Archivierte Einträge für Negativbeispiel

“Bestialisch hingericht” – “Sexy” – “Guten Start!”

Harte Kontraste? Der oder die Google-Plus-Verantwortliche der Hamburger Morgenpost kennt da heute bei Google Plus nix:

"Guten Morgen Hamburg. Heute beginnt der Prozess gegen Vassilys A. (27), der in der Nacht zum 1. September 2011 in einem Hotel in St. Georg eine amerikanische Studentin bestialisch hingerichtet hat. Außerdem rockt das Elektro-Pop-Duo LMFAO ("Sexy And I know It") heute Abend das Docks. Euch einen guten Start in den Tag!"

P.S.: Auch onlinejournalismus.de informiert via Google+ über neue Beiträge und Linktipps.

Ohnesorg-Recherche: Glanz im Print, Lücken online

Im gedruckten “Spiegel” findet sich diese Woche eine neue Rekonstruktion des Tods des Berliner Studenten Benno Ohnesorg 1967. Beruhend auf neuen Ermittlungserkenntnissen und eigenen Recherchen, die sich vor allem auf teilweise unveröffentliche Foto-, Film- und Ton-Aufnahmen stützen, kommen die Autoren zu dem Schluss, dass die Berliner Polizei den Täter Kurras, einen Beamten, deutlich stärker gedeckt hat als bisher bekannt und von Notwehr – wie vermutet – überhaupt keine Rede sein kann.

Im “Spiegel” gibt es neben acht Seiten Text eine großformatige Info-Grafik, die anhand der einzelnen Bildindizien den wahrscheinlichen Tathergang aufschlüsselt. Spiegel Online berichtete am Sonntag vorab ausführlich über die neuen Erkenntnisse, was wie nicht anders zu erwarten auf große Interesse stieß (wie z. B. die gesammelten Reaktionen bei Rivva oder Google News zeigen).

Sehr schade allerdings: Die große Geschichte lässt sich derzeit online offensichtlich nur im kostenpflichtigen E-Paper lesen. In der Bilder-Strecke zum Online-Text fehlen die bisher unbekannten Aufnahmen. Zu sehen gibt es die entscheidende Szene nur ganz kurz am Ende dieses im Artikel verlinkten Videos; das zunächst etwas lieblos wenig aufschlussreiches Bilder und bekannte Szenen aneinanderreiht, erst ohne Off-Kommentar, dann von einem O-Ton eines “Spiegel”-Autors erläutert.

Verpasst wurde die Chance, diese Grafik mit Foto, Video- und Audio-Elemente interaktiv für das Netz aufzubereiten, wie es wohl die “New York Times” gemacht hätte. Spannend wäre außerdem ein “Making-Of” der Spiegel-Rechercheure gewesen: Von wem ging der Anstoß für die Recherche aus? Wie bekamen sie Zugriff auf die Ermittlungsergebnisse? Welchen Anteil haben ihre eigenen Rechercheergebnisse?

P.S.: Schön allerdings, dass sich das Video einbetten lässt.

Weitere Links

  • RBB-Abendschau: Der Beitrag über die neuen Erkenntnisse zeigt einen Teil der Foto- und Filmaufnahmen, die neue Hinweise gaben.

Sie lernen es nicht: sueddeutsche.de und die Links

Ach, sueddeutsche.de, du und deine Links wieder … Weil ich gerade an anderer Stelle den Artikel von sueddeutsche.de über die nach Deutschland schwappenden Proteste der “Occupy Wall Street”-Bewegung gelobt habe, darf ich auch meckern. sueddeutsche.de schafft es in dem Artikel tatsächlich, zwei immer wieder kritisierte – weil hinrissige – Fehlerklassiker miteinander zu verknüpfen:

  • einen SEO-Link auf ein völlig allgemeines Stichwort setzen, der dem Nutzer überhaupt nichts bringt
  • diesen Link ausgerechnet auf ein Wort zu setzen, das ein Teil des Namens einer Website ist, statt auf die zitierte externe Website zu verlinken.

Dabei haben die Kollegen doch auf Seite 1 des gleichen Artikels bewiesen, das sie durchaus wissen, dass man auf externe Seiten verlinken kann – sogar direkt aus dem Text.

Weitere Links
… bei onlinejournalismus.de:

(Kleiner) Sieg über “Bild”

Schreiben des Deutschen Presserats (Foto: Fiete Stegers)

“Der Beschwerdeausschuss kommt zu dem Ergebnis, dass BILD mit der Online-Berichterstattung unter der Überschrift “Galerie der Schande” gegen die in Ziffer 1 des Pressekodex festgeschriebene Wahrung der Menschenrechte verstoßen hat.” Worum ging es und warum ist die Sache noch nicht zuende?

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Liveticker-Leid bei stern.de

Ich bin ja durchaus ein Fan von Livetickern – aber will stern.de wirklich bis 2022 durchhalten?

