Archivierte Einträge für Print

Suche nach Perlen weiter erlaubt

Das Landgericht hat gestern die Klagen von SZ und FAZ gegen Perlentaucher abgewiesen (Presseschau), die u. a. urheber- und wettbewerbsrechtliche Argumente angebracht hatten. Die Richter sahen die Resümees und Rezensionsnotizen von Perlentaucher aber “eigengestaltet” und mithin keinen Verstoß an (anonymisiertes Abstract des Urteils als PDF).

Springers Online-Offensive startet mit Torte von Spiegel Online

Das Bemerkenswerteste beim heutigen Start von Springers so genannter Online-Offensive war wohl die Torte, die Mitbewerber Spiegel Online den Berliner Kollegen spendierte. Selbstironisch befassten sich die Springer-Leute mit dieser Geste. Kräftig wurde aber auch die Werbetrommel gerührt:

“In der Nachrichtenzentrale werden künftig alle Inhalte gebündelt. Neben den Printmedien werden Websites und neue Medienkanäle wie Mobildienste, Videos und Podcasts beschickt. Da kommt die Konkurrenz ausstattungsmäßig nicht mit,” protztschreibt Welt.de über den Start des “größten integrierten Newsroom Deutschlands”.

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Online-Leser nur ein Zehntel wert?

Andreas Bittner, Vorsitzender des Fachausschuss Online-Journalisten im Deutschen Journalisten-Verband, weist in einem Beitrag auf der jonet-Mailingliste auf ein Spiegel Online-Interview mit “Economist”-Chefredakteur John Micklethwait hin, dort heißt es:

Tatsache ist: Bisher ist das Prinzip, dass Printmedien Wörter an Leser verkaufen und Leser an Anzeigenkunden. So verdienen sie Geld. Im Internet könnte es genauso funktionieren, allerdings sind dort die Preise noch anders: Im Internet braucht man derzeit zehn Leser, um das Gleiche zu verdienen wie mit einem Leser von Zeitungen oder Zeitschriften. Soll heißen, der Wert eines Online-Lesers beträgt nur ein Zehntel dessen eines Heftkäufers. Das ist sicher eine Herausforderung.

OnRuhr und das Franchise-Konzept (Knüpfer-Interview Teil 2)

Von Jens Matheuszik, Pottblog

“Wir suchen lokale Partner” sagt Uwe Knüpfer. Gestern berichteten wir vom wir vom ersten Teil des Interviews mit dem Geschäftsführer und Chefredakteur des neuen Internet-Projektes OnRuhr. OnRuhr wird am 17. November 2006 starten und soll dem Ruhrgebiet in den Zeiten des Zeitungssterbens und der Monopolisierung eine neue journalistische Facette bieten. Dabei konkurriert OnRuhr mit den Internet-Plänen der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), der größten Tageszeitung des Ruhrgebietes, die Anfang 2007 ihr überarbeitetes Internet-Angebot starten möchte.

Inzwischen ist der zweite und letzte Teil des Interviews verfügbar: Knüpfer spricht darin über das Geschäftsmodell und verteidigt das Konzept seines Projekts gegen kritische Stimmen, die nicht an Werbung in einer PDF-Zeitung glauben und meinen, dass seine kleine Redaktion die inhaltlichen Ziel nicht erfüllen kann. Wir dokumentieren die interessantesten Auszüge. Weiterlesen…

OnRuhr: Uwe Knüpfer im Interview

Von Jens Matheuszik, Pottblog

Das Online-Erwachen im Ruhrgebiet beginnt in Kürze: Am 17. November 2006 startet das ambitionierte Projekt OnRuhr, eine Internet-Zeitung für das Ruhrgebiet. Der ehemalige Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), der größten Zeitung des Ruhrgebietes, tritt damit in direkte Konkurrenz zu seinem ehemaligen Arbeitgeber, denn die WAZ-Mediengruppe plant unter dem Arbeitstitel WestEins eine eigene neue Internet-Plattform für das Ruhrgebiet.

