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WAZ-TV geplant

Während wir weiter auf den Start der WAZ-Plattform WestEins warten, hatten wir uns gefragt, wie diese angesichts der steigenden Relevanz von Video und der starken Regionalberichterstattung des WDR mithalten will. Die Antwort: Die WAZ hat offiziell einen Lizenantrag für einen “richtigen” Fernsehsender im Ruhrgebiet gestellt, wie sie jetzt selbst verkündete. Dessen Inhalte fänden sich dann mit Sicherheit auch auf Westeins wieder.

Das Pottblog fasst die aktuellen Meldungen zum Thema zusammen. Unsere frühere Berichterstattung zu WAZ/Westeins findet sich hier.

Ach Sueddeutsche.de!

So langsam habe ich keine Lust mehr auf Eure Art des “Qualitätsjournalismus”. Ein schönes Wort, aber offenbar nur eine Phrase. Was stört mich diesmal? “Zaunlatten-Schlägerei fordert Toten”, lautet der dritte Aufmacher im Bayern-Teil. Der Aufmacher datiert vom Samstag, 07.07.2007, 15:03 Uhr, es handelt sich um eine DDP-Meldung. Zur Bebilderung gibt es das Foto eines Lattenzauns mit der Unterzeile “Zaun”. Ob das angemessen ist, darüber könnte man streiten; ich würde darauf verzichten. Ärgerlich ist, dass der Artikel bis heute nicht aktualisiert wurde, in den letzten beiden Sätzen heißt es: “Die Vernehmungen der fünf Männer durch die Kriminalpolizei Straubing dauern den Angaben nach noch an. Der Anlass und der genaue Ablauf der Schlägerei sei noch nicht geklärt.”

Da greife ich doch lieber auf die gedruckte Montags-Ausgabe zurück: Dort berichtet Rolf Thym relativ ausführlich über den aktuellen Stand bei dieser Tragödie, der natürlich ein anderer ist als am Samstag.

Schwarzer Tag in NRW: Aus für “taz” NRW (und Onruhr)

“Der taz-Vorstand hat beschlossen, die taz nrw zum 31. August einzustellen”, meldet die “taz” NRW und äußert zugleich scharfe Kritik an der “taz”-Geschäftsführung. Im taz-Blog werden die Nachrufe anderer Medien gesammelt.

Ein wenig Selbstkritik würde auch Uwe Knüpfer nicht schaden, der musste jetzt das vorläufige Ende seiner PDF-Zeitung Onruhr verkünden. Trotzdem möchte er es noch mal mit seinem letztlich gescheiterten Ansatz probieren. Im “Wirtschaftsmagazin Ruhr” heißt es dazu: “Die Suche nach Investoren sei erfolglos gewesen. Ziel sei es, im Herbst erneut an den Start zu gehen – an dem Konzept einer PDF-Zeitung, das von Lesern wie von Fachleuten kritisiert wurde, will Knüpfer indes fest halten.”

Ausführlich berichtet Pottblogger Jens Matheuszik über das Scheitern der beiden Projekte.

Abteilung Attacke

Als Reaktion auf die angekündigten Online-Neuerungen der ARD gibt es bei Spiegel Online und in der FAZ gepfefferte Gegenreden. Die FAZ schreibt von der “Enteignung der freien Presse”, ein Vertreter des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger spricht ebenfalls in der FAZ von der “gebührenfinanzierten Zeitung”. Aktualisiert 26.06.2007
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“Kommando Heinz Schleußer” erpresst NRW-SPD

Sogar RTL berichtet über die taz – weil die für ihren strauchelnden NRW-Teil jetzt endlich eine klasse Werbeaktion gestartet hat. Das “Kommando Heinz Schleußer” (ehemaliger SPD-Landesminister) hat die Domain www.kraft-2010.de in seine Gewalt gebracht und fordert für die Freilassung mindestens 100 Abos durch SPD-Gremien und -Amtsträger. Sonst werde die Domain an die CDU verscherbelt, heißt es im Erpresserbrief. SPD-Landesschefin Hannelore Kraft will 2010 gegen Ministerpräsident Rüttgers von der CDU kandidieren. Mehr dazu im Pottblog, u. a. Fotos der vermummten Kommandomitglieder, und im taz-NRW-Werbelog, das von einer “Verzweifelungstat” spricht. Auch eine Video-Antwort der SPD gibt es bereits.

