Archivierte Einträge für Negativbeispiel

Welt Online, YouTube und wo sind die Grenzen?

Falk Lüke dachte kürzlich darüber nach, ob YouTube-Videos “Content-Freiwild für deutsche Nachrichtensites” sind:

Was mich immer wieder erstaunt: wie große Nachrichtensites Videos der Plattform YouTube einbinden. Ich sehe fast nie Copyright-Vermerke, wie sie bei Bildern Standard sind. Ob Spiegel oder Welt Online, Netzeitung, dass die Rechtefragen stets geklärt wurden, kann man wohl getrost bezweifeln

Da ist zum einen die rechtliche Grauzone zwischen dem Einbinden in ein kommerzielles Angebot (YouTube-FAQ hierzu, YouTube-AGB Abschnitt 6) bzw. was unter Zitatrecht-Embedding fällt.

Ebenso wichtig bleibt aber die dauernde Frage danach, wann denn das Einbinden von Videos journalistisch sinnvoll und wann überflüssig oder vielleicht sogar aus ethischen Gründen abzulehnen ist. Welt Online bietet heute mal wieder ein passendes Diskussionsbeispiel für sämtliche Aspekte: Ein Video von “News of the World”, bei YouTube veröffentlicht (schönes Detail am Rande: mit der “Flip4Mac Trial Version” konvertiert), dass den Formel-1-Chefmanager bei Sexspielchen mit Prostituierten im KZ-Outfit zeigen soll, wird direkt in den Artikel eingebunden. Aufklärung pur. Und in der URL wird der im Text noch vorsichtig formulierte Vorwurf schon mal zur Tatsache.

Und das Kommentarniveau bei Welt Online wird einem auch noch mal vor Augen geführt: Da argwöhnt jemand “irgendeine zionistische Finanzgruppe will Einfluss in der Formel 1 gewinnen. (…) Welcher Religionsgemeinschaft gehören eigentlich die YOUTUBE Eigner an?”

Whatsyourplace: Eine lehrreiche Luftnummer

Don Alphonso mokiert sich in der Blogbar über eine Spammail, die offenbar er und andere Blogger (ich auch) erhalten haben. Darin stellt ein Münchner Unternehmer auf impertinente und zugleich dümmliche Art und Weise (Duziduzi …) sein dünnes “Geschäftsmodell” Whatsyourplace vor – es können dort reale Orte virtuell gekauft werden. Offenbar fanden weder ein Eintrag auf dem Whatsyourplace-Blog (10.03.08), noch eine Pressemitteilung vom 18.03.08 große Resonanz. Dann versucht man es eben so. Diese – zumindest als Negativbeispiel vorbildliche – Primitiv-PR ist das Eine.

Das Andere ist der Onlinejournalismus: Wieder mal negativ fällt mir in diesem Zusammenhang Deutsche Startups auf. Im November 2007 berichtete das Portal völlig kritiklos (die kuschelige Einleitung verstehe ich nicht als Kritik!) über den Start der vorgenannten Luftnummer: “Bei WhatsYourPlace wird Deutschland verkauft” (ja bravo, immer die in der Pressemitteilung gewünschte Schreibweise einhalten und auch sonst kräftig daraus zitieren!). Auch in einem zweiten Beitrag am 11.03.08 wird brav (von einem kleinen Fehler abgesehen) repetiert statt recherchiert und hinterfragt: “Die Landbesitz-Community WhatsYourPlace (www.whatsyourplace.de) verkündet in ihrem Unternehmensblog, dass “Ende letzter Woche wurde der 1.000. Hektar Land verkauft” wurde. Etwa drei Monate nach dem Launch stehe damit fest: Das Produktversprechen von WhatsYourPlace, reale Orte virtuell zu besitzen und in der Community exklusiv darzustellen, treffe auf große Nachfrage.”

Selbstverständlich gehe ich davon aus, dass Deutsche Startups nicht von Whatsyourplace “geschmiert” ist, aber diese Form des massenhaften Durchreichens von Pressemitteilungen aus der Internet-Gründerszene kann wohl auch nicht Sinn eines (wirtschafts-?)journalistischen Angebots sein, oder? Das müsste man mal genauer untersuchen.

