Archivierte Einträge für Recherche

Die Wortverdreher vom Dienst

koeppel_wikipedia

Konzerne, Parteien, Prominente oder deren Mitarbeiter ändern oft die entsprechenden Wikipedia-Einträge – zu beobachten auch im Fall von „Weltwoche“-Chef Roger Köppel, ehemals Chefredakteur der „Welt“.

Von Michael Soukup

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Artikel im Archiv verändern?

US-Kollegen (Online Journalism Review, Mindy McAdams, Poynter) diskutieren gerade darüber, ob und unter welchen Umständen eventuell Artikel im Online-Archiv nachträglich geändert oder gelöscht werden dürfen – und wann gerade nicht: Was tun, wenn längst vergangene Geschehnisse das Bild einer Person bei Google dominieren (Bestes Beispiel: Verurteilte mit Recht auf Resozialisierung)? Wie reagieren, wenn jemand kritische Äußerungen über sich unterbinden möchte? Wie “historisch” sollte ein Archiv sein?

Wir haben uns 2004 ausführlich mit dem Thema beschäftigt: Die Geister der Vergangenheit.

Künstliche Duftmarken für Trüffelschweine

Icons der Bookmark-Dienste bei sueddeutsche.de

Etliche Online-Redaktionen haben bei Relaunchs in den letzten Monaten Social-Bookmarking-Dienste in ihr Angebot integriert. Was bringen sie Nutzern, Journalisten und Redaktionen? Die Hoffnungen sind einigerorts nicht unerheblich, die Erfahrungen noch eher verhalten.

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Zeitungsmeldung -> Agentur -> Online-Artikel -> peinlich

“Lemminge online” nennt Christoph Schultheis seinen Artikel, in dem er aufzeigt, wie es die vermeintliche Bild-Exklusiv-Meldung über ein Video von Möllemanns Todessprung in die großen Online-Medien (und in die Zeitungen, aber von denen soll hier nicht die Rede sein) schaffte. Die Bild-Zeitung hatte höchstwahrscheinlich (wie üblich) ihre Pressemitteilung an die Agenturen rausgehauen, dpa sprang auf den Zug auf, und dann hängten sich am Morgen die Online-Redaktionen dran. Ohne eigene Recherche und vor allem ohne Blick in die eigenen Archive, kritisiert Schultheis zu Recht. Dabei hätte man doch schon bei der typischen Bild-Formulierung “jetzt bekannt geworden” misstrauisch werden können.

Ähnliche Übernahmeketten sind in den Online-Redaktionen keine Seltenheit. Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle: Agenturgläubigkeit, mangelnde Personalressourcen zur Recherche und Qualitätskontrolle in einer permanent rotierende Nachrichtenmaschine: Während einerseits innerhalb eines Tages jeder kleine Einzelaspekt einer sich entwickelnden Geschichte ergänzt und aktualisiert wird, geraten diese doch leider häufiger als wünschenswert unter die Räder: Bei Themenübergabe/Schichtwechsel in der Redaktion oder wenn ein Thema nach einer Pause wieder aus der Versenkung auftaucht – wie in diesem Fall.

In Online-Redaktionen mit Archiv sind die dabei entstehenden Fehler natürlich besonders blöd. Aber ein intelligentes Tool, dass den Redakteuren ermöglicht, aus einer Vielzahl von Einzelmeldungen im Archiv den tatsächlich letzten Sachstand auf einen Blick zu präsentieren, ist mir leider noch nicht bekannt.

“Et es wie et es”: Bierdeckeljournalismus bei DWDL

Das Medienmagazin DWDL lese ich an und für sich gerne (was sich hinter dem Kürzel DWDL verbirgt weiß niemand, mein Tipp: “Da wirst Du lachen”). Die Redaktion sitzt in Köln, ja, das ist wichtig. Als hehres Ziel nennt man die “Neudefinierung des Branchenjournalismus für die TV- und Medienwirtschaft”. Immerhin existiert das Angebot, das von einer vierköpfigen Redaktion betrieben wird, seit fünf Jahren.

Gestern informierte DWDL über die neuesten Aktivitäten des Kölner Lokalsenders Center.TV: “Center.TV lässt Hobby-Reporter live berichten”, hieß es in der Überschrift. Je nun, es folgt kein guter Text, der beginnt nämlich schon so: “Das nächste Große Ding [sic!] ruft die Centerstone AG (…) aus. Nachdem vom Nutzer generierte Inhalte zunächst zum revolutionären Kern der neuen Medienwelt erhoben wurden, setzt Zalbertus noch einen drauf (…)” Den Rest erspare ich den Lesern. Es könnte sich um eine Pressemeldung von Center.TV halten.
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Phoenix: Zeitgeschichte zum Download

Der öffentlich-rechtliche “Ereigniskanal” Phoenix hat anlässlich seines zehnjährigen Bestehens eine Videothek zu wichtigen zeitgeschichtlichen Ereignissen freigeschaltet. Die Filme können online angeschaut werden (Real und WMV, kein Flash) oder als MPEG heruntergeladen werden. Auch ein Podcast-Abo ist möglich.

Die SZ feiert das Projekt als Vorreiter der Digitalisierung der Öffentlich-Rechtlichen. Ich habe mir die Plattform noch nicht ausführlich genug angeschaut, um urteilen zu können.