Nachtrag 18.06.07, 14.30 Uhr
Laut Welt Online vom 17.06.07 soll Mitte Juli leider Schluss sein:

“Die Regionalausgabe der Berliner Tageszeitung “taz” in NRW soll eingestellt werden. Die Rettungskampagne zum Erhalt der Ausgabe ist damit gescheitert. Statt der erhofften 1000 neuen Abonnenten gingen nur rund 400 Bestellungen für die Zeitung ein.”

Auf dem taz-NRW-Werbelog ist davon noch nichts zu lesen.
Thomas Mrazek

Neue taz.de: Det war nüscht

“Wir haben die tageszeitung im Internet noch mal neu erfunden”, verkünden heute die offenbar sieben Mitstreiter, die taz.de erneuert haben. Das Online-Angebot sei nun “nun schneller, informativer und lesefreundlicher geworden”.

Mein erster Eindruck: Das geht überhaupt nicht! Ich finde mich nicht mehr wie gewohnt zurecht, alles so bunt, so beliebig, so unsortiert hier. Das berühmte, reflexhafte “Vorher war eh alles besser”. Vielleicht bin ich da zu emotional, zu konservativ – die “taz” hat vor gut 20 Jahren wesentlich zu meiner politischen Sozialisation beigetragen, ich habe sie – oder sie hat mich – mal mehr, mal weniger durch die Jahre begleitet. In letzter Zeit eher weniger. Und zumeist “nur” im Internet.

Okay, die Macher haben sich ja auch etwas bei dieser Sache gedacht. Ganz subjektiv betrachtet, hat sich das Angebot aber verschlechtert und vor allem bezweifele ich, dass sich der erhöhte Aufwand für die “taz” rechnet. Aber das ist wie gesagt “nur aus dem Bauch heraus”. Etwas sachlicher ist das Interview, das ich mit dem Online-Projektleiter der “taz”, Mathias Bröckers, im April 2006 zu den Web-Plänen der “taz” geführt habe.

Nachtrag 14.06.07, 13 Uhr
Am Wichtigsten sind nach dem Neugestalten einer solchen Seite natürlich die Reaktionen der Leser. Bisher überwiegt im Leserforum die negative Kritik.

Nachtrag 18.06.07, 13 Uhr
Nach drei Tagen fällt mir auch die redigierte Version des “taz”-Editiorials bei Titanic Online auf.

Nachtrag 30.07.07
Inzwischen habe ich mich doch mit dem neuen taz.de-Auftritt angefreundet!

“Business News” eingestellt: Dann machen wir halt was im Netz!

Die Verlagsgruppe Handelsblatt meldete heute, dass ihre kostenlose, werktäglich erscheinende Wirtschaftszeitung “Business News” ab dem 18.06.2007 nicht mehr erscheint. Zuletzt soll die Auflage des im August letzten Jahres gestarteten Tabloids 111.000 betragen haben.

Zwar wurde von “erheblichen Erfolgen im Lesermarkt” schwadroniert, aber auf dem Anzeigenmarkt konnte sich das Blatt nicht durchsetzen. Ich hatte nur einige Ausgaben in der Hand, wunderte mich aber jedes Mal darüber, dass fast nur – zum Teil großflächige – Eigenanzeigen in der Zeitung waren. Jetzt soll es mit einem “Großteil der Mitarbeiter” in einem neuen Internet-Portal weitergehen. Unter der Chefredaktion von Klaus Madzia, der das Blatt schon bisher leitete. Und der macht auf Gutwetter: “Business News war ein großer Erfolg bei den Lesern. Ich freue mich auf ein neues, spannendes journalistisches Online-Projekt”.

Herrjeh, wir sind hier nicht Boocompany, wo sich Lanu moderat über den “Final” freut, aber Madzias floskelhafte Schönrednerei (“großer Erfolg”, “spannendes journalistisches Online-Projekt”), lässt Schlimmstes befürchten. Geschenkt, dass “Business News” zumindest in den ersten Tagen im Netz keine Bäume ausriss (wir berichteten) und auch in der Folgezeit nicht auffiel. Aber mit was für einem Projekt möchte denn Madzia jetzt ausgerechnet im Netz reüssieren? Letztlich konkurriert er dort ja auch mit Handelsblatt.com oder Wiwo.de aus dem eigenen Haus. Ob von diesen Blättern dann noch Inhalte für ein weiteres Internet-Portal beigesteuert werden – kaum anzunehmen. Keine ernst zu nehmende Größe sind auch die Inhalte aus Holtzbrincks weitgehend unbeachteter und dahindümpelnder Blog-Plattform Germanblogs. Die trotzig erscheinende Strategie “Dann machen wir halt was im Netz!” wird nur für einen weiteren “Final” sorgen.