Bemitleidenswerte/r “Online Redakteur/in” gesucht

Eben in einem Kommentar in der Blogbar entdeckt, ein interessantes Stellenangebot aus dem Hause Burda (zur Sicherheit musste ich noch mal dort nachschauen, ob das wirklich so stimmt – es stimmt so!). Ich publiziere es mal kommentarlos mit Fehlern …

“(…) sucht zum nächstmöglichen Termin am Standort München eine/n

Online Redakteur/in

Ihre Aufgabe:

* Verfassen von monatlichen Teaser für aktuelle Artikel der Print-Ausgaben
* Verfassen von neuen Meldungen, Texten, Interviews, Events zu Genuss- und Gesundheits-Themen
* Rezept-Datenbank-Pflege (Verschlagwortung)
* Regelmäßig Gewinnspiele generieren und abwickeln, Sponsor-Akkquise, Verwaltung von Gewinner-Adressen
* Foren-Pflege (Chats, Umfragen etc.), Kontrolle der Kommentare, Auswertung von Umfragen, Nutzung der Ergebnisse in Print
* Redaktionelle Umsetzung von Online-Content im Rahmen von Cross-Media-Anzeigen-Kooperationen
* Generieren von neuen Blogs
* Direkt-Beantwortung von User-Anfragen”

Nachtrag 22.03.08
Don Alphonso hat das Thema in der Blogbar noch mal unter dem Titel “Burdas Online-Elend: Wenn Blogger und Journalisten zu Honkbespassern werden” aufbereitet.

Hurra, ich bin in Geo

Dankeschön. Für die netten Grüße, die G+J geschickt hat. Aus der Geo-Reisecommunity, einem neuen Projekt aus dem Verlagshaus. Das so richtig schön am Nutzer verdient.

Weiterlesen…

Sueddeutsche.de, mal wieder

Ich halte mich ja schon extra bei der Überschrift zurück, gelangweilte Leser ahnen hoffentlich schon, was jetzt kommt und drehen routiniert ab. Nun, erst mal will ich etwas loben: Trotz aller Feeds und sonstigen Werkzeugen habe ich gemerkt, dass der tägliche (Montag bis Samstag) Sueddeutsche.de-Newsletter mit den aktuellen Topnachrichten in Textform für mich eine feine Sache ist (Anmeldung ohne lästige Datensammlerei nur mit E-Mail-Adresse). Gut gemacht!

In der aktuellen Ausgabe von Turi2 las ich eben den Hinweis: “Online-Demo: Reporter ohne Grenzen lässt heute online gegen Internet-Zensur demonstrieren. sueddeutsche.de” (Kleiner Hinweis an Turi2: Die Online-Demo fand übrigens gestern statt. Aber der Fehler kann einem auch leicht unterlaufen, da bei Suddeutsche.de nur von “heute” die Rede ist und kein Datum erscheint und schließlich interessiert man sich bei Turi2 vor allem für das ganze Personaltrallala der Branche, da kann einem so ein Fehlerchen schon mal passieren. Ach, obendrein wird zwei mal auf den Artikel verlinkt: “Unterdrückt: 63 Internet-Dissidenten sind derzeit weltweit inhaftiert, kritisiert die Organisation Reporter ohne Grenzen. sueddeutsche.de”)

Und siehe da, bei Sueddeutsche.de landet man wieder mal in einer der berühmt berüchtigten Bildstrecken. Mit einigen Screenshots von der Website der Reporters without Borders wird die Meldung gleich wieder auf zehn Seiten aufgeblasen oder besser verhackstückt (mit vier Rechtschreibfehlern übrigens!); Ausdrucken kann man sich diese portionierte Meldung natürlich auch nicht am Stück.

Schade drum, aber Hauptsache es bringt wieder ein paar Klicks und das Bildmaterial gab’s ja auch kostenlos. Man kann die Kritik am Einsatz von Bildergalerien als übertrieben ansehen, es gibt wichtigere Probleme im Onlinejournalismus, aber solche brummkreiseldummen Klickfallen nerven einen durchaus wohlgesonnenen Leser und auch Zeitungsredakteure der “SZ” endlos. Ende der Messe.

Nachtrag
Und gleich in die nächste Klickfalle getappt: Das Titelthema des aktuellen “Stern” interessierte mich natürlich: “Wie viel verdienen Selbstständige?”. Im Anreißertext auf der Homepage heißt es: “Vom Apotheker bis zur Prostitutierten: Freiberufler, Handwerker und Künstler haben zwar kein geregeltes Einkommen, sind deswegen aber nicht unbedingt unglücklicher. Der stern schaute ihnen ins Portemonnaie.” Also draufgeklickt. Oha, nur zehn Berufe werden vorgestellt, freilich gibt es keine Übersicht dazu, nach dem drauf- nun also wieder durchklicken.

