Archivierte Einträge für Öffentlich-Rechtliche

Völkerschlacht: MDR holt Geschichte in die Gegenwart

Vier Tage währte 1813 die Völkerschlacht bei Leipzig – und vier Tage lang hat nun der MDR die Ereignisse von damals quasi live nacherzählt. Das klingt abenteuerlich, ist aber innovativ – und allemal lehrreicher als die eventmäßige Nachstellung der Schlacht.

MDR: "Die Völkerschlacht erleben" - Startseite des Themenspecials

MDR-Themenspecial zur Völkerschlacht

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Tagesschau-App: anachronistischer Streit um ein modernes Tool

Im Zeitalter der Medienkonvergenz sähe der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gerne die Hoheit über das geschriebene Wort garantiert und hat deswegen im Juni 2011 eine Klage gegen die “presseähnlichen Inhalte” der Tagesschau-App eingereicht. Was in diesem bizarren Streit bisher geschah – eine Linksammlung auf Storify.

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BR.de-Relaunch: schön, aber mit Schönheitsfehlern

BR.de im neuen Look&Feel

Der Bayerische Rundfunk hat seiner Website die dringend nötige Frischzellenkur genehmigt. Was auf den ersten Blick schön aussieht, hat aber ein paar inhaltliche Schönheitsfehler.

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Zur Geschichte des Begriffs “presseähnlich”

Stefan Niggemeier schreibt in seiner sehr lesenswerten Analyse der “Klage der Verlage gegen die Tagesschau-App”:

Die Frage, was der Begriff „presseähnlich“ bedeutet, ist entscheidend bei der Beurteilung der Frage, ob die „Tagesschau“-App rechtswidrig ist. Die Medienpolitiker der Länder haben sich diesen Begriff ausgedacht, und er ist Ausdruck eines für diese traurige Spezies typischen faulen Kompromisses.

Die erste Nennung des Begriffs “pressseähnlich” im Zusammenhang mit Internetangeboten, die ich finden konnte, stammt von 2007. Robert Schweizer, der Justiziar des Burda-Verlages, fordert damals, in den Rundfunkstaatsvertrag folgenden Passus aufzunehmen:

Gebührenfinanzierte digitale, presseähnliche Textdienste sind grundsätzlich ausgeschlossen. Die Abgrenzung zu den Online-Tätigkeiten des gebührenfinanzierten Rundfunks erfolgt abwägend in der Weise, dass die Sender im Internet rundfunkähnliche Dienste anbieten dürfen.

Auch in der späteren Diskussion wurde der Begriff vor allem von der Verlegerseite benutzt, bis er schließlich Eingang in den 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag fand. Die dortige Definition erläutert Niggemeier, ebenso wie die davon abweichende Auslegung der Verlage:

Im Kern ist die Argumentation gegenüber dem Gericht schlicht: „Presseähnlich“ sei all das, was Presseverlage machen.

Den Verlegerstandpunkt vertritt Christoph Keese vom Springer-Verlag in seinem Kampagnen-Blog.

(Ich arbeite u. a. für die Tagesschau.)

Was Videojournalisten verdienen und warum

Videojournalisten sind per definitionem a) billiger als ein klassisches Kamerateam und b) Einzelkämpfer.

Während “videographer” in den USA und Großbritannien oder hierzulande Kollegen wie Mario Sixtus,“Videopunk” Markus Hündgen oder unser very own Roman Mischel experimentieren, wie sich Technik und Gestaltungsmöglichkeiten des Videojournalismus weiterentwickeln lassen und sich auch öffentlich-rechtliche Sender angesichts des Spardrucks und des Engagements jüngerer Mitarbeiter verstärkt für Videojournalisten öffnen, machen es ihnen die Strukturen und Vergütungsmodelle der Sender schwer.

In einem Artikel für den Journalist 10/2010 (leider – noch – nicht online) wird das sehr schön aufgeschlüsselt: Sender versuchen, VJs fest an sich zu binden, schreiben ihnen die Benutzung hauseigener Kameras vor (bzw. zahlen den Videojournalisten nichts für den Einsatz eigenen Equipments) oder haben festgelegte Muster, wann VJs selber drehen, wann selber schneiden können und wann Kameraleute oder Cutter des Senders eingesetzt werden (müssen).

