Archivierte Einträge für Negativbeispiel

Relaunchitis: Kress.de oder manchmal tut’s auch weh

Vor sechs Wochen nörgelte ich noch über die neue taz.de: “Det war nüscht”. Ähnlicher Meinung waren viele NutzerInnen, die ihren Unmut im Forum mitteilten. Ja, “taz”-LeserInnen ticken halt anders, haben eine besondere emotionale Bindung zu dem Blatt. Mittlerweile habe ich mich übrigens einigermaßen mit der neuen Internet-”taz” arrangiert, wenn nicht sogar ein wenig angefreundet – Aufatmen in der Rudi-Dutschke-Straße, Peace. Heftiges Rumoren hingegen in Heidelberg bei Kress.de.

Weiterlesen…

Ach Sueddeutsche.de!

So langsam habe ich keine Lust mehr auf Eure Art des “Qualitätsjournalismus”. Ein schönes Wort, aber offenbar nur eine Phrase. Was stört mich diesmal? “Zaunlatten-Schlägerei fordert Toten”, lautet der dritte Aufmacher im Bayern-Teil. Der Aufmacher datiert vom Samstag, 07.07.2007, 15:03 Uhr, es handelt sich um eine DDP-Meldung. Zur Bebilderung gibt es das Foto eines Lattenzauns mit der Unterzeile “Zaun”. Ob das angemessen ist, darüber könnte man streiten; ich würde darauf verzichten. Ärgerlich ist, dass der Artikel bis heute nicht aktualisiert wurde, in den letzten beiden Sätzen heißt es: “Die Vernehmungen der fünf Männer durch die Kriminalpolizei Straubing dauern den Angaben nach noch an. Der Anlass und der genaue Ablauf der Schlägerei sei noch nicht geklärt.”

Da greife ich doch lieber auf die gedruckte Montags-Ausgabe zurück: Dort berichtet Rolf Thym relativ ausführlich über den aktuellen Stand bei dieser Tragödie, der natürlich ein anderer ist als am Samstag.

Wo ist der Schäuble?

Terroristen töten, “Gefährder” wegsperren, Verdächtigen das Telefonieren verbieten – am Wochenende hat Wolfgang Schäuble noch mal erklärt, was seiner Meinung nach nötig sei, um Deutschland vor Terroristen zu schützen. Den Versuchsballon startete er diesmal in einem Spiegel-Interview.

Leider bietet Spiegel Online auch zwei Tage später aber nicht den Volltext, sondern nur eine Zusammenfassung mit AFP-Einstieg. Auch über das Archiv ist das Interview scheint’s nur im kostenpflichtigen E-Paper des aktuellen Hefts erhältlich. Ob das die richtige Taktik bei einem derart diskutierten Text ist? Die Diskussion ging doch hin zu “Weg von closed garden mit minimalen Paid-Content-Erlösen, wir setzen auf Reichweite.”

Wo wir gerade beim Kritteln sind: Das ZDF bietet zu dem Thema einen Flash-Überblick über “Schäubles Innere Sicherheit” von “Bundeswehr im Inland” bis “Vorratsdatenspeicherung”, der als “Tipp” und “interaktiv” angepriesen wird. Inhaltlich zwar solide, die Interaktivität beschränkt sich allerdings auf die Möglichkeit, klicken zu dürfen, die Darstellung nutzt Flash nicht aus. Reiner Text hätte die gleiche Wirkung erzielt. Da sind schon die kleinen Flash-Erklärboxen sinnvoller, die Spiegel Online zuweilen einsetzt, da diese direkt in den Hauptartikel integriert werden und nicht wie beim ZDF mit einem Popup funktionieren.


(An dieser Stelle sei auch noch mal ein Hinweis auf unseren Film “Alltag Überwachung” gestattet).

Verblödungsoffensive bei Sueddeutsche.de?