Optisch und inhaltlich gut gemacht (und vermutlich aus dem Heft übernommen): Es erscheint jeweils ein großes Portraitbild der Selbstständigen in Arbeitsmontur und darunter ein paar Fragen – kurze Antworten. Der freie Journalist ist leider nicht dabei. Bei Bild Nummer 10 erscheint die Titelseite des aktuellen Hefts und der Hinweis: “Mehr zum Thema im neuen stern. Darin: der große stern-Report. Hundert Freiberufler, Handwerker und Gewerbetreibende lassen sich ins Portemonnaie schauen.” Je nun, mich reizt diese Online-Wegelagerei nun nicht unbedingt zum Griff ins Portemonnaie. )-:

Neues Mitmachangebot: Webnews beglückt die Bürger

“Bürgerjournalismus startet in Deutschland unter www.webnews.de/augenzeuge“, teilte eben Webnews (Investoren: European Founders Fund, Holtzbrinck Ventures, Lukasz Gadowski, Oliver Jung, Stefan Glänzer) mit. Bisher war das in Köln ansässige Unternehmen nur im Bereich Social News tätig. Obacht, die “Augenzeugen” nicht verwechseln mit Augenzeuge.de, der Fotoplattform des “Stern”.

Nicht nur diese Namensgleichheit deutet darauf hin, dass der Markt mit solchen Mitmachangeboten unübersichtlicher wird. Ich bin mal gespannt, was sich davon durchsetzt; als Nicht-Journalist ist doch mein Zeit- und Medienbudget auch nur begrenzt, wer soll, wer will denn da noch überall mitmachen?

Und natürlich hegt Webnews nur hehre Absichten: “Der Bürgerjournalist nimmt einen ganz anderen Blick­winkel als ein professioneller Journalist ein und trägt damit zur Meinungsvielfalt in Deutschland bei.” Auf der Website verheißt ein Slogan: “Schreib dich glücklich bei Webnews”. Wem dieses therapeutische Versprechen noch nicht aus dem Tränental hilft, für den gibt es noch weitere Anreize: Die zehn besten Augenzeugen (“Dabei ist nicht nur die Anzahl der Berichte bzw. deren Punkte entscheidend, sondern auch insbesondere die Qualität der eingestellten Beiträge.”) können nach drei Monaten von Webnews für einen “echten Presseausweis” vorgeschlagen werden (wo steht leider nicht dabei), außerdem bekommen sie “Kleidung im Webnews-Look”. Da soll noch mal einer über “AAL” meckern. (-;

Bemerkenswert ist, wie das Holtzbrinck-Portal Deutsche Startups die fade Pressemitteilung aufsext: “Die News-Community Webnews setzt mit der brandneuen Rubrik “Augenzeuge” auf das Trendthema Bürgerjournalismus.” Freilich weist Autor Alexander Hüsing nicht darauf hin, dass es sich bei Webnews auch um eine Holtzbrinck-Beteiligung handelt und dass Webnews-Gründer Stefan Vosskötter und die Samwer-Brüder (European Founders Fund) wiederum mit Deutsche Startups verbandelt sind. Auf eine unabhängigere Alternative zum “unkritischen” Deutsche Startups hat kürzlich Medienlese mit Blase2null hingewiesen.

Update 14.02.08
Auch Thomas Lückerath von DWDL hat sich seine Gedanken über Webnews gemacht und bemängelt unter anderem den Slogan “Schreib dich glücklich bei Webnews”, im Hintergrund zu diesem Werbespruch ist übrigens zeitweise auch ein brennendes Haus zu sehen. Wenn die Anbieter bei so einfachen Dingen schon so wenig Fingerspitzengefühl beweisen, darf man gespannt sein, was in Zukunft noch auf dieser Plattform zu sehen sein wird.

Welt.de vermisst die “Berlinackte”

Unser Anspruch ist es, Ihnen zu jedem Zeitpunkt des Tages und der Woche einen aktuellen, ausgewogenen und fairen Überblick über das Weltgeschehen zu liefern. Auf einen Blick sollen Sie erkennen können, was wichtig ist und wichtig wird. Wir verstehen uns als unparteiische, unvoreingenommene Beobachter des Zeitgeschehens. Unser Urteil fällen wir allein aufgrund der Nachrichtenlage und unabhängig von Interessengruppen.

schrieb Chefredakteur Christoph Keese seinerzeit zum Relaunch von Welt.de.

