Archivierte Einträge für Negativbeispiel

Der Eklat und die Agentur

Drei Stimmen mehr für den NPD-Kandidaten in Sachsen – wer war’s und was schreiben Agenturen und Redaktionen? Eine Meldung, große Aufregung in den Redaktionen und Erregung bei einem Teil des Publikums.

Die Geschichte: bei St. Niggemeier und Th. Knüwer.
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Amateur-Videos: Fußballverband grätscht Hartplatzhelden vor Gericht ab

Das Landgericht Stuttgart hat gestern der Klage des Württembergischen Fußballverbands (WFV) entsprochen, der dem Portal Hartplatzhelden untersagen will, Videos von Wettbewerbsspielen aus seiner Region zu zeigen. Ein formidables Eigentor haben die WFV-Apparatschiks aus Stuttgart da geschossen.

Aber noch gibt es Hoffnung: „[D]ie Hartplatzhelden nehmen die Hinspielniederlage aufgrund schwacher Schiedsrichterleistung sportlich und gehen in die nächste Instanz“, schreibt Jürgen Kaube in der „FAZ“ in seinem außergewöhnlich parteiischen Artikel „Kein Platz für Amateure im Internet“.

Auch ich bin parteiisch in dieser Sache: Ich drücke dem geschätzten Journalisten-Kollegen und anerkannt Fußballverrückten Oliver Fritsch, der mit seinem Team dieses Portal betreibt, die Daumen für das „Rückspiel“.

Auf Hartplatzhelden.de kann man sich in einer Unterschriftenliste solidarisch mit den Betreibern zeigen, dort findet sich auch ein Pressespiegel, der den Ärger über das mangelnde Medien- und Kulturverständnis der württembergischen Fußballfunktionäre eindrucksvoll dokumentiert.

Netz-gegen-Nazis.de: Gut Gemeintes vs. Qualität

„Richtig klotzen“ wollen laut „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo die Projektverbündeten des am Montag gestarteten Portals „Netz-gegen-Nazis.de„. Mitinitiatoren sind der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der Deutsche Fußball-Bund (DFB), die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) mitsamt der Jugendfeuerwehr. Als Fernsehpartner fungiert das ZDF, im Internet treten die wie „Die Zeit“ zum Holtzbrinck-Verlag gehörenden sozialen Netzwerke StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ als Werbepartner an, schreibt Heise.

So weit, so gut. Aber schon beim ersten Blick auf das Portal sinkt meine Sympathie ein wenig: Die Inhalte des von der Agentur für soziale Perspektiven – ASP e.V. beigesteuerten „Versteckspiels“ sind was die Rubrik Bekleidung betrifft, sehr fragwürdig. Zum Beispiel wird die Schuhmarke Doc Martens in der Rubrik „Woran man Nazis erkennt“ so vorgestellt:

Doc Martens ist eine englische Schuhmarke, die traditionell schwere Arbeiterschuhe mit Stahlkappen produziert. Die Schuhe werden in der gesamten Skinhead-Szene getragen. Maßgeblich dafür sind sowohl Kult-Gründe als auch die Stahlkappen, die als Waffen eingesetzt werden können.

Ich trage übrigens auch Doc Martens und betrachte mich nicht als Nazi. Allein zum Thema Kleidercodes gibt es wohl hunderte fundiertere Beiträge in anderen Foren und Websites, die hier durchdachteres Beschreiben und Einordnen fordern. Aber nein, es muss ja, um noch mal Giovanni di Lorenzo zu zitieren, „richtig geklotzt“ werden, und außerdem – und zum hundersten Mal – es soll ja alles gut gemeint sein! Da erwarte ich mir von der „Zeit“ und von Zeit Online doch etwas mehr Qualität bei der Auswahl von Inhalten und Partnern.

Ein Punkt macht noch nicht anonym

Die arme Frau ist geschützt. Dank der Medien. Denn sie setzen konsequent auf die Anonymisierung. Elisabeth F., die misshandelte Tochter aus dem erschreckenden Inzest-Fall in Österreich. Die TV-Stationen zum Beispiel haben sie konsequent F. genannt. So wie es sein muss.

Den Nachnamen ihres Peinigers und den Nachnamen ihrer schwer kranken 19-Jährigen Tochter haben sie allerdings in voller Länge genannt.