Im Pottblog gibt es aktuell zum Start von OnRuhr jetzt den ersten Teil eines Interviews mit Uwe Knüpfer, dem Geschäftsführer und Chefredakteur von OnRuhr. Wir dokumentieren jeweils die interessantesten Auszüge. Weiterlesen…

FAZ und SZ kontra Perlentaucher

Heute geht es vor dem Landgericht Frankfurt zur Sache: Erster mündlicher Termin eines von SZ und FAZ angestrengten Prozesses gegen den Online-Feuilleuton-Überblick Perlentaucher.

FAZ und SZ, die sich gemeinsam durch ein Münchner Anwaltsbüro vertreten lassen, werfen dem Perlentaucher vor, in seinen Rezensionsnotizen zu den Buchkritiken dieser Zeitungen Urheberrechte zu verletzen. Die Klageschrift zielt darauf ab, dass der Perlentaucher eine Weiterverbreitung dieser Notizen an Internetbuchhändler unterlässt. Schadenersatzforderungen werden angedroht.

schreibt Perlentaucher (via Netzpolitik). Statt als Traffic- oder zumindest Interesse-Generator sieht man Perlentaucher hier offenbar als Konkurrenten, der auf Zeitungsinhalten basierende Informationen weiterkauft – was die Verlage möglicherweise lieber selbst machen würden.

Die Anwälte wollten sich vor der […] Verhandlung zu dem Vorgang nicht äußern.

heißt es bei der Welt weiter.

Nachtrag: Die Entscheidung wird für den 23. November erwartet (Welt).

0nRuhr: Fassade bereits online

Bei onRuhr (www.onruhr.eu) tut sich etwas: Größtenteils ist die Site der als tägliche Online-Lokalzeitung zum Selberausdrucken geplanten Angelegenheit , vor der dereinst die Lokalkonkurrenz der mächtigen WAZ-Zeitungsgruppe erzittern soll, zwar noch eine Baustelle, aber ein bisschen was kann man schon sehen.
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New York Times Reader / beta

Die Navigation durch die Artikel mit den Cursor-Tasten ist sehr bequem, es gibt keinerlei Scrollbalken, die Seitenwechsel sind flott und die Darstellung exzellent. Fotos kommen gut zur Geltung. Ein Kontextmenü zum Drucken, Kopieren, Speichern und Annotieren ist ebenfalls vorhanden.

Klingt gut? Die New York Times hat zusammen mit Microsoft einen Reader zur Darstellung von Zeitungsseiten am Bildschirm im Beta-Test. Wortfeld – daher auch das Zitat oben – hat sich das Teil ausführlich angesehen. Zwei kritische Anmerkungen bleiben nach dem schwärmerischen Einstieg haften: “Ausgereift ist das Programm allerdings noch lange nicht” und “Wozu also eine Zeitung auf diese Weise lesen?”

Medienmagazin “V.i.S.d.P” landet im Papierkorb und erscheint nur noch als PDF

Das “Magazin für Medienmacher”, “V.i.S.d.P.” erscheint in Zukunft nur noch als PDF. Herausgeber Hajo Schumacher, unter anderem Autor des Muntermachers “Kopf hoch, Deutschland” und als Achim Achilles Kolumnist bei Spiegel Online, sieht’s gelassen. Schumacher teilt den Lesern in der ersten per E-Mail verschickten Ausgabe mit:

“Liebe V.i.S.d.P.-Freunde,
ab sofort sind wir schneller und aktueller, bleiben aber strikt fröhlichkeitsaffin. Statt des Hefts gibt es nun jeden Freitag dieses wundervolle Internet-Magazin, dass man sich auch ausdrucken und sonntags auf der Corbusier-Liege lesen kann.”

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oe24.at, erste Eindrücke

oe24.at, das Online-Angebot der neuen Tageszeitung “Österreich”, hinterlässt unter technischen Gesichtspunkten einen ersten überzeugenden Eindruck. Deutlich zu erkennen ist der multimediale Ansatz: Die Redakteure arbeiten aus einem Newsroom heraus sowohl für das Print- als auch das Online-Angebot.