Auch das Thema Kultur wird nicht vernachlässigt. Oben auf der Startseite werden derzeit folgende Bilderstrecken angepriesen:

“Unterwäsche in Beirut: Freizügige Models in dem islamischen Land”
“Berlinale-Ticker: Die schönsten Bilder vom Filmfestival”
“Berlinale ohne Berlinackte: Weil Bai Ling diesmal fehlt, zeigen wir sie hier”
“Shu Qi – die neue Bai Ling: Vom Erotik-Star zur Berlinale-Jurorin
“Zu wem gehört welches Dekolleté? Raten Sie mal!” (letzere hat 80 Bilder)

Nachtrag, 12.02.2008:
Wer da von wem abgekupfert hat? stern.de ist nicht besser und hat “Stylewatch Berlinale: Damenwahl mit Dekolletee” im Angebot (20 Bilder).

Mehr zum Thema:

Echo Münster: Mit Werbeschmonzetten Nutzer gewinnen?

Echo-Münster (Screenshot)

Das im November neugegründete Online-Magazin Echo Münster (siehe unser Interview vom 26.11.07 mit einem der Gründer) verspricht Großes: “Die Redaktion sieht sich einer kritischen Grundhaltung verpflichtet und stellt eine unkonventionelle, originelle Berichterstattung über lokale Themen sicher.”

Wie nun eine “unkonventionelle, originelle Berichterstattung” aus einer “kritischen Grundhaltung” aussieht, darüber geben unter anderem Texte wie “Jeggle: Seit 75 Jahren gut gebettet in Familienhand” beredt Auskunft. Ob die Münsteraner, bei denen immerhin neun Redakteure arbeiten, mit solchen Werbeschmonzetten den erhofften “festen Nutzerkreis” gewinnen können, bezweifele ich. Erst gestern fiel mir das Magazin durch einen völlig mißlungenen Artikel über Don Alphonsos Besuch bei den Münsteraner Kommunikationswissenschaftlern auf (siehe dort auch die Kommentare zu diesem Beitrag) (siehe Nachtrag).

Aber vielleicht verstehe ich – als großkopferter Münchner und Mitbetreiber dieses Meta-Blogs – das gar nicht richtig, was da in Münster passiert.

Nachtrag 14.12.07
“Die Seite wurde nicht gefunden”, heißt es jetzt bei dem Artikel zu Don Alphonso. Das ist keine professionelle Reaktion. Der Artikel “‘Don Alphonso’ stänkert vor leeren Rängen” findet sich jedoch im Google-Cache.

Nachtrag 18.12.07
Auch Medienwissenschaftler Peter Schumacher ist skeptisch, er resümiert in seinem Blog-Artikel: “Zu Onlinern qualifiziert”: “Leider, leider sieht bei echo-muenster.de doch vieles sehr nach Beschäftigungstherapie ohne jede Zukunftsperspektive aus.”

Nachtrag 09.01.08
Die “taz” schreibt heute über “Echo Münster”:

“Blogger bemängelten anbiedernde Texte über lokale Unternehmen und sachliche Fehler. Echo-muenster.de wehrt sich gegen solche inhaltliche Kritik.”
Ärgerlich empfand ich beispielsweise auch einen Artikel mit der Überschrift: “Drogengeschäfte vereitelt: Litauer festgenommen” (ich verweise auf Richtlinie 12.1 – Berichterstattung über Straftaten des Deutschen Presserats).

Nachtrag 11.01.08
Bei einem eben auf Echo Münster veröffentlichten Artikel “FMO wächst weiter” rieche ich auf 700 Kilometer Distanz (von meinem Wohnort München bis nach Münster) die Pressemitteilung des FMO: “Flughafen Münster/Osnabrück wächst weiter”. Es zeichnet auch kein Redakteur verantwortlich für diesen Artikel. Immerhin wurde die Pressemitteilung bearbeitet.

