Archivierte Einträge für Politik

Online first in Dänemark

Am Tag nach der US-Wahl gab es für die meisten europäischen Zeitungen nur notdürftige Aufmacher dazu: Anbiedernd “Good Morning, Mr. President” (ohne einen Namen zu nennen), aufatmend im Stil von “Tschüß, Bush” oder sachlich mit dem Tenor “Hohe Wahlbeteiligung …”

Die dänische Zeitung Politiken machte ihren Titel dagegen mit dem fetten Hinweis “Mehr auf politiken.dk” auf – denn dort gab es das erst nach Redaktionsschluss feststehende Wahlergebnis am Morgen bereits.

Carta und der Onlinejournalismus

Kann das was werden? Carta ist ein Mehr-Autoren-Blog, initiiert unter anderem von dem Journalisten, Medienberater, Kommunikationswissenschaftler und Ein-Mann-Institut Robin Meyer-Lucht*. Noch ist es sehr beta und in stetem Wandel begriffen, was man bei Carta findet. Oder positiv ausgedrückt: Man wird Zeuge eines soft launch von etwas, für das Meyer-Lucht offenbar große Pläne hegt. Die Carta-Autoren widmen sich Themen aus Politik, Medien und Wirtschaft. Die etwas pompöse Selbstbeschreibung:

CARTA ist ein Netzwerk-Syndikat für Analyse und Meinungsbildung. Die Online-Publikation verknüpft die Beiträge seiner dezentral organisierten Autoren mit Verweisen auf die relevantesten Inhalte aus dem Internet. CARTA ist dezentrales, digitales Op-Ed. CARTA ist Filter und Produzent, Meta- und Mehrautoren-Blog.

Ein Cicero 2.0? Das Endlichmalpolitisch-Blog? Eine deutsche “Huffington Post” (Wikipedia) für das Wahljahr 2009? Bloß eitle Eigen-PR? Oder ein Projekt, das nie ausreichende Relevanz erreicht und schnell austrocknet wie manch auf Gastautoren aufbauende Webprojekte? Die Werbebanner werden jedenfalls schon einmal professionell vermarktet.

Unter den ersten veröffentlichten Texten sind zwei für Onlinejournalisten interessante: Mercedes Bunz (tagesspiegel.de) fordert in einem Grundsatztext eine “neue Poesie der Neugierde” für den Onlinejournalismus – und den Journalismus überhaupt:

1. Marke statt Medium: Publizistische Marken sind in Zukunft weniger als bisher von einer spezifischen medialen Logik geprägt, sondern verteilen ihre spezifische inhaltliche Ausrichtung, ihr Markenprofil, auf verschiedene Medien.

2. Veröffentlichung heute heißt Kommunikation: Journalisten produzieren für Medien keine Beiträge, sie kommunizieren mit ihren Lesern – mitunter auch im direkten Dialog.

3. Plattform statt Sender: Eine Marke besticht in Zeiten des Überangebots an Information nicht nur durch selbst hergestellte Inhalte, sondern versteht sich als Plattform und wählt gemäß der ihr eigenen Logik die relevanten Beiträge für ihre Leser aus.

Die Autorin fordert unter anderem den Einsatz wirklich onlinespezifischer, multimedialer Formate (wir sind auf die Umsetzung im Hause Holtzbrinck gespannt …).

Meyer-Lucht selbst hat ein Treffen von Bundesregierung, Verlegern und Journalistenverbänden getragenen Nationalen Initiative Printmedien” (Homepage – fast erwartbar PDF-lastig) besucht. Offenbar eine traurige Veranstaltung, bei der der zuständige Vertreter der Bundesregierung selbst konstatiert: “Wenn ich morgens ins Büro komme und mich über die Nachrichtenlage informieren will, schaue ich ins Internet. Zeitungen spielen da quasi keine Rolle mehr.”

* Anmerkung von Meyer-Lucht über mögliche Rollenkonflikte

Weitere Links

US-Wahlkampf: Twitter, Streams

Im Endspurt zur US-Wahl wollte ich hier noch mal auf zwei Phänomene aus den letzten Wochen hinweisen:

Streams der TV-Debatten boten nicht nur die Fernsehsender, sondern auch die New York Times (mit Transkript!) und Hulu.com an (mehr bei NewTeeVee)

Twitter wurde von etlichen Medien als Format eingesetzt, wie Poynter.org berichtet – etwa um, die TV-Duelle (mit Fact-Checking) und den Republikaner-Parteitag zu begleiten.

Der US-Wahlkampf ist ja traditonell ein Taktgeber für den Interneteinsatz bei Bundestagswahlen – auch wenn nie alles herüberschwappt, können wir gespannt sein.

Update, 4.11.2008:
Netzpolitik hat Links zur US-Wahlnacht gesammelt. Twitter aus der Wahlnacht: Automatischer Feed bei Twitter.com, VoteReport. NPR, auch tagesschau.de probiert’s aus. ZDF: Die Nacht im Netz.

Rundfunkstaatsvertrag, nächste Runde

Auf ihrer Sitzung vom 22. bis 24. Oktober werden die Ministerpräsidenten den Entwurf des zwölften Rundfunkänderungsstaatsvertrags beschließen. Ein Zungenbrecher für ein schwieriges Thema, das der Erklärung bedarf. Es geht vor allem um die Zukunft der öffentlich-rechtlichen Onlineangebote.

schreibt der WDR* und stellt noch einmal – auch für Laien verständlich – seine Sicht der Dinge dar. Die Gegenseite, also der private Rundfunkanbieterverband VPRT, hat ebenfalls eine aktuelle Stellungnahme veröffentlicht.

Der derzeit diskutierte Entwurf des Rundfunkänderungsstaatvertrages findet sich als PDF bei der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz.