Nein, ich habe kein Problem mit Sueddeutsche.de – auch wenn mir manche Dinge (“Die 100 besten Biere der Welt”, die interaktiv aufbereiteten Schlafstätten der G8-Größen oder die PR-Arbeit für Persil) dort nicht gefallen. Was mich jetzt schon wieder aufregt? Seit zwei Tagen gibt es im Politik-Ressort einen mäßig lustigen Beitrag über die Warteschleifemelodien der Bundestagsparteien; selbstverständlich multimedial und interaktiv aufbereitet (mit Hörbeispielen und Abstimmmöglichkeit) und ein paar Klicks sollen auf sieben Seiten natürlich auch generiert werden. Ist das der “Qualitätsjournalismus, der auch online der gedruckten Zeitung entspricht”, von dem Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs gerne spricht? Bei Angeboten wie RTL.de halte ich so etwas für legitim, aber bei Sueddeutsche.de erwarte ich so etwas einfach nicht, das kommt mir dann eben wie eine Verblödungsoffensive vor. Aber vielleicht bin ich auch nur zu humorlos, zu anspruchsvoll oder ein gebranntes Kind, da ich vor knapp zehn Jahren bei ProSieben.de ähnliche Dinge mitmachen musste?

Schwarzer Tag in NRW: Aus für “taz” NRW (und Onruhr)

“Der taz-Vorstand hat beschlossen, die taz nrw zum 31. August einzustellen”, meldet die “taz” NRW und äußert zugleich scharfe Kritik an der “taz”-Geschäftsführung. Im taz-Blog werden die Nachrufe anderer Medien gesammelt.

Ein wenig Selbstkritik würde auch Uwe Knüpfer nicht schaden, der musste jetzt das vorläufige Ende seiner PDF-Zeitung Onruhr verkünden. Trotzdem möchte er es noch mal mit seinem letztlich gescheiterten Ansatz probieren. Im “Wirtschaftsmagazin Ruhr” heißt es dazu: “Die Suche nach Investoren sei erfolglos gewesen. Ziel sei es, im Herbst erneut an den Start zu gehen – an dem Konzept einer PDF-Zeitung, das von Lesern wie von Fachleuten kritisiert wurde, will Knüpfer indes fest halten.”

Ausführlich berichtet Pottblogger Jens Matheuszik über das Scheitern der beiden Projekte.

Preisverleihung mit Druckkostenzuschuss

Weil in letzter Zeit so viel von angeblichen Mauscheleien bei Preisverleihungen die Rede ist: Der Metablocker von politik-digital nennt beim Deutschen Multimeda Award des namensgebenden Verbandes nicht nur die Preisträger, sondern auch das Kleingedruckte:

Die Teilnahmegebühr für den DMMA beträgt je nach Zeitpunkt der Bewerbung zwischen 250 und 300 Euro. Dabei erhalten Mitglieder des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft eine Ermäßigung von 15 Prozent. Zusätzlich müssen die Bewerber im Falle einer Nominierung oder Prämierung eintausend Euro Druckkostenzuschuss für das Jahrbuch
“Interaktive Trends/DMMA 2007″ bezahlen. Darin sollen die ausgezeichneten Multimediaangebote auf einer A4-Doppelseite vorgestellt werden. Nach Angaben des DMMA haben sich insgesamt 368 Unternehmen, Institutionen, Agenturen, Freiberufler und Studenten um den Preis beworben.

Zu den interaktiven Trends gehört offenbar, dass die Preisträger am Tag nach der Verleihung noch nicht auf der Website zu finden sind, sondern die User sie sich auf anderen Websites ersurfen müssen.

Das Verfahren war wahrscheinlich schon seit jeher so oder so ähnlich, aber vielleicht nicht nur mir bislang unbekannt.

“Et es wie et es”: Bierdeckeljournalismus bei DWDL

Das Medienmagazin DWDL lese ich an und für sich gerne (was sich hinter dem Kürzel DWDL verbirgt weiß niemand, mein Tipp: “Da wirst Du lachen”). Die Redaktion sitzt in Köln, ja, das ist wichtig. Als hehres Ziel nennt man die “Neudefinierung des Branchenjournalismus für die TV- und Medienwirtschaft”. Immerhin existiert das Angebot, das von einer vierköpfigen Redaktion betrieben wird, seit fünf Jahren.