Leider hatte ich die erste Ausgabe der Zeitung noch nicht in der Hand. Wohl aber Markus Schmeiduch, der in seinem Blog schreibt:

Auch sehr gut finde ich die starke Verschmelzung von Internetauftritt und Printzeitung. Hier wird vorgelebt, was seit Jahren diskutiert wird. Überall Verweise auf ergänzende Inhalte im Online-Auftritt. Vor allem sinnvolle Ergänzungen. Interviews als Podcast, etc.

Die Optik der Website ist wie immer Geschmackssache. Mit weißem Hintergrund und schwarzer Schrift macht man selten etwas falsch, ansonsten ist viel Rot im Spiel. Passend zu den Erkenntnissen aus der letzten Eyetrack-Studie wurde die Navigationsleiste am oberen Bildschirmrand untergebracht.

Über die Einteilung der Navigation lässt sich streiten. Übergeordnete Punkte sind “News”, “Life” und “Video”. Weil Videos ganz offensichtlich eine große Rolle bei oe24.at spielen und diese prominent in der Navigationsleiste hervorgehoben werden, kommt es zu merkwürdigen Dopplungen: Wer Sportnachrichten will, findet diese sowohl unter “News/Sport” als auch unter “Videos/Sport”.

Direkt unter der Navigationsleiste sticht die Aufmacher-Animation ins Auge: Im Abstand von einigen Sekunden werden verschiedene Bilder samt Schlagzeilen eingeblendet, die sich ressortweise abwechseln. Ein Design-Trend, über den wir vor kurzem berichteten. Das Flash-Plugin wird dabei vorausgesetzt. Wer es nicht hat, bekommt trotzdem eine Animation zu sehen. Die sieht dann zwar nicht mehr ganz so schön aus, funktioniert aber auch – allerdings nur mit eingeschaltetem Javascript. Wer auch das nicht hat, sieht statt eines Aufmachers nur eine große, weiße Lücke.

Der Inhaltsbereich ist dreigeteilt: In der Mitte eine mit etwa 300 Pixeln lesefreundlich dimensionierte Spalte für die Artikel, links eine schmalere für weiterführende Infos und Umfragen, rechts eine etwas breitere Spalte, in der ebenfalls zusätzliche Infos sowie Werbung Platz finden.

Inhaltlich ist oe24.at Boulevard mit etwas höherem Niveau als die Konkurrenz “Krone”, schreibt Frank Patalong:

Der Themenmix balanciert zwischen ernsthaften Nachrichten und “human touch”, was keine Schwäche ist: Gerade im Web erwarten das auch die Leser.

Wie die Leser allerdings mit Meldungen wie diesen umgehen, ist eine andere Frage. Gerade in die Rubrik “Digital” mischt sich schon nach dem ersten Tag der eine oder andere Text, der nach Schleichwerbung riecht (weil nicht nur sehr wohlwollend über ein Produkt geschrieben, sondern gleichzeitig auch die exklusive Bezugsquelle angegeben wird). Man kann so etwas natürlich als Service für die User interpretieren – die Grenzen sind da bekanntermaßen fließend.

Videos scheinen bei oe24.at wesentlicher Bestandteil der redaktionellen Arbeit zu sein. So werden beispielsweise Gespräche im Newsroom mit Studiogästen aufgezeichnet, eigene Berichte gedreht, sogar eine aus dem Newsroom moderierte Nachrichtensendung gehört zum Programm – davon könnten sich die Online-Auftritte vieler Fernsehsender eine Scheibe abschneiden.

(Kleiner Hinweis am Rande: Die eingebetteten Videos sollten nicht sofort anfangen zu laden, wenn man die Seite aufruft. Das nervt alle User, die mit einem Volumentarif surfen. Außerdem lässt es die Kosten für den Traffic explodieren.)

Unter der Haube setzt oe24.at auf zeitgemäßes XHTML 1.0. Am Code wird in den nächsten Tagen vermutlich noch gefeilt werden: Der Markup-Validator des World Wide Web Consortiums findet im Augenblick noch rund 100 Fehler auf der Startseite. Und die recht häufig auftretenden 404-Fehler hinter einigen Menuepunkten werden bald wohl auch der Vergangenheit angehören.

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