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Brennende Autos – Google Maps im Lokalen

Vor einigen Monaten habe ich für die „Drehscheibe” (ein monatlich erscheinender Pressedienst für Lokalredaktionen) einen Artikel zum Einsatz von Social Software für Journalisten im Lokalen geschrieben. Darin erwähnte ich auch Google Maps anhand des folgenden Beispiels (gefunden hier bei Onlinejournalismus.de).

Mit Social Software lassen sich freilich keine Straßen-, Finanz- oder Ideenlöcher stopfen. Aber zumindest kann das Thema zusammen mit dem Leser anders angegangen werden. Das zeigt etwa das kalifornische Blatt „The Bakersfield Californian“. Auf der Website dieser Tageszeitung können die Leser selbst die Schlaglöcher im Straßennetz der 300.000-Einwohnerstadt markieren. „Map your most hated pothole!“, fordert die Zeitung ihre Leser zur Mitarbeit an der „Pothole Map“ (www.bakersfield.com/864) auf. In wenigen Sekunden können die Nutzer Informationen auf der Karte eintragen, ohne sich registrieren zu müssen. Wer die Schäden ausführlicher belegen will, kann ein digitales Bild hinzufügen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die stets aktualisierten Warnhinweise auf dem Stadtplan bieten besten Nutzwert für geplagte Autofahrer. Der Aufwand für die Redaktion liegt praktisch bei Null. Denn die Zeitung nutzt für die Zusammenarbeit mit den Lesern Googles Maps API (www.google.com/apis/maps). Darin ist die ganze Stadt digital aufbereitet, ebenso wie die meisten deutschen Ortschaften.

Inzwischen ist die Pothole Map erweitert worden, die Nutzer können Schlaglöcher jetzt nicht nur auf der Karte anzeigen, sondern auf einem Formular der Stadtverwaltung melden, reparierte Stellen können markiert werden.

Eine Berliner Agentur nahm sich jetzt auf der Basis von Google Maps der brennenden Autos in der Hauptstadt an (via Don Dahlmann). Die Macher merken an, dass die Seite „weder in die eine noch in die andere Richtung politisch motiviert“ sei und dass man sich „ausdrücklich von jeglicher Form der Gewalt“ distanziere. Als Hauptquelle für die Brandmeldungen dienen Polizei und Feuerwehr. Aber auch hier könnten die Nutzer beispielsweise durch eingesendete Fotos beitragen.

Eine interessante Idee, die Darstellung wirkt beeindruckender, dynamischer und informativer als die üblichen Berichte. Freilich könnten Medien damit auch gehörig Stimmung machen, zumal solche dynamischen Angebote ständig aktualisiert werden müssten. Ich bin gespannt, ob Medien hierzulande dies mal ausprobieren; entsprechende Beispiele können Sie gerne hier melden.

Technorati sucks

Die neue Version von Technorati, die seit einiger Zeit online ist, gefällt mir überhaupt nicht. Die Differenzierung nach Inhaltstypen erschließt sich nicht so ganz, außerdem habe ich schlicht das Gefühl, dass die Suche überhaupt nichts mehr findet. Ich habe mir vorgenommen, jetzt mal häufiger Google Blogsearch auszuprobieren, lasse ich mich aber auch gerne eines besseren belehren.

Blogs = Parasiten?

Robert Niles geht in einem sehr lesenswerten Artikel im Online Journalism Review dem Vorwurf nach, Blogs seien “Parasiten”, die ohne die klassischen Medien nichts zu berichten hätten. Natürlich – ohne es beziffern zu können – ist klar, dass viele Blogs sich auf klassische Medienberichten beziehen, diese kommentieren oder eben nur wiedergeben. Aber die von Niles befragten Webexperten sind ziemlich einhelllig anderer Meinung (die Journalisten, von denen die Vorwürfe stammten, haben laut Niles auf seine Anfrage nicht reagiert). Sie geben zu bedenken:

  • Blogs ohne eigenen Content sind eben nur ein Teil der Blogs – und es macht dabei einen gehörigen Unterschied aus, ob sie sich das allgemeine Weltgeschehen kommentieren oder eher Nischenthemen besetzen.

