Archivierte Einträge für Print

Verbissener Papierfetischismus

IMG_4123.JPG - Frankfurter Allgemeine Zeitung für Deutschland (seen at Frankfurt Train Station)

(Foto: Otzberg unter Creative Commons (BY-NC-SA))

Sollte man diesen Text auf Papier ausdrucken, ist er nicht mehr wert als jetzt.

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Kai Diekmann’s lousy tweets

Twitter-Profil von Kai Diekmann (Screenshot [M])

Er ist zurück. Anfang der Woche – fast zeitgleich zur Präsentation der künftigen Bild-Bezahlmauer in Berlin – hat Kai Diekmann den Countdown zur Rückkehr von seiner gut neunmonatigen Klassenfahrt Sabbatical Bildungsreise ins Silicon Valley gestartet. Sein Abschiedstweet ans Valley kam aus dem Flugzeug. Und was er in den 2364 Nachrichten davor so von sich gegeben hat? Eine subjektive Bestandsaufnahme der ödesten, banalsten und egozentriertesten Tweets des Bild-Chefredakteurs.*

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Wie NOZ-Chefredakteur Ralf Geisenhanslüke auf den digitalen Wandel reagiert

In seiner Rolle als Chefredakteur der Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ) will Ralf Geisenhanslüke sein Blatt “als erster und bester” der Branche in Deutschland fit machen für das digitale Zeitalter – eine Aufgabe, die so ziemlich jeder Tageszeitung in den vergangenen Jahren Sorgen bereitet hat.

Für den ABZV Videoreporter habe ich Geisenhanslüke im Februar getroffen und einen Tag lang bei seiner Arbeit begleitet.

Im Interview äußert er sich u.a. dazu, wie lange der Umbruch dauern wird und was er für seine Kollegen bedeutet, wie er seine eigene Rolle als Chefredakteur dabei interpretiert und wo die gesamte Branche in etwa zehn Jahren stehen könnte.

Das Video steht unter der Creative Commons Lizenz (BY-NC-ND 3.0 DE), das heißt Teilen, Verbreiten und Einbetten in andere Kontexte ist erwünscht, solange dies zu nicht-kommerziellen Zwecken geschieht.

Ende der Ära Blumencron für Spiegel und SpOn

Vom 1. Dezember 2000 bis Anfang 2008 war der nun abberufene Mathias Müller von Blumencron Chefredakteur von Spiegel Online, bis er zusammen mit Georg Mascolo an die Spitze des Print-Spiegels rückte. Ab Februar 2011 war Blumencron offiziell der Digital-Beauftragte des Doppelspitze, trotz oder wegen der kolportierten Auseinandersetzungen um die Digitalstrategie des Spiegels und das Reizwort Paid Content (Die Devise: “Gemeinsam Marschieren, getrennt schlagen” ging freilich nicht ganz auf.).

Ingesamt war Blumencron also mehr als 12 Jahre für die Ausrichtung von Spiegel Online verantwortlich, seit der ehemalige US-Korrespondent des gedruckten Spiegel die SpOn-Chefredaktion nach einer hektischen Boomphase unter seinem Vorgänger Hans-Dieter Degler übernahm.

Blumencron machte SpOn endgültig zum Nachrichten-Marktführer des deutschen Online-Journalismus und zum Leitmedium für die Berliner Republik (auch wenn das Kollegen anderer Medien lange nicht zugeben wollten). Immer wieder kritisiert wurde – auch von onlinejournalismus.de – hingegen der gefühlt wachsende Anteil von Boulevardthemen, die teilweise hektische Überdrehtheit von Teasern und Schlagzeilen auch bei harten Themen.

Was die Weiterentwicklung von interaktiven und multimedialen Formaten angeht, verfolgte SpOn unter Blumencron wie beim Design angekommen den Kurs behutsamer Neuerungen, setzte immer wieder Zeichen, ohne wirklich zum Avantgardisten zu werden. Ähnlich die abwartende Haltung in Sachen Bezahlinhalte: “Warum sollte ausgerechnet Spiegel Online Vorreiter sein?“ fragte Rüdiger Ditz 2009, der Blumencron als direkter Spiegel-Online-Chef nachfolgte.

Der Erfolg dieser Linie Recht – vor allem in Vergleich mit den Schlingerkurs anderer Printhäuser. Man darf gespannt sein, was jetzt kommt. Vielleicht kehrt ja mit Wolfgang Büchner von der dpa jemand zurück, der schon mal im Team mit Ditz für die operative Umsetzung der Blumencron-Linie verantwortlich war.

