Archivierte Einträge für Onlinejournalismus

Die Must-Reads zur #nr14

Neues Recherche-Portal, Tipps und Tools für Datenjournalisten, besser googeln als die NSA – die Jahrestagung 2014 des Netzwerks Recherche hat sich echt gelohnt. Hier die Highlights zum Nachlesen.

Vorbildlicher Vorreiter: Heute-Nachrichten auf Instagram

"Heute"-Profil auf Instagram (Screenshot [M])

Seit gut einer Woche sind die “Heute”-Nachrichten des ZDF auf Instagram aktiv. Mit Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft startete das “Experiment”, wie es in der Pressemitteilung heißt. Das Ziel ist klar: “Instagram werde ausschließlich mobil genutzt – und sei somit ein wichtiger Baustein neben der ZDFheute-App, um junge Nutzer zu erreichen, die sich unterwegs informieren möchten.”

Mehrmals täglich postet die Redaktion von heute.de seitdem Videos und Fotos auf Instagram. Sie sind nicht die ersten Nachrichtenredaktion, die das tut (Die BBC und der Guardian zum Beispiel sind, wenig überraschend, schon länger aktiv), aber in Deutschland Vorreiter. Und die ZDF-Leute machen ihren Job ziemlich gut.

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Schock! Das Golden Girl und die goldene Regel

Es ist die goldene Regel des Onlinejournalismus: Wenn die Konkurrenz über irgendwas Spektakuläres berichtet — erst mal abschreiben. Überprüfen kann man das ja später noch. Irgendwann. Vielleicht. Hauptsache, man hat die Geschichte auch.

schreibt Mats Schönauer im Bildblog. Und weil der Satz so schön griffig und einigermaßen plausibel ist, verweisen wir auch gleich ohne Gegenrecherche auf das Beispiel in seinem Artikel. Nur so viel, damit Sie auch klicken: Es geht um Tina Turner, ihren Schlaganfall und den Wörthersee.

Wie Journalisten ihre digitale Kommunikation schützen sollten – Teil 2/2 (ABZV Videoreporter Folge #10)

Dass Journalisten bei ihrer digitalen Kommunikation eine gewisse Verantwortung tragen, liegt auf der Hand. Denn es geht um die Sicherheit ihrer Recherchen, um den Schutz ihrer Informanten und Kontakte, aber auch um ihre ganz persönlichen Profile.

Nur wie ernst wird das Thema tatsächlich genommen, wenn es in Redaktionen nach wie vor üblich ist, Termine und Kontakte in der Google-Cloud zu verwalten und Nachwuchsjournalisten – bei allem unbestrittenen Nutzen sozialer Netzwerke für den Journalismus – eingetrichtert wird, wie wichtig ihr Klout Score sei, ohne dabei mit einer Silbe auf eine notwendige Strategie zur Trennung von privaten und öffentlichen Daten hinzuweisen?

Für die zehnte Folge der Serie ABZV Videoreporter habe ich Albrecht Ude (Researcher und Recherche-Trainer), Christian Stöcker (Ressortleiter Netzwelt bei Spiegel Online) und Patrick Beuth (Redakteur im Digital-Ressort bei Zeit Online) unter anderem zu diesen Themen befragt.

Im ersten Teil ging es um verschlüsselte E-Mail-Kommunikation und anoymes Surfen zu Recherche-Zwecken.

Das Video steht unter der Creative Commons Lizenz (BY-NC-ND 3.0 DE), das heißt Teilen, Verbreiten und Einbetten in andere Kontexte ist erwünscht, solange dies zu nicht-kommerziellen Zwecken geschieht.

Weitere Links zum Thema:
… bei onlinejournalismus.de

… im übrigen Internet

re:publica 2014: die Highlights für Journalisten

 

die re:publica wird thematisch immer breiter, lohnt sich aber auch für Journalisten. Ein Überblick über Roboterjournalismus, Storytelling-Tools, Structured Journalism, Datenvisualisierungen und Co.

Wie Journalisten ihre digitale Kommunikation schützen sollten – Teil 1/2 (ABZV Videoreporter Folge #9)

Vor einigen Monaten hatte Matthias Eberl hier auf onlinejournalismus.de einen Beitrag veröffentlicht, in dem es um die Frage ging, was wir als Journalisten nach dem NSA-Skandal tun müssen. Ein Text, der es – neben vielen anderen Beiträgen zu diesem Thema – auf den Punkt bringt.

Die Frage ist: Wieviel hat sich in den Redaktionen eigentlich getan seit dem größten Datenskandal der Geschichte? Wer nimmt das Thema so ernst, dass er auch wirklich aktiv etwas ändert an der eigenen digitalen Kommunikation? Wenn man mal stichprobenweise in die Impressen der Online-Dienste deutscher Zeitungsverlage blickt, fällt auf, dass gerade mal eine Handvoll Redakteure verschlüsselte Kommunikation öffentlich anbietet.

