Archivierte Einträge für Politik

Zuschauer drücken “record”, Politiker sollen antworten

Unter frage.tagesschau.de gibt es die ersten Videos einer Aktion von ARD-Morgenmagazin, Mittagsmagazin und tagesschau.de zu sehen: Zuschauer nehmen ihre Frage auf Video auf und laden diese hoch. Vom 3. bis 5. September sind Spitzenpolitiker in Morgenmagazin und Mittagsmagazin zu Gast und sollen darauf antworten (Guido Westerwelle, Edmund Stoiber, Renate Künast, Ursula von der Leyen, Peer Steinbrück und Kurt Beck).

In den USA hat eine ähnliche Video-Fragestunde ja bereits Eingang in den Vorwahlkampf gefunden. ABC folgte mit einer ähnlichen Aktion – NewTeeVee berichtet über deren magere Resonanz und Manipulationsvorwürfe. Vlogger Zennie Abraham hat sich über die Ursachen Gedanken gemacht: Für die User hätten zu viele technische Hürden bestanden (Video).

Update: Im Tagesschau-Blog sind die Nutzerkommentare zur Aktion bisher überwiegend kritisch.

Verfassungsrichter zum Rundfunkauftrag

Der ehemalige Verfassungsrichter und CDU-Politiker Hans Hugo Klein äußert sich in der FAZ zur Grundversorgung und zum Rundfunkauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender – differenzierter, als es die Überschrift “Ungehemmer Expansionsdrang” vermuten lässt.

Interviewt wurde er laut Autorenzeile von Reinhard Müller, den die FAZ im Vorspann allerdings mit dem Spiegel-Autor Reinhard Mohr verwechselt (oder umgekehrt?).

Schäuble, schön gelöst

Nach der Kritik das Lob: Was heute.de als “interaktiv” verkauft, schafft die Zeit ebenso ohne überflüssiges Flash und mit schöneren Bildern: Schäubles Schreckensliste.

Spiegel Online lädt zum Textvergleich zwischen dem Bundesinnenminister und seinem Vorgänger: “Schily reloaded”.

Und noch ein Positivbeispiel für die oft gescholtene Darstellungsform Quiz: “Wer fordert mehr?” beim Zünder der Zeit (via Coffee and TV).

Wo ist der Schäuble?

Terroristen töten, “Gefährder” wegsperren, Verdächtigen das Telefonieren verbieten – am Wochenende hat Wolfgang Schäuble noch mal erklärt, was seiner Meinung nach nötig sei, um Deutschland vor Terroristen zu schützen. Den Versuchsballon startete er diesmal in einem Spiegel-Interview.

Leider bietet Spiegel Online auch zwei Tage später aber nicht den Volltext, sondern nur eine Zusammenfassung mit AFP-Einstieg. Auch über das Archiv ist das Interview scheint’s nur im kostenpflichtigen E-Paper des aktuellen Hefts erhältlich. Ob das die richtige Taktik bei einem derart diskutierten Text ist? Die Diskussion ging doch hin zu “Weg von closed garden mit minimalen Paid-Content-Erlösen, wir setzen auf Reichweite.”

Wo wir gerade beim Kritteln sind: Das ZDF bietet zu dem Thema einen Flash-Überblick über “Schäubles Innere Sicherheit” von “Bundeswehr im Inland” bis “Vorratsdatenspeicherung”, der als “Tipp” und “interaktiv” angepriesen wird. Inhaltlich zwar solide, die Interaktivität beschränkt sich allerdings auf die Möglichkeit, klicken zu dürfen, die Darstellung nutzt Flash nicht aus. Reiner Text hätte die gleiche Wirkung erzielt. Da sind schon die kleinen Flash-Erklärboxen sinnvoller, die Spiegel Online zuweilen einsetzt, da diese direkt in den Hauptartikel integriert werden und nicht wie beim ZDF mit einem Popup funktionieren.