Diese Beispiele sollen die Leistungen fest angestellter Kameraleute und Cutter keineswegs abwerten. Sie sollen aber verdeutlichen, in welcher Situation sich gut ausgebildete freie VJs befinden, die aufgrund ungelenker Strukturen ihre Möglichkeiten oft nicht ausschöpfen können,

schreibt der Autor Matthias Zuber, selbst Videojournalist. Die Schuld läge aber nicht bei den Sendern (und ihren zum Schutz der eigenen Arbeitnehmer eingeführten internen Strukturen). “Sie liegt bei den VJs selbst, die es bis jetzt nicht geschafft haben, ihr Tätigkeitsfeld, verbindliche Qualitätsstandards und angemessene Margen für die Entlohnung zu definieren”, meint Zuber. Der “Journalist” liefert auch endlich einmal – eine Tabelle mit Vergleichszahlen für die Entlohnung von VJs (leider nur für öffentlich-rechtliche Sender).

Update, 19.10.2010:
Die Tabelle gibt’s beim Journalist nun auch online.

Im Kanu mit Kamera und UMTS rund ums Ruhrgebiet

… das hat WDR.de-Reporter Stefan Domke ab Montag vor: “In fünf Tagesetappen wird er den Nebenfluss des Rheins von Schwerte bis Duisburg befahren. Seine Geoposition und das Bild einer Bordkamera werden live im Internet übertragen.” Warum das Ganze? “Am Anfang stand die Idee, das Gebiet der Kulturhauptstadt im Sommer, zur Urlaubszeit, aus eher ungewöhnlicher Perspektive kennenzulernen und zu präsentieren. Im Mittelpunkt einer solchen Tour, so der Wunsch, sollten dabei weniger die Leuchtturm-Projekte des Ruhr2010-Jahres stehen. Vielmehr wollten wir uns Orten und Landmarken widmen, die das Ruhrgebiet auch abseits von Zollverein&Co zu einem ausgesprochen lohnenswerten Ausflugziel machen.” Bin mal gespannt, wie er während des Paddelns wie versprochen mit dem Publikum kommunizieren will – gibt’s fleißige Paddelhelfer?

WDR-Streetview vom A40-Picknick

Die A40, die geliebt-gehasste Verkehrsschlagader quer durchs Ruhrgebiet, ist heute auf 60 Kilometer Länge gesperrt. Zwischen Duisburg und Dortmund findet stattdessen das vermutlich größte Picknick der Welt statt – eine Aktion im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr 2010. Wer wie ich nicht dabei ist, kann sich die Strecke aber (bereits seit einigen Tagen) in einer Art Streetview-Special auf WDR.de ansehen.

Screenshot “360-Grad-Still-Leben Ruhrschnellweg” bei WDR.de

Das aus 1500 Panorama-Fotos zusammengefügte Special zeigt die Strecke zunächst im Normalzustand. Es lässt sich nach Autobahn-Ausfahrten und den (von den Organisatoren zugeteilten) Nummern der 20.000 Picknicktische durchsuchen. Hotspots markieren interessante Punkte entlang der Strecke, bereits vorhandene WDR-Berichte und externe Links.

Der Mammut-Akt steht der Redaktion aber erst noch bevor: Ab Sonntagabend sollen nach und nach rund 10.000 Fotos vom Tag der Aktion eingebaut – so dass ein Vorher-/Nachher-Vergleich möglich ist.

Hinweise auf weitere interessante Links zum “Still-Leben A40″ gerne in den Kommentaren.

[Ich bin ARD-Mitarbeiter und habe für WDR.de gearbeitet.]