Update: Jetzt soll Elisabeth F. zum Schutz eine neue Identität erhalten. Zu lesen hier. Mal sehen, wann sie aufgespürt werden wird.

Welt Online, YouTube und wo sind die Grenzen?

Falk Lüke dachte kürzlich darüber nach, ob YouTube-Videos „Content-Freiwild für deutsche Nachrichtensites“ sind:

Was mich immer wieder erstaunt: wie große Nachrichtensites Videos der Plattform YouTube einbinden. Ich sehe fast nie Copyright-Vermerke, wie sie bei Bildern Standard sind. Ob Spiegel oder Welt Online, Netzeitung, dass die Rechtefragen stets geklärt wurden, kann man wohl getrost bezweifeln

Da ist zum einen die rechtliche Grauzone zwischen dem Einbinden in ein kommerzielles Angebot (YouTube-FAQ hierzu, YouTube-AGB Abschnitt 6) bzw. was unter Zitatrecht-Embedding fällt.

Ebenso wichtig bleibt aber die dauernde Frage danach, wann denn das Einbinden von Videos journalistisch sinnvoll und wann überflüssig oder vielleicht sogar aus ethischen Gründen abzulehnen ist. Welt Online bietet heute mal wieder ein passendes Diskussionsbeispiel für sämtliche Aspekte: Ein Video von „News of the World“, bei YouTube veröffentlicht (schönes Detail am Rande: mit der „Flip4Mac Trial Version“ konvertiert), dass den Formel-1-Chefmanager bei Sexspielchen mit Prostituierten im KZ-Outfit zeigen soll, wird direkt in den Artikel eingebunden. Aufklärung pur. Und in der URL wird der im Text noch vorsichtig formulierte Vorwurf schon mal zur Tatsache.

Und das Kommentarniveau bei Welt Online wird einem auch noch mal vor Augen geführt: Da argwöhnt jemand „irgendeine zionistische Finanzgruppe will Einfluss in der Formel 1 gewinnen. (…) Welcher Religionsgemeinschaft gehören eigentlich die YOUTUBE Eigner an?“

Whatsyourplace: Eine lehrreiche Luftnummer

Don Alphonso mokiert sich in der Blogbar über eine Spammail, die offenbar er und andere Blogger (ich auch) erhalten haben. Darin stellt ein Münchner Unternehmer auf impertinente und zugleich dümmliche Art und Weise (Duziduzi …) sein dünnes „Geschäftsmodell“ Whatsyourplace vor – es können dort reale Orte virtuell gekauft werden. Offenbar fanden weder ein Eintrag auf dem Whatsyourplace-Blog (10.03.08), noch eine Pressemitteilung vom 18.03.08 große Resonanz. Dann versucht man es eben so. Diese – zumindest als Negativbeispiel vorbildliche – Primitiv-PR ist das Eine.

Das Andere ist der Onlinejournalismus: Wieder mal negativ fällt mir in diesem Zusammenhang Deutsche Startups auf. Im November 2007 berichtete das Portal völlig kritiklos (die kuschelige Einleitung verstehe ich nicht als Kritik!) über den Start der vorgenannten Luftnummer: „Bei WhatsYourPlace wird Deutschland verkauft“ (ja bravo, immer die in der Pressemitteilung gewünschte Schreibweise einhalten und auch sonst kräftig daraus zitieren!). Auch in einem zweiten Beitrag am 11.03.08 wird brav (von einem kleinen Fehler abgesehen) repetiert statt recherchiert und hinterfragt: „Die Landbesitz-Community WhatsYourPlace (www.whatsyourplace.de) verkündet in ihrem Unternehmensblog, dass “Ende letzter Woche wurde der 1.000. Hektar Land verkauft” wurde. Etwa drei Monate nach dem Launch stehe damit fest: Das Produktversprechen von WhatsYourPlace, reale Orte virtuell zu besitzen und in der Community exklusiv darzustellen, treffe auf große Nachfrage.“

Selbstverständlich gehe ich davon aus, dass Deutsche Startups nicht von Whatsyourplace „geschmiert“ ist, aber diese Form des massenhaften Durchreichens von Pressemitteilungen aus der Internet-Gründerszene kann wohl auch nicht Sinn eines (wirtschafts-?)journalistischen Angebots sein, oder? Das müsste man mal genauer untersuchen.

