Archivierte Einträge für Negativbeispiel

Gegen Bezahlung: DerWesten lässt das Höschen runter

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Auf der verzweifelten Suche nach Erlösquellen ist Netz-Medien mitunter kein Mittel zu schade. DerWesten wirbt bei Parteien mit einem dubiosen Angebot. Weiterlesen…

Enttäuschung: „ARD Video“ im Appleladen

Als ARD-Mitarbeiter jauchzte ich auf, als der iTunes-Newslettter ankündigte: „ARD Video startet kunterbunt bei uns im Store.“ Die Freude wich Enttäuschung, als ich mir das Angebot anschaute: Ein Häuflein Kinder-Serien und „hochwertige“ Geo-Dokumentationen – kostenpflichtig.

Natürlich gibt es bei der ARD bzw. Tochterfirmen offline seit ewigen Zeiten bestimmte Produktionen kostenpflichtig zu erwerben (Hörbücher, Serien-DVDs …). Aber im populären iTunes-Store unter Trara ein Angebot mit dem scheinbar allgemeingültigen Namen „ARD Video“ für Kaufware einzurichten, unter dem die Nutzer eher eine vollwertige Mediathek erwarten? Das tut den bereits verstreut und vor allem kostenlos via iTunes-Shop erhältlichen ARD-Angeboten Unrecht und löst bei den Gebührenzahlern – wie in den Nutzerkommentaren bei iTunes – Unverständnis und die berechtigte Frage aus, wofür sie denn noch alles zahlen sollen.

Exklusives „Internet-Tagebuch des Familienmörders“

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Vier Menschen sind tot. Wer sucht, stößt im Internet schnell auf Seiten, auf denen sie über sich und ihr Leben berichten, private Fotos zu sehen sind. Wie gehen Medien damit um? Das Beispiel „Hamburger Abendblatt“.
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Springers schönste Tochter?

Screenshot Abendblatt 14.02.2009Wie war das noch gleich mit der Online-Offensive beim Hamburger Abendblatt? Auch wenn wir es langsam leid sind, überflüssige Bildergalerien anzuprangern: Als Aufmacher präsentiert uns die Springer-Zeitung soeben eine Bildergalerie (29 Fotos) über „Hamburgs schöne Töchter“ samt dazugehörigem Bericht über die Modenschau eines im Text ausgiebig gewürdigten lokalen Modehauses. Garniert wird das auf der Abendblatt-Startseite mit Werbung für ein Online-Spiel sowie „federleichtem French Pop“. Und mit einem Neunziger-Jahre-Tickerlaufband, das – zumindest hier – offenbar sämtliche anderen Browserfenster erlahmen lässt.

Bei der Unterhosen-Parade hat Springer die Nase vorn

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Feinripp-Versorgungsunternehmens Schiesser sind ein ohnehin quotenträchtiges Thema, das man im Onlinejournalismus geradezu ideal als Bilderstrecke aufbereiten kann – zumindest denkt man das bei Welt Online.

Völlig untypisch besteht diese nur aus fünf Bildern (darauf fünf Herren, zwei Damen). Doch wer das knappe Fotomaterial der gängigen Agenturen zu diesem Thema kennt, weiß, dass sich die Welt hier ganz schön ins Zeug gelegt hat: Vier Fotos stammen von Schiesser direkt, eins vom Themendienst GMS. Sicherheitshalber schiebt Welt zusätzlich zwei ältere Bilderstrecken hinterher: „Spektakuläre Insolvenzen“ und „Weitere Pleiten“.

Damit liegt Welt Online weit vor der Kollegen. Spiegel Online hatte das Thema vorhin nicht einmal auf der Seite. Die FAZ bietet einen eigenen Korrespondentenbericht – nüchtern aufgemacht. Das Handelsblatt verlässt sich auf eine knapp bekleidete Dame als Teaserbild („Da konnte Schiesser auch die beste Werbung nichts helfen.“) – und recycelt seine Bildstrecke „Insolvente Kultunternehmen“. Ähnlich bei der Süddeuschen: „Pleiten deutscher Traditionsunternehmen“ zählt neun (größtenteils langweilige) Bilder.

