Archivierte Einträge für Negativbeispiel

“Audio”-Abladestation bei Focus Online

Screenshot Focus Online

Audio-Content und nachweislich der Dachzeile womöglich eine eigene Kategorie “Hörfunk” bei Focus Online? Ein entsprechender Teaser machte mich neugierig, stehen Audios – wenn man sie mit Textbeiträgen und Videos vergleicht – doch im Allgemeinen ein gehöriges Stück weiter unter auf der Beliebtheitskala der User. Manuskripte von Radio-Beiträgen eigenen sich in manchen Fällen zwar recht gut als Grundlage für einen Online-Artikel, meist aber erst nach eingehender Bearbeitung. Warum sollte Focus Online also hier investieren?

Machen sie natürlich auch nicht. Bei den mit dem Hinweis “(AUDIO)” in der oft ellenlangen Überschrift gekennzeichneten Inhalten handelt es sich um die Textfassungen von “PR-Material von Kunden der news aktuell GmbH”, ausgeschriebene O-Töne und Hinweise wie “Sprecherin:” inklusive. Die dpa-Tochter verklappt diese außer über ihr eigenes Presse(mitteilungs)portal eben auch über die Focus-Website.

Die Meldung über die 52.000-Kilometer-Busfahrt findet sich außer im Presseportal beispielsweise auch bei Yahoo.de in der Rubrik “Nachrichten”.

BildPlus: Paid Content = Puff-Beichte

Die FAQ zu den Bezahlangeboten auf Bild.de versprechen:

Welche Vorteile bietet BILDplus?
Mit BILDplus erleben Sie auf BILD.de exklusive Interviews und Reportagen, die besten Fotos, Chats mit Experten, multimediale Infografiken sowie aktuelle Tests und Ratgeber und viele weitere spannende Themen.

Im der Umsetzung lautet ein Homepage-Teaser zum Beispiel aktuell: “Meine 6 skurrilsten Erlebnisse im Puff – ‘Pascha’-Manager packt aus”.

Wäre Ihnen dieser Listicle ein Test-Abo ab 0,99 Euro wert? Ich rätsele zwar gerne, ob sich dahinter eher ein Ratgeber, eine multimediale Infografik oder ein Expertenchat verbirgt, verzichtete dann aber doch lieber darauf, mein ausgelaufenes Probeabo bei Bild.de zu erneuern.

Aber von der Porno-Industrie lernen, heißt ja angeblich im Internet siegen lernen …

BildPlus-Aritkel über "Meine 6 skurrilsten Erlebnisse im Bordell" (Screenshot)

Stell dir vor, Mollath ist frei – und dann passiert nichts

Was tun, wenn nach der Eilmeldung zu einem wichtigen Thema erst mal Warten angesagt ist und nichts weiter geschieht? Den rasch aufgesetzen Live-Ticker kann man als Onlineredaktion doch nicht einfach leer lassen …

Das derzeitige Mollath-Newsblog der Süddeutsche Zeitung ist jedenfalls eine deutlich erkennbare Hommage an einen Klassiker des Genres.
Weiterlesen…

Demo-Zahlen: Die dezentrale Nicht-Live-Meldung

Demonstranten am 27.07.2013 in Hamburg

Wie viel Demonstranten sind es? (Foto: Holger Röttgers)

“Bundesweite” – also in verschiedenen Städten am gleichen Tag veranstaltete – Protestaktionen, wie sie heute und schon mehrfach zu Themen rund um staatliche Überwachung stattfanden, haben zwei unbestrittene Vorteile: Menschen können sich leichter an den Protesten beteiligen, ohne erst an einen zentralen und (für Nicht-Berliner wahrscheinlich tendenziell weit entfernten) Kundgebungsort anreisen müssen. Sie können Anwohner und Passanten an verschiedenen Orten erreichen.

Die Chancen, über die mediale Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zu bekommen, ist für die meisten Anliegen allerdings erheblich geringer als bei einer zentralen Demonstration. Hier 50 Demonstranten, dort 200 und in einer der größeren Städte vielleicht eine vierstellige Zahl – das kommt der Mechanismen und der Logistik der (Online-)Berichterstattung der größeren Medien alles andere als entgegen. Weiterlesen…

Link- und lieblose Öffentlichkeitsarbeit bei der “Süddeutschen Zeitung”

Ein von mir sehr geschätzter Journalist der “Süddeutschen Zeitung” hat am Montag in München den Herbert-Riehl-Heyse-Preis verliehen bekommen. Hans Holzhaider arbeitet seit fast vier Jahrzehnten für die “SZ” als Gerichtsreporter. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung erhielt der 66-jährige Redakteur für seinen am 14. Dezember 2012 auf der Seite Drei der “Süddeutschen Zeitung” verfassten Text “Der nackte Wahnsinn”.

