Archivierte Einträge für Recht

Amateur-Videos: Fußballverband grätscht Hartplatzhelden vor Gericht ab

Das Landgericht Stuttgart hat gestern der Klage des Württembergischen Fußballverbands (WFV) entsprochen, der dem Portal Hartplatzhelden untersagen will, Videos von Wettbewerbsspielen aus seiner Region zu zeigen. Ein formidables Eigentor haben die WFV-Apparatschiks aus Stuttgart da geschossen.

Aber noch gibt es Hoffnung: “[D]ie Hartplatzhelden nehmen die Hinspielniederlage aufgrund schwacher Schiedsrichterleistung sportlich und gehen in die nächste Instanz”, schreibt Jürgen Kaube in der “FAZ” in seinem außergewöhnlich parteiischen Artikel “Kein Platz für Amateure im Internet”.

Auch ich bin parteiisch in dieser Sache: Ich drücke dem geschätzten Journalisten-Kollegen und anerkannt Fußballverrückten Oliver Fritsch, der mit seinem Team dieses Portal betreibt, die Daumen für das “Rückspiel”.

Auf Hartplatzhelden.de kann man sich in einer Unterschriftenliste solidarisch mit den Betreibern zeigen, dort findet sich auch ein Pressespiegel, der den Ärger über das mangelnde Medien- und Kulturverständnis der württembergischen Fußballfunktionäre eindrucksvoll dokumentiert.

Sieben Tage dürft ihr gucken

Robin Meyer-Lucht schreibt auf Spiegel Online die Geschichte des Streits zwischen Verlegern und öffentlich-rechtlichen Rundfunkstalten fort und berichtet über die jüngste Sitzung der Rundfunkkommission der Länder:

Große Einmütigkeit herrscht unter den Medienpolitikern der Länder darüber, den nachträglichen Abruf öffentlich-rechtlicher TV- und Radioprogramme über Mediatheken auf sieben Tage zu begrenzen.

Das wäre nicht nur Kampf gegen die jüngste erfundene “elektronische Presse”, sondern würde auch das ganze Mediatheken-Prinzip, ja eines der grundlegenden Internet-Konzepte ad absurdum führen: Warum soll ich als Gebührenzahler heute nicht das Heute-Journal von vor einem Jahr abrufen dürfen, um mich zu informieren? Oder soll für jedes einzelne Video, jeden Radiobeitrag einzeln entschieden werden, wie lange sie online sein bleiben dürfen? Eben.

Schön, dass hier offenbar kompetente Entscheider am Werk sind. Ich verweise da mal auf einen Ausspruch des Zeit-Online-Chefs (bei Bildschirmtext):

Der Streit zwischen den Verlagen und dem Öffentlich-Rechtlichen-Rundfunk komme ihm vor wie die Fehde zweier Stammesfürsten, deren Bevölkerung unbemerkt ausgewandert ist, hat Wolfgang Blau gesagt.

Siehe auch: Was wir uns von ARD und ZDF wünschen (FAZ.net)

(Ich arbeite u. a. für NDR und WDR.)

Ein Punkt macht noch nicht anonym

Die arme Frau ist geschützt. Dank der Medien. Denn sie setzen konsequent auf die Anonymisierung. Elisabeth F., die misshandelte Tochter aus dem erschreckenden Inzest-Fall in Österreich. Die TV-Stationen zum Beispiel haben sie konsequent F. genannt. So wie es sein muss.

Den Nachnamen ihres Peinigers und den Nachnamen ihrer schwer kranken 19-Jährigen Tochter haben sie allerdings in voller Länge genannt.

Update: Jetzt soll Elisabeth F. zum Schutz eine neue Identität erhalten. Zu lesen hier. Mal sehen, wann sie aufgespürt werden wird.

Anlaufstelle für O-Ton-Sammler


Screenshot “Dokublog” (Montage: ojour)
Mikrofon an, Record drücken. Dann hochladen und es vielleicht ins Radio schaffen: Das “Dokublog” des SWR ruft zum Mitmachen auf. Eine interesssante Idee mit bisher verhaltenem Web-Echo.
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Welt Online, YouTube und wo sind die Grenzen?

Falk Lüke dachte kürzlich darüber nach, ob YouTube-Videos “Content-Freiwild für deutsche Nachrichtensites” sind:

Was mich immer wieder erstaunt: wie große Nachrichtensites Videos der Plattform YouTube einbinden. Ich sehe fast nie Copyright-Vermerke, wie sie bei Bildern Standard sind. Ob Spiegel oder Welt Online, Netzeitung, dass die Rechtefragen stets geklärt wurden, kann man wohl getrost bezweifeln

Da ist zum einen die rechtliche Grauzone zwischen dem Einbinden in ein kommerzielles Angebot (YouTube-FAQ hierzu, YouTube-AGB Abschnitt 6) bzw. was unter Zitatrecht-Embedding fällt.

