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Im Schonwaschgang: Sueddeutsche.de zelebriert 100 Jahre Persil

Das Streiflicht der “Süddeutschen Zeitung” zelebriert heute hundert Jahre Persil. Die dürfen das, die können das, die erhalten von mir den Persilschein. Denn sie drücken das ja auch wohlfeil aus, ein Auszug:

“Hundert Jahre Persil also. Da stehen wir jetzt mitten in der Schleichwerbung, doch lässt sich das bei einem Thema wie diesem nun mal nicht vermeiden, einem Thema, das alle angeht, jedenfalls so lange es schmutzige Wäsche gibt auf dieser Welt. Die Erfolgsstory von Persil zu referieren, ist hier nicht der Ort, dafür hat Henkel – hoffentlich – ein Werbebudget.”

Oder vielleicht Sueddeutsche.de. Denn auf einer zehnseitigen, knapp betexteten Bildstrecke wird dort die Erfolgsstory von Persil anhand der Werbemaßnahmen referiert. Ohne jegliche Kritik. Ein Mischmasch aus Konzerninformationen (zumindest alle Bilder stammen von Henkel), vielleicht noch ein wenig Wikipedia, mehr nicht – das könnte glatt als Image-Broschüre durchgehen. Als Schmankerl gibt es auf jeder Seite drei Werbespots aus den Jahren 1957, 1975 und 2007. Sauber!

Wer’s etwas sauberer mag, sollte sich den Beitrag des Werbebloggers (alles auf einer Seite, etwas kritischer und mit lustigeren Spots) anschauen.

Nachtrag 07.06.07
Wer weder Journalisten noch Bloggern traut, kann sich auch aus erster Hand informieren, Henkel bietet ein umfangreiches Web-Dossier zum 100. Persil-Geburtstag an, selbstverständlich gibt es auch umfangreiches Presse-Material. An auffälligen Ähnlichkeiten und Überschneidungen mit den Sueddeutsche.de-Texten sollte man sich nicht stören, das ist wohl so gewollt.

Spiegel Online, Internet-Opfer

Ich weiß nicht, ob es bei Spiegel Online üblich ist, YouTube-Videos direkt in die Artikel einzubetten. Bisher war mir das noch nicht aufgefallen.

Natürlich kann so ein Video die Berichterstattung bereichern, vor allem wenn es nicht nur schmückendes Beiwerk ist, sondern wesentlichen Nutzwert hat und vielleicht sogar den bildlichen Beweis für etwas liefert. Dass die Quelle vorher hinreichend überprüft werden sollte, ist klar.

Aber in diesem Fall? Es geht um eine 18-jährige Schülerin, Stab-Hochspringerin, in ihrer Disziplin und Altersklasse eine der Besten. Irgendwann tauchten Fotos von ihr in einem Weblog auf, das laut SpOn “für seine schlüpfrigen Sportlerinnen-Bilder” bekannt ist. Und jetzt kursieren die Bilder an allen Ecken und Enden im Netz, die vermeintliche Popularität macht der jungen Frau verständlicherweise Angst.

Während die Bildergalerie im SpOn-Artikel offensiv mit den Worten “Sie will lieber wieder anonym sein, will nicht mehr auf der Straße angesprochen werden, sähe es am liebsten, wenn dieses eine Bild von ihr aus dem Internet getilgt würde” angetextet wird, fällt zum eingebetteten YouTube-Video kein Kommentar.

Ich frage mich: Warum ist es eingebunden worden? Und wer ist der Urheber des Videos?

(Auf einen ähnlichen Fall bei Welt Online hatte Fabian Mohr im Dezember 2006 hingewiesen.)

Update (21:05 Uhr): Das Video wurde aus dem Artikel entfernt.

G8-Qualitätsjournalismus im Netz: Wer schläft wo?

Die gedruckte Ausgabe der “Süddeutschen Zeitung” weist auf ihrer Titelseite täglich auf ein besonderes Thema bei Sueddeutsche.de hin. Manchmal ist das ganz nützlich. Heute lautet der Hinweis: “Wer schläft wo? Eine interaktive Graphik zum Gipfel in Heiligendamm”.

