Archivierte Einträge für Print

Was bieten die Websites von Zeitungen?

Alexander Svensson, Igor Schwarzmann, Falk Lüke und Steffen Büffel haben ihre Untersuchung von rund 100 deutschen Tageszeitungen aktualisiert:

* Die Zahl der Zeitungs-Websites, die Videoinhalte anbieten, hat sich fast verdoppelt — auf mittlerweile 71 Prozent.
* 55 Prozent der Zeitungen bieten RSS-Feeds an, das sind 12 Prozent mehr als im Vorjahr. Fast gleich stark ist die Zahl der differenzierten RSS-Feeds gewachsen, also etwa für einzelne Zeitungsressorts. Werbung in RSS-Feeds gibt es bei den untersuchten Zeitungen weiterhin nicht.
* Die Zahl der Zeitungen, die Artikelkommentare zulassen, ist von 11 auf 28 Prozent gestiegen.
* Die Zahl der Websites, die Podcasts anbieten, hat sich fast verdoppelt und liegt jetzt bei 14 Prozent.
* Social Bookmarking hatte in unserer ersten Studie noch keine einzige Zeitung in ihr Online-Angebot integriert. Mittlerweile nutzen dies 13 Prozent der Zeitungen.

Siehe Wortfeld, Media Ocean (englisch)

Schirrmachers Geniestreich

Der Puls des Mannes rast offenbar.

“Der Pulsschlag des Textes” (so der ursprüngliche Titel der in der Süddeutschen Zeitung abgedruckten Dankesrede von Frank Schirrmacher anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Jacob-Grimm-Preis für Deutsche Sprache) heißt zwar inzwischen in seiner Online-Fassung versöhnlich “Wir brauchen eine Debatte”. So, als ob das Internet doch nicht mehr zwangsläufig den Untergang des Abendlandes bedeute. So wollte ich über die Äußerungen eigentlich schweigen, Gegenreden hat es auch schon genug gegeben (Stöcker, Boudgoust, Beckedahl).

Beim Studium der Rede ist uns aber aufgefallen, dass Kulturkritiker Schirrmacher den Preis für Deutsche Sprache im nächsten Jahre wahrscheinlich erneut bekommen wird: Denn der Adrenalinausstoß hat dafür gesorgt, dass er ein lange schmerzlich vermisstes Wort kreiert hat: “Aufschreibsysteme”.

Damit können nur Blogs gemeint sein, auch wenn Schirrmacher das Wort im Zusammenhang mit den Öffentlich-Rechtlichen fallen lässt (“staatlich-finanzierte Aufschreibsysteme”). Aber das ist eine andere Debatte.

[www.aufschreibsystem.de ist übrigens noch zu haben ...]

Nachtrag, viel später:
Der Vollständigkeit halber hier auch Schirrmachers Replik auf Stöcker. Zitat:

“Das Internet ist an allem schuld”. Das ist eine Formel der Moral, es folgt eine der Zeit und des Ortes: “Nur Druckerpressen können das Abendland noch retten”. Das sind zwei Überschriften, die nichts mit der Rede zu tun haben. Sie stammen aus dem Kopf des Internetredakteurs, nicht aus dem Mund des Redners.

BBC Worldwide kauft Lonely Planet

Die kommerzielle BBC-Tochter BBC Worldwide übernimmt den Reisebuch-Verlag Lonely Planet, zu dem bereits eine umfangreiche Website gehört. Die Gründer Tony and Maureen Wheeler behalten einen Anteil von 25 Prozent (Pressemitteilung).

Lonely Planet solle zur “multimedialen Plattform” ausgebaut werden. Die Gründer sagten, der Verkauf garantiere Lonely Planet eine “langfristige Zukunft”.

zitiert tagesschau.de daraus.

The company also produces and develops factual programming for international broadcasters (Lonely Planet Television).

BBC Worldwide ist nach eigenen Angaben bereits der drittgrößte Zeitschriftenverleger in Großbritannien. Und Lonely Planet hat bereits TV-Erfahrung vorzuweisen:

Its flagship TV series, Lonely Planet Six Degrees, produced for Discovery Networks, is now in its third season, and screens in over 100 countries. [...] Lonely Planet’s travel video site, lonelyplanet.tv, is establishing a valuable online community of independent travellers, allowing travellers to upload and watch their own video as well as view videos created by Lonely Planet.

