Archivierte Einträge für Recherche

Ägypten und Prozessjournalismus, Nachtrag

Als Nachtrag zu Lorenz Matzats Artikel “Ägypten und Prozessjournalismus: Deutschsprachige Onlinemedien enttäuschen” der Hinweis auf zwei interessante Beiträgeüber Andy Carvin von NPR und seine Erfahrungen, Ägypten-Nachrichten über Twitter zu kuratieren.

Und ein Hintergrund: NPR Takes ‘Web-First’ Approach to Blogging. What Does That Mean? (September 2010)

Update, 14.02.2011:
Medial Digital empfiehlt noch einen weiteren Beitrag zum Thema beim Knight Digital Media Center, der wiederum auf einem Interview von Ethan Zuckermann mit Carvin basiert.

Die Irak-Protokolle von WikiLeaks

Todesopfer in Bagdad (Screenshot von Guardian.co.uk)
Mit einem Twitter-Gewitter macht sich die parallele Veröffentlichung der Iraq War Logs bemerkbar. Diesmal hat Wikileaks für die Auswertung und Aufbereitung seiner geleakten Dokumente zum Irak-Krieg eine ganze Armada großer Redaktionen ins Boot geholt.
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Do-It-Yourself-Datenjournalismus bei der taz

Die “taz” macht einen Schritt Richtung offenen Datenjournalismus und zeigt, dass tatsächlich funktioniert, wovon andere in Deutschland nur reden: Daten mithilfe von kostenlosen, externen Tools darstellen und auch die Rohdaten verfügbar machen. Einen Bericht über die Schließung von Post-Filialen zugunsten von Post-Service-Agenturen in anderen Geschäften ergänzt die Online-Redaktion mit einer Google-Maps-Karte der verschiedenen Arten von Postvertretungen in Berlin (passt leider nicht in der richtigen Darstellungsgröße ins taz.de-Design), einem Chart zur Fillialentwicklung und zur Flächenabdeckung der Postfilialen. Im Print wird das Ganze abgerundet mit längeren Lesestrecken.

Vor gut einem Jahr hatte Sebastian Heiser für die “taz” schon mal die Standorte von Überwachungskameras auf einer Karte verzeichnet.

Update: Das Blog Datenjournalist hatte gestern schon die Machart des taz-Beitrags seziert.

Best Practice bei Zeit Online: Recherchefleiß meets Datenvisualisierung

Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland, Zeit OnlineEs ist noch keine zwei Monate her, dass die Veröffentlichung der Afghan War Diaries durch Wikileaks für großes Aufsehen sorgte. Dabei wurde auch die Frage aufgeworfen, wie gut die drei beteiligten Medien diese Datenflut aufbereitet hatten, wobei Spiegel Online nicht besonders gut abschnitt. Zeit Online hat nun mit der Veröffentlichung einer interaktiven Karte zu Todesopfern rechter Gewalt selbst Datenjournalismus betrieben und dabei Maßstäbe gesetzt. Weiterlesen…

Zeit-Online-Chef fordert Ende des Festungsdaseins und öffentlich-rechtliche Dienstleister

Wolfgang Blau, Chef von Zeit Online, geht in einem Gastbeitrag für die Serie “Wozu noch Journalismus” auf sueddeutsche.de mit jenen ins Gericht, die das Aufweichen der exklusiven Publikationsmöglichkeiten von professionellen Journalisten und die Probleme des tradierten Geschäftsmodells der Zeitungsverlage mit dem Ende des Journalismus gleichsetzen:

Dieses Monopol der alten Medien-Institutionen auf journalistische Produktionsmittel und Vertriebswege wird nicht mehr wiederkehren. Während wir aber selten einen Profimusiker dabei ertappen werden, dass er die Mehrheit der Laienmusiker öffentlich verunglimpft und ihre Verdienste für die Musik abstreitet, begehen verunsicherte Journalisten und Medienmanager alter Schule diesen Fehler heute regelmäßig. Die öffentliche Beschimpfung des Internet wurde zur trotzigen Mutprobe einer ganzen Branche.

Auch die Frontstellung vieler Verlagshäuser gegen den Internet-Angeboten der Öffentlich-Rechtlichen hält Blau für grundfalsch:

Gäbe es diese Websites nicht, hätten die Online-Angebote der Zeitungshäuser zwar einige Nutzer mehr, man muss aber schon komplett mutlos sein, wenn man behauptet, die öffentlich-rechtlichen Nachrichtensites stünden dem kommerziellen Erfolg der Zeitungs-Websites im Wege. (…) Vielleicht wären die Verlage besser beraten, für eine Beschränkung der Öffentlich-Rechtlichen auf nur zwei, sehr leistungsfähige Nachrichtensites zu kämpfen – tagesschau.de und heute.de – und gleichzeitig Dienstleistungen der öffentlich-rechtlichen Sender für ihre eigenen Websites einzufordern.

So könnten die öffentlich-rechtlichen Internet-Redaktionen ihre Multimedia-Specials auch als Whitelabel für Verlagswebsites zur Verfügung stellen oder auch “auch eine Pionierrolle bei der Entwicklung des Datenbank-Journalismus einnehmen und zum Beispiel helfen, Software-Schnittstellen zu den öffentlichen Datenbeständen von Ministerien, Bundestag und Statistikämtern auszuhandeln und zu programmieren”, schlägt Blau vor.