Für die neunte Folge der Serie ABZV Videoreporter habe ich Albrecht Ude (Researcher und Recherche-Trainer), Christian Stöcker (Ressortleiter Netzwelt bei Spiegel Online) und Patrick Beuth (Redakteur im Digital-Ressort bei Zeit Online) um Einschätzungen und Ratschläge gebeten. Am 23. Mai wird der zweite Teil erscheinen ist der zweite Teil erschienen.

Das Video steht unter der Creative Commons Lizenz (BY-NC-ND 3.0 DE), das heißt Teilen, Verbreiten und Einbetten in andere Kontexte ist erwünscht, solange dies zu nicht-kommerziellen Zwecken geschieht.

Weitere Links zum Thema:
… bei onlinejournalismus.de

… im übrigen Internet

Omg, wtf, LOL: Der Buzzfeed-Hype

Buzzfeed rockt mit seiner unterhaltungslastigen News-Seite die USA. Anspruchsvoller Journalismus steckt nur selten dahinter, doch die Seite ist so beliebt, dass es auch Pläne für eine deutsche Version gibt.

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50 Prozent Bild, 20 Prozent YouTube, 20 Prozent Digg und 10 Prozent Zeit: Die Social News-Seite Buzzfeed.com ist eine wilde Mischung aus Unterhaltung, Videos, In-Themen und Nachrichten. Der Fokus liegt dabei eindeutig auf Unterhaltung und leichter Konsumierbarkeit. Buzzfeed ist voll von Listen-Artikeln – so genannten Listicles – Ansammlungen von mehr oder weniger steilen Thesen, garniert mit einem (animierten) „Beweisbild“: Von “10 herzerweichenden Dingen, die passiert sind, als US-Olympioniken nach Hause kamen“ über „15 schockierende Wahrheiten, was Katzenverhalten alles bedeuten kann“ (ja, Katzen-Content ist groß auf Buzzfeed!) bis zu „26 Dingen, die Dir passieren, wenn Du kein Gluten mehr isst“. Dazu gibt es eine Menge Quizzes und Videos, auf YouTube zählt Buzzfeed zu den größten Inhalteanbietern – Inhalten, die massiv geguckt werden, zum Teil mehr als 110 Millionen Mal pro Monat.

Drei Viertel des Traffics aus dem social web
Die Buzzfeed-Website selbst erreichte in ihrem bislang erfolgreichsten Monat im November 2013 130 Millionen Unique Visitors. Nicht weil viele Leute Buzzfeed als Startseite im Browser haben, sondern weil Buzzfeed-Content wie hulle über die Social Networks geteilt wird. Drei Viertel des Traffics auf der Seite kommen über Links aus sozialen Netzwerken. Vor allem der Facebook-Algorithmus findet Buzzfeed klasse und verhilft so der Seite zum Erfolg. Social-Media-Sharing-Buttons sind in Hülle und Fülle vorhanden, in Listicles sogar für jedes Bild einzeln. Weil Bilder so prominent sind, ist die Bilder-Seite Pinterest für Buzzfeed genauso wichtig wie Twitter.

Unter jedem Text gibt es dann noch eine Reihe von „Text-Emoticons“ wie „omg“, „wtf“, „LOL“ oder „cute“. Für jede dieser Kategorien gibt es eigene Rankings. Die Community-Mitglieder können auch selbst Artikel schreiben – besonders gelungene werden von der Redaktion auch mal auf die Homepage gehievt. Ein Prinzip, dass Buzzfeed von social news-Seiten wie Digg (deutsches Pendant: yigg) übernommen hat: Dort können die Nutzer selbst abstimmen, welche Artikel sie witzig und interessant finden. Die Buzzfeed-Redaktion holt sich im social web Futter für „eigene“ Artikel.

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Kohle kommt natürlich auch hier über Werbung rein, besonders gut ist Buzzfeed beim Native Advertising – Inhalten, die gar nicht auf den ersten Blick als Anzeige erkennbar sind, sondern im Gewand eines normalen Artikels oder eher Listlcles daherkommen: „17 Probleme, die nur Buchliebhaber verstehen“ sehen genauso aus wie andere Listicles, sind aber vom Buchhändler HarperCollins gesponsort. Diese Native Ads erstellt ein Team innerhalb der Buzzfeed-Redaktion auf Wunsch des Kunden.

