Archivierte Einträge für Multimedia

Der Westen – erste Stimmen

[aktualisiert, Dienstag, 8.00 Uhr]

Quer durch den Gemüsegarten einige Blog-Reaktionen auf den Launch von Der Westen.

“Alles wird besser, nur wird es gut genug? Ich werde das Portal ganz sicher nutzen, keine Frage. Wo sonst fände ich lokale Kompetenz im Netz. (…) Um mein neuer Netzmittelpunkt zu werden, müsste aber noch eine Menge geschehen. Um etwa primär dort zu bloggen, würde ich mir ein viel stärker individualisierbares System wünschen.”

blog.50hz.de

“Erster Eindruck, ziemlich bieder, also viel Raum sich über Qualitätsjournalismus zu beweisen.”

Hugo E. Martin

“Das ist jetzt bei regionalen Tageszeitungen endlich einmal nicht mehr Online als Randaktivität in den Händen von Beauftragten. Herausforderungen bleiben aber auch für die nächsten, die sich am Thema versuchen: beispielsweise beim Veranstaltungskalender, der sich — wie so häufig — eher wie eine überkomplexe Suchmaschine anfühlt und in diesem Fall die gesamte Bandbreite von Ruhrpott Punk Superbowl bis Tierärztlicher Notdienst Haltern abdeckt.”

Wortfeld

“Natürlich ist DerWesten gegenüber den bisherigen Webangeboten der WAZ-Mediengruppe ein Quantensprung. Inwiefern DerWesten sich etablieren wird kann man jedoch jetzt noch nicht einmal ahnen – denn das hängt natürlich vor allem auch von den Inhalten ab.”

Pottblog

“Ich sag es mal so: Wenn ich keine guten Inhalte habe, hilft mir weder die Communitylinkorgie was, noch das Layout oder eine Karte. Gilt sowohl für die lasche Schreibe der eigentlichen Frontseite als auch das weit hinten versteckte, gehaltlose Communityblog2.0-Dingens.”

Blogbar

“…alles eine Frage der Perspektive: Schaut man sich durchschnittliche (Regional-)Zeitungsportale und deren HTML-basiertes Elend in Deutschland so an, muss man der WAZ attestieren, einen ziemlich großen Wurf gelandet zu haben. Nimmt man das mediale Trommelfeuer zum Maßstab, das in den vergangenen Wochen über uns hereinprasselte, dann relativiert sich das. Gelungen, sicher. Aber die Neuerfindung des crossmedialen Journalismus ausrufen, nur weil man jetzt Videos, Blogs, Tags und eine Community hat?”

“Journalistisch jedenfalls – und noch reden wir auch im Netz in erster Linie von Journalismus und nicht von Gimmicks – ist der Westen zumindest am Tag 1 nahe an der Bankrotterklärung.”

JakBlog

“Der erste Eindruck ist positiv. Die Seite kommt zweispaltig und aufgeräumt daher, große Fotos zieren die Aufmacher. Eine Multimedia-Spalte und eine eigene Überssichtsseite für Videos sind vorhanden, die rechte Spalte zeigt die aktuelle Diskussionen, Blog-Artikel und Tags. Kein großer Wurf, eher Erwartbares bei einem Medium dieser Größe.”

Turi

“Zur Zeit ist das Portal mit Werbebannern und Popups nur so überfrachtet. Zumindest zum Start könnte man auf webzwonulligere Werbeformen setzen, etwas mehr userbasiertes oder behavioral Targeting einsetzen.”

Sichelputzer

“Wer mit dem Gedanken spielt, dort den Newsletter zu abonnieren oder am Bundesliga-Tippspiel teilzunehmen, sollte sich das sehr gut überlegen. Die Daten, die DerWesten hierfür verlangt, sind fast ein eigenes Kapitel wert..”

F!XMBR

“Alles was sich zu dieser Stunde sagen läßt: der große Wurf ist es nicht und es ist ebenfalls durchaus fraglich, ob die Aufhübschung durch Web-2.0-Features genügt.”

