Archivierte Einträge für Multimedia

Echtzeit-Redakteure, Content-Knechte, Teaser-Schubser …


Onlinejournalismus 2008
… Multimedia-Talente, Kreativ-Abteilung, Online-Layouter, Agenturhörige, Experimentierwillige, Innovateure? Über die Arbeit in Online-Redaktionen, ganz allgemein.
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Geokodierte Nachrichten: Noch ist die Kirche im Beta-Dorf

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„Ganz neue Möglichkeiten der Nutzung“ möchte die „Südwest Presse“ mit ihrem neuen Online-Auftritt für Ulm und Neu Ulm bieten. Alle Meldungen auf der Seite sind geokodiert: „So sieht der Nutzer auf einen Blick, wo sich etwas ereignet hat“, schreiben die Schwaben.

Es ist das übliche Spielchen: Auf einer Karte werden durch Zeilensymbole Nachrichten symbolisiert, mit Zahlen Veranstaltungshinweise. Nach dem Anklicken erhält der Nutzer die jeweilige Meldung, umgekehrt funktioniert das Ganze (noch?) nicht: beim Klick auf „Karte“ erscheint nur die ganze Karte ohne auf den jeweiligen Ort zu verweisen. Die Karte basiert auf Microsofts Virtual Earth.

Die Mischung von Anreißern weniger Meldungen in der linken Spalte und die Anzeige aller Meldungen auf der Karte ist unübersichtlich und irritierend, das ist einfach noch zu unausgereift. Die angepriesene Suche nach Ämtern oder Geldautomaten funktioniert noch nicht; aber im Seitenkopf sieht man ja auch noch das Wörtchen „beta“. Unterm Strich ist es ein interessanter Ansatz, den wir weiter beobachten werden.

Innovation als Hindernislauf

In Gesprächen schwärme ich gerne von einem der größten Vorzüge des Mediums: Ausprobieren ist so einfach. Wer ein neues Format oder eine neue Technologie einsetzen will, kann einfach loslegen – auch wenn vielleicht erst mal nur ein Teil der User mit der Neuerung was anfangen kann. Neue Features können modular aufgesetzt werden, und weil die Darstellungs- und Stilformen nicht so gefestigt sind, kann man wild und ohne große Kosten rumprobieren, während so etwas bei den alten Medien enormen organisatorischen, finanziellen oder persuasiven Einsatz erfordert.

So weit die Theorie. Wer von ihr ausgeht, kann entsprechend mit Recht kritisieren, dass viele große Online-Medien dann doch recht zögerlich beim Einsatz innovativerer Formate sind. Außenstehende haben aber vielleicht kein Bild davon, welche Schwierigkeiten dann doch auftauchen, wenn man ab und an etwas abseits der normalen Meldungen mit Bordmitteln realisieren will. Das ist gar nicht mal böser Wille. Da fehlt dann die Routine bei der Umsetzung oder nur einzelne Kollegen verfügen über das nötige Geheimwissen. Weil alles außerhalb des Tagesgeschäfts läuft und in den seltensten Fällen Techniker oder Grafiker allein für das Projekt zur Verfügung stehen, tauchen Verzögerungen auf, die Einzelkämpfer nicht haben. Tools, die beispielsweise in Blogs perfekt funktionieren, sind nicht CMS-kompatibel oder funktionierten nur mit der früheren Version des CMS. Software darf nicht mal eben zum Ausprobieren installiert werden. Auf Design-Styleguides und Barrierefreiheit muss geachtet werden. Auf Rechtefragen sowieso – wenn’s etwa darum geht, Archivcontent aufzubereiten … und was nicht noch alles.

Gibt’s wahrscheinlich überall. Aber einfach nicht unterkriegen lassen. Wir brauchen mehr Schmuckstücke, die zeigen, wo’s langgehen sollte.

CNN-Preis für junge (Online-)Journalisten

Der „CNN Journalist Award 2008“ ist noch bis zum 21. April ausgeschrieben. Die Organisatoren meinen: „Wir freuen uns immer sehr über neue kreative Formen von Beiträgen, die sich ausserhalb der klassischen Reportage und Berichterstattung bewegen. Wir möchten so viele junge Journalisten wie möglich mit dieser Ausschreibung erreichen“.

Gesucht sind Beiträge von Nachwuchsjournalisten mit internationalem Bezug in den Kategorien Print, TV, Radio, Online und Foto einreichen. Der CNN Journalist Award richtet sich an Nachwuchsjournalisten in Deutschland, Österreich und dem deutschsprachigen Teil der Schweiz. Alle Beiträge müssen zwischen dem 1. April 2007 und dem 31. März 2008 veröffentlicht worden sein.

Der Westen und der WDR – Welche Folgen hat die neue Video-Partnerschaft?

Das ist sie also, die erste Audio- und Video-Kooperation zwischen einem öffentlichen-rechtlichen und einem privaten Medienunternehmen. DerWesten.de wird künftig fertige Beiträge, die bereits im WDR-Programm gelaufen sind, lizenzieren und auf seiner Seite „ausstrahlen“. Das teilten beide Partner heute mit (1, 2).

Für die Nutzung wird eine Lizenzgebühr fällig, über deren Höhe beide Vetragsparteien Stillschweigen vereinbart haben. WDR-Material soll aber teurer sein als das der privaten Anbieter.

