Archivierte Einträge für Negativbeispiel

Serendipität bei Sueddeutsche.de

Es sind nach meinen Erfahrungen zumeist auch Kleinigkeiten, die ein gutes Online-Angebot ausmachen. Eben ärgerte ich mich wieder über Sueddeutsche.de: In einem heute in der Print-Ausgabe erschienenen Artikel geht es um die Nachfolge des im Herbst ausscheidenden Präsidenten der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM). Ein spannender Beitrag, welcher Missstände in der hiesigen Medienpolitik deutlich macht, zugleich aber auch ein Beitrag, der Probleme beim Internet-Angebot der „Süddeutschen Zeitung“ verdeutlicht. Weiterlesen…

Zeit Online: Schleichwerbung für das Paradies?

Vor einem Jahr hatte ich an dieser Stelle moniert, „Zeit Online huldigt Renault“. Ich empfand eine allzu längliche Bildstrecke für ein französisches Automobil als Schleichwerbung, die Redaktion entfernte die werbenden Bilder dann auch nach meinem Hinweis. Gut so.

Ich wünsche mir von so einem integeren Online-Angebot, dass man auch den aus der „Zeit“ vom 29.07.2010 stammenden (Werbe-)Text „Portugal: Der Strand – Die Bucht von Alteirinhos braucht keine Wellenreiter, um lässig zu sein“, mit dem verlinkten Hinweis „Weitere Informationen unter www.visitportugal.com“ entfernt. Schließlich endet der durchweg schwärmerische Artikel mit der Aussage: „Wir behalten das Paradies gern für uns allein.“ So soll es denn sein. Muss wohl durchgerutscht sein, ansonsten ist es wohl ein schönes Beispiel für Schleichwerbung.

Nachtrag
Herrje, man darf nicht anfangen rumzustöbern, sonst stößt man auf noch auf „Das schönste Hotel des Sommers“ („Die Zeit“ vom 29.07.2010) in St. Tropez … Wer es lieber deutsch mag, der kann mit Zeit Online „Auf Tour mit dem Feldberg-Ranger“ gehen. Und wie es sich für ein Online-Angebot gehört, gibt es viele Links im Text …

Nachtrag 16.08.2010

Alles nur kleine Fische (wenn überhaupt …) im Vergleich zu dem was Peer Schader bei FAZ.NET im Fernsehblog sehr schön dokumentiert hat: „See-Schwäche auf allen Kanälen: Wie das Fernsehen der Kreuzfahrtindustrie verfiel“.

„Zeitung online“ besser per Twitter verfolgen

Heute begann in Düsseldorf die Tagung „Zeitung Online“. Bei der vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und World Association of Newspapers and News Publishers (WAN-IFRA) veranstalteten Multimediakonferenz werden „die neusten Online-Trends, E-Publishing-Lösungen und innovativen Vertriebskonzepte für mobile Endgeräte diskutiert“. RP Online bietet eigens dazu ein Dossier „Special zum Kongress „Zeitung online 2010″ in Düsseldorf“ an, das neben Eigen-PR auch Informatives – zumindest für den nicht aus der Medienbranche stammenden Leser – bietet.

Erhofft hatte ich mir eine Live-Berichterstattung, doch der RP Online-Bericht „Zeitung Online ist eröffnet“ lässt einen leider regelrecht gruseln – Bratwurstjournalismus vom Feinsten, garniert mit unzähligen Fehlern; als Kostprobe der inzwischen korrigierte Teaser:

Der Fachkonferenz“Zeitung Online“ hat begonnen. Die Resonanz ist groß. Im Tagungsraum sitzen rund 300 Experten, Chefredakteure, Marketingstrategen dicht gedrängt. Richard Rebmann, Vize-Präsident des Bundes deutscher Zeitungsverleger begrüßte die Gäste im Saal.

Da ist man mit den Häppchen-Informationen via Twitter zumindest im Groben besser informiert – Hashtag #zo10.

„Shitstorm“ im Qualitätsblog: Die Ruhrbarone und der Fall Tauss

„Ruhrbarone“ heißt ein Gruppen-Blog von nordhrein-westfälischen Journalisten um David Schraven und Stefan Laurin. In der Vergangenheit konnte das Blog mit gut recherchierten und kritischen Beiträgen punkten – und das nicht erst im Vorfeld der Landtagswahl in NRW, die das Blog auch verstärkt in den Fokus von Kollegen und Medienseiten brachte (z. B. taz, SZ). Nun hat allerdings einer der Autoren mit einem äußerst boulevardesk formulierten Meinungsbeitrag zur Verurteilung des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss wegen des Besitzes von Kinderpornographie massive Kritik der Blog-Leser hervorgerufen.