Brennende Autos – Google Maps im Lokalen

Vor einigen Monaten habe ich für die „Drehscheibe” (ein monatlich erscheinender Pressedienst für Lokalredaktionen) einen Artikel zum Einsatz von Social Software für Journalisten im Lokalen geschrieben. Darin erwähnte ich auch Google Maps anhand des folgenden Beispiels (gefunden hier bei Onlinejournalismus.de).

Mit Social Software lassen sich freilich keine Straßen-, Finanz- oder Ideenlöcher stopfen. Aber zumindest kann das Thema zusammen mit dem Leser anders angegangen werden. Das zeigt etwa das kalifornische Blatt „The Bakersfield Californian“. Auf der Website dieser Tageszeitung können die Leser selbst die Schlaglöcher im Straßennetz der 300.000-Einwohnerstadt markieren. „Map your most hated pothole!“, fordert die Zeitung ihre Leser zur Mitarbeit an der „Pothole Map“ (www.bakersfield.com/864) auf. In wenigen Sekunden können die Nutzer Informationen auf der Karte eintragen, ohne sich registrieren zu müssen. Wer die Schäden ausführlicher belegen will, kann ein digitales Bild hinzufügen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die stets aktualisierten Warnhinweise auf dem Stadtplan bieten besten Nutzwert für geplagte Autofahrer. Der Aufwand für die Redaktion liegt praktisch bei Null. Denn die Zeitung nutzt für die Zusammenarbeit mit den Lesern Googles Maps API (www.google.com/apis/maps). Darin ist die ganze Stadt digital aufbereitet, ebenso wie die meisten deutschen Ortschaften.

Inzwischen ist die Pothole Map erweitert worden, die Nutzer können Schlaglöcher jetzt nicht nur auf der Karte anzeigen, sondern auf einem Formular der Stadtverwaltung melden, reparierte Stellen können markiert werden.

Eine Berliner Agentur nahm sich jetzt auf der Basis von Google Maps der brennenden Autos in der Hauptstadt an (via Don Dahlmann). Die Macher merken an, dass die Seite „weder in die eine noch in die andere Richtung politisch motiviert“ sei und dass man sich „ausdrücklich von jeglicher Form der Gewalt“ distanziere. Als Hauptquelle für die Brandmeldungen dienen Polizei und Feuerwehr. Aber auch hier könnten die Nutzer beispielsweise durch eingesendete Fotos beitragen.

Eine interessante Idee, die Darstellung wirkt beeindruckender, dynamischer und informativer als die üblichen Berichte. Freilich könnten Medien damit auch gehörig Stimmung machen, zumal solche dynamischen Angebote ständig aktualisiert werden müssten. Ich bin gespannt, ob Medien hierzulande dies mal ausprobieren; entsprechende Beispiele können Sie gerne hier melden.

Technorati sucks

Die neue Version von Technorati, die seit einiger Zeit online ist, gefällt mir überhaupt nicht. Die Differenzierung nach Inhaltstypen erschließt sich nicht so ganz, außerdem habe ich schlicht das Gefühl, dass die Suche überhaupt nichts mehr findet. Ich habe mir vorgenommen, jetzt mal häufiger Google Blogsearch auszuprobieren, lasse ich mich aber auch gerne eines besseren belehren.

Blogs = Parasiten?

Robert Niles geht in einem sehr lesenswerten Artikel im Online Journalism Review dem Vorwurf nach, Blogs seien “Parasiten”, die ohne die klassischen Medien nichts zu berichten hätten. Natürlich – ohne es beziffern zu können – ist klar, dass viele Blogs sich auf klassische Medienberichten beziehen, diese kommentieren oder eben nur wiedergeben. Aber die von Niles befragten Webexperten sind ziemlich einhelllig anderer Meinung (die Journalisten, von denen die Vorwürfe stammten, haben laut Niles auf seine Anfrage nicht reagiert). Sie geben zu bedenken:

  • Blogs ohne eigenen Content sind eben nur ein Teil der Blogs – und es macht dabei einen gehörigen Unterschied aus, ob sie sich das allgemeine Weltgeschehen kommentieren oder eher Nischenthemen besetzen.

  • Auch traditionelle Medien stützen sich seit jeher aufeinander: Fernsehredaktionen verfilmen Zeitungsartikel, Zeitungen zitieren aus Radiointerviews etc …
  • Blogs verschaffen den traditionellen Medien Aufmerksamkeit und Traffic.
  • Und mein Lieblingszitat, von Journalismusprofessor Sree Sreenivasan: “I find some of these parasitic-ish blogs particularly useful – because they spotlight things I might miss. A great example is Romenesko. It’s my first visit every day. Lots of old-school journos, who don’t like blogs, read it religiously, without knowing it’s a blog!”
    (passenderweise via Jonet Medienlog)

Wie Google Maps im Lokalteil funktionieren

Wunderbares Beispiel, wie Lokalberichterstattung auch aussehen kann: Die Pothole Map von Bakersfield.com (gefunden bei Jeff Jarvis). Jeder Leser kann über ein kinderleicht zu bedienendes Interface die Schlaglöcher eintragen, die er kennt, ggf. auch ein Foto hinzufügen. Die Pothole Map, inzwischen mit mehreren Dutzend Markern übersäht, spricht für sich selbst. Bakersfield.com hat noch einige andere Karten im Angebot, alle arbeiten mit der Google Maps API.

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