Archivierte Einträge für Negativbeispiel

Ein Fehler, der nicht sein müsste

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Max Stadler ist gestorben – im Alter von 63 Jahren, wie Zeit Online in ihrem Artikel gleich zwei Mal schreibt. Eingebettet ist in den Text allerdings ein Tweet der FDP Bayern. Laut diesem wurde Stadler 64 Jahre alt. Das ist auch richtig, wie ein Abgleich mit dem Geburtsdatum auf Stadlers Homepage ergibt.

Artikel über Max Stadler bei Zeit Online (Screenshot)

Vermutlich bezieht sich die falsche Angabe auf eine frühere Version des ebenfalls verlinkten Artikel der Passauer Neuen Presse. Darauf deuten jedenfalls die Abgleich mit der verlinkten URL sowie Google News hin. Google News verrät auch, dass Zeit Online nicht als einziges Medium die falsche Angabe aus der PNP (und vermutlich einer darauf beruhende Agenturmeldung) übernommen hat.

Aber wenn man einen Tweet einbettet, der dem widerspricht, sollte man doch ins Nachdenken kommen, oder?

Artikel über Max Stadler bei Google News (Screenshot)

Nicht nur Stadler-Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia ist übrigens nach Stadlers Tod bereits aktualisiert (16:00 Uhr), sondern auch der in im mit der PNP verbundenen RegioWiki Niederbayern und Altötting (13:53 Uhr).

NZZ-Multimedia-Reportage: Muster ohne (Mehr-)Wert

Die NZZ hat eine opulente Multimedia-Reportage zu zwei Jahren Fukushima produziert. Das ambitionierte Ensemble aus Bildern, Videos, Karten und Animationen ist schön anzuschauen, leider aber unzureichend erklärt. Ohne Kontext nutzt das größte Multimedia-Feuerwerk wenig. Weiterlesen…

Die Google-Minus-App

Screenshot Google Plus App (iOS)

Wo kann ich hier teilen?

Als Journalist, der Soziale Netzwerke sowohl als Informationskanäle und als zur Betreuung von Markenauftritten dort benutzt, ärgere ich mich seit langem über ein paar Macken der (iOS-)Apps für Google Plus und Facebook. Häufiger checke ich von unterwegs am Smartphone, was sich getan hat und würde gerne die eine oder andere Information aus meinem Newsstream weiterverteilen.

In der iPhone-App von Google Plus ärgert mich schon die Darstellung. Der App-Newsstream stellt hier (relativ) große Bilder in den Vordergrund. Diese laden mobil häufig erst verzögert nach – das erste Ärgernis. Der Nachrichten-Text, also dass, was mir der Absender mitteilen will, wird nach wenigen Worten abgeschnitten. Zum Überfliegen des Newsstreams ist beides denkbar schlecht. Der von Google als Vorschau präsentierte (< title >)Text des eigentlichen Links, der in der Browserdarstellung am Rechner sehr prominent ist, wird in der App nur sehr klein angezeigt.

Dadurch, dass die Darstellung so erheblich von der Browserdarstellung am Rechner abweicht, ist es auch für mich als Absender einer Google-Plus-Nachricht (= Betreiber einer Marken-Seite) schwerer, diese optimal für beide Plattformen zu verfassen. Eine überflüssige Unterscheidung, wie ich finde.

Aktivierter Sharing-Button in der Google-Plus-App

Erst "plussen", dann darf man teilen

Bitte erst ein Plus

Das Weiterverteilen macht mir Google auch schwer: Sharen kann ich erst, wenn ich den Beitrag mit einem „+1“ gewürdigt habe. Gerade als Seitenbetreiber will ich das aber vielleicht gar nicht. Außerdem ist der dafür notwendige „+Zähler“ unten rechts ins Bild eingesetzt und bei bestimmten Hintergründen teilweise ziemlich schlecht zu sehen.