Relaunch der BBC-News-Website

news.bbc.co.uk hat den angekündigten Relaunch erfahren. Die Site ist – natürlich – in die Breite gegangen. Die Schriftstile sind entsprechend größer, die einzelnen Elemente ebenfalls. Auf die “Low graphics”-Version wird ganz verzichtet, dafür gibt’s größere Bilder und mehr (integrierte) Videos. Abschied vom kleinteiligen Späte-90er-Feel also. Aber mir ging’s wie mehreren Kollegen, die sich im Gespräch oder auf Twitter äußerten: Wirklich einschneidende Veränderungen oder gar einen ganz großen Wurf, der andere erblassen lässt, kann ich auf Anhieb nicht erkennen. Total unaufgeräumt wirkt auf mich der untere Teil von Beitragsseiten, in dem sich diverse verwandte Inhalte befinden, die früher teilweise in der rechten Spalte angeführt wurden.

Im BBC-Blog The Editors, das schon die Vorbreitung des Relaunchs begleitete, werden die Neuerungen ausführlich erläutert. Dazu gehört laut FAQ auch die Integration des Facebook-Like-Buttons. Die Kommentare der Nutzer, die sich im Blog zu Wort melden, sind überwiegend negativ – auch im Vergleich zu anderen Relaunchs.


Weitere Links

  • Guardian The BBC News redesign: Hot, or not?

Zeit-Online-Chef fordert Ende des Festungsdaseins und öffentlich-rechtliche Dienstleister

Wolfgang Blau, Chef von Zeit Online, geht in einem Gastbeitrag für die Serie “Wozu noch Journalismus” auf sueddeutsche.de mit jenen ins Gericht, die das Aufweichen der exklusiven Publikationsmöglichkeiten von professionellen Journalisten und die Probleme des tradierten Geschäftsmodells der Zeitungsverlage mit dem Ende des Journalismus gleichsetzen:

Dieses Monopol der alten Medien-Institutionen auf journalistische Produktionsmittel und Vertriebswege wird nicht mehr wiederkehren. Während wir aber selten einen Profimusiker dabei ertappen werden, dass er die Mehrheit der Laienmusiker öffentlich verunglimpft und ihre Verdienste für die Musik abstreitet, begehen verunsicherte Journalisten und Medienmanager alter Schule diesen Fehler heute regelmäßig. Die öffentliche Beschimpfung des Internet wurde zur trotzigen Mutprobe einer ganzen Branche.

Auch die Frontstellung vieler Verlagshäuser gegen den Internet-Angeboten der Öffentlich-Rechtlichen hält Blau für grundfalsch:

Gäbe es diese Websites nicht, hätten die Online-Angebote der Zeitungshäuser zwar einige Nutzer mehr, man muss aber schon komplett mutlos sein, wenn man behauptet, die öffentlich-rechtlichen Nachrichtensites stünden dem kommerziellen Erfolg der Zeitungs-Websites im Wege. (…) Vielleicht wären die Verlage besser beraten, für eine Beschränkung der Öffentlich-Rechtlichen auf nur zwei, sehr leistungsfähige Nachrichtensites zu kämpfen – tagesschau.de und heute.de – und gleichzeitig Dienstleistungen der öffentlich-rechtlichen Sender für ihre eigenen Websites einzufordern.

So könnten die öffentlich-rechtlichen Internet-Redaktionen ihre Multimedia-Specials auch als Whitelabel für Verlagswebsites zur Verfügung stellen oder auch “auch eine Pionierrolle bei der Entwicklung des Datenbank-Journalismus einnehmen und zum Beispiel helfen, Software-Schnittstellen zu den öffentlichen Datenbeständen von Ministerien, Bundestag und Statistikämtern auszuhandeln und zu programmieren”, schlägt Blau vor.

Update, 17.05.2010:
Blau antwortet bei Carta ausführlich auf Robin Meyer-Luchts Kommentar zu seinem Ursprungsstatement.

BBC: Transparenz beim Relaunch


Bei der BBC gibt es derzeit – vermutlich unabhängig von den aktuellen Plänen zu Umorganisation und Einsparungen auch im Online-Bereich – Vorbereitungen für einen umfassenden Relaunch. Dieser wird schon seit längerem durch Blog-Einträge begleitet, die einen Blick in die Werkstatt auf bereits präsentable Änderungen erlauben. So wurde kürzlich die neue Basis-Gestaltungssprache vorgestellt und erläutert. Nun widmet sich ein Eintrag der Umgestaltung der Startseite des Gesamtangebots, die in einer Beta-Version bereits online zu sehen ist.

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