Dazu drei aktuelle Stimmen – und rückblickend auf die Ära Blumencron ein paar Links auf ältere Beiträge von uns.

Wolfgang Blau, bis vor kurzem Chef von Zeit Online und nun beim Guardian:

Die Geschäftsführerin von Standard.at meint:

Und Thierry Chervel vom Perlentaucher analysiert:

Mehr über Mathias Müller von Blumencron bei onlinejournalismus.de:

Wie spendabel sind Zeitungsleser im Lokalen?

Zum Stichwort Crowdfunding im Journalismus ist auch in Deutschland seit dem Start von Krautreporter vor wenigen Wochen einiges geschrieben worden, das erste Projekt ist finanziert. Die journalistischen Pläne, für die dort oder auf anderen Crowdsourcing-Plattformen Unterstützer gesucht werden, kommen von freien Journalisten oder Teams.

Wenn sich ein mutmaßlich nicht völlig notleidender Zeitungsverlag auf Unterstützersuche begibt, kommt das erst mal unerwartet – aber andererseits ist das ja genau das, was wir immer einfordern: Nach neuen Geschäftsmodellen suchen und einfach mal ausprobieren. Das tut jetzt der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag: Unter dem Titel “Wie glaubt der Norden?” würde er gerne zwei Volontäre auf eine Reportagereise durch Norddeutschland schicken und das Ergebnis als einer Zeitungsbeilage drucken.

Angestrebt werden mindestens 2500 Euro. Für die Mindestspende von 5 € gibt’s das Magazin per Post. Wer 500 Euro spendet, bekommt neben einer persönlichen Widmung plus Namensnennung im Heft, ein Magazin-Abo, eine Einladung in die SHZ-Druckerei und die persönliche Überreichung von 50 Exemplaren an einem Ort nach Wahl.

Weitere Links
… bei onlinejournalismus.de:

… im sonstigen Internet

Google-Kampagne gegen das Leistungsschutzrecht

Google Deutschland – bekanntlich seit langem und aus guten Gründen ein Gegner des Leistungsschutzrechts – fährt seit heute morgen eine öffentliche Kampagne gegen das geplante Leistungssschutzrecht für Presseverlage. Über einen Link auf der Google-Startseite mit dem Slogan “Willst Du auch in Zukunft finden, was Du suchst? Mach’ mit: Verteidige Dein Netz” führt Google auch Nutzer, die bisher vom Leistungsschutzrecht noch nie gehört haben, auf eine spezielle Kampagnenseite.

Google versucht – ähnlich wie in Sachen ITU – in einer Art Grassroots Apparel normale Internetnutzer zu mobilisieren und bietet dafür Karte und Formular zum Aufspüren des eigenen Bundestagsabgeordneten samt Kontaktdaten an. Zur Kampagne gehört – natürlich – auch ein Video. Dessen Spin: Leistungsschutzrecht ist quasi gleich Zensur. Das ist natürlich so nicht zutreffend, selbst falls Google als Reaktion auf das finanzielle Forderungen der Verlage diese – wie in Belgien geschehen – aus seinem Suchindex schmeißt.

Springer-Cheflobbyist Christoph Keese beschwert sich:

Google startet Kampagne gegen #LSR auf eigenen Plattformen. Verlage hingegen instrumentalisieren ihre Medien nicht in eigener Sache.

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Amüsant ist der Hinweis von
Mathias Richel auf Twitter auf Twitter, wie sogenannte Qualitätsmedien mit Print-Provenienz über Googles Lobby-Kampagne berichten:

Spiegel Online, Berliner Zeitung und Tagesspiegel verlassen sich hier erst mal ganz auf die Deutsche Presse-Agentur (Meldung vom dpa-Basisdienst, 27.11.2012, 05:00 Uhr). Und die wiederum ist klar erkennbar eine kaum veränderte Pressemitteilung von Google (die dpa sicherlich mit Sperrfrist 5 Uhr zuging).

Am Donnerstag, 29. November 2012, steht die erste Lesung des Gesetzentwurfs zum Leistungsschutzrecht im Bundestag an.

Optimismus im Zeitalter des Zeitungssterbens

Die FR ist pleite, um die FTD ranken sich hartnäckige Einstellungsgerüchte. Eine Reihe bekannter Medienschaffender sieht trotz “Zeitungssterbens” gute Chancen für die Zukunft des Journalismus – wenn er bei Inhalten und Finanzierungsmöglichkeiten orignell ist. Eine Webschau.