Bemitleidenswerte/r „Online Redakteur/in“ gesucht

Eben in einem Kommentar in der Blogbar entdeckt, ein interessantes Stellenangebot aus dem Hause Burda (zur Sicherheit musste ich noch mal dort nachschauen, ob das wirklich so stimmt – es stimmt so!). Ich publiziere es mal kommentarlos mit Fehlern …

„(…) sucht zum nächstmöglichen Termin am Standort München eine/n

Online Redakteur/in

Ihre Aufgabe:

* Verfassen von monatlichen Teaser für aktuelle Artikel der Print-Ausgaben
* Verfassen von neuen Meldungen, Texten, Interviews, Events zu Genuss- und Gesundheits-Themen
* Rezept-Datenbank-Pflege (Verschlagwortung)
* Regelmäßig Gewinnspiele generieren und abwickeln, Sponsor-Akkquise, Verwaltung von Gewinner-Adressen
* Foren-Pflege (Chats, Umfragen etc.), Kontrolle der Kommentare, Auswertung von Umfragen, Nutzung der Ergebnisse in Print
* Redaktionelle Umsetzung von Online-Content im Rahmen von Cross-Media-Anzeigen-Kooperationen
* Generieren von neuen Blogs
* Direkt-Beantwortung von User-Anfragen“

Nachtrag 22.03.08
Don Alphonso hat das Thema in der Blogbar noch mal unter dem Titel „Burdas Online-Elend: Wenn Blogger und Journalisten zu Honkbespassern werden“ aufbereitet.

Hurra, ich bin in Geo

Dankeschön. Für die netten Grüße, die G+J geschickt hat. Aus der Geo-Reisecommunity, einem neuen Projekt aus dem Verlagshaus. Das so richtig schön am Nutzer verdient.

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Sueddeutsche.de, mal wieder

Ich halte mich ja schon extra bei der Überschrift zurück, gelangweilte Leser ahnen hoffentlich schon, was jetzt kommt und drehen routiniert ab. Nun, erst mal will ich etwas loben: Trotz aller Feeds und sonstigen Werkzeugen habe ich gemerkt, dass der tägliche (Montag bis Samstag) Sueddeutsche.de-Newsletter mit den aktuellen Topnachrichten in Textform für mich eine feine Sache ist (Anmeldung ohne lästige Datensammlerei nur mit E-Mail-Adresse). Gut gemacht!

In der aktuellen Ausgabe von Turi2 las ich eben den Hinweis: „Online-Demo: Reporter ohne Grenzen lässt heute online gegen Internet-Zensur demonstrieren. sueddeutsche.de“ (Kleiner Hinweis an Turi2: Die Online-Demo fand übrigens gestern statt. Aber der Fehler kann einem auch leicht unterlaufen, da bei Suddeutsche.de nur von „heute“ die Rede ist und kein Datum erscheint und schließlich interessiert man sich bei Turi2 vor allem für das ganze Personaltrallala der Branche, da kann einem so ein Fehlerchen schon mal passieren. Ach, obendrein wird zwei mal auf den Artikel verlinkt: „Unterdrückt: 63 Internet-Dissidenten sind derzeit weltweit inhaftiert, kritisiert die Organisation Reporter ohne Grenzen. sueddeutsche.de“)

Und siehe da, bei Sueddeutsche.de landet man wieder mal in einer der berühmt berüchtigten Bildstrecken. Mit einigen Screenshots von der Website der Reporters without Borders wird die Meldung gleich wieder auf zehn Seiten aufgeblasen oder besser verhackstückt (mit vier Rechtschreibfehlern übrigens!); Ausdrucken kann man sich diese portionierte Meldung natürlich auch nicht am Stück.

Schade drum, aber Hauptsache es bringt wieder ein paar Klicks und das Bildmaterial gab’s ja auch kostenlos. Man kann die Kritik am Einsatz von Bildergalerien als übertrieben ansehen, es gibt wichtigere Probleme im Onlinejournalismus, aber solche brummkreiseldummen Klickfallen nerven einen durchaus wohlgesonnenen Leser und auch Zeitungsredakteure der „SZ“ endlos. Ende der Messe.