Gestern informierte DWDL über die neuesten Aktivitäten des Kölner Lokalsenders Center.TV: “Center.TV lässt Hobby-Reporter live berichten”, hieß es in der Überschrift. Je nun, es folgt kein guter Text, der beginnt nämlich schon so: “Das nächste Große Ding [sic!] ruft die Centerstone AG (…) aus. Nachdem vom Nutzer generierte Inhalte zunächst zum revolutionären Kern der neuen Medienwelt erhoben wurden, setzt Zalbertus noch einen drauf (…)” Den Rest erspare ich den Lesern. Es könnte sich um eine Pressemeldung von Center.TV halten.
Weiterlesen…

“Hausfrauen vor verstaubten Gummibäumen, die sich ausziehen”

Aber hallo, was ist denn das für eine Überschrift. Wer redet denn über solches Zeugs. Habe ich gerade gelesen, beim seriösen Medienmagazin “DWDL” und die haben das heute beim Medienforum NRW in Köln gehört:

“Auch User Generated Content sieht Monika Piel [WDR-Intendantin, T.M.] eher kritisch. Er passe nicht in das Programmprofil des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks. Wenn sie entsprechende Portale anschaue, dann sehe sie vor allem “Hausfrauen vor verstaubten Gummibäumen, die sich ausziehen” [vermutlich meinte sie Hausfrauen, die sich vor verstaubten Gummibäumen ausziehen, aber so beckmesserisch möchte ich da mal nicht sein, T.M.] und ähnliches, so Monika Piel. Zudem sei die Seriösität der Informationen im Web oft nicht nachvollziehbar.”

Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich auch mal äußern, wie sich zuweilen das verbliebene Publikum oder andere Kollegen das Treiben in den Öffentlich-Rechtlichen Anstalten vorstellen. Die größten Elche sind selber welche: Ich hoffe, ich falle am Mittwoch beim Medienforum NRW im Panel Citizen Journalists – Demokratisierung oder Qualitätsrisiko? nicht durch ähnliche Aussagen auf.

Das Schweigen des Chefs oder Keese und andere

Christoph Keese bloggt … - nicht
Er könnte vom Balken herab wider falschen Zeitgeist in der Weltpolitik donnern, scharfzüngig den Zustand der übrigen deutschen Presse sezieren oder uns an den fachlich fundierten, publizistisch beispielhaften Entscheidungen seiner Redaktion teilhaben lassen. Doch “Im Newsroom” herrscht Stille. WamS- und Welt-Online-Chefredakteur Christoph Keese schweigt beharrlich. Aktualisiert 22.06.2007
Weiterlesen…

Im Schonwaschgang: Sueddeutsche.de zelebriert 100 Jahre Persil

Das Streiflicht der “Süddeutschen Zeitung” zelebriert heute hundert Jahre Persil. Die dürfen das, die können das, die erhalten von mir den Persilschein. Denn sie drücken das ja auch wohlfeil aus, ein Auszug:

“Hundert Jahre Persil also. Da stehen wir jetzt mitten in der Schleichwerbung, doch lässt sich das bei einem Thema wie diesem nun mal nicht vermeiden, einem Thema, das alle angeht, jedenfalls so lange es schmutzige Wäsche gibt auf dieser Welt. Die Erfolgsstory von Persil zu referieren, ist hier nicht der Ort, dafür hat Henkel – hoffentlich – ein Werbebudget.”

Oder vielleicht Sueddeutsche.de. Denn auf einer zehnseitigen, knapp betexteten Bildstrecke wird dort die Erfolgsstory von Persil anhand der Werbemaßnahmen referiert. Ohne jegliche Kritik. Ein Mischmasch aus Konzerninformationen (zumindest alle Bilder stammen von Henkel), vielleicht noch ein wenig Wikipedia, mehr nicht – das könnte glatt als Image-Broschüre durchgehen. Als Schmankerl gibt es auf jeder Seite drei Werbespots aus den Jahren 1957, 1975 und 2007. Sauber!

Wer’s etwas sauberer mag, sollte sich den Beitrag des Werbebloggers (alles auf einer Seite, etwas kritischer und mit lustigeren Spots) anschauen.

Nachtrag 07.06.07
Wer weder Journalisten noch Bloggern traut, kann sich auch aus erster Hand informieren, Henkel bietet ein umfangreiches Web-Dossier zum 100. Persil-Geburtstag an, selbstverständlich gibt es auch umfangreiches Presse-Material. An auffälligen Ähnlichkeiten und Überschneidungen mit den Sueddeutsche.de-Texten sollte man sich nicht stören, das ist wohl so gewollt.

 « 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 »


onlinejournalismus.de beobachtet die Entwicklung des Journalismus im Internet.

onlinejournalismus.de wird mit WordPress betrieben (Theme: Modern Clix von Rodrigo Galindez).