* für den ich auch unter anderem arbeite

Blamabel: Spiegel-TV über Twitter und die SPD

Dieses Video könnte ein Beispiel für inneren Meinungspluralismus beim Spiegel sein – für gute crossmediale Vernetzung und Qualitätsjournalismus ist der Beitrag keins. Möglicherweise könnte er noch für verunglückte Satire-Versuche in (politischen?) TV-Magazinen stehen. Wovon ist die Rede? Spiegel TV zieht sich in dem Beitrag an einem angeblich twitternden Müntefering hoch.
Hier beweist jemand zugleich Internet- und Visualisierungskompetenz (Screenshot)
Inkriminiertes Spiegel-TV-Video: Hier beweist jemand zugleich Internet- und Visualisierungskompetenz.

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ZDF-Multimedia-Specials zur US-Wahl

Gestern machte heute.de zeitweilig mit einem Multimedia-Special zur US-Präsidentschaftswahl (Mediathek-Popup) auf. Schön, wenn solche aufwendig erstellten Inhalte dann auch prominent präsentiert und nicht hinter einem weiterführenden Link versteckt werden. Aber erfüllt das Special auch die damit gesäten Erwartungen? Ein Fazit fällt nicht so einfach. “Solide, aber hinter den eigenen Möglichkeiten zurückbleibend” trifft es vielleicht am ehesten.

Screenshot heute.de Weiterlesen…

“Hubertus Heil twittert aus Denver”

Geile Überschrift, habe ich gedacht, als ich das bei Alexander Svensson las. Irgendwie vieldeutig. Ein paar Eindrücke von den Eindrücken des SPD-Generalsekretärs von der Demokraten-Krönungsmesse in Denver:

Pfarrer hintze ist auch da. ungefähr 19 Stunden ago from TwitterBerry
Mdb muetze hat ein skateboard, mdb annen schuh gekauft. Wir koennen jetzt weiterarbeiten

Waren noch mit einigen delegierten und ein paar journalisten ein bier trinken. Waren alle von der michelle obama rede begeistert. ungefähr 11 Stunden ago from TwitterBerry

Us-presse zum gestrigen verlauf der convention positiv. Hier beginnt jetzt das forum mit bill clinton, madeleine albright, joschka u.a. ungefähr 2 Stunden ago from TwitterBerry

Themen sind armutsbekaempfnung und klimawandel. Joschka ist moderator, clinton hielt impulsreferat. Kernthese: gute absichten reichen nicht ungefähr 1 Stunde ago from TwitterBerry

Das erreicht teilweise fast die Qualität des jetzt schon legendären Christoph-Daum-Tickers der Kollegen vom Kölner Express, könnte man meinen. Kann man aber auch lassen: Ich gehe mal davon aus, dass das wirklich die orginalen Heil-Eindrücke sind und er sie nicht einem Referenten ins Blackberry diktiert. Dann ist tatsächlich ein Stück Politik hautnah. Heil scheint vom Twitter-Fieber gepackt und hat in diesem Fall ja auch einen Anlass, über den es ein bisschen was zu erzählen gibt (das erinnert mich an unseren Twitter-Einsatz beim G8-Gipfelblog im letzten Jahr) – bzw. bei weil sie von ihm stammen, sind auch Belanglosigkeiten interessanter als bei sonstigen Twitter-Nutzern. Übrigens: Heil geht auch auf Bemerkungen anderer Twitter-Nutzer ein.

Das dann aber bitte demnächst auch im gleichen Stil aus Berlin:

struck ist stinksauer. merkel will unsere fraktion schon wieder unterbuttern und beck sagt nichts.

jetzt meldet sich auch noch einer der jusos zu Wort. das kann lange dauern – keine zeit mehr zum einkaufen heute. Schon wieder konnopke.

@wirres: hast du ne bessere idee?

Update, 27.08.2008:
SpOn und sueddeutsche.de hatten das Thema gestern auch schon, hier eine Sammlung weitere Meinungen.. Poynter (jüngst relaunched) informiert über twitternde US-Journalisten auf dem Parteitag.

Wie braune Propaganda zu Nachricht wird

NPD-Kenner Patrick Gensing (NPD-Blog) berichtet bei tagesschau.de über die merkwürdigen Nachrichtenauswahlkriterien bei Google News Deutschland und deren Nutznießer: Nazis.

Global Voices: Stimmungsbericht aus Budapest

Jan Becker berichtet bei tagesschau.de von einem internationalen Treffen von Bloggern und Bürgerjournalisten in Budapest.

Der Global-Voices-Gründer Ethan Zuckerman begrüßt herzlich und formlos, “zu dieser Mischung aus Konferenz und Familientreffen.” Zusammen mit der ehemaligen US- Auslandskorrespondentin Rebecca MacKinnon hat er vor drei Jahren im Umfeld der Universität Harvard die Webseite “Global Voices” ins Leben gerufen. “Wir sind wie eine Zeitung für Blogger, sammeln ihre Berichte, fassen zusammen, übersetzen und bündeln sie”, erklärt er den anwesenden klassischen Journalisten. Die sind einfach zu erkennen, weil sie statt Computern Notizblöcke oder Mikrofone auf dem Schoß balancieren.

Wie gehen Hauptstadtjournalisten mit Spiegel Online, SMS und Merkels Videoansprachen um?

Wie sich die Zeiten ändern: In der letzte Woche veröffentlichten Studie von Netzwerk Recherche, für die Autoren Leif Kramp und Stephan Weichert Experteninterviews mit 33 Journalisten, Pressesprechern und Kommunikationsberatern im Berliner Politikbetrieb geführt haben (Studie als PDF, 636 KB, 86 Seiten), finden sich einige interessanten Aussagen, die grob unserer Themenfeld betreffen.
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