Archivierte Einträge für Politik

Demo-Zahlen: Die dezentrale Nicht-Live-Meldung

Demonstranten am 27.07.2013 in Hamburg

Wie viel Demonstranten sind es? (Foto: Holger Röttgers)

“Bundesweite” – also in verschiedenen Städten am gleichen Tag veranstaltete – Protestaktionen, wie sie heute und schon mehrfach zu Themen rund um staatliche Überwachung stattfanden, haben zwei unbestrittene Vorteile: Menschen können sich leichter an den Protesten beteiligen, ohne erst an einen zentralen und (für Nicht-Berliner wahrscheinlich tendenziell weit entfernten) Kundgebungsort anreisen müssen. Sie können Anwohner und Passanten an verschiedenen Orten erreichen.

Die Chancen, über die mediale Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zu bekommen, ist für die meisten Anliegen allerdings erheblich geringer als bei einer zentralen Demonstration. Hier 50 Demonstranten, dort 200 und in einer der größeren Städte vielleicht eine vierstellige Zahl – das kommt der Mechanismen und der Logistik der (Online-)Berichterstattung der größeren Medien alles andere als entgegen. Weiterlesen…

Die Themenkarriere des Leistungsschutzrechts

Christopher Buschow stellt seine Studie über Themenkarriere und Akteure der Debatte um das Leistungsschutrechts auf der Republica vor.

Christopher Buschow präsentiert seine Ergebnisse

In der Ecke unten rechts: die Blogosphäre

Google-Kampagne gegen das Leistungsschutzrecht

Google Deutschland – bekanntlich seit langem und aus guten Gründen ein Gegner des Leistungsschutzrechts – fährt seit heute morgen eine öffentliche Kampagne gegen das geplante Leistungssschutzrecht für Presseverlage. Über einen Link auf der Google-Startseite mit dem Slogan “Willst Du auch in Zukunft finden, was Du suchst? Mach’ mit: Verteidige Dein Netz” führt Google auch Nutzer, die bisher vom Leistungsschutzrecht noch nie gehört haben, auf eine spezielle Kampagnenseite.

Google versucht – ähnlich wie in Sachen ITU – in einer Art Grassroots Apparel normale Internetnutzer zu mobilisieren und bietet dafür Karte und Formular zum Aufspüren des eigenen Bundestagsabgeordneten samt Kontaktdaten an. Zur Kampagne gehört – natürlich – auch ein Video. Dessen Spin: Leistungsschutzrecht ist quasi gleich Zensur. Das ist natürlich so nicht zutreffend, selbst falls Google als Reaktion auf das finanzielle Forderungen der Verlage diese – wie in Belgien geschehen – aus seinem Suchindex schmeißt.

Springer-Cheflobbyist Christoph Keese beschwert sich:

Google startet Kampagne gegen #LSR auf eigenen Plattformen. Verlage hingegen instrumentalisieren ihre Medien nicht in eigener Sache.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Amüsant ist der Hinweis von
Mathias Richel auf Twitter auf Twitter, wie sogenannte Qualitätsmedien mit Print-Provenienz über Googles Lobby-Kampagne berichten:

Spiegel Online, Berliner Zeitung und Tagesspiegel verlassen sich hier erst mal ganz auf die Deutsche Presse-Agentur (Meldung vom dpa-Basisdienst, 27.11.2012, 05:00 Uhr). Und die wiederum ist klar erkennbar eine kaum veränderte Pressemitteilung von Google (die dpa sicherlich mit Sperrfrist 5 Uhr zuging).

Am Donnerstag, 29. November 2012, steht die erste Lesung des Gesetzentwurfs zum Leistungsschutzrecht im Bundestag an.

Raabs “Absolute Mehrheit” mehrheitlich abgewatscht

Gesammelte Stimmen aus den Medien und aus dem Netz zur gestrigen Premiere von Stefan Raabs neuer “politischer Talkshow” “Absolute Mehrheit” auf Pro Sieben.