Erst mal das Gute: Die grafische Aufbereitung ist sauber, das Flash funktioniert einwandfrei. Was gibt’s zu sehen: Die Hotels, in denen die acht Staatschefs die nächsten Tagen residieren. Jedes Haus kann angeklickt werden, dann erscheint ein bebildertes Informationsfenster, welches an ein Quartettkärtchen erinnert, beispielsweise so:

Grand Hotel
Fakten: 34 Doppelzimmer – 16 Suiten – Nelson Bar
Gäste: Tony Blair, Nicolas Sarkozy

Es ist einfach ohne jeglichen Informations- oder Nutzwert, völlig witzlos und unpointiert. Herrje, soll so ein – mit Verlaub gesagt – Quatsch Qualitätsjournalismus online sein? Glaubt man mit solchen scharf recherchierten und multimedial aufbereiteten Informationen vielleicht irgendeinen Zeitungsleser zu häufigeren Besuchen bei Sueddeutsche.de zu verleiten? Es kann einem die Lust eher verleiden.

Humorlos in Sache G8-Berichterstattung ist heute auch Stefan Niggemeier, der selten so Gl8 hat. Ebenso stinkstiefelig ist Christian Jakubetz, der über Tagesspiegel Online meckert.

Bei Diekmanns “Wichsvorlage” endet die innere Pressefreiheit bei Welt.de

“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann kündigte sein Buch “Der große Selbstbetrug” an, unter anderem rechnet er darin mit den “68ern” ab. Da redete “Welt am Sonntag” Alan Posener in der Welt Debatte mal tacheles über Diekmanns Arbeit:

“Die 68er haben K.D, gezwungen, als Chefredakteur der Bildzeitung nach Auffassung des Berliner Landgerichts “bewusst seinen wirtschaftlichen Vorteil aus der Persönlichkeitsrechtsverletzung Anderer” zu ziehen. Die 68er zwingen ihn noch heute, täglich auf der Seite 1 eine Wichsvorlage abzudrucken, und überhaupt auf fast allen Seiten die niedrigsten Instinkte der Bild-Leser zu bedienen, gleichzeitig aber scheinheilig auf der Papst-Welle mitzuschwimmen.”

(via Turi2, Bildblog). Und wenig später findet sich zu Poseners Artikel “Wir sind Papst” nur noch eine Fehlermeldung. Was soll man davon halten?

Nachtrag
Eine ähnlich derbe “Bild”-Kritik (siehe Hervorhebung im Text dort) äußerte Posener in seinem Welt-Blog Apocalypso vor einem halben Jahr, damals allerdings nicht im Kontext mit Kai Diekmann. “Manchmal wünscht man sich die Zensur zurück”, begehrte Posener dort.

Gestern schrieb Posener auch einen Beitrag mit dem Titel “Wozu Zensur gut ist”: “Manche Leute scheinen es darauf anlegen zu wollen, zensiert zu werden, damit sie sich nachher beschweren können über die undemokratischen Zustände bei Welt-Debatte.”

Nachtrag #2 Stellungnahme der Axel Springer AG
Veröffentlicht bei Turi2 (leider gerade offline), gefunden im Law Blog:

Stellungnahme der Axel Springer AG zum Beitrag von Alan Posener über Kai Diekmann

Dies ist die Entgleisung eines einzelnen Mitarbeiters. Der Beitrag von Alan Posener über Kai Diekmann ist ohne Wissen der Chefredaktion in den Weblog von Alan Posener gestellt worden.

Der Beitrag ist eine höchst unkollegiale Geste und entspricht nicht den Werten unserer Unternehmenskultur.

Bei Axel Springer gilt Meinungspluralismus, aber nicht Selbstprofilierung durch die Verächtlichmachung von Kollegen.

Nachtrag # 3 Alan Posener schweigt gegenüber dem Bildblog
“Nachtrag, 15.30 Uhr: Der Autor Alan Posener sagte auf unsere Frage nach dem Verbleib des Textes, er wolle sich dazu nicht äußern und bat dafür um Verständnis.”

