Archivierte Einträge für Öffentlich-Rechtliche

Einschätzungen für 2007, heute: Christoph Neuberger

An Christoph Neuberger kommt man nicht vorbei: Seit gut zehn Jahren beobachtet der Journalistikprofessor die Entwicklung der Online-Medien in Deutschland und hat dazu umfangreiche empirische Studien durchgeführt. Er erwartet, dass 2007 einer der 2006 angelaufenen Trends voll durchschlägt:

2007 wird nach den Zeitungen ein weiteres klassisches Medium unsanft wachgerüttelt. Nun ist das Fernsehen an der Reihe: Journalistische Vi­deoformate und Werbespots werden in TV-Qualität über das Internet laufen. Daneben werden Amateurbilder weiter an Bedeutung gewinnen. Sender und Regulierer werden Schwierigkeiten haben, sich auf die neuen Trends einzustellen. Die einzige Ausnahme wird die BBC sein.

Zuvor in dieser Reihe: Einschätzungen für 2007, Thomas Knüwer: “Journalisten werden sich selbstständig machen” (Video).

BBC mag das C-Wort nicht

“We don’t call it citizen journalism. ”

Ein starker Eröffnungsatz, besonders wenn er von einem BBC-Vertreter kommt – ist die BBC doch gerade Pionier, wenn es darum geht, Nutzer-Inhalte sinnvoll in ein journalistisches Angebot einzubinden. Das Zitat stammt von Kevin Geary von BBC Interactive, der beim Welt Audio Festival in den Niederlanden einen Vortrag über den Wandel des öffentlich-rechtlichen Senders und Bürgerjournalismus gehalten hat. Die interessantesten Punkte seines Vortrags (laut De Nieuwe Reporter):

  • Die BCC erhält 15.000 E-Mails pro Tag.
  • Die BBC zahlt nur in Ausnahmefällen für User Generated Content (wenn aber etwas “Bürgerjournalismus” heiße, würden die Gewerkschaften Bezahlung für die Journalisten einfordern, meint Geary demnach. Eine steile These?).
  • Videos der Sendung “Newsnight” werden über YouTube häufiger gesehen als über die BBC-Website. Der Sender hat nichts dagegen und ermutigt die Nutzer zum Weiterpublizieren.
  • Rücksprache mit Einsender von Usermaterial für Erlaubnis und Verifizierung ist Standard.
  • Werbung auf der BBC-Website ist geplant.

Die Niederländer haben auch ein Audio-Interview mit Vicky Taylor von BBC Interactive online (auf englisch – mit schönen Skype-Sounds im Hintergrund): “Das letzte Jahr hat den Journalismus verändert. Und das ist erst der Anfang.”

Zurück zu den Wurzeln

iPod spielt Podcast (Foto: Stegers)

Für Johnny Haeusler ist es eine Rückkehr zu den Wurzeln: Seit Samstag ist er mit einer Blog-Show im RBB auf Sendung. Nachdem Privatleute mit Podcasts das Radiomachen für sich entdeckt haben, entdecken Radiomacher die Podcasts und deren Kreativität für sich neu. Neben dem RBB startet auch Deutschlandradio Kultur eine Podcast-Show. Bei beiden sind die Macher überzeugt, dass ihr Konzept mehr als ein Versuch für ein paar Sendungen ist.
Weiterlesen…

Spielen mit den Schmuddelkindern

Das Podcasting schlägt zurück. Oder: Kreativität aus dem Netz flirtet mit dem bisherigen Massenmedium. Das heißt: Spreeblick-Gründer und Radioveteran Johnny Haeusler kündigt eine eigene Radiosendung an, die auf der RBB-Welle Fritz in Berlin laufen und sich zwei Stunden lang der Blogosphäre widmen soll. Dabei setzt er auch – aber nicht ausschließlich – auf Musiktitel, die unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht werden. Die Sendung gibt es natürlich auch als Podcast, Rückmeldungen erwünscht, wie schon der Name des ganzen verrät: “Trackback”. Das Blog zur Sendung soll nächste Woche starten, das eigentliche Radioprogramm dann auch sehr bald.

Etwas schneller waren die Kollegen vom Deutschlandradio Berlin – zumindest mit der Ankündigung. Die erste Sendung ihres “Blogspiels” soll am 4. November laufen. Dahinter verbirgt sich laut den Machern eine “Verbindung zwischen Blogosphäre und Hörfunk. Ein interaktives Projekt rund um den Komplex Blogs, Hörspiel, Radio und Community” (Fragen und Antworten zu Blogspiel). Die erste Ausgabe widmet sich passenderweise dem Thema “Radio vs Podcast – Natürliche Feinde oder komplementäre Entsprechung?”.

Abgesehen davon würde es mich nicht überraschen, wenn es in den Radiotiefen da draußen sowieso schon irgendwo eine Sendung gibt, die aufs Mit- oder Nebenherbloggen setzt, ohne dies jetzt auch thematisch komplett in den Mittelpunkt zu stellen.

Beauty-Queen in der BBC-Boeing

Sonst gibt es über die BBC ja fast nur Gutes zu berichten – deshalb sei Hinweis gestattet: Der aktuelle BBC-Artikel über die Entführung eines türkischen Passagierflugzeuges widmet sich erst in aller Ausführlichkeit der Lage und dröselt die teils widersprüchlichen Informationen auf. Im letzten Absatz stößt man dann allerdings auf ein seltsam fehl am Platz wirkendes Bild, das wie geradewegs aus einer Frauenzeitschrift kommend erscheint.