Carsten Drees analysiert in seinem Blog Artikel und Reaktionen und zeigt dabei, wie man trotz möglicher Befangenheit („ich schätze Jörg persönlich“) sachlich argumentieren kann.

Weitere Links

Sueddeutsche.de linkt sich selber

Bietet euren Lesern Orientierung, setzt mehr sinnvolle Hyperlinks ein; so lautet eine der Faustregeln für guten Onlinejournalismus, die mitunter schon seit gut zehn Jahren – und nicht erst durch Jeff Jarvis – verkündet werden. Freilich sind die meisten Medien hierzulande immer noch sehr zurückhaltend was die Vernetzung insbesondere mit anderen Websites angeht.

Sueddeutsche.de setzt seit einigen Tagen konsequent Links innerhalb der eigenen Texte. Aktuelles Beispiel: in einem Kommentar von Heribert Prantl zum Koch-Rücktritt („Roland Koch, der Unvollendete“) finden sich immerhin acht, wohlgemerkt nur interne, Links innerhalb des Textes. Gleich am Textanfang wird auf auf das Wort „Roland Koch“ verlinkt, der Link zeigt dann alle bei Sueddeutsche.de vorhandenen Artikel zu dieser Person an; ich hätte hinter diesem Link eigentlich die Vita Roland Kochs vermutet. Als nächster Link taucht noch mal der Koch auf, diesmal gibt es alle Artikel in denen „Koch“ eine Rolle spielt – am Ende natürlich auch Fernsehköche. Das ist einfach inkonsistent und irritierend.

Noch ein Beispielsatz aus diesem Prantl-Kommentar mit Link:

„Dass er in die CDU eine Lücke reißt, in der nun nur noch Leute wie der Stuttgarter Ministerpräsident Stefan Mappus stehen und eine bescheidene Figur abgeben, dürfte Roland Koch insgeheim durchaus befriedigen.“

Hier hätte man sich wohl Informationen über den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus erwartet – doch man erhält alle Artikel, in welchen alle Ministerpräsidenten eine Rolle spielen. Kurzum: Die offenbar automatisierten Links im Textkörper irritieren eher, als dass sie den Leser mit sicherer Hand zu relevanten Informationen führen. Da erwarte ich mir von einem Angebot wie Sueddeutsche.de einfach intelligentere Lösungen, so fühlt man sich eher an die unsäglichen Klickschindereien jenes Angebots in der Vergangenheit erinnert.

Mehr bei Onlinejournalismus.de:
Problemverbindung: News-Sites und externe Links

Vertane Chance

Spiegel Online bietet eine großformatige Infografik zum Luftangriff bei Kundus – die leider aber in der vorliegenden Form überhaupt nicht funktioniert. Man sieht ihr an, dass sie fürs gedruckte Heft produziert und nicht onlinegerecht angepasst wurde. Schade.

Heikle Twitter-Debatte um die „Rhein-Zeitung“

rz-twitter

Bei der Koblenzer „Rhein-Zeitung“ scheint der Haussegen schief zu hängen. Scheint, denn die Quelle, die einige Ungereimheiten bei der Regionalzeitung anprangert, bedient sich eines anonymen Twitteraccounts. Weiterlesen…

Blattkritik bei der Münchener „Abendzeitung“ als Video

Screenshot Blattkritik bei der Abendzeitung

Dass Redaktionen sich bei ihrer Arbeit beobachten lassen, ist nicht unbedingt neu. „Die schummrigen Standbilder und Wortfetzen aus der Redaktionskonferenz vermitteln eher den Charme der der frühen Internet-Jahre als das einer transparenten, modernen Redaktion“, ramenterte ich 2006 etwa über den längst wieder eingestellten Versuch der Münchener Straßenverkaufszeitung „tz“, Leser via Webcam und Chat an ihrer morgendlichen Konferenz teilhaben zu lassen (der Text erschien im „BJV Report“ des Bayerischen Journalisten-Verbands und ist als PDF, 6 Seiten, 264 kb, abrufbar).

Heute morgen animierte mich ein Hinweis in der Print-Ausgabe der Münchener „Abendzeitung“ dazu, mal wieder ein Video aus dem Genre Redaktions-Nabelschau anzuschauen: „Starkoch Eckart Witzigmann als Blattkritiker der AZ“. Der österreichische Koch hatte sich die Wochenend-Ausgabe des (leider!) an Auflagenschwund leidenden Blattes angeschaut.