Der Westen ist offen und ehrlich: „Die Schiesser AG hat Insolvenz angemeldet. Grund genug für einen fotografischen Ausflug in die Welt der Unterwäsche.“

Mord, Sex und Bernd das Brot: Nachrichten-Darwinismus beim Marktführer

Screenshot Schaukasten “Seite 2” bei Spiegel OnlineGrundsätzlich war die Einführung einer „Seite 2“ bei Spiegel Online im Mai 2008 ja eine super Idee (und ist es noch). Aber darüber, welcher Themenmix dieser Seite für „Reportagen, Analysen, Interviews“ wie im konkreten Fall aktuell auf der SpOn-Startseite beworben wird, ließe sich vielleicht noch mal diskutieren … Ohne den Hintern im Großformat wäre es doch auch gegangen, liebe Kollegen!

Oh Mey, „Abendzeitung“ …

Zwar ist das Münchener Boulevardblatt etwas spät dran (andere Medien waren schon im September so gefügig) mit der Präsentation der Mey-Herbst-/Winterkollektion im Rahmen der Kampagne „Me, MYseLf aNd MeY“, aber elf mitunter heiße (naja) Bilder (unter anderem Sarah Wiener, Annett Louisan, Ralph Herforth) klicken die Nutzer an diesen kalten Tagen gerne durch. Einzige redaktionelle Leistung ist wohl das hingehauchte „Eine feine Sache!“ beim letzten Bild, dort pappt auch noch mal schön das Mey-Logo drauf. Beim Deutschen Presserat kann man sich übrigens seit einigen Tagen über solche redaktionellen Meisterleistungen online beschweren.

Nachtrag
Auch fleißig beim Dessous- und Unterbux-Journalismus dieser Tage:

Po-Sex und Sterbehilfe bei sueddeutsche.de

Bei sueddeutsche.de interessiert sich niemand für Analverkehr. Diese These lässt sich zumindest aus folgender Beobachtung ableiten: Spätestens seit Freitag steht dort ein Text aus dem aktuellen „Süddeutsche Zeitung Magazin“ über „Die neue POpulär-Kultur“ online. Offenbar hat aber seitdem niemand aus der Redaktion den Text bis zum Ende gelesen.

Screenshot sueddeutsche.de 'Die neue POpulär-Kultur' Garniert wird dieser nämlich nicht nur etwa in der Mitte mit der Anzeige einer bekannten Partnervermittlung („Kostenloser Persönlichkeitstest! Jetzt testen und den passenden Partner finden!“), sondern zum Abschluss auch mit einer Google-Anzeige für

Sterbehilfe
Riesenauswahl zu Niedrigpreisen
Sicher bei eBay kaufen & verkaufen!“

(Dass die SZ-Redaktion eigentlich nicht so prüde sein kann, dass sie den Po-Sex-Beitrag verschämt übergangen hat und ihr der krasse Widerspruch deshalb nicht auffiel, zeigt der dort ebenfalls verlinkte Artikel mit dem Teaser „Das letzte Türchen – Unser Autor hat sich am 24. Dezember ins Bordell gewagt.“)

Nachtrag, 17.01.2008:
Noch peinlicher als die Tücken des Google-Automatismus ist es natürlich, wenn so etwas den Kollegen eines „Nachrichtenkanals“ im Fernsehen passiert. Wieso gibt es bei N24 um 22 Uhr niemanden mehr, der sagen kann „Schaltet die TUI-Werbung sofort ab, scheißegal.“, wenn über ein Flugzeugunglück berichtet wird?

Vergessen Sie die Medienkrise, Suite101 hat gute Nachrichten für Sie!

Journalisten aufgehorcht: „Berlin, den 7. Januar 2009. Auch in Zeiten der Medienkrise gibt es noch gute Nachrichten.“ Man möge mich einen notorischen Miesepeter zeihen, wenn ich sage, dass ich diesen Einstieg für misslungen halte. Aber es soll hier nicht um Geschmäcklerisches gehen. Weiterlesen…

„Glokal-Journalismus“ konkret

Redakteure aus Indien berichten über Gemeinderatssitzungen in Kalifornien. Dieser – schon zwei Jahre alte – Aufreger ist symptomatisch für die US-Zeitungskrise. Weiterlesen…

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