Archivierte Einträge für Politik

Gegen BP – für Gauck

Ein leicht knollennasiger älterer Herr aus dem Osten ist zum Liebling von Leuten geworden, die sich ansonsten eher für Mate oder Ipads interessieren – stark vereinfacht gesagt. Aber von vorn:

In der letzten Woche geisterten einige Links durchs Web, die sich mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko beschäftigten. Nicht nur mein Favorit: “If it was my home” projiziert die Größe der Verseuchung dank Google Maps auf eine beliebige Erdregion. Warum ist auf so etwas keine Online-Redaktion gekommen?

Weitere interessante Links, die eher in Richtung Aktivismus als Journalismus gehen und sich gegen den Verursacher der Ölpest wenden, hat Netzpolitik gesammelt: “Remix BP“.

Positiv versuchen hingegen in den letzten Tagen Unterstützer der Bundespräsidenten-Kandidatur von Joachim Gauck, die nicht in den Redaktionen von “Spiegel” oder “Bild am Sonntag” sitzen, ihrem Kandidaten Rückenwind im deutschprachigen Netz zu verschaffen. Nicht nur in den Online-Umfragen großer Sites – egal ob Bild.de oder heute.de – dominiert Gauck klar vor Wulff: Websites wie “Wir für Gauck” oder “Mein Präsident” zeigen, was mit minimalem oder ein wenig mehr Aufwand in Windeseile mit frei zugänglichen Social-Media-Tools zusammengebastelt werden kann. Das Pottblog bietet eine “Gauck-Ecke” zum Einbau in die eigene Website an. Die Webevangelisten sammeln Pro-Gauck-Tweets und bauen daraus ein Mosaik von mehr als 2.500 Unterstützern. Und die etablierten Medien thematisieren die Pro-Gauck-Welle auch schon – zuerst anscheinend Der Westen (ausgerechnet!), spätestens morgen dann sicher auch Spiegel Online.

Schließlich bringt es unter den diversen Pro-Gauck-Bekundungen auf Facebook eine Gruppe bereits auf mehr als 10.000 Mitglieder. Interimspräsident Jens Böhrnsen kann hingegen auf Facebook – soweit ich das sehe – nur auf etwas über 300 Freunde zählen. Immerhin sind das schon deutlich mehr als seine 24 Kumpane am Montag letzter Woche.
Jens Böhrnsen bei Facebook, Screenshot vom 31.05.2010

Update, 08.06.2010

q.e.d. – ein SpOn-Artikel

Weitere Links
… im Internet:

  • Das Altpapier fragt “What about the Gauck-Euphorie? Spannend an der Horst-Köhler-Nachfolge-Frage bleibt aus medialer Sicht, ob und wie es den Medien gelingt, die Gegenkandidat-Trunkenheit vom Wochenende (Altpapier von gestern) hochzuhalten.”

Eine offene Bibliographie für die Internet-Enquete – bitte ergänzen!

Die Bibliothek des Deutschen Bundestags hat für die Mitglieder der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft eine 137-seitige Bibliographie zusammengestellt, die iRights.info erstmals veröffentlicht – zusammen mit dem Aufruf, sie zu ergänzen.

Merkel eifert New York Times nach

Kürzlich bemerkt: Auf der Website der Bundesregierung wird mindestens eine Regierungsklärung der Bundeskanzlerin optional auch in einem Flash-Interface angeboten, das parallel zum Video das Transkript der Rede anbietet. Vorbild ist ganz offenbar ein ähnliches Feature der New York Times, die dies zu den Fernsehdebatten im Präsidentschaftswahlkampf anbot.