New Orleans: Keine Tageszeitung mehr, online 24/7

Die Zeitung “Times-Picayune” aus New Orleans hat angekündigt, ab Herbst nicht mehr täglich zu erscheinen, sondern nur noch drei Mal wöchentlich. Laut der deutschen Pressestatistik von Walter J. Schütz erfüllt das zwar immer noch die Definition einer Tageszeitung – aber es ist schon ein gewaltiger Schritt. Laut FAZ ist New Orleans dann die größte US-Stadt ohne eigene tägliche Zeitung.

Gleichzeitig kündigt das Unternehmen hinter der Zeitung an, die Online-Berichterstattung auszubauen und im Netz künftig 24 Stunden täglich aktuell zu berichten. Die “Times-Picayune” und ihr Online-Ableger NOLA.com sollen organisatorisch zu einem “digital fokussierten Unternehmen” zusammengefasst werden. An der Spitze soll der bisherige Zeitungschefredakteur Jim Amoss stehen.

Amoss war bereits Chefredakteur, als die Zeitung 2005 wegen des Hurrikans Katrina nicht erscheinen konnte und – weithin beachtet – eine für den Katastrophenfall hervorragende Online-Berichterstattung hinlegte.

Das lässt für den Wechsel hoffen. Wenn dieser wirtschaftlich erfolgreich sein kann, ist er ja nur konsequent: Alles aktuelle online, ergänzt durch Zeitungsausgaben, die mehr Hintergründe und magazineren Lesestoff – orientiert an den Sonntagsausgaben der US-Tageszeitungen – liefern und die älteren Leser integrieren. Mal ehrlich: Wer liest noch täglich eine Tageszeitung durch?

Die ersten Reaktionen der Leser sind laut Times-Picayune allerdings “zornig bis geschockt”.

Weitere Links
… bei onlinejournalismus.de

… im sonstigen Internet:

Auf dem Holzweg: Zwei Pressemitteilungen aus dem Tageszeitungs-Milieu

Da waren zum einen die “Badische Neuste Nachrichten” (“BNN”) mit einer bleiwüstigen PM - ohne jeden Absatz -: “Badische Neueste Nachrichten: BNN Kommentar zu Regionalzeitungen”. Ich weiß gar nicht genau, was der Urheber der PM, der Chefredakteur Klaus-Michael Baur, mir damit sagen will und warum er dies ausgerechnet in einer Pressemitteilung schreibt. Doch eines ist mir nach der Lektüre schon klar: Print ist irgendwie ganz prima, nein wunderbar, “alternativlos” (sic!) und und und … Ach, und seine Zeitung ist “gut aufgestellt”.

Ein Blick auf die “BNN”-Website sorgt für Klarheit: Die “BNN” habe eine neue Druckmaschine gekauft und die Zeitung erscheint nun “in handlicherer Form mit erweitertem Inhalt und Angebot”. Mehr erfährt man natürlich nur in der gedruckten Zeitung, denn mit dem Internet haben es die Karlsruher wohl nicht so. Ich mag es ungern sagen, es klingt vielleicht abgedroschen und vielleicht sogar ungerecht: Aber diese Zeitung scheint konsequent auf dem Holzweg zu sein, mögen sie meinetwegen damit Recht behalten und mich eines Besseren belehren.

Und da ist noch die “Drehscheibe” aus Lokalredaktionen für Lokalredaktionen. Für die bin ich auch ab und zu mal tätig. Die “Drehscheibe” ist letztes Jahr 30 geworden und gibt jetzt eine Ipad-App anlässlich dieses Jubiläum raus. Auf den ersten Blick überzeugt mich diese App leider nicht. In der Pressemitteilung schreiben die Kollegen: “Texte aus 30 Jahren drehscheibe, Videointerviews mit renommierten Journalisten und eine interaktive Deutschlandkarte mit Informationen zu über 300 Tageszeitungen – all das bietet die neue App zur Jubiläums-drehscheibe.”

Die Deutschlandkarte ist natürlich prima, aber die könnte, nein müsste man unbedingt auch auf der Website anbieten; ich weiß nicht, ob es Sinn und Zweck einer App ist, solche – fein aufbereiteten – aber mehr oder weniger statischen Inhalte auf diesem Weg zu verbreiten? Oder bin ich da – als Ipad-Novize (seit Mitte Januar) – auch auf dem Holzweg?

FAZ-Relaunch in Zeitungsoptik

Neue Website der FAZ (Screenshot)

Die FAZ hat ihre Website neu gestaltet. Ich nutzte das für eine Fingerübung mit dem Kuratierungswerkzeug Storify, die das Echo des Relaunchs im Web zusammenfasst.

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