Mobile App von Facebook (Screenshot)

Platzhirsch FB: ganz ohne Teilen-Funktion

Doof auch: Ich habe keine Möglichkeit, wenn ich etwas im Stream meines Personen-Profil sehe, dass unter der Identität der Seite zu teilen. Stattdessen muss ich mich ziemlich kompliziert aus der gesamten App ausloggen, wenn ich zwischen Identitäten hin und her wechsele (oder diese Funktion ist sehr gut versteckt). Unbequem finde ich auch, dass ich offenbar von der keine Möglichkeit habe, einzelne Google-Plus-Seiten (nicht einmal meine eigenen) schnell anzusteuern, sondern diese jedes Mal über die Suche finden muss.

Was bei Facebook besser, was schlechter ist

Konkurrent Facebook bietet in seiner App immerhin eine Übersicht über gelikte und eigene Seiten als Bookmarks.

Über die Größe der Fotodarstellung im Newsstream ärgere ich mich aber auch hier jedesmal außerhalb von WLAN-Zonen (wenn sind auch gefühlt etwas weniger opulent sind als bei Google). Eine Funktion für das Weiterverteilen (Hallo? Soziale Netzwerke? Viralität und so …) fehlt hier bisher ganz, so dass es schon eigene Drittentwicklungen gab. Inzwischen hat Facebook aber wohl erkannt, dass das nicht so klug war und gelobte Besserung.

tl;dr:
Es wird immer über Facebooks fehlende Mobilstrategie gemeckert. Die Google-App ist aus Journalistensicht aber auch ziemlich beknackt.

(Wenn ich etwas übersehen habe, gerne in den Kommentaren korrigieren. Zu den meiner Erfahrung nach elend langsamen Ladezeiten von externen Webseiten innerhalb beider Apps schweige ich mal lieber.)

Update:
Marco Bereth macht darauf aufmerksam, dass in der iPad-Variante der Facebook-App bei bestimmten Sternenkonstellationen der Teilen-Button bereits gesichtet wird.

„Bestialisch hingericht“ – „Sexy“ – „Guten Start!“

Harte Kontraste? Der oder die Google-Plus-Verantwortliche der Hamburger Morgenpost kennt da heute bei Google Plus nix:

"Guten Morgen Hamburg. Heute beginnt der Prozess gegen Vassilys A. (27), der in der Nacht zum 1. September 2011 in einem Hotel in St. Georg eine amerikanische Studentin bestialisch hingerichtet hat. Außerdem rockt das Elektro-Pop-Duo LMFAO ("Sexy And I know It") heute Abend das Docks. Euch einen guten Start in den Tag!"

P.S.: Auch onlinejournalismus.de informiert via Google+ über neue Beiträge und Linktipps.

Ohnesorg-Recherche: Glanz im Print, Lücken online

Im gedruckten „Spiegel“ findet sich diese Woche eine neue Rekonstruktion des Tods des Berliner Studenten Benno Ohnesorg 1967. Beruhend auf neuen Ermittlungserkenntnissen und eigenen Recherchen, die sich vor allem auf teilweise unveröffentliche Foto-, Film- und Ton-Aufnahmen stützen, kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Berliner Polizei den Täter Kurras, einen Beamten, deutlich stärker gedeckt hat als bisher bekannt und von Notwehr – wie vermutet – überhaupt keine Rede sein kann.

Im „Spiegel“ gibt es neben acht Seiten Text eine großformatige Info-Grafik, die anhand der einzelnen Bildindizien den wahrscheinlichen Tathergang aufschlüsselt. Spiegel Online berichtete am Sonntag vorab ausführlich über die neuen Erkenntnisse, was wie nicht anders zu erwarten auf große Interesse stieß (wie z. B. die gesammelten Reaktionen bei Rivva oder Google News zeigen).

Sehr schade allerdings: Die große Geschichte lässt sich derzeit online offensichtlich nur im kostenpflichtigen E-Paper lesen. In der Bilder-Strecke zum Online-Text fehlen die bisher unbekannten Aufnahmen. Zu sehen gibt es die entscheidende Szene nur ganz kurz am Ende dieses im Artikel verlinkten Videos; das zunächst etwas lieblos wenig aufschlussreiches Bilder und bekannte Szenen aneinanderreiht, erst ohne Off-Kommentar, dann von einem O-Ton eines „Spiegel“-Autors erläutert.