Schön, dass die Bundesregierung es so ermöglicht, die Rede parallel zum Video zu lesen oder nach Sinnabschnitten vor- und zurückzuspringen. Auch zum Download ist das Video verfügbar.
Screenshot: Video und Transkript

In Sachen Usablity ist aber noch Nachbesserungsbedarf: Auf der Übersichtsseite wird offensichtlich auf ein falsches Video (das einer Regierungserklärung von Dezember verlinkt). Und die seltsamen Icons der Mediathek (!) der Website (oben rechts) sind alles andere als selbsterklärend.
Screenshot

Brenders Fall: heute.de reagiert sofort und umfassend

Gleich ein ganzes Special auf der Startseite trotz der heiklen Berichterstattung in eigener Sache – nicht schlecht!
heute.de: Bildmontage aus Screenshot
Weiterlesen…

Unkontrollierter Twitter-Einfluss bei Focus Online

Interessant: Focus Online ergänzt seine Wahlberichterstattung durch ein Twitter-Widget, das automatisiert – und damit unkontrolliert – Twitter-Beiträge anderer Nutzer ausspielt. Verwendet wird es zum Beispiel in diesem Artikel. Abgefragt werden die Suchbegriffe “Bundestagswahl” OR #bundestagswahl OR #btw OR #wahl2009″.

Interessant deswegen, weil Bild.de mit einem solchen Freibrief für Twitter-Nutzer kürzlich angesichts des Amoklaufs in Ansbach auf die Nase gefallen war: Die Nutzer twitterten gegen Bild, wie es u. a. bei der Augsburger Allgemeinen heißt. Spiegel Online hatte beim jüngsten Relaunch zu Twitter-Kommentaren aufgerufen – aber eben nur zu einem bestimmten Anlass und mit einem selbst vorgegeben Twitter-Hashtag zur Erkennung. tagesschau.de hatte beim TV-Duell einen Twitter-Kasten auf der Seite – der aber nur eigene und re-tweetete Posts ausspielte.

Zwei Rückblicke auf die Große Koalition

Screenshot “Die Berlin-Bilanz”/ZDF
Das Flash-Interface (Design und Programmierung: Form One) ist optisch beeindruckend: In einem multimedialen Internet-Special ziehen die Journalisten des ZDF-Hauptstadtstudios“Die Berlin-Bilanz” der Großen Koalition.

Für tagesschau.de habe ich zusammen mit Kollegen etwas ganz Ähnliches produziert: Die multimediale Zeitleiste über “Vier schwarz-rote Jahre” ist im Gegensatz zum ZDF-Special mit einem Standard-Tool (Design und Produktion: Avero) gebaut und verwendet statt Bilanz-Videos wie beim ZDF Archiv-Beiträge der jeweiligen Ereignisse.

Stimmen zum Spiel?

Weitere Links

  • Multimedia Storytelling: Und nun? “Das Multimedia-Paket alter Bauweise funktioniert einfach nicht. Es hat, wenn wir ehrlich zu uns sind, auch noch nie funktioniert”, meint Fabian Mohr ganz generell.

Fernsehduell der Kanzlerkandidaten ohne Live-Stream

Das von ARD, RTL, Sat 1 und ZDF am 13. September gemeinsam übertragene Fernsehduell der Kanzlerkandidaten bleibt eine reine TV-Veranstaltung. taz und Frankfurter Rundschau hatten schon darauf hingewiesen, vornehmlich mit Hinweis auf den wegen verweigerter Hörfunkrechte verärgerten Deutschlandfunk. Noch absurder ist es allerdings, dass es es – nach jetzigem Stand der Dinge – von keinem der beteilligten Sender eine Übertragung per Videolivestream ins Netz geben wird.

(mehr bei Dnews)

Update, 27.08.2009
(via Turi)

    CDU-Wahlplakat-Remix: Löschung notwendig?

    Mehr als 170 Einsendungen innerhalb eines Tages gab es auf den Aufruf von Netzpolitik.org, aktuelle CDU-Wahlplakatmotive zu remixen, spricht: kreativ umzugestalten. Gleich am nächsten Tag schaffte es die Aktion sogar ins ZDF-Morgenmagazin. Markus Beckedahl und seine Mitstreiter stellten einmal mehr unter Beweis, dass sie kampagnenfähig sind und das, was einem Zentralorgan für die politischen Bereiche der Blogosphäre am nächsten kommt.