Nachtrag
Und gleich in die nächste Klickfalle getappt: Das Titelthema des aktuellen „Stern“ interessierte mich natürlich: „Wie viel verdienen Selbstständige?“. Im Anreißertext auf der Homepage heißt es: „Vom Apotheker bis zur Prostitutierten: Freiberufler, Handwerker und Künstler haben zwar kein geregeltes Einkommen, sind deswegen aber nicht unbedingt unglücklicher. Der stern schaute ihnen ins Portemonnaie.“ Also draufgeklickt. Oha, nur zehn Berufe werden vorgestellt, freilich gibt es keine Übersicht dazu, nach dem drauf- nun also wieder durchklicken.

Optisch und inhaltlich gut gemacht (und vermutlich aus dem Heft übernommen): Es erscheint jeweils ein großes Portraitbild der Selbstständigen in Arbeitsmontur und darunter ein paar Fragen – kurze Antworten. Der freie Journalist ist leider nicht dabei. Bei Bild Nummer 10 erscheint die Titelseite des aktuellen Hefts und der Hinweis: „Mehr zum Thema im neuen stern. Darin: der große stern-Report. Hundert Freiberufler, Handwerker und Gewerbetreibende lassen sich ins Portemonnaie schauen.“ Je nun, mich reizt diese Online-Wegelagerei nun nicht unbedingt zum Griff ins Portemonnaie. )-:

Neues Mitmachangebot: Webnews beglückt die Bürger

„Bürgerjournalismus startet in Deutschland unter www.webnews.de/augenzeuge„, teilte eben Webnews (Investoren: European Founders Fund, Holtzbrinck Ventures, Lukasz Gadowski, Oliver Jung, Stefan Glänzer) mit. Bisher war das in Köln ansässige Unternehmen nur im Bereich Social News tätig. Obacht, die „Augenzeugen“ nicht verwechseln mit Augenzeuge.de, der Fotoplattform des „Stern“.

Nicht nur diese Namensgleichheit deutet darauf hin, dass der Markt mit solchen Mitmachangeboten unübersichtlicher wird. Ich bin mal gespannt, was sich davon durchsetzt; als Nicht-Journalist ist doch mein Zeit- und Medienbudget auch nur begrenzt, wer soll, wer will denn da noch überall mitmachen?

Und natürlich hegt Webnews nur hehre Absichten: „Der Bürgerjournalist nimmt einen ganz anderen Blick­winkel als ein professioneller Journalist ein und trägt damit zur Meinungsvielfalt in Deutschland bei.“ Auf der Website verheißt ein Slogan: „Schreib dich glücklich bei Webnews“. Wem dieses therapeutische Versprechen noch nicht aus dem Tränental hilft, für den gibt es noch weitere Anreize: Die zehn besten Augenzeugen („Dabei ist nicht nur die Anzahl der Berichte bzw. deren Punkte entscheidend, sondern auch insbesondere die Qualität der eingestellten Beiträge.“) können nach drei Monaten von Webnews für einen „echten Presseausweis“ vorgeschlagen werden (wo steht leider nicht dabei), außerdem bekommen sie „Kleidung im Webnews-Look“. Da soll noch mal einer über „AAL“ meckern. (-;

Bemerkenswert ist, wie das Holtzbrinck-Portal Deutsche Startups die fade Pressemitteilung aufsext: „Die News-Community Webnews setzt mit der brandneuen Rubrik „Augenzeuge“ auf das Trendthema Bürgerjournalismus.“ Freilich weist Autor Alexander Hüsing nicht darauf hin, dass es sich bei Webnews auch um eine Holtzbrinck-Beteiligung handelt und dass Webnews-Gründer Stefan Vosskötter und die Samwer-Brüder (European Founders Fund) wiederum mit Deutsche Startups verbandelt sind. Auf eine unabhängigere Alternative zum „unkritischen“ Deutsche Startups hat kürzlich Medienlese mit Blase2null hingewiesen.

Update 14.02.08
Auch Thomas Lückerath von DWDL hat sich seine Gedanken über Webnews gemacht und bemängelt unter anderem den Slogan „Schreib dich glücklich bei Webnews“, im Hintergrund zu diesem Werbespruch ist übrigens zeitweise auch ein brennendes Haus zu sehen. Wenn die Anbieter bei so einfachen Dingen schon so wenig Fingerspitzengefühl beweisen, darf man gespannt sein, was in Zukunft noch auf dieser Plattform zu sehen sein wird.

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