Ebenso wichtig bleibt aber die dauernde Frage danach, wann denn das Einbinden von Videos journalistisch sinnvoll und wann überflüssig oder vielleicht sogar aus ethischen Gründen abzulehnen ist. Welt Online bietet heute mal wieder ein passendes Diskussionsbeispiel für sämtliche Aspekte: Ein Video von “News of the World”, bei YouTube veröffentlicht (schönes Detail am Rande: mit der “Flip4Mac Trial Version” konvertiert), dass den Formel-1-Chefmanager bei Sexspielchen mit Prostituierten im KZ-Outfit zeigen soll, wird direkt in den Artikel eingebunden. Aufklärung pur. Und in der URL wird der im Text noch vorsichtig formulierte Vorwurf schon mal zur Tatsache.

Und das Kommentarniveau bei Welt Online wird einem auch noch mal vor Augen geführt: Da argwöhnt jemand “irgendeine zionistische Finanzgruppe will Einfluss in der Formel 1 gewinnen. (…) Welcher Religionsgemeinschaft gehören eigentlich die YOUTUBE Eigner an?”

Hurra, ich bin in Geo

Dankeschön. Für die netten Grüße, die G+J geschickt hat. Aus der Geo-Reisecommunity, einem neuen Projekt aus dem Verlagshaus. Das so richtig schön am Nutzer verdient.

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Konferenz zu Onlinejournalismus und Pressefreiheit

Die gemeinnützige InWEnt GmbH, die irgendwie mit dem Bundesentwicklungshilfeministerium verwandt ist und unter anderem Fortbildungen für ausländische Journalisten organisiert, veranstaltet am 13. März eine halbtägige Tagung mit dem Oberthema “Online Journalism: Opportunities and Challenges for Press Freedom” in Berlin. Mitveranstalter ist interessanterweise die FAZ.

An einer Panel-Diskussion nehmen teil: Werner D’Inka, FAZ, Charles Onyango-Obbo, Geschäftsführender Redakteur für Konvergenz and neue Medien der Nation Media Group, Kenia, Alan Robles, Herausgeber des Online-Magazins www.hotmanila.ph, Philippinen,
Sankarshan Thakur, Editor-at-Large beim Telegraph and ehemals geschäftsführender Redakteur des Online-Magazins www.tehelka.com (mehr darüber), Indien, Michael Rediske, Vorstandssprecher von Reporter ohne Grenzen, Deutschland , Bertrand Pecquerie, Direktor des World Editors Forum, Frankreich.

Weitere Informationen der Veranstalter.

Klassentreffen: re:publica’08 Anfang April in Berlin

Unter dem Titel “re:publica’08: Die kritische Masse” findet vom 2. bis 4. April 2008 zum zweiten Mal ein Treffen von Bloggern und anderen Netzbewohnern in Berlin statt. Fiete Stegers bezeichnete die erste re:publica 2007 bei Tagesschau.de als “großes Klassentreffen, Bestandsaufnahme und Ideenschmiede der Szene”.

In der Pressemitteilung zur “re:publica’08″ heißt es: “Das Konferenz-Motto “Die kritische Masse” steht für verschiedene Seiten des gleichen Komplexes: Das Internet und neue Kommunikationsformen werden immer mehr in das Leben der Menschen integriert. Web 2.0-Anwendungen entwickeln sich zu Selbstläufern. Und zum anderen steht auch die Fähigkeit der Masse zur Kritik im Zentrum des dreitägigen Events.”

Die Besucher können laut den Veranstaltern, Spreeblick und newthinking communications,
vermutlich zwischen fast 100 Vorträgen, Diskussionen und Workshops auswählen. Das Programm verspricht einige sehr attraktive Inhalte: Datenschutz im Web 2.0, Zukunft der Social Networks, Qualitätsdebatte Blogs vs. Journalismus?, Miez – Über Sinn und Unsinn von Katzencontent, Porno 2.0, Placeblogging und Stadtwikis, Geld verdienen mit Blogs – reloaded (leider ohne Don Alphonso aber dafür mit Johnny Haeusler, Robert Basic und Sascha Lobo), Was dürfen wir bloggen? Recht im Web 2.0, Abgeordnetenwatch, Plagiarismus 2.0, Was ist öffentlich-rechtlich im digitalen Zeitalter? Die Internet-Strategie der ARD im Realitätscheck.