“We would love to come to Germany”
Die News stehen zwar in der Hauptnavigation an erster Stelle, haben gegen die ganzen bunten Geschichten aber eher einen schweren Stand. Damit Buzzfeed aber auch von anspruchsvolleren Lesern angenommen wird, hat die Seite Ben Smith von Politico abgeworben und mit dem Aufbau eines Hintergrund- und Investigativ-Ressorts beauftragt, das längere und gehaltvollere Artikel zum Buzzfeed-Universum beisteuert.

In den USA ist Buzzfeed schon lange eine große Nummer und auch in Deutschland steigen Aufmerksamkeit und Klick-Raten. Inzwischen macht Buzzfeed-Gründer Jonah Peretti keinen Hehl mehr daraus, dass er die Seite auch bald nach Deutschland bringen will. Schon jetzt verzeichnet “BuzzFeed” eine Million Nutzer im Monat aus Deutschland, sagt Peretti. “We would love to come to Germany. Wir müssen noch die richtigen Leute finden. Dann werden wir es machen“, sagte Peretti kürzlich in einem Interview mit Gründerszene. Allerdings nicht wie die Huffington Post mit einem Verlagspartner, sondern allein. Das deutsche “Buzzfeed“ soll wohl eine Mischung von englischen Beiträgen, deutschen Übersetzungen und eigenen Inhalten werden. Das könnte eine echte Konkurrenz für bild.de werden.

Dieser Post wurde zuerst auf dem Torial-Blog veröffentlicht.

“Audio”-Abladestation bei Focus Online

Screenshot Focus Online

Audio-Content und nachweislich der Dachzeile womöglich eine eigene Kategorie “Hörfunk” bei Focus Online? Ein entsprechender Teaser machte mich neugierig, stehen Audios – wenn man sie mit Textbeiträgen und Videos vergleicht – doch im Allgemeinen ein gehöriges Stück weiter unter auf der Beliebtheitskala der User. Manuskripte von Radio-Beiträgen eigenen sich in manchen Fällen zwar recht gut als Grundlage für einen Online-Artikel, meist aber erst nach eingehender Bearbeitung. Warum sollte Focus Online also hier investieren?

Machen sie natürlich auch nicht. Bei den mit dem Hinweis “(AUDIO)” in der oft ellenlangen Überschrift gekennzeichneten Inhalten handelt es sich um die Textfassungen von “PR-Material von Kunden der news aktuell GmbH”, ausgeschriebene O-Töne und Hinweise wie “Sprecherin:” inklusive. Die dpa-Tochter verklappt diese außer über ihr eigenes Presse(mitteilungs)portal eben auch über die Focus-Website.

Die Meldung über die 52.000-Kilometer-Busfahrt findet sich außer im Presseportal beispielsweise auch bei Yahoo.de in der Rubrik “Nachrichten”.

Wir basteln uns ein multimediales Scrollformat


Scrollreportagen wie Snow Fall sind aufwändig programmiert und wurden vom Online-Chef der Zeit, Jochen Wegner, deshalb als das Feiertagslayout der Onlinereportage bezeichnet.

Aber das Gute ist: Javascript und HTML5 haben in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht. Ein technisch versierter Journalist, der ein wenig Ahnung von HTML und Javascript hat, kann durchaus sein eigenes multimediales Scrollformat basteln.

Um den Einstieg für Experimente zu erleichtern, habe ich ein sehr einfaches Minimal-Template in meinem Weblog veröffentlicht … vom Design ein Montagslayout, aber funktional. Im Quellcode sind alle Details kommentiert. Mit entsprechenden jQuery-Plugins könnte man das Template um Parallax-Scrolling und/oder vollformatige Panels erweitern.

Update: Jetzt auch als Fullpanel-Template mit Fullscreen-Video.

BildPlus: Paid Content = Puff-Beichte

Die FAQ zu den Bezahlangeboten auf Bild.de versprechen:

Welche Vorteile bietet BILDplus?
Mit BILDplus erleben Sie auf BILD.de exklusive Interviews und Reportagen, die besten Fotos, Chats mit Experten, multimediale Infografiken sowie aktuelle Tests und Ratgeber und viele weitere spannende Themen.

Im der Umsetzung lautet ein Homepage-Teaser zum Beispiel aktuell: “Meine 6 skurrilsten Erlebnisse im Puff – ‘Pascha’-Manager packt aus”.

Wäre Ihnen dieser Listicle ein Test-Abo ab 0,99 Euro wert? Ich rätsele zwar gerne, ob sich dahinter eher ein Ratgeber, eine multimediale Infografik oder ein Expertenchat verbirgt, verzichtete dann aber doch lieber darauf, mein ausgelaufenes Probeabo bei Bild.de zu erneuern.

Aber von der Porno-Industrie lernen, heißt ja angeblich im Internet siegen lernen …

BildPlus-Aritkel über "Meine 6 skurrilsten Erlebnisse im Bordell" (Screenshot)

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