Beim kritischen Thema einer Startbahnverlängerung wird allerdings treudoof der FMO-Text Eins zu Eins übernommen. Die Meinung und Einschätzung eines Gegners dieser Ausbaupläne, des NABUs NRW, wird allerdings nicht eingeholt. Das nennt sich vulgo auch Leserverarschung (ich erinnere an den Echo-Leitsatz: “Die Redaktion sieht sich einer kritischen Grundhaltung verpflichtet und stellt eine unkonventionelle, originelle Berichterstattung über lokale Themen sicher.”).

Mich, als völlig Außenstehenden, hat diese Google-Recherche jetzt 30 Minuten gekostet. Das Foto zum Artikel mit der Bildunterschrift: “Meilenstein für die FMO-Entwicklung: Der erste Spatenstich für den Bau des Autobahnzubringers im Dezember 2007.” bietet keinen Hinweis auf den Fotografen, vermutlich handelt es sich um ein PR-Foto.

Aber vielleicht habe ich das redaktionelle Konzept von Echo Münster auch nicht verstanden. Bei einem anderen Artikel (“Einrichtungshaus Finke: Neues Zentrallager und mehr Platz für Möbel”) bemängelt ein Nutzer nämlich folgendes:

Werbung kennzeichnen?
Verfasst von muensterana am 17. Dezember 2007 – 12:26.
Komisch. Habe mich neulich schon über den Beitrag zu “Teppich Jeggle” gewundert. Und nun der Möbler Finke. Wäre doch eigentlich ganz schön, wenn das echo solchen Kommerz-Content kennzeichnete – oder muss mann das im Internet nicht?

Die Redaktion antwortete:

Werbung kennzeichnen?
Verfasst von BFB am 17. Dezember 2007 – 20:34.
Wenn ein Unternehmen zusätzliche Arbeitsplätze in Münster schafft, ist uns das immer eine Nachricht wert. Sollten wir damit zum Abbau der immer noch hohen Arbeitslosigkeit beitragen, bitte gern. Außerdem hält das Wirtschaftsleben Münsters interessante Neuigkeiten genug bereit, über die es sich unserer Meinnung nach zu berichten lohnt. Sollen wir diese Nachrichten unseren Usern vorenthalten, nur um nicht in den Ruch der Käuflichkeit zu geraten? Als langjährige Journalisten sind wir durchaus in der Lage, zwischen Nachrichtenwert und Produktplatzierung zu unterscheiden.

Nachtrag 15.01.08
Offenbar wurde der Artikel “FMO wächst weiter” nun entfernt, auf der Seite findet sich nur noch die Mitteilung: “Zugriff verweigert – Sie haben keine Zugriffsberechtigung für diese Seite.” Auch hier hilft der Google Cache weiter, allerdings ist dort das Bild auch nicht mehr vorhanden.

Nachtrag 16.01.08 – alles wieder da

Nachtrag 18.01.08
Ach, in Münster sollte man leben, da läuft bei der Wirtschaft offenbar alles glatt: “buch.de steigert Konzernumsatz”, meldete Echo Münster gestern, Vorlage war eine entsprechende Ad-Hoc-Meldung der Buch.de Internetstores AG.

Kleine Lektüreempfehlung:
In der Reihe DJV Wissen des Deutschen Journalisten-Verbands gibt es den – neben einigen anderen nützlichen Publikationen – Band 11: “Journalismus und Werbung. Plädoyer für die strikte Trennung zwischen Redaktion und Reklame”. Diese Broschüre kann kostenlos als PDF, 702 KB, 41 Seiten, auf der DJV-Seite runtergeladen werden.

Nachtrag 22.01.08
Ein weiterer Artikel über Echo Münster, nicht unähnlich dem “taz”-Artikel, ist in der “Berliner Zeitung” erschienen: “Ein Echo auf die fristlose Kündigung”. Leider ein mit Verlaub gesagt grottenschlechter Artikel, ein unkritisches Rührstück mit dem niemand gedient ist. Besonders witzig ist der letzte Absatz:

“Kritische Blogger gehen mit dem Branchenneuling schon härter ins Gericht. Als “Beschäftigungstherapie” wird das Portal bezeichnet, von “treudoofer Berichterstattung” kann man lesen und davon, dass die Texte sachliche Fehler hätten. Die Redaktion wehrt sich gegen die Kritik. Kommentare, die das Magazin unter Beschuss nehmen, kontern die Redakteure frech, gewitzt, ironisch. Und natürlich multimedial – denn das können sie ja jetzt.”

Ich habe nur den Eindruck gewonnen, dass die Redaktion mit der von mir und anderen geäußerten Kritik pampig umgeht oder sie bestensfalls ignoriert.

