Archivierte Einträge für Recherche

Echtzeit-Redakteure, Content-Knechte, Teaser-Schubser …


Onlinejournalismus 2008
… Multimedia-Talente, Kreativ-Abteilung, Online-Layouter, Agenturhörige, Experimentierwillige, Innovateure? Über die Arbeit in Online-Redaktionen, ganz allgemein.
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Freie Fakten: “Focus” öffnet sein Archiv

Der “Focus” öffnet zu seinem 15-jährigen Bestehen heute sein Archiv; alle seit dem 18. Januar 1993 erschienenen Artikel (mit Ausnahme der jüngsten Ausgaben) gibt es ab sofort unter www.focus.de/archiv. Rund 100.000 Artikel sind damit frei abrufbar. In den kommenden Wochen sollen noch weitere Recherche-Funktionen freigeschaltet werden, sagt Focus Online-Chefredakteur Jochen Wegner. An der “netzgerechten Aufbereitung dieses journalistischen Schatzes” habe man ein halbes Jahr gearbeitet.

Bereits im Dezember öffnete die “Zeit” ihr seit 1946 entstandenes Archiv (wir berichteten). Im Frühjahr möchte auch der “Spiegel” sein Archiv öffnen (wir berichteten).

Zum sorgfältigen Umgang mit Artikeln aus Online-Archiven rät ein Artikel in der Zeitschrift “Message” (Ausgabe 1/2008, S. 80-83, leider nicht online abrufbar): “Informationen aus Online-Archiven müssen nicht zwangsläufig richtig oder vollständig sein”, sagt Autor und Rechtsanwalt Endress Wanckel im Beitrag “Die Tücken des Googelns”. Wanckel mahnt: “Masse ist nicht gleich Qualität. Die Informationsfülle im Netz wird in den nächsten Jahren noch zunehmen. Denn die Rechtsprechung hat einen Kurs eingeschlagen, der Betreiber von Online-Pressearchiven weitgehend von Löschungsansprüchen der Betroffenen freistellt.” Problematisch kann für Journalisten etwa das Einbinden von alten Beiträgen oder Behauptungen daraus in neue Artikel werden.

Nachtrag 19.01.2008
Ole Reißmann hat bei medienlese das Thema offene Archive noch etwas genauer untersucht: “Archive offen: Wissen ist mächtig”.

Weblogs sind für Politikjournalisten eher unbedeutend

“Welche Bedeutung haben Weblogs für die tägliche Arbeit von Politikjournalisten in Deutschland?”, lautete die Ausgangsfrage für Peter Bihrs Magisterarbeit am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin. Bihr befragte dazu Politikjournalisten aus den Redaktionen deutscher Tageszeitungen (Print und Online) und von Nachrichtenagenturen. Das Ergebnis: “Die befragten Politikjournalisten bescheinigten Weblogs mehrheitlich eine geringe Bedeutung für ihre tägliche Arbeit. Für die Auslandsberichterstattung wurde Weblogs eine größere Bedeutung zugeschrieben als für die innenpolitische Berichterstattung.”

Die mit der Note 1,0 (”sehr gut”) bewertete Arbeit veröffentlichte Arbeit ist hier im Volltext abrufbar: www.thewavingcat.com/weblogs-und-politikjournalisten

Machet auf das Tor! “Zeit” erweitert Online-Archiv um 250.000 Artikel

Nach dem “Spiegel”, der im Frühjahr sein Archiv kostenfrei öffnen wird (wir berichteten), beschert nun die “Zeit” die Internet-Nutzer. In einer Pressemittteilung heißt es:

“ZEIT online erweitert das kostenlose Online-Archiv der ZEIT um über 250.000 Artikel. Seit Juni 2007 sind unter http://www.zeit.de/archiv alle seit 1995 in der ZEIT erschienenen Texte frei zugänglich – nun kommt auch ein Großteil des Archivs seit 1946 dazu.”

“Spiegel” öffnet sein Archiv für Spiegel Wissen-Portal

Die Spiegelnet GmbH und die Bertelsmann-Tochter Wissen Media Group (Wissen Media Verlag und wissen.de) starten im Frühjahr 2008 Spiegel Wissen (wissen.spiegel.de – die URL wird noch nicht bespielt), ein neues Rechercheportal, heißt es in einer Pressemitteilung.

Spiegel Wissen greift zu auf die Inhalte des “Spiegels” und von Spiegel Online sowie der Bertelsmann-Lexika und -Wörterbücher. Hinzu kommen die Einträge aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Auf dem Portal sollen alle “Spiegel”-Artikel seit der Gründung des Blattes im Jahr 1947 und die Artikel von Spiegel Online kostenlos online abrufbar sein. Eine achtköpfige Redaktion soll die Inhalte aufbereiten.

“Multimediale Elemente wie Bilder, Grafiken, Videos und zahlreiche neue Funktionalitäten wie etwa individuelle Sammel-Ordner runden das Angebot ab.” Spiegel Wissen soll “damit die umfassendste frei zugängliche Recherche-Plattform im deutschsprachigen Internet werden.”

Nachtrag 18.12.07
Don Alphonso sieht die “Wikipedia zwischen den Mühlsteinen”, Auszug: “Man schreibt dann eben nicht mehr nur bei der Wikipedia mit, sonderrn fertigt auch kostenlose Inhalte für Medienkonzerne (…).”

Es hat mich gewundert, dass da kein Medienunternehmen früher zugegriffen hat, bekannt ist mir nur das Beispiel der “Rhein-Zeitung”, die seit August 2004 die Wikipedia als Lexikon integriert hat. Freilich kann ich mir vorstellen, dass die Einbindung bei so prominenten und nicht unumstrittenen Partner wie Spiegel Online und mittelbar Bertelsmann bei den Wikipedianern nicht unumstritten sein wird.