Kress.de: Kein privates Surfen bei Bauer

Leider kann ich nur den Anreißer zitieren, mehr will Kress.de den Internet-Nutzern kostenlos nicht geben:

Aufgeregte Diskussionen bei der Verlagsgruppe Bauer in Hamburg. Der Verlag will den Angestellten verbieten, das Internet oder E-Mails in der Firma auch privat zu nutzen.

In vielfacher Hinsicht wäre dies für ein Medienhaus ein Armutszeugnis und schädlich.

Nachtrag

Und doch gibt’s was online bei Kress, im Kress-Redaktionsblog (Danke für die Hinweise im jonet und hier):

“In Hamburg gab es mal den Spruch, das sozialste am Bauer Verlag sei seine Nähe zum Hauptbahnhof. Eine aktuelle Dienstanweisung des Hauses ist nicht dazu angetan, dieses Negativ-Image zu zerstreuen. Peter Heinlein schreibt in “Bild Hamburg“, dass der Verlag es verbieten will, dass während der Arbeitszeit privat im Internet gesurft wird oder E-Mails geschrieben werden. Bauer-Mitarbeiter haben gegenüber kress bestätigt, dass ein solches Verbot ausgesprochen werden soll.”

Lange Durststrecke bei Sueddeutsche.de

Hui, das hört sich aber alarmierend an. Es läuft doch so prima bei Sueddeutsche.de, heißt es immer wieder (Pressemitteilung vom 05.04.07: “Sueddeutsche.de erstmals über 80 Mio. PIs”). Aber es ist ja nichts Schlimmes: Die Münchner feiern den Tag des Bieres mit einer “Durststrecke” der angeblich “100 besten Biere der Welt”, von Hopfenkaltschale Nummer 1 bis 100 kann geklickt werden (mein Expertentipp, bei Nummer 4 können Sie schon aufhören). Ja, und? Wenn die Leute so blöd sind und viel anklicken – warum soll man das nicht anbieten, mag man vielleicht jetzt einwenden. Und jetzt kommen Sie mir nicht mit Qualitätsjournalismus. Und außerdem: Etwas lustiger kann’s auch mal zugehen, Prost! (Der Autor des Bierbuches heißt übrigens Michael Rudolf und nicht Rudolf Michael, aber bei so lustigen Inhalten kann schon mal was durcheinander geraten).

Unter anderem über solche “Taschenspielertricks” berichtet sehr praxisnah ein aktuelles Gutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung (einer der beiden Autoren wies uns in einem Kommentar darauf hin). Die Autoren folgern:

“Die hohen Klickzahlen der Newsportale übertünchen einen wichtigen Aspekt: Die wenigsten Klicks der verlegerischen Sites gehen auf redaktionelle Inhalte zurück. Die meisten Portale und wohl auch Zeitungen generieren nicht einmal ein Fünftel ihrer Zugriffe aus originären redaktionellen Texten. Das Gros der Klicks ist dem Einsatz von Bildergalerien, dem Zugriff auf Wertpapierdepots, Partnerbörsen, Aktienkurs-Abfragen, Job-Datenbanken geschuldet, die allesamt in die Klickstatistik einfließen. So haben die offiziell verbreiteten Einschaltquoten nur bedingten Aussagewert über die tatsächlichen Vorlieben der Kunden.” (S. 60)
“Das ambivalente Beispiel »Spiegel Online« zeigt, dass selbst das unangefochtene Leitmedium zu Taschenspielertricks greifen muss, um gegen die unjournalistischen Unterhaltungsportale bestehen zu können. (…) Ansprüche und Grundsätze des klassischen Qualitäts-Journalismus werden in der Folge weiter erodieren. Dieser Prozess kann noch drei, fünf oder acht Jahre dauern. Dann spätestens werden sich etliche Leser ermattet abwenden von den aufgeregten, hyperventilierenden, sensationsgeilen Sites der Unterhaltungsportale und ihrer journalistischen Klone.” (S. 81)

Studie: Klicks, Quoten, Reizwörter: Nachrichten-Sites im Internet – wie das Web den Journalismus verändert: Gutachten im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung / Steffen Range; Roland Schweins, Berlin 2007. Download: PDF-Datei, 120 Seiten, 2,3 MB. Die beiden Autoren betreiben ein Weblog und versprechen darin: “Werkkanon macht sich stark für Qualitätsjournalismus im Web. Werkkanon entlarvt, wo Quote Qualität aussticht.”