Wissenswerkstatt

“Die große Herausforderung für Chefredakteurin Katharina Borchert besteht nun darin, viele neue Nutzer von DerWesten zu überzeugen. Denn die bisherigen Online-Auftritte der WAZ-Gruppe werden nur von sehr wenigen Menschen genutzt. Selbst WAZ.de kommt laut AGOF nur auf rund 280.000 Unique User monatlich.”

deutsche startups

“Gemeinschaft und Bier” in Bild und Ton

Schützenfest in Meschede bei sauerlandthemen.de (Screenshot [M])
Die Böller donnern, der Spielmannszug marschiert, die Schützenbrüder loben das frische Pils am Vormittag – Andreas Beer, sonst Text- und Bild-Journalist, hat bei einem Sauerländer Schützenfest auch das Mikro für Atmo und O-Töne dabeigehabt. Dem Gesamtwerk tut das äußerst gut. Solche Audio-Bildergalerien sind als Darstellungsform in Deutschland bisher kaum verbreitet – obwohl hier eigentlich so Zeitungsjournalisten mit verhältnismäßig wenig Aufwand Multimedia produzieren können – gerade im Lokalen. Andreas Beer schildert im Interview seine Erfahrungen.
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Audio-Slideshows in Deutschland

Dass die Bildergalerie bei führenden deutschen Qualitätsmedien ein wichtiger Bestandteil sogenannter Qualitätsoffensiven ist, wissen wir ja. Bildergalerien sind in der onlinejournalistischen Praxis meist auf die Schnelle zusammengestellte Klickschinder – nach journalistischen Kriterien zusammengestellte Fotostrecken mit sorgsam komponierten Fotos und Texten die absolute Ausnahme.

Kein Wunder, dass – anders als in den USA – die (animierte) Slideshow mit Audiokommentar ein Schattendasein fristet. Auch beim Spezialblog Soundphotographer wird fast ausschließlich auf Beispiele aus den USA verwiesen. Gibt es denn in Deutschland gar nichts? Weil ich gerade privat selbst noch einmal die Software Soundslides für eine Audio-Slideshow ausprobiert habe (“12 Stunden später”), habe ich mich noch einmal umgeschaut und bin hier und da doch fündig geworden:

  • Kilometer 42, die multimediale Reiseserie von Spiegel Online. Jörg Pfeifer setzt regelmäßig Audio-Slideswhows ein und steht damit ziemlich alleine dar. Meist lässt er einen Protagonisten zu seinen Fotos erzählen.
  • Die FR hat offenbar Lust zum Ausprobieren: Ankunft der Weltmeisterinnen in Frankfurt. Mit Soundslides erstellt, solider Standard, nix überraschendes. Hier Hinweise zu zwei weiteren FR-Stücken.
  • Der Fotograf Gordon Welters nutzt Audio-Slideshows, um auf seiner Website Ausschnitte aus seinem Portofolio zu präsentieren – klasse fand ich die Slideshow zum G8-Gipfel (vielleicht etwas parteiisch).
  • Beim Schweizer “Blick” gibt es eine etwas aufwändiger produzierte Slideshow (“48 Stunden im Leben von Adolf Ogi”) (wiederum Soundslides). Sie setzt u. a. Karten an, leidet aber unter der staubtrockenen Sprecherstimme.
  • Ergänzung: BR und tagesschau.de (1, 2) haben in der Vergangenheit mal hier und da experimentiert, aber m. W. keine regelmäßigen Formate (wegen personellen Überschneidungen mit onlinejournalismus.de hatte ich das an dieser Stelle zunächst nicht erwähnt).
  • Wer noch weitere Beispiele kennt – Hinweise gerne in den Kommentaren.

dpa hat angekündigt, künftig auch fertig produzierte Audio-Slideshows anzubieten. Ob das Auswirkungen auf das Angebot insgesamt hat?

Einerseits sind Audio-Slideshows eine folgerichtige Weiterentwicklung des Fotojournalismus bei klassischen Medien. Andererseits gibt es in der Reportage-Praxis die Hürde, dass eben vor Ort neben den Fotos noch die Audiospur aufgenommen werden muss. Ich kann mir vorstellen, dass es da bei Solo-Journalisten in vielen Fällen praktischer wäre, gleich zur Videokamera zu greifen und Bild- und Ton gleichzeitig aufzuzeichnen, wenn es schon multimedial sein soll. Teilt sich ein Team aus Fotograf und Texter die Arbeit, sieht die Sache dagegen ganz anders aus …

BBC Worldwide kauft Lonely Planet

Die kommerzielle BBC-Tochter BBC Worldwide übernimmt den Reisebuch-Verlag Lonely Planet, zu dem bereits eine umfangreiche Website gehört. Die Gründer Tony and Maureen Wheeler behalten einen Anteil von 25 Prozent (Pressemitteilung).

Lonely Planet solle zur “multimedialen Plattform” ausgebaut werden. Die Gründer sagten, der Verkauf garantiere Lonely Planet eine “langfristige Zukunft”.

zitiert tagesschau.de daraus.

The company also produces and develops factual programming for international broadcasters (Lonely Planet Television).