  • Auch traditionelle Medien stützen sich seit jeher aufeinander: Fernsehredaktionen verfilmen Zeitungsartikel, Zeitungen zitieren aus Radiointerviews etc …
  • Blogs verschaffen den traditionellen Medien Aufmerksamkeit und Traffic.
  • Und mein Lieblingszitat, von Journalismusprofessor Sree Sreenivasan: “I find some of these parasitic-ish blogs particularly useful – because they spotlight things I might miss. A great example is Romenesko. It’s my first visit every day. Lots of old-school journos, who don’t like blogs, read it religiously, without knowing it’s a blog!”
    (passenderweise via Jonet Medienlog)

Wie Google Maps im Lokalteil funktionieren

Wunderbares Beispiel, wie Lokalberichterstattung auch aussehen kann: Die Pothole Map von Bakersfield.com (gefunden bei Jeff Jarvis). Jeder Leser kann über ein kinderleicht zu bedienendes Interface die Schlaglöcher eintragen, die er kennt, ggf. auch ein Foto hinzufügen. Die Pothole Map, inzwischen mit mehreren Dutzend Markern übersäht, spricht für sich selbst. Bakersfield.com hat noch einige andere Karten im Angebot, alle arbeiten mit der Google Maps API.

BBC mag das C-Wort nicht

“We don’t call it citizen journalism. ”

Ein starker Eröffnungsatz, besonders wenn er von einem BBC-Vertreter kommt – ist die BBC doch gerade Pionier, wenn es darum geht, Nutzer-Inhalte sinnvoll in ein journalistisches Angebot einzubinden. Das Zitat stammt von Kevin Geary von BBC Interactive, der beim Welt Audio Festival in den Niederlanden einen Vortrag über den Wandel des öffentlich-rechtlichen Senders und Bürgerjournalismus gehalten hat. Die interessantesten Punkte seines Vortrags (laut De Nieuwe Reporter):

  • Die BCC erhält 15.000 E-Mails pro Tag.
  • Die BBC zahlt nur in Ausnahmefällen für User Generated Content (wenn aber etwas “Bürgerjournalismus” heiße, würden die Gewerkschaften Bezahlung für die Journalisten einfordern, meint Geary demnach. Eine steile These?).
  • Videos der Sendung “Newsnight” werden über YouTube häufiger gesehen als über die BBC-Website. Der Sender hat nichts dagegen und ermutigt die Nutzer zum Weiterpublizieren.
  • Rücksprache mit Einsender von Usermaterial für Erlaubnis und Verifizierung ist Standard.
  • Werbung auf der BBC-Website ist geplant.

Die Niederländer haben auch ein Audio-Interview mit Vicky Taylor von BBC Interactive online (auf englisch – mit schönen Skype-Sounds im Hintergrund): “Das letzte Jahr hat den Journalismus verändert. Und das ist erst der Anfang.”

3. Navigationspunkt: “Investigativ”

Auf der Website ABC News heißt der dritte Punkt im Hauptmenü nach “USA” und “International” gleich “Investigativ”. Das ist mal ein Statement. Dahinter verbirgt sich die Seite von Brian Ross und dem Team seiner Sendung World News.
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NPD-Blog geht an den Start

“Das kleine Böse und das große Schlimme”: Das Bildblog startete, weil die Medienjournalisten dahinter jeden Tag auf journalistische Fehler und Sünden im Springer-Blatt stießen, die nicht immer einen Artikel in den traditionellen Medien wert waren, aber auch nicht unter den Tisch fallen sollten.

Aus ähnlichen Motiven ist jetzt das NPD-Blog (http://npd-blog.info) online. Patrick Gensing schreibt und sammelt Berichte über die Extremisten. Seit einiger Zeit schon, nun auch öffentlich zugänglich. Unter anderem bietet das NPD-Blog ein Personenregister.

Vorratsdatenspeicherung Nebensache?

Mich wundert ein wenig, dass die gesamte Diskussion um die bevorstehende Einführung der Vorratsdatenspeicherung in Deutschland auf den großen Nachrichtenseiten kaum eine Rolle spielt. Oder täuscht mich der Eindruck?

Hintergründe habe ich hauptsächlich bei heise.de gefunden, dank der Arbeit von Stefan Krempl, der sich offenbar tief in die Thematik eingearbeitet hat.

Vor wenigen Wochen hatten Fiete Stegers und ich im Rahmen einer umfassenden Recherche zum Thema die Gelegenheit, unter anderem mit dem Datenschutzbeauftragten in Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, zu sprechen. Er geht davon aus, dass die EU-Richtlinie nicht im Einklang mit unserer Verfassung steht – und deswegen keine Chance haben dürfte.


Angebliches Anti-Blog gestartet

Die Welt berichtet über ein angebliches Anti-Blog, das ausgerechnet von einem ehemaligen Chefredakteur des renommierten Online Journalism Review gestartet worden sei.
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