Zum Thema bei onlinejournalismus.de:

Nachtrag 26.04.07
Unser Autor Klaus Meier, Professor an der Hochschule Darmstadt, kritisiert die vorgenannte Studie im Blog Journalismus-Darmstadt.de unter anderem als ein “kulturpessimistisches Haudraufgutachten”. Die Autoren antworten darauf in ihrem Blog Werkkanon.

Klickfolter bei Focus Online: Gabriele Pauli posiert im Domina-Outfit

Der Münchner “Abendzeitung” war es am Dienstag ein Aufmacher wert, die “Bild” berichtete auch und Focus Online griff’s um 11.13 Uhr auf: “CSU-Rebellin posiert im Domina-Outfit”. Herrje, was wurde nicht alles schon über Gabriele Pauli geschrieben, ja, einige Journalisten sind wohl regelrecht “Verliebt in Gabriele Pauli”, wie Thomas Knüwer Anfang Januar schrieb. Und nun auch noch das. Weiterlesen…

Relaunch RTL.de

Auch offtopic? Schwierige Frage, immerhin geht es bei uns vornehmlich um Journalismus. Jedenfalls ist auch bei RTL.de alles neu. Stefan Niggemeier, der ja auch vor längeren Neun-Live-Sessions nicht zurückschreckt, hat sich intensiver damit beschäftigt und jede Menge aufschlussreiche Screenshots gezogen. Sein Zwischenfazit:

Selbst wenn RTL.de es irgendwann schaffen sollte, die unfassbare Zahl von Programmier-Fehlern zu korrigieren, bleiben die Seiten eine unfassbare Zumutung. Nach wie vor packt RTL.de Nachrichten in endlose Bildergalerien (wie diese) von unbestimmter (und nie angegebener) Größe, bei denen die Texte unter wahllos zusammengeklaubten und dazu eher nur zufällig passenden Fotos stehen.

Immerhin kann man RTL.de zugute halten, dass die Startseite jetzt etwas aufgeräumter und weniger mit Links zugekleistert aussieht. Die gesamte untere Hälfte rangiert übrigens unter einer “Shopping” betitelten Trennlinie. Übervorsichtig? Neben Partnerschaftsvermittlung und Tittenfotos werden dort auch ein Superstar-Video und ein Oscar-Special annonciert, die – zumindest auf den ersten Blick – als normale Programmbegleitung durchgehen würden.

Userfeedback sammelt RTL vorsichtigerweise nur als E-Mail (userfeedback@rtl.de).

sueddeutsche.de, Vanity Fear-Video

Das “Vanity Fear”-Video des neuen Sat.1-Comedy-Formats mit Niels Ruf ist in den letzten Tagen ja auf allen möglichen Videoplattformen gestreut worden.

Unter anderem ist es auch im Kultur-Ressort von sueddeutsche.de gelandet, dort allerdings eingebunden in einen redaktionellen Beitrag, der den User-Kommentaren nach nicht nur mich fragend zurück lässt.

Kollaborativer Kokolores bei der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”

“Der Leser schreibt mit”, hieß es vor zwei Wochen zum ersten Mal bei der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. “Anstatt einen Artikel nur zu drucken, haben wir ihn erst einmal ins Internet gestellt. Wir wollten wissen, ob die Leser dort vielleicht mehr wissen als wir”, schrieb “FAS”-Redakteur Jörg Albrecht (siehe hierzu auch “Partizipativer Journalismus bei der FAS” im Blog Journalismus 2.0). Sonst nur schnöder Beobachter oder Kritiker solcher journalistischen Experimente, machte ich am Freitag mal selbst mit. Und erlebte eine böse Überraschung. Weiterlesen…

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