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Zeitungen: “Buy one anyway”

Während sich den USA Zeitungsjournalisten nicht nur heftigen Kürzungen ausgesetzt sehen, sondern auch noch von der Daily Show fragen lassen müssen, warum sie “alte Nachrichten” statt “richtiger Nachrichten” drucken, machen deutsche Kabarettisten wahrscheinlich immer noch schlechte Witze auf Kosten von Helmut Kohl und Angela Merkels Frisur (insofern sind sie also in etwa auf dem gleichen Stand der Debatte in Deutschland wie viele webverweigernde Journalisten und Verleger).

Netzpolitik.org hat jetzt noch eine weitere schöne US-Satire ausgegraben (von Slate, Juli 2009):

Nette Satire zum Zeitungssterben: BuyOneAnyway. Eine fiktive Non-Profit-Organisation sammelt Geld, damit notleidende Zeitungsjournalisten was zu Essen bekommen. Zum Schluss wird auch erklärt, warum man Zeitungen unterstützen sollte: Man kann sie zum putzen nutzen, oder um Geschirr sicher zu verpacken und zum anzünden von Grill-Feuer. Wenn das nicht mal gute Argumente sind, Zeitungen am Leben zu erhalten.

Zeitungskrise? Nicht bei uns!

Alte Zeitung | Foto: just.Luc unter http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de
Foto: just.Luc unter Creative Commons

Gastbeitrag von Peter Schumacher

Der Bundesverband deutscher Zeitungsverleger erklärt uns in dieser Pressemitteilung, warum in Deutschland eine Zeitungskrise wie in den USA quasi undenkbar ist:

Anders als in den USA seien die Zeitungen in Deutschland sehr gut aufgestellt. Ein Grund sei die enge Bindung zu ihrem Publikum, die im Lokalen besonders ausgeprägt sei. Dazu gehöre außerdem ein Vertriebssystem, das mit der Zeitungszustellung bis zur Haustür weltweit beispielhaft sei. In Deutschland würden die besten Zeitungen der Welt gemacht und im Unterschied zu den USA und vielen anderen Ländern gelte hier nicht der ausschließlich renditeorientierte Shareholder value. Die deutsche Zeitungs­branche sei mittelständisch geprägt. An der Spitze stünden Verleger mit publizistischem und unternehmerischem Anspruch.


Peter Schumacher
ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Medienwissenschaft an der Universität Trier.

Nachtrag 12.07.09
Christian Jakubetz nimmt sich auch noch mal des Themas an: “Die Zeitung, die gute und edle”.

Weitere Links
Vor zwei Jahren war bei uns der “Qualitätsjournalismus” auf ähnliche Art und Weise auf dem Prüfstand: “Hans-Jürgen Jakobs und der “Journalismus in Gefahr” – ein Nachdenkstück zum Mitklicken”.

Gastbeitrag: Die Dummheit der Zeitungsmacher

Alte Zeitung | Foto: just.Luc unter http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/deed.de
Foto: just.Luc unter Creative Commons

Gastbeitrag von Jan Söfjer

Überall hört und liest man, dass das Internet den Zeitungen das Wasser abgräbt und so ganz falsch ist das ja auch nicht. Genauso endet aber jeder Beitrag mit dem Fazit, die Zeitung habe auch in Zukunft eine Berechtigung, weil sie hintergründiger etc. pp. als das Netz sei.

Das ist alles sehr schön und richtig, aber leider geht das an der Realität vorbei, denn sehr sehr viele lokale und regionale Zeitungen sind ziemlicher Schrott. Da besteht dann schon einmal der gesamte Mantel aus Agenturmeldungen. Das reine Veröffentlichen dieser ist aber die primäre Aufgabe des Internet-Journalismus.

Das einzige, was dann solche Zeitungen noch auszeichnet sind ihre lokalen Geschichten. Da jedoch findet der Leser oftmals nur noch belangloses Stückelwerk von völlig überlasteten Redakteuren, freien Mitarbeitern und Praktikanten zusammengekleistert. Und dann sagen die Verantwortlichen auch noch, dass der Leser von heute, gerade die jungen, keine langen Texte, und das heißt wohl auch, keine anspruchsvollen Texte mehr lesen wollen, dass sie sich nicht mehr konzentrieren können, sprich zu dumm sind für das Kulturgut Zeitung.

So, meine lieben Zeitungsmacher, wird es euch und euer Produkt bald wirklich nicht mehr geben. Und Schuld wird nicht das Internet sein.

Jan Söfjer studierte Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt und besucht derzeit die Zeitenspiegel-Reportageschule Günter Dahl in Reutlingen.

Mehr zum Thema
“Wozu noch Zeitungen?” fragen die Forscher Leif Kramp und Stephan Weichert. Ihre Analyse: acht Probleme, acht Chancen für die Presse.

“Wozu noch Zeitungen?”

titel wozu zeitungen

… fragen die Forscher Leif Kramp und Stephan Weichert in dem gleich lautenden Interview-Band – und analysieren, worum es bei der Krise des Printjournalismus wirklich geht: Acht Probleme, acht Chancen für die Presse.

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Das “SZ Magazin” fragt “Wozu Zeitung?”

Die morgige Ausgabe des “Süddeutsche Zeitung Magazins” widmet sich dem Thema “Wozu Zeitung?” – “Das Internet macht Druck, die Auflagen schrumpfen, die Einnahmen sinken: Die klassischen Medien müssen sich der größten Sinnkrise ihrer Geschichte stellen. Ein Heft über den Umbruch einer Branche. Von A bis Z”. Online gibt es das Ganze schon heute.