Ankündigung Liveticker bei stern.de (Screenshot)

Weitere Links
bei onlinejournalismus.de

Bild.de: “Nix online auf keinen Fall”

Drei Tage alt, aber ein nahezu klassisches Beispiel: Bildblog dokumentiert, wie Bild.de als erstes mit dem Toten sprach Medium den Rücktritt Mubaraks verkündigte – mit einem vorab vorbereiteten, aber am Donnerstagabend leider nicht zutreffenden Bericht: Der Rücktritt vom Rücktritt.

Prozessjournalismus und Ägypten: Deutschsprachige Onlinemedien enttäuschen

Von Lorenz Matzat

Was Spiegel-Online und Welt-Online in ihren Live- oder Nachtichtentickern bringen, ist in der Ignoranz des Potentials von Onlinejournalismus mehr als befremdend. Es drückt sich aber auch schon in den Begrifflichkeiten aus: Das Wort Live-Blog wird vermieden. Beide Websites, nach Bild-Online die Meistgelesenen – setzen im Jahr 2011 kein einziges Link auf Quellen außerhalb ihres eigenen Angebots.

Soziale Medienkanäle, wie Twitter, YouTube oder Flickr werden gänzlich ignoriert. Nur klassische Nachrichtenagenturen und etablierte Sender wie die BBC gelten als verlässliche Quellen. Insofern spielt es für die deutschsprachige Onlineberichterstattung eigentlich überhaupt keine Rolle, dass in Ägypten das Internet durch die Regierung abgeschaltet wurde
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Serendipität bei Sueddeutsche.de

Es sind nach meinen Erfahrungen zumeist auch Kleinigkeiten, die ein gutes Online-Angebot ausmachen. Eben ärgerte ich mich wieder über Sueddeutsche.de: In einem heute in der Print-Ausgabe erschienenen Artikel geht es um die Nachfolge des im Herbst ausscheidenden Präsidenten der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). Ein spannender Beitrag, welcher Missstände in der hiesigen Medienpolitik deutlich macht, zugleich aber auch ein Beitrag, der Probleme beim Internet-Angebot der “Süddeutschen Zeitung” verdeutlicht. Weiterlesen…

Zeit Online: Schleichwerbung für das Paradies?

Vor einem Jahr hatte ich an dieser Stelle moniert, “Zeit Online huldigt Renault”. Ich empfand eine allzu längliche Bildstrecke für ein französisches Automobil als Schleichwerbung, die Redaktion entfernte die werbenden Bilder dann auch nach meinem Hinweis. Gut so.

Ich wünsche mir von so einem integeren Online-Angebot, dass man auch den aus der “Zeit” vom 29.07.2010 stammenden (Werbe-)Text “Portugal: Der Strand – Die Bucht von Alteirinhos braucht keine Wellenreiter, um lässig zu sein”, mit dem verlinkten Hinweis “Weitere Informationen unter www.visitportugal.com” entfernt. Schließlich endet der durchweg schwärmerische Artikel mit der Aussage: “Wir behalten das Paradies gern für uns allein.” So soll es denn sein. Muss wohl durchgerutscht sein, ansonsten ist es wohl ein schönes Beispiel für Schleichwerbung.

Nachtrag
Herrje, man darf nicht anfangen rumzustöbern, sonst stößt man auf noch auf “Das schönste Hotel des Sommers” (“Die Zeit” vom 29.07.2010) in St. Tropez … Wer es lieber deutsch mag, der kann mit Zeit Online “Auf Tour mit dem Feldberg-Ranger” gehen. Und wie es sich für ein Online-Angebot gehört, gibt es viele Links im Text …

Nachtrag 16.08.2010

Alles nur kleine Fische (wenn überhaupt …) im Vergleich zu dem was Peer Schader bei FAZ.NET im Fernsehblog sehr schön dokumentiert hat: “See-Schwäche auf allen Kanälen: Wie das Fernsehen der Kreuzfahrtindustrie verfiel”.

“Zeitung online” besser per Twitter verfolgen

Heute begann in Düsseldorf die Tagung “Zeitung Online”. Bei der vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und World Association of Newspapers and News Publishers (WAN-IFRA) veranstalteten Multimediakonferenz werden “die neusten Online-Trends, E-Publishing-Lösungen und innovativen Vertriebskonzepte für mobile Endgeräte diskutiert”. RP Online bietet eigens dazu ein Dossier “Special zum Kongress “Zeitung online 2010″ in Düsseldorf” an, das neben Eigen-PR auch Informatives – zumindest für den nicht aus der Medienbranche stammenden Leser – bietet.

Erhofft hatte ich mir eine Live-Berichterstattung, doch der RP Online-Bericht “Zeitung Online ist eröffnet” lässt einen leider regelrecht gruseln – Bratwurstjournalismus vom Feinsten, garniert mit unzähligen Fehlern; als Kostprobe der inzwischen korrigierte Teaser:

Der Fachkonferenz”Zeitung Online” hat begonnen. Die Resonanz ist groß. Im Tagungsraum sitzen rund 300 Experten, Chefredakteure, Marketingstrategen dicht gedrängt. Richard Rebmann, Vize-Präsident des Bundes deutscher Zeitungsverleger begrüßte die Gäste im Saal.

Da ist man mit den Häppchen-Informationen via Twitter zumindest im Groben besser informiert – Hashtag #zo10.

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