    Auch die Nutzer-Kommentare bei Netzpolitik bewegen sich im dreistelligen Bereich – besonders, seit die Fotografin der Plakatmotive nach Angaben von Netzpolitik.org in der Satire eine unerlaubte Nutzung sieht. Die diskutierten urheberrechtlichen Fragen spielen in diesem Fall meiner Einschätzung nach überhaupt keine Rolle, die gesamte Aktion müsste als politische Satire von der Meinungs- und Kunstfreiheit gedeckt sein. Wäre es anders, wäre das schlimm. So sieht das auch der Medienrechtler Markus Kompa.

    Dennoch hat Markus Beckedahl angesichts eines drohenden Rechtsstreits zumindest einige Bilder vorerst depubliziert. Im Netz verbreiten sie sich allerdings ohnehin schon über diverse Seiten. Auch einen Generator zum Erzeugen von Bildern ganz ohne Photoshop-Kenntnisse gibt es.

    Ich vermute, dass die Fotografin schließlich von ihrer Forderung abrücken wird.

    Update, 18:45
    Laut taz verzichtet die Fotografin auf eine juristische Auseinandersetzung

    Weitere Links

    Netzpolitik.org fordert auf: Bürger-Meinungen zum Dreistufen-Test

    Netzpolitik.org dreht in den letzten Monaten verstärkt an der Kampagnenschraube: Nun ruft das Weblog Zuschauer, Hörer und Internet-Nutzer auf, ihre Meinungen zu den Internet-Angeboten von ARD und ZDF abzugeben. Derzeit müssen diese im bereits berüchtigten Dreistufentest nachträglich genehmigt werden. Im Rahmen dieses Tests werden auch Stellungnahmen von Dritten berücksichtigt. Daran beteiligen sich in der Regel Konkurrenten, Lobbyisten und andere Fachleute mit Eingaben. Netzpolitik.org meint:

    Das blöde ist, dass die Nutzer in der Debatte nie gefragt werden. Auf den üblichen Medienkongressen mit ihrer Meinungsbildung diskutieren Politiker mit Verlegern / Verbänden und dem Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk immer nur darüber, dass letztere weniger im Netz machen können dürfen. Das prägt die Debatte. Verbraucherschützer und Zuschauer und Zuhörer werden nicht gefragt. Dabei bezahlen wir den Laden und in der Regel wünscht man sich als Zuschauer und Zuhörer viel mehr.

    Netzpolitik.org ruft nun Bürger auf, sich selbst zu Wort melden und äußert gleich Vorschläge, wie: Mehr Creative-Commons-Lizenzen, mehr offene Formate, 7-Tage-Frist für Archive abschaffen, weg mit dem Sendebezug.

    Update: Letzteres sieht Jörg Sadrozinski in seiner Reaktion im Tagesschau-Blog bereits entschärft.

    [Hinweis: Ich arbeite für tagesschau.de und andere öffentlich-rechtliche Auftraggeber.]

    Die Preisträger des Grimme Online Awards 2009

    … werden heute Abend bei der Preisverleihung in Köln bekanntgegeben. So zumindest der Plan.

    Hier ist die Liste der nominierten Websites.

    Nachtrag, 22:30 Uhr

    Und hier die Preisträger:

    Information: Carta, Blog von Jens Weinreich, ZDF Parlameter

    Wissen und Bildung: Design Tagebuch

    Kultur und Unterhaltung: Krimi-Couch.de, TOM und das Erdbeermarmeladebrot mit Honig

    Spezial: Byte FM

    Publikumspreis: Wissen macht Ah!

    Die Jury hat eine gute Auswahl getroffen: Parlameter und Jens Weinreich haben wir bei onlinejournalismus.de auch in hohen Tönen gelobt, besonders freut mich darüber hinaus die Ehrung für das häufig von mir zitierte Design Tagebuch. Carta taucht bei uns auch häufiger auf – da ist aber sicher noch Raum nach oben. Und Byte FM kann ich zum Reinhören nur empfehlen. Der unbekannte Rest lohnt sich dann sicher auch zu entdecken.

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