“Abendzeitung” sagt im Netz: Tschüss München!

Bereits Ende Juli wurde vermutet, dass die Berliner Netzeitung bald die Münchner “Abendzeitung” bei ihrem dahindümpelnden Internet-Auftritt unterstützen soll (wir berichteten). In der “Welt am Sonntag” bestätigt dies nun Kai-Hinrich Renner: “Die Netzeitung wird künftig den Internetauftritt der Münchner “Abendzeitung” produzieren”. Äußern wolle sich noch keiner der Beteiligten, heißt es weiter.

Schon vor vier Jahren haben wir über die Internet-Probleme der “Abendzeitung” berichtet, getan hat sich seither fast nichts auf der Seite. Die Netzeitung, deren Vertrag für die Produktion der Website des Nachrichtensenders N24 laut “WamS” Ende des Jahres ausläuft, kann hier also nur Boden gut machen. Die Zugriffszahlen des Webauftritts der Münchner sind im Keller, für den August weist die IVW-Statistik 86.246 Visits und 464.396 Pageimpressions aus. Zum Vergleich: Ein Hobbyprojekt, wie das Stadtblog Muenchenblogger, hat nach eigenen Angaben täglich 3.000 Besucher.

Die Netzeitung wird es schaffen, die Seite wesentlich aufzupeppen, die Besucherzahlen werden steigen. Im besten Fall entsteht für beide Seiten in finanzieller Hinsicht eine Win-Win-Situation auf niedrigem Niveau. Trotzdem ist ein Artmutszeugnis für die “Abendzeitung”, dass sie es nicht schafft, mit den eigenen Leuten einen vernünftigen Internet-Auftritt hinzubekommen. Journalistisches Potenzial dafür hätte es jede Menge gegeben. Die “Abendzeitung” verspielt wohl ein für alle mal die Chance, ihre Marke und ihre speziellen Stärken (wie etwa lokale Kompetenz) im Netz zu etablieren. Ob sich die an Auflageverlusten leidende Straßenverkaufszeitung dies leisten kann, darf bezweifelt werden. Das “Servus Minga!” aus Berlin kann noch einen ganz faden Beigeschmack entfalten.

Weitere Links

bei onlinejournalismus.de:

Myheimat: Stadtgeflüster mit Gewinn

myheimat

Mit Bürgerjournalismus Geld zu verdienen schien bislang unmöglich. Die Augsburger Internet-Plattform MyHeimat schafft es mit ihren Print-Ausgaben. Weiterlesen…

Leidenschaftslose Edelfedern zur Zukunft des Onlinejournalismus

Trotz aller vollmundig angekündigten Online-Offensiven (siehe Merkzettel für 2007) doch kein Durchbruch, sondern vor allem Skepsis bei den Vertretern der alten Medien? Darum ging’s bei der ungefähr 1236. Diskussionsrunde zur Zukunft des Onlinejournalismus und der Medien allgemein, diesmal veranstaltet von der dpa-Tochter news aktuell.

Die Diskutanten stellten übereinstimmend fest, dass aus ihrer Sicht der vielfach prophezeite Durchbruch des Onlinejournalismus im Jahr 2007 noch nicht stattgefunden hat und dies auch nicht mehr zu erwarten sei.

So fasst die Pressemitteilung der Veranstalter das Ergebnis zusammen. Dass man das auch anders sehen kann, ist bei Wirres.net unter der schönen Headline “Leidenschaftslos bis zum Umfallen” zu lesen:

thema sollte angeblich lauten „Von der Edelfeder zum Contentlieferanten? – Printmedien im Wandel“. doch davon war eigentlich kaum die rede. was man auf dem podium sah und hörte waren beschwörungsformeln, ratlosigkeit und ein bisschen grossmannssucht.

Der offizielle news-aktuell-Begleit-Blogger Jens Petersen kann diesem offensichtlichen Widerspruch als PRler natürlich nur positives abgewinnen:

Es gibt also noch viel zu tun. Freuen wir uns schon jetzt auf 2008!

