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Medienmagazin “V.i.S.d.P” landet im Papierkorb und erscheint nur noch als PDF

Das “Magazin für Medienmacher”, “V.i.S.d.P.” erscheint in Zukunft nur noch als PDF. Herausgeber Hajo Schumacher, unter anderem Autor des Muntermachers “Kopf hoch, Deutschland” und als Achim Achilles Kolumnist bei Spiegel Online, sieht’s gelassen. Schumacher teilt den Lesern in der ersten per E-Mail verschickten Ausgabe mit:

“Liebe V.i.S.d.P.-Freunde,
ab sofort sind wir schneller und aktueller, bleiben aber strikt fröhlichkeitsaffin. Statt des Hefts gibt es nun jeden Freitag dieses wundervolle Internet-Magazin, dass man sich auch ausdrucken und sonntags auf der Corbusier-Liege lesen kann.”

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oe24.at, erste Eindrücke

oe24.at, das Online-Angebot der neuen Tageszeitung “Österreich”, hinterlässt unter technischen Gesichtspunkten einen ersten überzeugenden Eindruck. Deutlich zu erkennen ist der multimediale Ansatz: Die Redakteure arbeiten aus einem Newsroom heraus sowohl für das Print- als auch das Online-Angebot.

Leider hatte ich die erste Ausgabe der Zeitung noch nicht in der Hand. Wohl aber Markus Schmeiduch, der in seinem Blog schreibt:

Auch sehr gut finde ich die starke Verschmelzung von Internetauftritt und Printzeitung. Hier wird vorgelebt, was seit Jahren diskutiert wird. Überall Verweise auf ergänzende Inhalte im Online-Auftritt. Vor allem sinnvolle Ergänzungen. Interviews als Podcast, etc.

Die Optik der Website ist wie immer Geschmackssache. Mit weißem Hintergrund und schwarzer Schrift macht man selten etwas falsch, ansonsten ist viel Rot im Spiel. Passend zu den Erkenntnissen aus der letzten Eyetrack-Studie wurde die Navigationsleiste am oberen Bildschirmrand untergebracht.

Über die Einteilung der Navigation lässt sich streiten. Übergeordnete Punkte sind “News”, “Life” und “Video”. Weil Videos ganz offensichtlich eine große Rolle bei oe24.at spielen und diese prominent in der Navigationsleiste hervorgehoben werden, kommt es zu merkwürdigen Dopplungen: Wer Sportnachrichten will, findet diese sowohl unter “News/Sport” als auch unter “Videos/Sport”.

Direkt unter der Navigationsleiste sticht die Aufmacher-Animation ins Auge: Im Abstand von einigen Sekunden werden verschiedene Bilder samt Schlagzeilen eingeblendet, die sich ressortweise abwechseln. Ein Design-Trend, über den wir vor kurzem berichteten. Das Flash-Plugin wird dabei vorausgesetzt. Wer es nicht hat, bekommt trotzdem eine Animation zu sehen. Die sieht dann zwar nicht mehr ganz so schön aus, funktioniert aber auch – allerdings nur mit eingeschaltetem Javascript. Wer auch das nicht hat, sieht statt eines Aufmachers nur eine große, weiße Lücke.

Der Inhaltsbereich ist dreigeteilt: In der Mitte eine mit etwa 300 Pixeln lesefreundlich dimensionierte Spalte für die Artikel, links eine schmalere für weiterführende Infos und Umfragen, rechts eine etwas breitere Spalte, in der ebenfalls zusätzliche Infos sowie Werbung Platz finden.

Inhaltlich ist oe24.at Boulevard mit etwas höherem Niveau als die Konkurrenz “Krone”, schreibt Frank Patalong:

Der Themenmix balanciert zwischen ernsthaften Nachrichten und “human touch”, was keine Schwäche ist: Gerade im Web erwarten das auch die Leser.

Wie die Leser allerdings mit Meldungen wie diesen umgehen, ist eine andere Frage. Gerade in die Rubrik “Digital” mischt sich schon nach dem ersten Tag der eine oder andere Text, der nach Schleichwerbung riecht (weil nicht nur sehr wohlwollend über ein Produkt geschrieben, sondern gleichzeitig auch die exklusive Bezugsquelle angegeben wird). Man kann so etwas natürlich als Service für die User interpretieren – die Grenzen sind da bekanntermaßen fließend.

Videos scheinen bei oe24.at wesentlicher Bestandteil der redaktionellen Arbeit zu sein. So werden beispielsweise Gespräche im Newsroom mit Studiogästen aufgezeichnet, eigene Berichte gedreht, sogar eine aus dem Newsroom moderierte Nachrichtensendung gehört zum Programm – davon könnten sich die Online-Auftritte vieler Fernsehsender eine Scheibe abschneiden.