All das und mehr berichtet Claudia Fromme für die Münchner in Zeitung und Online-Ausgabe: “Sägen! Nicht drücken!”. So weit, so gut. Dass der Link zum Herbert-Riehl-Heyse-Preis nur zu älteren Artikeln über diesen Preis führt, ist ärgerlich. Ich hätte beispielsweise gerne gewusst, wer in der Jury mitwirkte. Die aktuelle Ausschreibung wurde jedoch nicht im Netz publiziert, nur in der Zeitung wurde mehrmals im Medienteil eine Anzeige veröffentlicht. Eine Leserin hatte übrigens Holzhaider für diesen Preis vorgeschlagen, schreibt Fromme.

Noch ärgerlicher ist allerdings, dass der prämierte Text nicht verlinkt und online allenfalls über das Bezahlarchiv zugänglich ist (darauf erfolgt freilich auch kein Hinweis). Andererseits gibt es sieben nicht unbedingt zielführende Links im Text. Das ist leider miserable und lieblose Öffentlichkeitsarbeit in eigener Sache.

Weitere Links zum Thema bei onlinejournalismus.de


Weitere Links zum Thema im Internet

Landser-Prosa bei Spiegel Online

Eine Reportage bei Spiegel Online widmet sich der “Bundeswehr im Fluteinsatz” und den verständlicherweise für Hilfe dankbaren Menschen in den vom Elbe-Hochwasser betroffenen Gebieten. Der Artikel trägt die noch halbwegs originelle Überschrift “Operation Sandsack”. Dann geht es aber los:

“Es ist der größte humanitäre Einsatz der Bundeswehr innerhalb Deutschlands: Bis zu 19.000 Soldaten helfen beim Kampf gegen das Hochwasser. Zuweilen ist diese Militärpräsenz gespenstisch – doch die Leute in den Flutgebieten haben ihre Armee schätzen gelernt.” (Hervorhebung onlinejournalismus.de)

Gespenstisch hin oder her – der Autor, SpOn-Panorama-Redakteur Rainer Leurs, lässt sich im folgenden von martialischen Metaphern mitreißen.

“Immer wieder brausen Armee-Geländewagen über die schnurgeraden Landstraßen, donnern Konvois aus Lastern, Jagdpanzern und Mannschaftsbussen durchs Land. ”

Jagdpanzer? Gegen Hochwasser? Das macht mich als Leser erst mal stutzig, zumal man zumindest bei Wikipedia der Meinung ist, diese Fahrzeugkategorie sei seit dem Ende des Kalten Kriegs “nahezu gänzlich verschwunden”. Plausibler wären Bergepanzer oder vielleicht Mannschaftstransporter, vermute ich. Aber vielleicht stimmt es ja. Ebenso wie die Beschreibung der Dankesbekundungen (dick aufgetragen – und warum nicht schlicht “ergriffen” oder “gerührt”?):

“Ergriffen vor Rührung bedanken sich darin von der Flut getroffene Menschen bei den Helfern, gerade bei jenen der Armee. “Danke Bundeswehr!”, solche selbstgemalten Schilder hängen an vielen Stellen entlang der Straßen.”

Ich war im Gegensatz zum Reporter nicht im Hochwassergebiet, aber zumindest Formulierungen wie

“Auf breiter Front durchgesetzt hat sich inzwischen auch die Versorgung der Truppe mit selbstgebackenem Blechkuchen. ”

oder die Übernahme eines Offizierszitats wie

“Für die jungen Burschen ist das natürlich toll, was wir hier machen.”

sollte man sich doch verkneifen. Aber in diesen Sprachduktus passt Leurs Fazit, obwohl er durch ein eingeschobenes “scheint es” doch noch ein wenig Distanz wahren will.

Getragen von einer Flutwelle, so scheint es, hat die Armee in Sachsen-Anhalt die Herzen der Leute erkämpft.

Textchef, bitte verbale Abrüstung anordnen (falls Sie nicht die Militarisierung des Textes hereinredigiert haben)!

Nachtrag, 12.06.2013:
Laut Spiegel-Redaktion handelte es sich in der Tat nicht um Jagdpanzer.

Ein Fehler, der nicht sein müsste

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Max Stadler ist gestorben – im Alter von 63 Jahren, wie Zeit Online in ihrem Artikel gleich zwei Mal schreibt. Eingebettet ist in den Text allerdings ein Tweet der FDP Bayern. Laut diesem wurde Stadler 64 Jahre alt. Das ist auch richtig, wie ein Abgleich mit dem Geburtsdatum auf Stadlers Homepage ergibt.

Artikel über Max Stadler bei Zeit Online (Screenshot)

Vermutlich bezieht sich die falsche Angabe auf eine frühere Version des ebenfalls verlinkten Artikel der Passauer Neuen Presse. Darauf deuten jedenfalls die Abgleich mit der verlinkten URL sowie Google News hin. Google News verrät auch, dass Zeit Online nicht als einziges Medium die falsche Angabe aus der PNP (und vermutlich einer darauf beruhende Agenturmeldung) übernommen hat.

Aber wenn man einen Tweet einbettet, der dem widerspricht, sollte man doch ins Nachdenken kommen, oder?

Artikel über Max Stadler bei Google News (Screenshot)

Nicht nur Stadler-Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia ist übrigens nach Stadlers Tod bereits aktualisiert (16:00 Uhr), sondern auch der in im mit der PNP verbundenen RegioWiki Niederbayern und Altötting (13:53 Uhr).