Formal zu beanstanden ist, dass die ganze Chose knapp eine Stunde dauert und niemand einem vorher sagt, wie lange der Maestro spricht. Ich gebe es zu, ich habe es mir nicht komplett angeschaut. Anfangs ist es ganz nett anzuschauen, wie der 68-jährige Koch stark dialektal gefärbt mal süffisant, mal ausgiebig anekdotisch, mal kommentierend spricht; Seite für Seite und anhand seiner Notizen seziert er die Zeitung. Je nun, nach zirka zehn Minuten wird’s leider etwas ermüdend; allenfalls der Blick auf den leidenden Chefredakteur Arno Makowsky erheitert den Zuseher dann noch. Hier und da gibt es dann auch mal Vorschläge und sanfte Schelte für die Zeitung. Am Ende meint der freundliche Witzigmann: „Das war keine Kritik“.

Die „Abendzeitung“ lädt sich ab und zu externe Kritiker ein, die nicht unbedingt aus dem Bereich des Journalismus stammen. Auch das ist seit jeher gang und gäbe, dennoch liefert diese Darstellungform als Video einen gewissen Charme und wirkt authentisch. Obendrein hält sich der Aufwand in Grenzen. Fazit: Auf gut bayerisch – nix Sensationelles nicht, aber man kann es durchaus mit geringen Bordmitteln mal ausprobieren; die Nabelschau hält sich in Grenzen und gibt keine Redaktionsgeheimnisse preis, der Unterhaltungswert ist zumindest anfänglich da, der Zuschauer hat das Gefühl dabei zu sein (obacht, allerdings bei den Hustgeräuschen!).

Nachtrag 19.10.09 zur ökonomischen Situation der „Abendzeitung“

„Stützungsaktion für darbendes Boulevardblatt: „Abendzeitung“ dockt beim SV an“, titelt heute Kress.de.

Nachtrag 19.10.09 zum Thema öffentliche Blattkritik

Die Koblenzer „Rhein-Zeitung“ stellt über FileSocial.com eine Blattkritik online.

Die Zauberformel fürs Geldverdienen im Netz: „Das harmonische Ganze“

Kress.de meldet (mittlerweile auch alles):

„“Unique Way“, ein neues Portal für Mode und Lifestyle, ist in diesen Tagen gestartet. Gründer Claus Gronemeier, 27, will E-Commerce und redaktionelle Berichterstattung über Lifestyle-Themen miteinander verbinden. Man bringe auf der Webseite beide Seiten, bisher „künstlich“ voneinander getrennt, zu einem „harmonischen Ganzen“ zusammen.“

Ja freilich rege ich mich darüber nicht auf, ähnliche Angebote aus diesem Genre gehen ja seit Jahrzehnten recht schmerzfrei, was die reine Lehre des Journalismus angeht, zur Sache. Nur bei diesem, einem Produktkatalog nicht unähnlichen Angebot ganz leger von einer Symbiose von Kommerz und Journalismus zu einem „harmonischen Ganzen“ zu schwurbeln, lässt einen dann doch aufhorchen und einen neugierigen Blick auf Unique Way werfen. Würde mich mal interessieren, was der Deutsche Presserat von solchen kreativen Ideen hält.

Brandanschlag auf Ansbacher Schule: die örtliche Zeitung muss schweigen

Der Brandanschlag auf eine Schule im fränkischen Ansbach (40.000 Einwohner), bei dem ein 18-Jähriger Molotowcocktails zündete und mehrere Schüler verletzte, kursiert derzeit in allen Medien. Fast allen Medien: Ausgerechnet das örtliche Blatt, die „Fränkische Landeszeitung“ (Druckauflage laut IVW II/2009 50.007) schweigt – vermutlich bis Freitagmorgen – beharrlich zu dem Vorfall.

Denn die Zeitung verweigert sich mehr oder weniger konsequent dem Internet. Wie lange sich die Zeitung dieses Exotendasein noch leisten will, weiß ich nicht, vor zwei Jahren fragte ich bei der Geschäftsleitung mal nach, die wollte sich allerdings nicht dazu äußern. Als Redakteur würde ich mich dort – nicht nur in der heutigen Ausnahmesituation – etwas unwohl fühlen.

Nachtrag 13.30 Uhr
Thomas Knüwer wundert sich auch über die „Fränkische Konsequenz“.

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