(Kleiner Hinweis am Rande: Die eingebetteten Videos sollten nicht sofort anfangen zu laden, wenn man die Seite aufruft. Das nervt alle User, die mit einem Volumentarif surfen. Außerdem lässt es die Kosten für den Traffic explodieren.)

Unter der Haube setzt oe24.at auf zeitgemäßes XHTML 1.0. Am Code wird in den nächsten Tagen vermutlich noch gefeilt werden: Der Markup-Validator des World Wide Web Consortiums findet im Augenblick noch rund 100 Fehler auf der Startseite. Und die recht häufig auftretenden 404-Fehler hinter einigen Menuepunkten werden bald wohl auch der Vergangenheit angehören.

12 Millionen Leserreporter: “Bild” führt den Volks-Presseausweis ein

Gestern haben wir noch über den Presseausweis für “Bild”-Leserreporter spekuliert – heute macht das Boulevardblatt schon ernst damit: An allen Verkaufsstellen liegen die “Bild-Presseausweise” heute kostenlos aus. Zwar nur aus Pappe, aber trotzdem dem Original relativ ähnlich. Es bestehe keine Verwechslungsgefahr mit den “ordentlichen Presseausweisen” für hauptberufliche Journalisten, sagte “Bild”-Sprecher Tobias Fröhlich der Netzeitung. Die Ausweise seien eine “Werbeaktion für die Zeitung”. Weder in der Zeitung noch auf der Website wird übrigens auf diesen Ausweis hingewiesen.

In der “Bild”-Bundesausgabe heißt es heute: “BILD wird jeden Tag von 12 Millionen Menschen gelesen. BILD will alle 12 Millionen zu Leser-Reportern machen – und aus Augenzeugen Zeitzeugen!” Auf die gestrige Kritik des DJV-Bundesvorsitzenden Michael Konken geht “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann ausführlich ein:

“Diese Aussage zeigt die unerträgliche Arroganz mancher Journalisten gegenüber ihren Lesern. Die Wahrheit ist: Bislang bestimmten ganz allein Journalisten den Inhalt von Zeitungen und Zeitschriften. Das ist jetzt vorbei: Jetzt machen Leser als Leser-Reporter und Bürger-Journalisten mit! Der Leser-Reporter bringt den Journalismus nicht in Misskredit, sondern ist eine fundamentale Erweiterung journalistischer Arbeit. In Zukunft wird diese Arbeit der Leser-Reporter immer wichtiger. Ganz einfach deshalb, weil die Amateurfotografen – insbesondere bei unvorhergesehenen Ereignissen – als Augenzeugen dort längst zur Stelle sind, wo Profis in der Regel erst hinreisen müssen.”

Auf das BILDblog wird in nächster Zeit wohl viel Arbeit zukommen.

Drah Di net um, der Paparazzi geht um

Auch beim viel geschmähten österreichischen Boulevardblatt “Kronen Zeitung” gibt es jetzt Leserreporter. Das übliche Repertoire ist gewünscht:

“Ob Außergewöhnliches oder Seltsames, ob Kriminelles oder Skurriles: Einfach Foto machen und an die “Krone” senden! Wir machen unsere Leser zu Reportern!”

Damit es keinen Ärger gibt, sichert sich die “Krone” ab:

“(…) erklärt der Einsender, dass er das Foto selbst gemacht hat, damit in niemandes Rechte eingreift und dass er Krone.at bzw. die Kronen Zeitung in jedem Fall schad- und klaglos hält. Im Falle der Abbildung anderer Personen erklärt der User, dass er das Recht hat, diese Abbildungen zur Verfügung zu stellen.”

Zu verdienen gibt es allerdings nur 50 Euro für ein Foto, bei der “Bild” sind es 500 Euro. Von eigenen “Krone”-Presseausweisen nach dem Vorbild der “Bild” ist noch nicht die Rede.

“Vom Ärger der Leser profitieren”: Dossier “Leserdialog Online” der Initiative Tageszeitung

Auf 13 PDF-Seiten beschäftigt sich ein kostenloses Dossier der Initiative Tageszeitung e.V. (ITZ) damit, wie Medien vom Ärger ihrer Leser profitieren können. Was sich vielleicht etwas eigenartig anhört, ist im Grunde ganz plausibel: Es geht darum, die Meinungen, Informationen, Wünsche und Beschwerden der Leser aufzugreifen.