BBC Worldwide ist nach eigenen Angaben bereits der drittgrößte Zeitschriftenverleger in Großbritannien. Und Lonely Planet hat bereits TV-Erfahrung vorzuweisen:

Its flagship TV series, Lonely Planet Six Degrees, produced for Discovery Networks, is now in its third season, and screens in over 100 countries. [...] Lonely Planet’s travel video site, lonelyplanet.tv, is establishing a valuable online community of independent travellers, allowing travellers to upload and watch their own video as well as view videos created by Lonely Planet.

Kulturpessimismus: “Technisch geht es bergab in den Medien”

“Bei vielen onlinejournalistischen Angeboten wird kritisiert, dass sie die Möglichkeiten der Multimedialität, also die Wahl des jeweils geeigneten Kommunikationskanals, unzureichend ausschöpfen”, heißt es im Wikipedia-Beitrag zum Online-Journalismus. Dem kann ich zustimmen. Manchmal ist es aber auch des Multimedialen zu viel oder die Qualität auf diesen Ausspielkanälen ist einfach schlecht. Das stellt Thomas Hollmann in der aktuellen Ausgabe seiner “Mediennachlese” im Inforadio des RBB fest.

Hollmann nennt Audio-Angebote von Zeitungen und berichtet von seinen Erfahrungen damit:

“Leider nur liest nicht der Autor seinen Artikel vor, sondern ein Computerprogramm wandelt die Schrift in Sprache um. Was eindeutig zu Lasten von Klaus Wowereit geht. Denn der heißt Klaus Wauwereit und trinkt gerne Chaumpagner. Was sich nicht schön anhört. Tragisch wird es, wenn das Zeitungsvorleseprogramm aus MS-Patienten Millisekunden-Patienten macht. Und der Artikel-Roboter in einem fort leiert und falsch betont und Wörter verstümmelt, dass einem das Trommelfell blutet.”

Für Hollmann sind solche Misstöne beispielhaft und er folgert: “Technisch geht es bergab in den Medien”. Als weitere Belege für die These erwähnt er schlechte Bilder bei CNN – “Wichtig ist die kostengünstige Krise, nicht die Qualität ihrer Abbildung”, und Fotos von Leserreportern der “Bild”.

Schuld an der mangelhaften Qualität sei “zu viel mediale Technik in dieser Welt und viel zu viele, die sie ohne Hemmungen” benutzen und verbreiten. Die Folgen seien “fatal”: “Wir gewöhnen uns an einen technischen Standard, der ständig sinkt. Denn wenn die Form wurscht ist, dem ist irgendwann auch der Inhalt egal”. Das klingt doch ein bisschen zu kulturpessimistisch.

dpa will Videos fürs Internet anbieten

Die Deutsche Presse-Agentur dpa wird zu Beginn des kommenden Jahres einen Video-Dienst für die Online-Nutzung starten. “Den inhaltlichen Schwerpunkt bilden aus unserer Kernkompetenz heraus nachrichtlich orientierte Stücke aus Deutschland”, sagte dpa-Chefredakteuer Wilm Herlyn am Freitag in Hamburg. Der Dienst unter dem Markennamen “dpa video service” wird aus selbst gedrehtem und zugekauftem Material erstellt.

Inhaltlich betreut wird der Video-Service von Susanne Matthiessen, Geschäftsführerin der dpa-Rufa Rundfunk-Agenturdienste. Dort wurden drei neue Stellen in der Redaktion für den Dienst geschaffen. “Kunden werden künftig werktäglich fünf Videos und Bewegtbildangebote wie beispielsweise Audio-Slide-Shows erhalten, für das Wochenende sind täglich zwei Filme vorgesehen”, sagte Matthiessen.

Das Team wird mit Entertainment und Service, bildstarken Themen, Umfragen und online-affinen Stücken experimentieren.

(komplette Pressemitteilung)

Offenbar will man sich nicht länger die Butter vom Brot nehmen lassen – bisher greifen deutsche Zeitung für ihre Videoangebote vor allem auf Angebote von Reuters und ZoomIn zurück. Am interessantesten finde ich aber den Punkt mit den Audio-Slideshows: Ein bisher in Deutschland vernachlässigtes Genre, für das dpa aber mit seinem bereits bestehenden Bilderdienst und dpa/Rufa für den Hörfunk die richtigen Ressourcen mitbringt.