Qualitätsjournalismus und das schlimme Internet, Folge 265

Bei vier Veranstaltungen wurde dieser Tage wieder über das oben genannte Thema debattiert, hier einige Hinweise: “Evangelischer Kirchentag: Blogger sind bäh” (CIO Weblog), “Wichsvorlagen und die Zukunft des Qualitätsjournalismus” (Hauptstadtblog über eine Podiumsdiskussion zum Thema “Bürgerjournalismus – Was bringt’s den Tageszeitungen?” des Vereins Berliner Journalisten), “Guter Journalismus kostet auch im Online-Zeitalter viel Geld” (Pressemitteilung von News Aktuell zu einer Mediacoffee-Diskussionsrunde zum Thema Podiumsdiskussion zum Thema “Von der Edelfeder zum Contentlieferanten? – Printmedien im Wandel”) und “Verleger zur Zeitungszukunft: “Goodbye Gutenberg” ist ein Mythos” (DPA-Artikel im “Tagesspiegel” zum Weltzeitungskongress).

Nachtrag 09.06.07
Blogger Felix Schwenzel hat die Diskussionsrunde zum Bürgerjournalismus auch besucht und ein paar nicht unkluge Gedanken dazu aufgeschrieben: “Schwitzen mit Journalisten”.

G8-Qualitätsjournalismus im Netz: Wer schläft wo?

Die gedruckte Ausgabe der “Süddeutschen Zeitung” weist auf ihrer Titelseite täglich auf ein besonderes Thema bei Sueddeutsche.de hin. Manchmal ist das ganz nützlich. Heute lautet der Hinweis: “Wer schläft wo? Eine interaktive Graphik zum Gipfel in Heiligendamm”.

Erst mal das Gute: Die grafische Aufbereitung ist sauber, das Flash funktioniert einwandfrei. Was gibt’s zu sehen: Die Hotels, in denen die acht Staatschefs die nächsten Tagen residieren. Jedes Haus kann angeklickt werden, dann erscheint ein bebildertes Informationsfenster, welches an ein Quartettkärtchen erinnert, beispielsweise so:

Grand Hotel
Fakten: 34 Doppelzimmer – 16 Suiten – Nelson Bar
Gäste: Tony Blair, Nicolas Sarkozy

Es ist einfach ohne jeglichen Informations- oder Nutzwert, völlig witzlos und unpointiert. Herrje, soll so ein – mit Verlaub gesagt – Quatsch Qualitätsjournalismus online sein? Glaubt man mit solchen scharf recherchierten und multimedial aufbereiteten Informationen vielleicht irgendeinen Zeitungsleser zu häufigeren Besuchen bei Sueddeutsche.de zu verleiten? Es kann einem die Lust eher verleiden.

Humorlos in Sache G8-Berichterstattung ist heute auch Stefan Niggemeier, der selten so Gl8 hat. Ebenso stinkstiefelig ist Christian Jakubetz, der über Tagesspiegel Online meckert.

DAG, Nederland!

Screenshot DAG-Titelseite Die Niederlande haben mit DAG eine neue Gratiszeitung. Die setzt auf kurze Texte und große Bilder – nicht gleich an “Bild” denken, die Optik ist um einiges moderner.

Dag (Eigendarstellung) will außerdem auf die Verknüpfung von Online, Print und Mobil setzen, weist in der gedruckten Ausgabe (PDF-Version) u. a. auf Videos hin, die aufs Handy gezogen oder online angeschaut werden können. Auch könnten Bilder gezeigt werden, die nicht mehr in die Zeitung passt, sagte der Chefredakteur gegenüber dem NOS Journaal. DAG begreift das Netz fast auschließlich visuelles Ergänzungsmedium – ergänzende Texte und Hintergrundinformationen finden sich überhaupt nicht. Die Site erinnert an die Online-Auftritt von Magazinen, keine Ähnlichkeit mit Newsportalen. Entsprechend sieht auch die Mannschaftsstärke aus: 16 Printredakteuren, 7 Bild- und 2 Videoredakteuren stehen 4 Onlineredakteure gegenüber (5 Schlussredakteure – für Print? – gibt es auch noch).

Eine Abteilung “Citizen Journalism” gibt es auch – aber dass ein Gratisprodukt, das Leute in der U-Bahn lesen und dann in die nächste Mülltonne schmeißen, attraktiv genug für eine entsprechende Community ist, bezweifele ich. Immerhin: Die Leser-Beiträge sind offenbar tendenziell länger als die der Online-Redaktion.

Mehr: De nieuwe Reporter über DAG.

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