Doch weit gefehlt: “Miss India is among four beauty queens on the plane”, schreibt die BBC in der Bildunterschrift. Mit diesem Wissen ist sie der Konkurrenz wieder einmal weit voraus – vielleicht verdankt sie ja diesen Informationsvorsprung ihrer Bitte um Augenzeugen-Bericht (“Are you or anyone you know affected by this story? Are you in Brindisi?”), weil sich ein besorgter Beauty-Queen-Manager bei ihr gemeldet hat?

9/11 – multimedial

Anlässlich des fünften Jahrestages der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA bringen Nachrichten-Sites umfangreiche Dossiers zum Thema. Viele mit eigenen Video-Zusammenschnitten der Ereignisse in New York. Einige mit erlebenswerten Multimedia-Features. Einige Beispiele, kurz kommentiert…

  • wdr.de mit einer Slideshow, teilweise mit Audio-Augenzeugen- oder Reporter-Berichten unterlegt. Schneidender, bedrückender Hintergrund-Sound.
  • SpiegelOnline erzeugt eine ähnliche Stimmung durch cineastische Schrift-Effekte und dramatische Klänge, die allerdings keine Fotos, sondern einige kurze chronologische Video-Clips unterlegen. Das ganze ansprechend im Design, leider fehlt der Hinweis im Teaser, dass man direkt in das Flash-PopUp katapultiert wird.
  • Ein schönes Multimedia-Dossier in dem Format, das bei tagesschau.de immer öfter genutzt wird.
  • oe24.at macht mit einem eigenen Video-Beitrag auf, in dem Österreicher schildern, wie sie den 11. September erlebt haben.
  • Ein außergewöhnlicher Ansatz bei zdf.de, und sehr umfangreich! In Zusammenarbeit mit dem International Herald Tribune und vielen Lesereinsendungen (Erinnerungen an den Tag des Grauens) entstand ein 3-D-Special, bei dem der User wie durch ein Museum läuft. In den einzelnen Räumen (Themen) verbergen sich hinter den “Bildern” an der Wand Audio-Slideshows und Video-Beiträge. Wem das zu schleppend geht (oder wer sich verlaufen hat), kann über die Sitemap schnell alles erreichen.
  • nytimes.com bringt neben dem wie üblich üppigen Grafik-Video-Foto-Audio-Mix einige interessante Features und besetzt damit einige Randthemen und Geschichten rund um den 11. 9.

“Glanzlos aus Hamburg”

Weil ich viel als freier Mitarbeiter für tagesschau.de arbeitete, interessiert es mich natürlich besonders: Im Rahmen eines Dossiers des Schweizer Medienhefts zu den Internet-Aktivitäten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks hat sich der Kommunikationswissenschaftler Robin Meyer-Lucht mit der Tagesschau-Website auseinandergesetzt – und geht mit ihr hart ins Gericht. Zuwenig eigenes journalistisches Profil, langweilig, zu langsam, unterfinanziert sind die Hauptkritikpunkte in seinem “Glanzlos aus Hamburg” überschriebenen Artikel, der zum Teil auf älteren Forschungsergebnissen basiert. Vergleichsobjekt für Meyer-Lucht ist dabei immer wieder Spiegel Online.

Lesenswert sind auch die übrigen Texte des Dossiers , die natürlich besonders die die Situation in der Schweiz betrachten, wo die SRG offenbar auch erst spät in Sachen online schaltet (via netzpolitik).

Beim Online-Vorreiter BBC gibt es derweil deutliche organisatorische – und finanzielle – Umstrukturierungen. Bei Wortfeld pflückt NDR-Kollege Alexander Svensson die Entwicklungen auseinander, die bislang vor allem in der britischen Presse und Blogs Widerhall fanden.

Bürgerjournalisten verbessern / Links

Wenn Bürgerjournalismus Erfolg haben soll, gilt für ihn das gleiche wie für den “normalen” Journalismus – er muss interessante Themen in attraktiver Darstellung bieten. Wenn professionelle Medien Bürgerjournalismus integrieren wollen, müssen sie die Citzen Journalists entsprechend anschieben. Das meinen zumindest viele, die sich in den USA mit dem Thema auseinandersetzen. Weiterlesen…

reboot:bbc.co.uk, Gewinner

Im April hatte die BBC ihre Nutzer dazu eingeladen, die Startseite ihrer Website bbc.co.uk komplett neu zu gestalten und Entwürfe einzureichen. Wie diese Entwürfe aussehen sollten, war den Nutzern selbst überlassen – die BBC war offen für alles. Hauptsache künftige Nutzer finden schnell genau das, was sie wirklich interessiert aus den hunderten Stunden täglichen Radio- und Fernsehprogramms sowie tausenden von BBC-Webseiten.

Aus all den Einreichungen ist der Gewinner jetzt ausgewählt worden. Der Entwurf heißt BBC Malkovich, dahinter steckt die Idee einer hochpersonalisierten Seite, die dem Nutzer genau das präsentiert, was seinem persönlichen Interessenprofil entspricht und ihm hilft, andere Menschen mit ähnlichen Interessen zu finden.

Das bisherige Echo in den Kommentaren zum Wettbewerb ist sehr gemischt und reicht von

“Why do people goto the bbc website?”. Because they provide trust-worthy news, sport and other interesting media. Not because other people are looking at something similar.

bis zu

I think the design is gorgeous! – simple, easy to navigate, lots of options and control, VERY “web 2.0,” and NOT focused on BBC content but on the user. I could see myself getting addicted. Well done.

BBC will “persönliches Radio” anbieten

Mehr bei der BBC selbst. . Siehe auch das schon länger laufende Projekt backstage.bbc.co.uk.

 « 1 2 3 4 5 6 7 8 9 »


onlinejournalismus.de beobachtet die Entwicklung des Journalismus im Internet.

onlinejournalismus.de wird mit WordPress betrieben (Theme: Modern Clix von Rodrigo Galindez).