ZDF-Mediathek: 100 Sekunden, Deep Links

Das ZDF hat zur IFA seine überarbeitete (und offline kräftig beworbene) Mediathek live geschaltet. Was ich auf den ersten Blick vermisse: Anscheinend kann man keine Deep Links auf einzelne Videos setzen. So hätte ich hier gerne auf das ebenfalls neue Format “Heute 100 SEC” verwiesen, ein kompakter Nachrichtenüberblick, mit dem man mit dem entsprechenden Angebot der Tagesschau gleichzieht (allerdings ohne Download-Möglichkeit).

Auch die Menü-Struktur ist nicht vollkommen selbsterklärend. Dafür kann man zu den Video-Beiträgen einen RSS-Feed abonnieren – wobei nicht erklärt wird, was dieser denn beinhaltet: neue Einträge der Mediathek insgesamt? Oder der jeweils ausgewählten Sendung?

DWDL lobt das große Bildformat und kritisiert das kleine Videoangebot: zu wenig fiktionale Inhalte, zu viel Überflüssiges (Morgenmagazin, Standbild-Strecken zu Sendungen).

Die FR berichtet:

ZDF-Intendant Markus Schächter hatte dazu eine spannende Zahl: Das Online-Angebot der “heute”-Sendung sei im vergangenen Monat gerade einmal 4,7 Millionen Mal abgerufen worden und liege damit nur auf dem zwölften Platz – weit hinter “Spiegel Online” und anderen viel erfolgreicheren Verlegerseiten. Doch der Aufritt der Sender auf der IFA lässt vermuten, dass es bei so marginalen Zahlen nicht bleiben soll.

Google Maps per Code-Schnipsel einbetten

Google Maps hat ein Feature live geschaltet, dass für Onlinejournalisten ausgesprochen nützlich ist: Alle Karten, auch mit Markern, Layern und gezeichneten Linien, können jetzt mit einem kleinen Code-Schnipsel in die eigene Website eingebunden werden. Keine Programmierarbeit mehr nötig, keine API, nichts. Nur die Karte bauen, den Code rüberkopieren – fertig. Eine kleine Beispielkarte (mit Dummy-Text):

Wer es ausprobieren will:

  • Auf maps.google.de gehen
  • Die Karte auf gewünschten Ort und Höhenlevel bewegen
  • Eventuell mit “Meine Karten” weitere Objekte (Marker, Linien, farbige Flächen) hinzufügen, speichern
  • Oben rechts über der Karte auf “URL zu dieser Seite” klicken:
  • Google Maps Embedding

  • Aus dem unteren Feld den Code zum Einbetten übernehmen (mit “iframe width”) und in die eigene Website einbinden (z.B. im Textfeld eines Blog-Eintrags)
  • Eventuell die Größe der Karte anpassen, dazu auf den Link “Eingebettete Karte anpassen und Vorschau anzeigen” klicken, der aktualisierte Code zum Einbinden wird dann direkt in einem weiteren Popup angezeigt.
  • Wir werden in nächster Zeit, davon bin ich überzeugt, viel häufiger interaktive Karten im journalistischen Kontext sehen. Es dauert nur noch wenige Minuten, sie zu bauen und einzubinden – jeder Redakteur kann es. Keine Ausreden mehr.

    Treffer, leider versenkt

    Zwei Jahre nach dem verheerenden Hurrikan Katrina beschreibt das “Time Magazine” in einem Schwerpunkt die Konsequenzen, die New Orleans und Lousiana aus der Katastrophe gezogen haben. Ein sehr lesenswerter Bericht, dessen Tenor eine vernichtende Kritik an Politikern und dem für den Hochwasserschutz zuständigen Army Corps auf Engineers ist, die auf verhängnisvolle alte Fehlentscheidungen neue folgen lassen. Gewürzt wird der Bericht immer wieder mit trockenen Kommentaren und Zitaten (“Rückzug ist unamerikanisch. Deshalb brauchen wir ein besseres Wort dafür.”), die ihn umso lesenswerter machen. Nachlesen lässt sich der Report in voller Länge auch online. Dort ist er Teil eines noch ausführlicheren Specials, das um zusätzliche Blickwinkel auf das Geschehen erweitert wurde.

    Weiterlesen…

    Crossmediale Redaktionen in Deutschland

    Studenten der Hochschule Darmstadt stellen in einem Dossier für die Ifra die crossmedialen Ansätze in fünf deutschen Zeitungsredaktionen vor: Welt, Handelsblatt, Hessisch/Niedersächsische Allgemeine, Südkurier und Kölner Stadtanzeiger.

    Professor Klaus Meier weist noch darauf hin, dass das Semesterprojekt von einem CMS-Hersteller unterstützt wurde und er selbst derzeit ein größeres Forschungsprojekt zum Thema plant.

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