Update, 17.05.2010:
Blau antwortet bei Carta ausführlich auf Robin Meyer-Luchts Kommentar zu seinem Ursprungsstatement.

Verlage sägen am eigenen Ast

Unser Kollege Matthias Spielkamp beschreibt bei Kress.de einen drohenden “Brain Drain” in den Verlagen – als Folge der miserablen Bezahlung vieler freier Journalisten. Eine der vielen starken Passagen des Vortragsmanuskripts:

… alle Medien, auch die selbst ernannten Qualitätsmedien, von “FAZ” über “Süddeutsche Zeitung” bis hin zu den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, lassen sich ihre Zeitungen und Sendungen verdeckt von den PR-Abteilungen von Daimler und Siemens subventionieren. Wie ich darauf komme?

Bei knapp der Hälfte der freiberuflichen Journalisten reichen die Einnahmen aus journalistischer Arbeit nicht aus, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

Wo kommt das Geld also her? Zu einem großen Teil aus PR-Aufträgen. Ohne sie könnten viele es sich überhaupt nicht mehr leisten, journalistisch zu arbeiten.

Matthias Spielkamp argumentiert, dass motivierte und engagierte Kollegen im Netz ein besseres Umfeld zum Betreiben von Journalismus finden und deshalb zunehmend der Verlagslandschaft den Rücken kehren. Als Beispiele hierfür nannte er Projekte wie Spot.us, ProPublica und Perlentaucher.

Open-Data-Diskussion gewinnt an Fahrt

Stefan Gehrke vom Open Data Network auf der re:publica | Foto: Fiete Stegers

Auf der re:publica widmeten sich am Freitag mehrere Runden dem Thema “Open Data”. Was das ist, erklärt ein Artikel von mir bei tagesschau.de:

Behörden sollen ihre Daten nicht nur auf ihrer eigenen Homepage anbieten, wie es viele Institutionen mit einzelnen Daten bereits tun, sondern möglichst viele Daten in computerlesbaren Standardformaten zur Verfügung zu stellen. Das soll es nicht nur jedem Bürger ermöglichen, die Daten nach eigenen Kriterien auszuwerten – Programmierer sollen die Daten auch gleich beliebig miteinander verknüpfen und weiterverwerten können.

Noch ausführlicher und wie Journalisten Open Data für ihre Arbeit nutzen können, beschreibt Christiane Schulzki-Haddouti für das ver.di-Journalistenmagazin “M”.

Für Zeit Online liefert sie selbst gleich ein Anwendungsbeispiel, eine Serie zur Analyse und Visualisierung von Parteispenden.. Aus dem Publikum hieß es in einem re:publica-Workshop, die Financial Times Deutschland arbeite etwas ähnliches.

Der Verein Open Data Network, dem unter anderem Stefan Gehrke (Foto) angehört, hat die Website offendaten.de eingerichtet. Sie soll den Zugang zu offenen Behördendaten in Deutschland bündeln. Ergebnisse des von dem Verein im Anschluss an die re:publica ausgerichteten “Hack4Democracy” sind dort leider noch nicht verlinkt (Hinweise gerne in den Kommentaren).

Weitere Links

… bei onlinejournalismus.de:

… im sonstigen Internet:

  • The Guardian Eigene Plattform rund um Datenquellen und was (nicht nur) Journalisten daraus machen können
  • netzpolitik Data Driven Journalism – Versuch einer Definition

Eine offene Bibliographie für die Internet-Enquete – bitte ergänzen!

Die Bibliothek des Deutschen Bundestags hat für die Mitglieder der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft eine 137-seitige Bibliographie zusammengestellt, die iRights.info erstmals veröffentlicht – zusammen mit dem Aufruf, sie zu ergänzen.

Auf gutem Weg: Nachrichten.de, erster Eindruck

Nachrichten.de, das automatisierte Nachrichtenportal der Tomorrow Focus AG steht in den Fußstapfen. Ich habe es aus Zeitgründen bisher nur sehr kurz testen können, aber einen ersten spontanen Eindruck möchte ich doch äußern: das gefällt mir – übersichtlich, “intelligent”.

Allerdings treten beim ersten spontanen Testen auch “Kinderkrankheiten” auf, derentwegen man sich anfangs über Google News lustig machte (siehe hierzu Beitrag “Google sei mit uns”, 2005): So wundert es mich etwa, dass die Aufmacher der Sportseite alle vom “Albboten” (kennt den jemand?) stammen. Bei einschlägigen Testsuchen geht man mitunter leer aus. Angenehm fällt auf, dass das Ganze von Anfang mit journalistischem Hintergrund aufgebaut wurde. Im Gegensatz zu Google News mutet Nachrichten.de optisch sehr angenehm an, positiv zu erwähnen ist auch, dass alle Quellen aufgeführt werden. Kurzes Fazit: Das könnte etwas – zumindest eine ernsthafte Konkurrenz für Google News – werden. Allein zum Ergänzen journalistischer Recherchen könnte Nachrichten.de taugen, das ist freilich zu wenig, es muss für einen Massenmarkt taugen.

Weitere Informationen

Massenbeschäftigung für moderne Mediennutzer

Screenshots [M]: NPR, Guardian, ORF

Journalisten setzen zu selten auf ihren Publikumsjoker: Ein Plädoyer für mehr Crowdsourcing und gegen Sockelgehabe. Weiterlesen…

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