Als ich vor einigen Monaten zum ersten Mal von diesen Kooperationsplänen hörte, dachte ich: Ach, das läuft eh auf was ganz anderes hinaus. Die Öffentlichen-Rechtlichen werden ihre Videobeiträge früher oder später für jedermann freigeben, also – ähnlich wie YouTube – mit einem Embed-Code versehen, so dass Interessierte sie einfach in ihr Blog oder ihre Website einbinden können. Das ganze natürlich geknüpft an strenge Auflagen, zum Beispiel Werbefreiheit, nicht-kommerzielle Nutzung etc. Prinzipiell wäre das nur konsequent gewesen, denn die Gebührenzahler haben die Beiträge schließlich bezahlt.

Jetzt ist es ganz anders gekommen, und das wirft ein paar Fragen auf.

Darf der WDR überhaupt auf diese Weise kommerziell tätig werden? Den Privaten schwillt verständlicherweise der Kamm, juristische Schritte sind bereits angedroht.

Was macht der WDR mit den Erlösen? Beteiligt er die Autoren der weiterverkauften Beiträge?

Nach welchen Kriterien wählt der WDR seine künftigen Kooperationspartner aus? Schließlich dürften ja auch andere Online-Plattformen neben dem Westen Interesse haben. Hat der WDR das Recht, einem bestimmten Verlag abzusagen? Oder gilt gleiches Recht für alle?

Die verkauften Beiträge müssen übrigens verständlicherweise werbefrei bleiben. Doch was heißt das im Detail? Post-Roll- oder Pre-Roll-Werbung bzw. anderweitige Einblendungen im Video werden ganz sicher verboten sein. Aber ein Werbebanner über der Seite eines Artikels, in der irgendwo im Inline-Player ein WDR-Video integriert ist? Da bleibt viel Spielraum für Interpretation.

Könnte ja sein, dass das Kooperations-Modell erfolgreich ist und alle rechtlichen Hürden nimmt. Dann wird es ganz sicher von anderen öffentlich-rechtlichen Anbietern kopiert (das ZDF steht laut WDR kurz vor dem Abschluss eines Vertrages mit dem Süddeutschen Verlag, der Bayerische Rundfunk verhandelt angeblich mit Focus Online).

Nur was wiederum bedeutet das für die vielerorts erst kürzlich gestarteten und teils sehr ambitionierten Video-Aktivitäten der einzelnen Online-Redaktionen? Werden Formate eingestampft? Werden die neuen Online-VJs schlagartig überflüssig? Kommt die große Gleichförmigkeit? Werden dann überall dieselben Videos abgespielt? Oder schafft so eine Kooperation mehr Freiraum für die Umsetzung eigener interessanter Themen?

Und noch ein Punkt: In Fachblogs wird bereits seit längerem diskutiert, dass Online-Video eine ganz andere Bildsprache als TV hat: Schneller, näher dran, authentischer. Gerade durch die Experimentierfreude der Online-Videoproduzenten entsteht eine andere, oft viel ansprechendere und mutigere Ästhetik als die des durchformatierten Fernsehens. Wäre doch schade, wenn das künftig verloren ginge.

(Hinweis: Ich arbeite unter anderem selbst gelegentlich für die Video-Redaktion von DerWesten.de.)

Gut kombiniert: Video und Text im Westen

Screenshot: Bruckhausen-Reportage bei DerWesten

Video und Text nicht als getrennte, sondern als sich ergänzende Elemente sehen – darüber wird viel theoretisiert, in der Praxis läuft es dann doch meistens anders. DerWesten hat mit der längeren Reportage „Die verlorenen Straßen von Bruckhausen“ jedoch eine gelungene Kombination veröffentlicht. Weiterlesen…

Frankfurter Tag des Online-Journalismus

Statt einem gibt es in diesem Jahr gleich zwei Frankfurter Tage des Online-Journalismus: Am 5. März geht es auf der Tagung, die das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik organisiert, um die Frage der Archivierung im Netz, am 6. März um „Neues Arbeiten im Multimedia-Web“. Darunter gefasst sind Vorträge zu multimedialen Formaten, u. a. von Fabian Schweyher (soundphotographer.de) und Arbeitsberichte aus verschiedenen crossmedialen Newsrooms.

Das gesamte Programm gibt es unter www.ftoj.de. Die Veranstaltung findet beim Hessischen Rundfunk statt und kostet 80 Euro Teilnahmegebühr (Studenten 35 Euro).

N24.de, Relaunch

Screenshot des Mediencenters von N24.de

Der TV-Nachrichtensender N24 hat heute in den frühen Morgenstunden seine überarbeitete – oder besser: völlig neue – Website veröffentlicht. Der Ansatz ist zumindest in Deutschland etwas völlig anderes, für einen Fernsehsender aber möglicherweise naheliegend: Der Kern des Informationsangebots besteht aus Videos.

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Gut gemeintes Kyrill-Special

Zum Jahrestag des (für deutsche Verhältnisse verheerenden) Wintersturms „Kyrill“ hat der Der Westen sein erstes (mir bekanntes) umfangreiches Dossier aus Texten und einem Multimedia-Special veröffentlicht. Im Dossiers spiegelt sich im Kleinen wieder, was wir von Der Westen im Ganzen kennen: einige gute Ideen, hier und da Experimentierfreude, aber in der Umsetzung dann doch (noch) nicht so wirklich gelungen. Weiterlesen…

Video-Equipment, Tipps

In drei kurzen Artikeln hat Andy Dickinson zusammengefasst, welches Equipment er Redaktionen zurzeit empfehlen würde, wenn sie auf den Video-Zug aufspringen wollen und dafür überschaubare Summen ausgeben möchten:

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