Mit der Wikipedia hat Spiegel Online seine eigenen Erfahrungen. In einem Interview im Medienjahrbuch 2007 der Zeitschrift “VISDP” antwortet Spiegel Online-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron auf die Frage:

Können Sie sich noch an die Ruanda-Hintergrundgeschichte vom 24. Februar 2005 erinnern?
War das die Geschichte, die wir von Wikipedia kopiert hatten? Ja, das war eine unserer schwärzeren Stunden.
Nachzulesen ist diese Geschichte übrigens auch in der Blogbar.

Späteinsteiger SpOn und das LKA-Dementi

Ich bin ja mal gespannt, wie sich das auflöst: Heute tickerten die Nachrichtenagenturen eine Spiegel-Vorabmeldung, nach der das bayerische LKA Trojaner einsetze, um Voice-over-IP-Kommunikation mitzuhören. Bei Spiegel Online war die Original-Meldung leider noch nicht zu lesen. Jetzt, gegen 20 Uhr, macht Spiegel Online auf einmal mit dem Thema auf – auf Basis einer ddp-Meldung, die auch schon Politiker-Reaktionen auf die Nachricht des Trojaner-Einsatzes enthält.

Auch das bayerische Landeskriminalamt bestätigt, dass es seit diesem Sommer in mehreren Fällen auf Computern Verdächtiger Programme installiert habe, um solche Internet-Gespräche abzufangen.

… heißt es in dem Artikel. Der Haken an der Sache: Mit keinem Wort wird darin erwähnt, dass das LKA am späten Nachmittag mitteilte, es sei falsch verstanden worden: Abhören ja, Trojaner aber nicht. Auch dazu gab es eine Agenturmeldung, von ddp-Bayern (sic).

Dass nicht alle Redaktionen, die am (Samstag-)Nachmittag auf die Agenturmeldung eingestiegen sind (oder automatische Agenturfeeds übernehmen) und jetzt mit dem Thema bei Google News vertreten sind, auch noch das Dementi nachgereicht haben – geschenkt. Aber das Nachzügler SpOn überhaupt nicht darauf eingeht, ist schon seltsam – zumindest ein triumphierendes Beharren (“Wir haben recht, nicht das LKA”) sollte drin sein …

Die Wortverdreher vom Dienst

koeppel_wikipedia

Konzerne, Parteien, Prominente oder deren Mitarbeiter ändern oft die entsprechenden Wikipedia-Einträge – zu beobachten auch im Fall von „Weltwoche“-Chef Roger Köppel, ehemals Chefredakteur der „Welt“.

Von Michael Soukup

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Artikel im Archiv verändern?

US-Kollegen (Online Journalism Review, Mindy McAdams, Poynter) diskutieren gerade darüber, ob und unter welchen Umständen eventuell Artikel im Online-Archiv nachträglich geändert oder gelöscht werden dürfen – und wann gerade nicht: Was tun, wenn längst vergangene Geschehnisse das Bild einer Person bei Google dominieren (Bestes Beispiel: Verurteilte mit Recht auf Resozialisierung)? Wie reagieren, wenn jemand kritische Äußerungen über sich unterbinden möchte? Wie “historisch” sollte ein Archiv sein?

Wir haben uns 2004 ausführlich mit dem Thema beschäftigt: Die Geister der Vergangenheit.

Künstliche Duftmarken für Trüffelschweine

Icons der Bookmark-Dienste bei sueddeutsche.de

Etliche Online-Redaktionen haben bei Relaunchs in den letzten Monaten Social-Bookmarking-Dienste in ihr Angebot integriert. Was bringen sie Nutzern, Journalisten und Redaktionen? Die Hoffnungen sind einigerorts nicht unerheblich, die Erfahrungen noch eher verhalten.

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Zeitungsmeldung -> Agentur -> Online-Artikel -> peinlich

“Lemminge online” nennt Christoph Schultheis seinen Artikel, in dem er aufzeigt, wie es die vermeintliche Bild-Exklusiv-Meldung über ein Video von Möllemanns Todessprung in die großen Online-Medien (und in die Zeitungen, aber von denen soll hier nicht die Rede sein) schaffte. Die Bild-Zeitung hatte höchstwahrscheinlich (wie üblich) ihre Pressemitteilung an die Agenturen rausgehauen, dpa sprang auf den Zug auf, und dann hängten sich am Morgen die Online-Redaktionen dran. Ohne eigene Recherche und vor allem ohne Blick in die eigenen Archive, kritisiert Schultheis zu Recht. Dabei hätte man doch schon bei der typischen Bild-Formulierung “jetzt bekannt geworden” misstrauisch werden können.

Ähnliche Übernahmeketten sind in den Online-Redaktionen keine Seltenheit. Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle: Agenturgläubigkeit, mangelnde Personalressourcen zur Recherche und Qualitätskontrolle in einer permanent rotierende Nachrichtenmaschine: Während einerseits innerhalb eines Tages jeder kleine Einzelaspekt einer sich entwickelnden Geschichte ergänzt und aktualisiert wird, geraten diese doch leider häufiger als wünschenswert unter die Räder: Bei Themenübergabe/Schichtwechsel in der Redaktion oder wenn ein Thema nach einer Pause wieder aus der Versenkung auftaucht – wie in diesem Fall.

In Online-Redaktionen mit Archiv sind die dabei entstehenden Fehler natürlich besonders blöd. Aber ein intelligentes Tool, dass den Redakteuren ermöglicht, aus einer Vielzahl von Einzelmeldungen im Archiv den tatsächlich letzten Sachstand auf einen Blick zu präsentieren, ist mir leider noch nicht bekannt.

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