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SpOn: Schrittmacher für den Hauptstadt-Journalismus

In einem lesenswerten Artikel der Zeit über die Zeitnot bei Politikern findet sich eine aufschlussreiche Stelle, wie Spiegel Online den (beinahe) 24/7-Newscycle befeuert (via Bildblog, Netzpolitik, u. a.)

Tatsächlich läuft das Meldungsstakkato auf SPON nach einem recht schwarmstiftenden Muster ab. Eine ganze Schar von Hauptstadtreportern ist, bildlich gesprochen, damit beschäftigt, tagsüber die Sauen durchs Dorf zu jagen, die sie morgens selbst losgelassen haben. Jeden Vormittag, so der Anspruch der Redaktion, soll auf dem »HP1« (Homepage-Platz 1) eine eigene Exklusivmeldung stehen. Bis 14 Uhr müssen die Reporter dazu weitere Zitate und Reaktionen eingeholt haben. Aus ihnen wird die sogenannte »Nachdrehe« geschrieben. Danach recherchieren die Redakteure die Nachricht für den nächsten Morgen. Bis 19 Uhr geht die »Analyse« online, ein Text, der zusammenfasst und zuspitzt, wie sich die Nachricht den Tag über entwickelt hat.

Zum Vergleich: Die Einschätzungen der Hauptstadt-Journalisten zur Bedeutung von SpOn 2006 und 2008 und Dirk von Gehlens Anmerkungen zu “Das trifft uns dann morgen: das Internet in West Wing”. In der fiktiven US-Serie über das Weiße Haus (Start: 1999) ist das Nachrichtentempo zwar hoch, aber das Internet spielt zunächst nur als Themenradar, noch nicht als Meinungsmacher eine Rolle.

Mitt Romney goes Eminem

Ein beeindruckendes Video aus dem ansonsten internetmäßig nicht so spannendem US-Wahlkampf:

Mehr zum Thema
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Tagesschau-App: anachronistischer Streit um ein modernes Tool

Im Zeitalter der Medienkonvergenz sähe der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gerne die Hoheit über das geschriebene Wort garantiert und hat deswegen im Juni 2011 eine Klage gegen die “presseähnlichen Inhalte” der Tagesschau-App eingereicht. Was in diesem bizarren Streit bisher geschah – eine Linksammlung auf Storify.

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US-Wahlkampf: “Social Media ist ein Muss”

Tim Grieve (Foto: Fiete Stegers)

Der US-Wahlkampf setzt seit jeher Meilensteine – sowohl in der Benutzung des Internets durch Politiker und politisch interessierte als bei der Entwicklung neuer Formen der Berichterstattung im Onlinejournalismus. Tim Grieve, Chefredakteur von Politico, sprach mit onlinejournalismus.de darüber, was diesmal zu beobachten ist und erklärte die spezielle Nische seiner Website.

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Wulffs Mailbox-Nachricht: Rekonstruiert via Crowdsourcing

Collage Christian Wulff in Sachsenhausen / Screenshot Wulffplag Wiki

Es ist absurd: “Bild” und Bundespräsident liefern sich einen Offenene-Briefe-Abtausch über den Inhalt des ominösen Anrufs auf Kai Diekmanns Mailbox, bei dem Christian Wulff so aus der Rolle gefallen sein soll. Eine Abschrift des Telefonats des Telefonats kursiert seit geraumer Zeit in Journalistenkreisen – laut “taz” den Kollegen bereitwillig von “Bild”-Redakteuren offeriert -, während die Zeitung offiziell um eine nachträgliche Genehmigung zur Veröffentlichung durch den Bundespräsidenten ersucht, was Wulff bislang ablehnt.