Verpasst wurde die Chance, diese Grafik mit Foto, Video- und Audio-Elemente interaktiv für das Netz aufzubereiten, wie es wohl die „New York Times“ gemacht hätte. Spannend wäre außerdem ein „Making-Of“ der Spiegel-Rechercheure gewesen: Von wem ging der Anstoß für die Recherche aus? Wie bekamen sie Zugriff auf die Ermittlungsergebnisse? Welchen Anteil haben ihre eigenen Rechercheergebnisse?

P.S.: Schön allerdings, dass sich das Video einbetten lässt.

Weitere Links

  • RBB-Abendschau: Der Beitrag über die neuen Erkenntnisse zeigt einen Teil der Foto- und Filmaufnahmen, die neue Hinweise gaben.

Sie lernen es nicht: sueddeutsche.de und die Links

Ach, sueddeutsche.de, du und deine Links wieder … Weil ich gerade an anderer Stelle den Artikel von sueddeutsche.de über die nach Deutschland schwappenden Proteste der „Occupy Wall Street“-Bewegung gelobt habe, darf ich auch meckern. sueddeutsche.de schafft es in dem Artikel tatsächlich, zwei immer wieder kritisierte – weil hinrissige – Fehlerklassiker miteinander zu verknüpfen:

  • einen SEO-Link auf ein völlig allgemeines Stichwort setzen, der dem Nutzer überhaupt nichts bringt
  • diesen Link ausgerechnet auf ein Wort zu setzen, das ein Teil des Namens einer Website ist, statt auf die zitierte externe Website zu verlinken.

Dabei haben die Kollegen doch auf Seite 1 des gleichen Artikels bewiesen, das sie durchaus wissen, dass man auf externe Seiten verlinken kann – sogar direkt aus dem Text.

Weitere Links
… bei onlinejournalismus.de:

(Kleiner) Sieg über „Bild“

Schreiben des Deutschen Presserats (Foto: Fiete Stegers)

„Der Beschwerdeausschuss kommt zu dem Ergebnis, dass BILD mit der Online-Berichterstattung unter der Überschrift „Galerie der Schande“ gegen die in Ziffer 1 des Pressekodex festgeschriebene Wahrung der Menschenrechte verstoßen hat.“ Worum ging es und warum ist die Sache noch nicht zuende?

Weiterlesen…

Liveticker-Leid bei stern.de

Ich bin ja durchaus ein Fan von Livetickern – aber will stern.de wirklich bis 2022 durchhalten?

Ankündigung Liveticker bei stern.de (Screenshot)

Weitere Links
bei onlinejournalismus.de

Bild.de: „Nix online auf keinen Fall“

Drei Tage alt, aber ein nahezu klassisches Beispiel: Bildblog dokumentiert, wie Bild.de als erstes mit dem Toten sprach Medium den Rücktritt Mubaraks verkündigte – mit einem vorab vorbereiteten, aber am Donnerstagabend leider nicht zutreffenden Bericht: Der Rücktritt vom Rücktritt.

Prozessjournalismus und Ägypten: Deutschsprachige Onlinemedien enttäuschen

Von Lorenz Matzat

Was Spiegel-Online und Welt-Online in ihren Live- oder Nachtichtentickern bringen, ist in der Ignoranz des Potentials von Onlinejournalismus mehr als befremdend. Es drückt sich aber auch schon in den Begrifflichkeiten aus: Das Wort Live-Blog wird vermieden. Beide Websites, nach Bild-Online die Meistgelesenen – setzen im Jahr 2011 kein einziges Link auf Quellen außerhalb ihres eigenen Angebots.

Soziale Medienkanäle, wie Twitter, YouTube oder Flickr werden gänzlich ignoriert. Nur klassische Nachrichtenagenturen und etablierte Sender wie die BBC gelten als verlässliche Quellen. Insofern spielt es für die deutschsprachige Onlineberichterstattung eigentlich überhaupt keine Rolle, dass in Ägypten das Internet durch die Regierung abgeschaltet wurde
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