NZZ-Multimedia-Reportage: Muster ohne (Mehr-)Wert

Die NZZ hat eine opulente Multimedia-Reportage zu zwei Jahren Fukushima produziert. Das ambitionierte Ensemble aus Bildern, Videos, Karten und Animationen ist schön anzuschauen, leider aber unzureichend erklärt. Ohne Kontext nutzt das größte Multimedia-Feuerwerk wenig. Weiterlesen…

Die Google-Minus-App

Screenshot Google Plus App (iOS)

Wo kann ich hier teilen?

Als Journalist, der Soziale Netzwerke sowohl als Informationskanäle und als zur Betreuung von Markenauftritten dort benutzt, ärgere ich mich seit langem über ein paar Macken der (iOS-)Apps für Google Plus und Facebook. Häufiger checke ich von unterwegs am Smartphone, was sich getan hat und würde gerne die eine oder andere Information aus meinem Newsstream weiterverteilen.

In der iPhone-App von Google Plus ärgert mich schon die Darstellung. Der App-Newsstream stellt hier (relativ) große Bilder in den Vordergrund. Diese laden mobil häufig erst verzögert nach – das erste Ärgernis. Der Nachrichten-Text, also dass, was mir der Absender mitteilen will, wird nach wenigen Worten abgeschnitten. Zum Überfliegen des Newsstreams ist beides denkbar schlecht. Der von Google als Vorschau präsentierte (< title >)Text des eigentlichen Links, der in der Browserdarstellung am Rechner sehr prominent ist, wird in der App nur sehr klein angezeigt.

Dadurch, dass die Darstellung so erheblich von der Browserdarstellung am Rechner abweicht, ist es auch für mich als Absender einer Google-Plus-Nachricht (= Betreiber einer Marken-Seite) schwerer, diese optimal für beide Plattformen zu verfassen. Eine überflüssige Unterscheidung, wie ich finde.

Aktivierter Sharing-Button in der Google-Plus-App

Erst "plussen", dann darf man teilen

Bitte erst ein Plus

Das Weiterverteilen macht mir Google auch schwer: Sharen kann ich erst, wenn ich den Beitrag mit einem “+1″ gewürdigt habe. Gerade als Seitenbetreiber will ich das aber vielleicht gar nicht. Außerdem ist der dafür notwendige “+Zähler” unten rechts ins Bild eingesetzt und bei bestimmten Hintergründen teilweise ziemlich schlecht zu sehen.

Mobile App von Facebook (Screenshot)

Platzhirsch FB: ganz ohne Teilen-Funktion

Doof auch: Ich habe keine Möglichkeit, wenn ich etwas im Stream meines Personen-Profil sehe, dass unter der Identität der Seite zu teilen. Stattdessen muss ich mich ziemlich kompliziert aus der gesamten App ausloggen, wenn ich zwischen Identitäten hin und her wechsele (oder diese Funktion ist sehr gut versteckt). Unbequem finde ich auch, dass ich offenbar von der keine Möglichkeit habe, einzelne Google-Plus-Seiten (nicht einmal meine eigenen) schnell anzusteuern, sondern diese jedes Mal über die Suche finden muss.

Was bei Facebook besser, was schlechter ist

Konkurrent Facebook bietet in seiner App immerhin eine Übersicht über gelikte und eigene Seiten als Bookmarks.

Über die Größe der Fotodarstellung im Newsstream ärgere ich mich aber auch hier jedesmal außerhalb von WLAN-Zonen (wenn sind auch gefühlt etwas weniger opulent sind als bei Google). Eine Funktion für das Weiterverteilen (Hallo? Soziale Netzwerke? Viralität und so …) fehlt hier bisher ganz, so dass es schon eigene Drittentwicklungen gab. Inzwischen hat Facebook aber wohl erkannt, dass das nicht so klug war und gelobte Besserung.

tl;dr:
Es wird immer über Facebooks fehlende Mobilstrategie gemeckert. Die Google-App ist aus Journalistensicht aber auch ziemlich beknackt.

(Wenn ich etwas übersehen habe, gerne in den Kommentaren korrigieren. Zu den meiner Erfahrung nach elend langsamen Ladezeiten von externen Webseiten innerhalb beider Apps schweige ich mal lieber.)

Update:
Marco Bereth macht darauf aufmerksam, dass in der iPad-Variante der Facebook-App bei bestimmten Sternenkonstellationen der Teilen-Button bereits gesichtet wird.

“Bestialisch hingericht” – “Sexy” – “Guten Start!”

Harte Kontraste? Der oder die Google-Plus-Verantwortliche der Hamburger Morgenpost kennt da heute bei Google Plus nix:

"Guten Morgen Hamburg. Heute beginnt der Prozess gegen Vassilys A. (27), der in der Nacht zum 1. September 2011 in einem Hotel in St. Georg eine amerikanische Studentin bestialisch hingerichtet hat. Außerdem rockt das Elektro-Pop-Duo LMFAO ("Sexy And I know It") heute Abend das Docks. Euch einen guten Start in den Tag!"

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