Man mag darüber streiten, ob die Veröffentlichung des kompletten Inhalts anfangs gerechtfertigt gewesen wäre. Inzwischen ist die Mailboxnachricht durch den Streit, ob Wulff hier womöglich gelogen hat und/oder aber die Freiheit der Presse einschränken wollte – längst zum Politikum geworden. Angesichts der Tatsache, dass diverse Medien inzwischen lang und breit aus der angeblichen Nachricht zitieren – teilweise über drei Ecken unter Berufung auf “mit dem Inhalt vertraute Kreise” -, hat die Öffentlichkeit ein Anrecht auf den vollständigen Wortlaut. Dies wäre auch im Sinne des Bundespräsidenten, auch wenn er sich das noch nicht eingestehen mag.

Anders als bei dem Interview mit ARD und ZDF, das zunächst aufgrund einer Vereinbarung mit Wulff von der Aufzeichnung bis zur Sendung ebenfalls nur einigen Journalisten zur Verfügung gestellt wurde, ist bisher noch keine vollständige Version des Anrufs nach außen gesickert. Wikipedianer Mathias Schindler hat deshalb über das Portal Frag den Staat unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz die Freigabe der Abschrift durch das Bundespräsidialamt beantragt (was ich unterstütze).

Da hier die Amtsmühlen aber vermutlich langsam mahlen, scheint die Methode Crowdsourcing erfolgsversprechender. Und tatsächlich: Im Wulffplag-Wiki wird seit zwei Tagen (unter anderem und trotz des irreführenden Wiki-Namens) der Anruf aus Zitaten in der bisherigen Medienberichterstattung rekonstruiert.

Man darf gespannt sein, wie sehr sie am Ende richtig liegt, wenn der Volltext auf die eine oder andere Weise an die Öffentlichkeit gelangt. (Und bei der ganzen Seite nicht vergessen, dass zur vollständigen Bewertung sicher auch der in der Schriftform nicht enthaltene Tonfall eine Rolle spielt).

Nachtrag, 10.10.2012
Seit der Link zum WulffPlag-Wiki inzwischen die Runde gemacht hat, melden sich dort eifrig Nutzer zu Wort – leider vor allem, um sich in einer wenig zielführenden Bewertung des Verhalten Wulffs, der übrigen Politik, der Medien und der wulffkritischen Internetnutzer zu ergehen.

Weitere Links
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… im übrigen Internet

  • “Die Abschrift von Wulffs Mailbox-Nachricht sollte veröffentlicht werden”, sagt Grimme-Direktor Kammann bei Deutschlandradio Kultur
  • Stefan Niggemeier erklärt, warum es so verheerend ist, dass der Eindruck entsteht, “dass andere Medien sich von „Bild“ haben einspannen lassen, der „Bild“-Geschichte an den entscheidenden Stellen die eigene Seriösität leihen und Seite an Seite mit „Bild“ kämpfen.”
  • Richard Gutjahr betrachtet das ganze auf einer noch höheren Ebene und sieht den Medienwandel am Werk: “Politiker und Journalisten: Freunde, die einander verdienen”

Foto: Ashleigh B; Screenshot/Collage: onlinejournalismus.de – unter CC BY-NC 2.0

Visualisierung der “Maschsee-Mafia” mit Gephi

Claus Hesseling hat in seinem Blog das Gephi-Projekt: Wulff und die “Maschsee-Mafia” begonnen, dass die Beziehungen zwischen Bundespräsident Christiain Wulff und anderen dem “Hannoverschen Klüngel” zugerechnenten Politikern und Unternehmern visualisiert.

Die Daten beruhen nicht auf eigener Recherche, sondern auf einer Auswertung vorhandener Medienberichterstattung. Per Crowdsourcing werden Hinweise über das Beziehungsgeflecht auf in einer Google-Docs-Datei gesammelt. Die Informationen – wer wie mit wem verbunden ist – sind in der Grafik jedoch spärlich.

An einer eher klassischen Form der Visualisierung hatte sich bereits vor einigen Tagen die “Welt” versucht (hier leider nur in klein).

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