(via Jonet).

Wie Zeitungen eine Video-Redaktion aufbauen können

Wenn sie es richtig anstellen, haben Zeitungen im Internet die Chance, einen wesentlich besseren Videojournalismus zu etablieren als ihre TV-Konkurrenz, ist der langjährige Videojournalist, Berater und Gründer des viewmagazine.tv David Dunkley Gyimah sicher.

Im Editors Weblog gibt Dunkley gute und nachvollziehbare Anregungen, wie sich Zeitungsredaktionen auf Videojournalismus einlassen können – und zwar mit realistischem Aufwand.

Es geht um strategische vorbereitende Fragen, um Personalrekrutierung, Equipment, Trainingsaufbau und -dauer, Arbeitsorganisation und warum Videos von Zeitungs-VJs möglicherweise “besser” sein könnten als die von TV-Spezialisten.

“Magische Schwerter für Al Kaida”

Bisher haben wir uns hier immer um das Thema Second Life gedrückt – aus gutem Grund. Im Zuge der sich abzeichnenden Fantasy-Offensive deutscher Medienblogs und weil’s ein sonniger Sonntag ist, doch einmal der Hinweis auf ein Schmankerl:

Bombenanschläge, Attentate – Online-Welten wie Second Life werden zum Tummelplatz von Cyber-Terroristen

Diesen Knaller konnte sich die Berliner Zeitung nicht entgehen lassen, obwohl sie ihren eigenen Artikel gleich vom bekanntermaßen kompetenten BKA entkräften lässt:

Virtuelle Welten seien für Übungen und Anwerbung von Terroristen “generell nicht geeignet”, erklärte das Bundeskriminalamt der Berliner Zeitung. In Second Life könnten sich auch keine handwerklichen Fähigkeiten (Bombenbau oder Nutzung von Waffen) trainieren lassen. Überdies gebe es für die Kommunikation im Untergrund “deutlich komfortablere” Wege wie Internettelefonie oder Web-Portale.

Danke dennoch für die Warnung, immerhin geht dem Artikel eine gewisse Ironie nicht ab. Auch wenn’s natürlich schön wär, wenn die Durchgeknallten dieser Welt künftig sich und anderen nur noch virtuell die Schädel einschlagen würden.

(via Jonet)

Crossmediale Redaktionen in Deutschland

Studenten der Hochschule Darmstadt stellen in einem Dossier für die Ifra die crossmedialen Ansätze in fünf deutschen Zeitungsredaktionen vor: Welt, Handelsblatt, Hessisch/Niedersächsische Allgemeine, Südkurier und Kölner Stadtanzeiger.

Professor Klaus Meier weist noch darauf hin, dass das Semesterprojekt von einem CMS-Hersteller unterstützt wurde und er selbst derzeit ein größeres Forschungsprojekt zum Thema plant.

Neues von der Net- und der Abendzeitung

Nach der “Abberufung” von Michael Angele und Matthias Ehlert könnte die seit April 2006 stellvertretende Chefredakteurin, Domenika Ahlrichs (34), die redaktionelle Leitung der Netzeitung übernehmen, schreibt die “Welt am Sonntag”.

Nebenbei interessant: In einem Papier der Netzeitung werde die “Abendzeitung” als “möglicher Abnehmer von Inhalten der Netzeitung” genannt. “Tatsächlich würde die Netzeitung – wie auch andere Interessenten – gern den Onlineauftritt des Münchener Boulevardblatts aufmöbeln”, heißt es weiter. Aufmöbeln ist gut, die Website der “Abendzeitung” dümpelt mit Tickermeldungen und einem verstaubten Forum seit jeher bedeutungslos vor sich hin; obendrein gibt es massive Probleme bei der Print-Auflage (siehe IVW). Ob in dieser Situation allerdings externe Hilfe – etwa durch Verwerten von Inhalten anderer – ein Lösungsweg ist, wage ich zu bezweifeln.

Nachtrag 01.08.07
Domenika Ahlrichs ist nun offiziell neue Chefredakteurin der Netzeitung.

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