ja nicht besonders stark ausgeprägt.P.S.: Gut gemacht ist die crossmediale Aufbereitung des AR-Experiments. Die Erklärseite des Magazins verweist auf die Homepage, wo ein Demo-Video zu sehen ist – für alle, die kein Smartphone haben.Update: Ich möchte noch zwei Links zum Thema AR nachreichen: 6+ Anwendungsmöglichkeiten für Augmented Reality für journalistische Zwecke bei KoopTech und den Augmented Reality-Beitrag des “Elektrischen Reporters”.

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