Nachtrag 26.03.08
Die “Süddeutsche Zeitung” zieht heute eine Bilanz, 14 Monate nach Lambert Lensing-Wolffs Entlassungsaktion, auch Lensing-Wolff kommt dabei zu Wort. Indes gibt es weiterhin keine neuen Finanzierungsperspektiven für Echo Münster und im November endet die Unterstützung durch die Transfergesellschaft.

Nachtrag 07.03.2009
Pottblog: Echo Münster: Keine Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbung?

“Abendzeitung” und Video: “Hauptsach mir san in d’ Schickeria”

Zum Thema Zeitung und Video resümierte der Berater und Dozent Christian Jakubetz kürzlich in seinem Blog: “Das, was viele machen, sieht inzwischen weitaus besser aus als die ersten Gehversuche mit wackeligen Kameras, ohne Vertonung und irgendwie absurden Geschichten.” Da stimme ich ihm zu. Negativbespiele gibt es aber weiterhin.

Es scheint immer die gleiche Variante zu sein: Redakteuren wird eine Kamera in die Hand gedrückt: Macht mal! Ist gar nicht so wichtig, was dabei rauskommt, wir probieren das jetzt einfach mal aus. “Hauptsach mir san in d’ Schickeria” (Ohrwurm der Spider Murphy Gang), lautet denn wohl auch das Motto der Münchner “Abendzeitung”. Man will halt allzu gerne bei den Großen dabei sein. Weiterlesen…

So unrecht hat Michael Konken eigentlich gar nicht …

In seiner umstrittenen Rede zum DJV-Verbandstag sagte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) unter anderem:

“Der Online-Journalismus hat seinen festen Platz im deutschen Medienangebot. Ohne Medienethik ist er nicht denkbar. Die glaubwürdige journalistische Arbeit muss geschützt werden, damit die, die wirklich qualitative journalistische Arbeit leisten, geschützt werden. Wir müssen in den nächsten Monaten eine quantitative Entrümpelung vornehmen, müssen qualitativ ausdünnen und festlegen, was unseren journalistischen Ansprüchen genügt.”

Hm, wenn ich mir heute beispielsweise anschaue, wie “Kress – Der Mediendienst” unter der Überschrift “Studis zum Anfassen” einen StudiVZ-Kalender (mit Bildchen) anpreist:

“Das studiVZ erorbert (sic) die reale Welt mit einem “Eleganz-Kalender”. Hierfür ließen sich je 12 Studentinnen und Studenten von dem Fotografen Max Seam halbnackt ablichten. Heraus kam ein Wendekalender – je nach Vorliebe räkeln sich entweder leicht bekleidete Mädels oder Jungs in einem “eleganten Ambiente”. (…) Das gute Stück gibt’s ab 1. Dezember 19,90 Euro auf www.studivz-eleganz.net. Interessenten (sprich: Freunde und Bekannte der Models) müssen dann ganz schnell sein, die Auflage ist nämlich limitiert!”

Tja, und an anderer Stelle, in der Blogbar, arbeitet sich Don Alphonso auf andere Weise an StudiVZ ab, und hat dazu wohl nicht – mehr oder weniger lustvoll – im StudiVZ-Kalender (“Ihr persönliches Exemplar!” steht da bestimmt dabei) geblättert und als Dank dafür einen Anzeigentext geschrieben, er schreibt nämlich über: “Da lacht der Landser: StudiVZ und der Umgang mit Rechtsradikalen”.

So kommt halt jeder seinem Auftrag, seinen Interessen und natürlich den Interessen seiner Zielgruppen nach. Und die Richtlinien des Deutschen Presserats, beispielsweise Richtlinie 7.2 Schleichwerbung, gelten ja noch nicht für Online-Medien. Aber vielleicht gibt es ja in den nächsten Monaten tatsächlich eine “quantitative Entrümpelung”. Meinen journalistischen Ansprüchen (oha!) entspricht die Kress.de-Trallala-Berichterstattung schon seit längerem nicht mehr.

Nachtrag 30.11.07
Herrje, wie hätte man denn als Mediendienst ansatzweise anders über das Thema berichten können? So wie Olaf Kolbrück im Horizont-Blog Off the Record etwa, der im StudiVZ-Kalender ein Geschmacksverbrechen sieht und auch die braune Problemzone nicht zu erwähnen vergisst.

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