(An dieser Stelle sei auch noch mal ein Hinweis auf unseren Film “Alltag Überwachung” gestattet).

CNN/YouTube: Frag den Kandidat

Im Vorfeld der amerikanischen Präsidentschaftswahlen bietet CNN in Zusammenarbeit mit YouTube ein Format an, bei dem Bürger ihre Fragen per Video an die Kandidatur-Bewerber der beiden großen Parteien stellen können. Es soll jeweils eine TV-Sendung geben, in denen die Präsidentschaftsbewerber von Republikanern und Kandidaten mit redaktionell ausgewählten Videos mit Bürgerfragen konfrontiert werden. Die Fragesteller dürfen im Publikum sitzen.

YouTube fordert die User dazu auf, die Debatte anschließend in seinem “politischen Vlog” Citizen Tube fortzusetzen.


P.S.: Ja, das ist YouTube-Logo im eingebundenen Video oben. Videos von anderen Seiten einbauen – das ist praktisch für den Nutzer, liefert möglicherweise auch Gratis-Videocontent. Gleichzeitig hat Roman Mischel aber schon vor einiger Zeit auf einige damit verbundenen Fragen aufmerksam gemacht, über die man sich meist erst in zweiter Linie Gedanken macht: Berichten wir jetzt über dieses Video oder machen wir uns es zu eigen? Wie sieht es aus bei möglichen Rechteverletzungen Dritter? Was ist, wenn sich der Inhalt des eingebundenen Videos plötzlich ändert oder dort Werbung auftaucht, die einem missfällt? Beim Einbinden ist das schon eine Nummer härter. Deswegen sind wir hier auch in der Redaktion nicht immer einer Meinung, wie wir damit verfahren sollen. Sicher ist: Als Video-Sammelstelle oder Abspielstation für Fremdanbieter sehen wir onlinejournalismus.de nicht.

Auf dem Dudel, unter Wölfen

Gertrud Höhler (Wikipedia) ist Literaturwissenschaftlerin, “Publizistin und Mangementberaterin”, Bundesverdienstkreuzträgerin, Kanzler-Kohl-Beraterin, Udo-Walz-Kundin – und wegen Vermietung einer Immobilie an einen NPD-Politiker an ihrer Hochschule in Paderborn heftig in die Kritik geraten. Der Hochschulrat möchte sie dort nicht mehr unter sich wissen, Höhler erklärt, sie sei unwissend gewesen.

Höhler gehört außerdem zu den Autoren der “Welt-Debatte”. Dort hat sie – angespornt vom Vorbild des Online-Chefs Keese? – allerdings erst einen einzigen Beitrag Ende April verfasst. User-Reaktionen darauf: keine. Auch zu Höhlers Vermietung gibt es weder von ihr selbst noch von den Nutzern oder der Redaktion eine Bemerkung. “Unter Wölfen” – so der Titel ihres Debattenstücks – muss sich Höhler bei Welt.de also nicht fühlen.

Wollen wir wetten, ob Höhlers Seite auch still und leise verschwindet, wenn die Geschichte in Paderborn weiterkocht?

P.S.: Auf dem Dudel? Erklärung hier.

Markus Beckedahl: Der digitale Gesellschafter

Markus Beckedahl und “re:publica”
“Leben im Netz” – das Motto der dreitägigen “re:publica” wird den Voranmeldungen zufolge in dieser Woche hunderte Interessierte nach Berlin locken. Organisiert wird die Konferenz vom Vorzeigeblogger Johnny Haeusler von Spreeblick – gemeinsam mit Markus Beckedahl. Er führt das Weblog netzpolitik.org, ist außerdem Unternehmer, wahrscheinlich Lobbyist – und gar Journalist? Ein Porträt über Beckedahl, selbstreferenzielles Bloggen und das Berliner Treffen.