Die ITZ stellt drei Möglichkeiten hierzu vor:

  • Online-Bürgerforum – Zeitung bietet Forum für Bürgerbeschwerden
  • Ombudsmann-Modell – Zeitung setzt sich aktiv bei Bürgerbeschwerden ein; Zeitung als Vermittler bei Beschwerden über Dritte (Behörden, Firmen); Leseranwälte – bei Beschwerden über die Zeitung
  • Bürgerjournalismus – Zeitung bindet User als “Content”-Lieferanten ein
  • Das Dossier zeigt dies anhand von Beispielen, allerdings scheint die Zusammenstellung manchmal etwas willkürlich, lückenhaft und vor allem zu unkritisch. Trotzdem ist diese neue ITZ-Serie, die künftig monatlich unter dem Namen “ITZ-mehrWERT” erscheint, für Interessierte ein nützlicher Ratgeber.

    “Leg los, Stephanie!”

    Sieht auf den ersten Blick aus wie damals Viva, ist es aber nicht, obwohl es auch aus Köln kommt: Die Boulevardzeitung Express experimentiert mit einer eigenen kurzen Videonachrichtensendung im Netz (via Epiblog).

    Auffällig an der ersten Folge von “Schneller! Der Express-Info-Kick” (abgesehen vom abstrusen Namen): Bis auf die Sequenzen mit Moderatorin Stephanie Lichius im On und den “Zuschauer des Tages” (“Ich bin der Walter, und das ist das Wetter.”) arbeitet man nicht mit Video, sondern mit Fotomaterial (tw. leicht animiert). Außerdem wird auf die gedruckte Ausgabe verwiesen (“Mehr lesen Sie …). Sympathisch: Im Abspann gibt’s gleich ein paar verpatzte Moderationsszenen.

    “Es wird noch nicht alles perfekt sein”, erklärt Onlinechef Thomas Kemmerer zum Start: “Schreiben Sie uns ruhig kritische E-Mails, lustige E-Mails!” (an tv@express.de).

    Interview mit einem anonymen WAZ-Blogger

    Im Medienschungel interviewt einen anonymen (und selbst bloggenden) WAZ-Redakteur über die ersten Erfahrungen im Verlag mit der neuen Online-Chefin Katharina Borchert. Was “WAZsolls” zu erzählen hat, ist ganz interessant (auch wenn’s angesichts von vier Wochen Erfahrungszeit nicht so viel sein kann) und sehr differenziert. Im Gegensatz etwas aufgesetzt konfrontativen (oder turimäßig kumpelhaften, evtl. witzig gemeinten?) Fragen, über die sich auch der Interviewte wundert:

    WAZsolls: Ist es gewollt, dass Deine Fragen vielfach schon die Richtungen der Antwort vorgeben? Das kenne ich nämlich von einem Kollegen, der immer empört ist, wenn die Befragten nicht in die Falle gehen.

    Zumindest meinen Geschmack trifft der Fragestil hier nicht (und das bitte nicht als billige Retourkutsche interpretieren, nur weil der Mediendschungel mich unlängst in einem Posting tadelte).

    Ich möchte Teil einer Online-Bewegung sein

    Bewusst wollte ich ein wenig abwarten bevor ich noch mal einmal auf das Blog-Groß-Projekt der WAZ (bzw. vorerst ja: dessen Ankündigung) eingehe. Bei der flüchtigen Lektüre so mancher Blogeinträge (zum Beispiel 50 HZ, zu weiteren durchklicken über Indiskretion Ehrensache, Wirres oder Print To Internet) zum Thema machte sich nämlich ein etwas seltsamer Unterton bemerkbar. Weiterlesen…

    RP-Ideen bei der WAZ

    “Im Moment schaue ich vornehmlich aufs Internet. Die Dynamik des Netzes bringt für uns eine große Chance”, sagt Ulrich Reitz, Chefredakteur beim Regionalzeitungsriesen WAZ. Dafür hat er die Bloggerin Katharina Borchert angeheuert, die er am Montag offiziell vorstellen will. Im Interview mit der Fachzeitschrift Journalist führt Reitz die neuen Online-Ziele der WAZ bereits weiter aus: “Das Stichwort ist ‘User generated Content’.” Das klingt verdammt nach RP und Opinio – doch Reitz will seinen früheren Arbeitgeber nicht kopieren.
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    Alles ein Brei?

    Das fragte die taz Professor Klaus Meier zu den Plänen der Axel Springer AG, künftig Print und Online diverser Marken aus einer Zentralredaktion zu füttern. Der Leiter des Studiengangs Wissenschaftsjournalismus an der FH-Darmstadt stand bereitwillig Rede und Antwort und nebenbei auch noch im Stau.

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