Inhaltlich mit dem Heft auseinandergesetzt haben sich bereits die Darmstädter Journalistikprofessoren Klaus Meier: “Wie man journalistisch mit der Frage „Wozu Zeitung?“ umgeht: Fünf Tipps anhand des SZ-Magazins vom 8. Mai” und Thomas Pleil: “Die SZ auf dem PR-Trip”.

Nachtrag #1
Stefan Niggemeiers Blog-Beitrag “Schöner sterben mit dem „SZ-Magazin”” weist auf erhebliche Mängel in einem der angebotenen Artikel hin.

Nachtrag #2

Gut gemacht auf der Website des “SZ Magazins”: Dort gibt es eine Übersichtsseite, auf der die Diskussionen zu den Heftartikeln dokumentiert werden. Die Artikel wurden verschiedenen Ausbildungsinstitutionen, Blogs und Websites angeboten (uns leider nicht, vielleicht waren die Sueddeutsche.de-Macher von unserer stets dezent geäußerten Kritik über ihre Website nicht angetan – keine Ahnung).

Nachtrag #3
Bei uns gibt es eine längere Fassung des Textes von Stephan Weichert und Leif Kramp zu den acht Problemen der Zeitungen.

Plädoyer für den multimedialen Zeitungsjournalisten

Die multimediale Schonfrist für Zeitungsjournalisten ist vorbei. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Videokameras ebenso zur Grundausstattung gehören wie Stift und Notizblock. Wer sich dessen verweigert, sollte lieber heute als morgen über einen Job als Bratwurstverkäufer in der Bochumer Innenstadt nachdenken.

… fordert Markus Hündgen, Videochef beim WAZ-Portal Der Westen.

Weitere Links
… bei onlinejournalismus.de

Basislektüre: “Das Verschwinden der Zeitung?”

Die Medienwissenschaftler Stephan Weichert und Leif Kamp haben kürzlich für die Friedrich-Ebert-Stiftung einen Band über “Das Verschwinden der Zeitung?” verfasst. Ganz habe ich es noch nicht gelesen, aber die einleitenden Thesen und Handlungsempfehlungen fassen schön zusammen, was Grundwissen sein sollte, wenn man derzeit einen Artikel zum Thema verfasst oder ein Diskussionspodium erklimmt.

(Download als PDF, es gibt auch eine Printversion)

Nachrichten für die Tonne

Zeitungen gehören in den Müll. In den Papiermüll. Lose Zeitungsseiten, die der Wind durch Großstadtstraßen trägt, liegen gelassene Ausgaben in den Straßenbahnen, schrumplige Zeitungsstapel in den Badezimmern und marmeladeverschmierte Titelseiten auf den Frühstückstischen zeigen, dass eine Zeitungsausgabe schnell ausgedient hat – und dass zu viele Menschen ihre Zeitungen nicht ordentlich entsorgen. Die Mülltonne ist die Zukunft der Zeitung. Eine ziemlich grandiose Zukunft.

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WAZ-Umbau aus Beratersicht

Die WAZ-Mediengruppe hat die Präsentation der Unternehmensberatung Schickler zu den geplanten Umstrukturierungen in ihrem Verlautbarungsblog veröffentlicht, die den Beschäftigten auf der Betriebsversammlung letzte Woche vorgestellt wurde.

In dem Kürzungskonzept ist, wenn ich das richtig lese, von 25 zusätzlichen Onlineredakteuren die Rede: 10 Stellen am “Content-Desk” für den Mantelteil sowie 15 Onlineredakteure in den Lokalredaktionen. Da “DerWesten” sonst kaum in den Aufzählungen auftaucht, ist aber nicht ganz klar, ob beides tatsächlich zusätzlich zum bisherigen Onlinepersonal, dass dann in einer “Titelredaktion DerWesten” aufgehen würde, ist. Vermutlich dann doch eher nicht. Also warten wir es ab.

Die geplante dpa-Kündigung für die Mantelredaktion hat WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz in einem Interview mit dem “Medium Magazin” derweil indirekt bestätigt.

Nur im Westen was neues?

Start und Entwicklung der WAZ-Website Der Westen wurde von onlinejournalismus.de ausführlich begleitet – meist gewohnt kritisch, aber auch mitunter mit Lob für gute Ansätze. Zu ausführlich vielleicht?

Wir meinen: nein. Es handelte sich immerhin um einen, wenn nicht den größten Player auf dem Markt der Regionalzeitungen, der da mit großen Worten ein besonders innovatives Projekt launchen wollte (und sich dann an der Realität messen lassen musste und muss).

Über Hinweise, wo es bei anderen Regionalzeitungen etwas für onlinejournalismus.de Berichtenswertes gibt – Dinge, wie sie sie beispielsweise der Kollege Christian Jakubetz in seinem Blog (und dort insbesondere in der kleinen Reihe “Online worst”) bei Passauer Neuen Presse beschreibt – freuen wir uns immer. Zum Beispiel gleich hier in den Kommentaren.

(Und ein Hinweis, falls jemand aus oder nach der nichtöffentlichen Betriebsratsversammlung der WAZ bloggt, twittert oder anderweitig berichtet, darf dort auch hin.)

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