(Flash-Video ca. 6’45 min, 25 MB)

Weitere Links
im sonstigen Internet:

Springer kauft hamburg.de

Die Axel Springer AG hat gestern die 51-prozentige Mehrheit des Internetstadtportals hamburg.de übernommen. Das teilten Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, mit. Das Kartellamt muss der Vereinbarung noch zustimmen.

schreibt die taz Hamburg heute.

Ziel sei es, hamburg.de “attraktiver, interessanter und lukrativer” zu machen, sagte von Beust. Die Übernahme sei aber “keine politisch-journalistische Symbiose”, beteuerte er.

Berlin.de., “das offizielle Internetportal des Landes Berlin und ein regionaler Onlinedienst mit einem breiten, praxisorientierten Service-Angebot für Berliner Bürger, Touristen und die Wirtschaft”, wird seit langem von “der BerlinOnline Stadtportal GmbH & Co. KG, einem Gemeinschaftsunternehmen der BV Deutsche Zeitungsholding, der Landesbank Berlin AG und der Berliner Volksbank, betrieben.” Die BV Deutsche Zeitungsholding ist die Finanzinvestorengruppe, die die Berliner Zeitung und die Hamburger Morgenpost übernommen hat.

(Beust startet auch einen eigenen Podcast)

Der Merkel-Rechner, ein Lobby-Tool

Ein Schulbeispiel dafür, wie Lobby-Arbeit auch im Onlinejournalismus funktioniert: Die “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” (INSM) stellt einen so genannten “Merkel-Rechner” ins Netz, der die Mehrbelastungen durch sich ändernde Steuer- und Abgabenbelastungen ausweisen soll. Eigentlich keine schlechte Idee – wäre die INSM nicht eine rein interessengesteuerte Pressure Group, die wirtschaftsliberale Positionen ins Land trägt, finanziert durch die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie. Man reibt sich die Augen, wie blauäugig eine Reihe von Medien dieses “Tool” in ihre Online-Angebote integrieren und bewerben – ohne ihre Leser über den Background der INSM aufzuklären. Allein bei Heise findet sich zumindest der Hinweis, dass die “Arbeitgeber-Lobby” hinter dem Rechner steht.

Südwestrundfunk
Merkur Online
Magdeburger Volksstimme
Augsburger Allgemeine
HNA Hessisch-Niedersächsische Allgemeine
Bild Online
PC-Welt
Heise Online

Nachtrag, 23.9.2007: Der SWR hat inzwischen Informationen über die INSM nachgetragen; bei HNA und Magdeburger Volksstimme sind die Artikel nicht mehr abrufbar (ich vermute aber wg. Relaunch-Nebenwirkungen, zumindest bei der HNA).

“Alltag Überwachung” als Video-Serie

Alltag Überwachung

Aktuell: Am Samstag, 13. Januar, wird “Alltag Überwachung” in der Sendung “Blogspiel” auf Deutschradio Kultur vorgestellt. Die Sendung ist hinterher auch Audio abrufbar.

Ob durch Überwachungskameras in Bus und Bahn, beim Surfen im Internet oder beim Bezahlen mit einer Treuekarte: Freiwillig oder unfreiwillig hinterlässt jeder Spuren. In Zeiten der Terrorangst versprechen Innenpolitiker Sicherheit durch mehr Überwachung – und viele Bürger halten das für nötig. Datenschützer warnen – allerdings meistens vergeblich.

Die Dokumentation “Alltag Überwachung” geht der Frage nach, ob Deutschland auf dem Weg in den Überwachungsstaat ist oder ob wir nur unser Verständnis von Privatsphäre und Recht auf informationelle Selbstbestimmung dem digitalen Zeitalter anpassen müssen.

“Alltag Überwachung” von Roman Mischel und Fiete Stegers erscheint als vierteilige Video-Serie bei tagesschau.de – beginnend mit Teil 1

Kurzinfos zur Dokumentation gibt es hier.

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