Mehr unter: www.re-publica.de

Freie Fakten: “Focus” öffnet sein Archiv

Der “Focus” öffnet zu seinem 15-jährigen Bestehen heute sein Archiv; alle seit dem 18. Januar 1993 erschienenen Artikel (mit Ausnahme der jüngsten Ausgaben) gibt es ab sofort unter www.focus.de/archiv. Rund 100.000 Artikel sind damit frei abrufbar. In den kommenden Wochen sollen noch weitere Recherche-Funktionen freigeschaltet werden, sagt Focus Online-Chefredakteur Jochen Wegner. An der “netzgerechten Aufbereitung dieses journalistischen Schatzes” habe man ein halbes Jahr gearbeitet.

Bereits im Dezember öffnete die “Zeit” ihr seit 1946 entstandenes Archiv (wir berichteten). Im Frühjahr möchte auch der “Spiegel” sein Archiv öffnen (wir berichteten).

Zum sorgfältigen Umgang mit Artikeln aus Online-Archiven rät ein Artikel in der Zeitschrift “Message” (Ausgabe 1/2008, S. 80-83, leider nicht online abrufbar): “Informationen aus Online-Archiven müssen nicht zwangsläufig richtig oder vollständig sein”, sagt Autor und Rechtsanwalt Endress Wanckel im Beitrag “Die Tücken des Googelns”. Wanckel mahnt: “Masse ist nicht gleich Qualität. Die Informationsfülle im Netz wird in den nächsten Jahren noch zunehmen. Denn die Rechtsprechung hat einen Kurs eingeschlagen, der Betreiber von Online-Pressearchiven weitgehend von Löschungsansprüchen der Betroffenen freistellt.” Problematisch kann für Journalisten etwa das Einbinden von alten Beiträgen oder Behauptungen daraus in neue Artikel werden.

Nachtrag 19.01.2008
Ole Reißmann hat bei medienlese das Thema offene Archive noch etwas genauer untersucht: “Archive offen: Wissen ist mächtig”.

Kalte Füße: Sueddeutsche.de “friert” Kommentare zeitweise ein

In einem Artikel in eigener Sache, “Diskussion braucht Qualität”, heißt es bei Sueddeutsche.de heute: “Die Nutzung der Kommentar-Funktion auf sueddeutsche.de ist rapide angestiegen. Damit die Qualität der Debatte erhalten bleibt, werden die User-Kommentare künftig stärker moderiert.”

An Wochentagen würden rund 2.000 Kommentare eingeschickt, bisher habe man – neben der “Petz”- und Wertungsmöglichkeit von Seiten der Nutzer – zurückhaltend moderiert, dies genüge nun aber nicht mehr: “Insbesondere nachts und am Wochenende gehen zuweilen Kommentare online, die mit einer sinnvollen Form von Meinungsäußerung nichts mehr zu tun haben.”

Jetzt wird “eingefroren”:

“Deshalb werden wir die Kommentarfunktion ab sofort zwischen 19 Uhr abends und 8 Uhr morgens einfrieren. Das bedeutet, dass in dieser Zeit auf sueddeutsche.de keine Kommentare publiziert werden können. Dieser “Freeze“ gilt auch für die Zeit am Wochenende – zwischen Freitag, 19 Uhr, und Montag, 8 Uhr – sowie für Feiertage.”
Die bisherigen Reaktionen der Nutzer sind überwiegend negativ. Vielleicht sollte die Redaktion über eine bessere Lösung nachdenken.

Die “kalten Füße” bei den Münchnern sind verständlich. Vermutlich hängt diese Entscheidung mit einem vor drei Tagen ergangenen Urteil des Landgerichts Hamburg gegen den Blogger und Journalisten Stefan Niggemeier zusammen. Danach müssen Blogger bei “brisanten” (sic) Themen Kommentare vor der Veröffentlichung kontrollieren.

Niggemeier kommentierte das Urteil unter anderem so:

“Würde sich das Rechtsverständnis des Hamburger Landgerichts, wie es sich in vielen Entscheidungen zeigt, durchsetzen, wäre das das Ende der offenen Diskussion in Foren, Blogs und Online-Medien. Denn das Risiko, ein Forum oder ein Blog zu betreiben, das sich in irgendeiner Form mit heiklen Themen oder dubiosen Geschäftspraktiken befasst, wäre viel zu groß.”

Niggemeier kündigte an, Berufung gegen dieses Urteil einzulegen. Einen ausführlichen Überblick zur so genannten Forenhaftung bietet Spiegel Online.

Nachtrag 09.12.08
Hal Faber sieht heute in seiner Wochenschau “Was war. Was wird” die “kalten Füße” bei Sueddeutsche.de etwas drastischer:

(…) Die ganze Anarchie geht Graff nicht auf den Sack, aber er muss es halt schreiben in diesen schweren Zeiten, wo Kommentare moderiert oder des Nachts und am Wochenende auch mal abgestellt werden müssen. Hinter der Süddeutschen steckt manchmal wirklich kein kluger Kopf, sondern ein zusammenngekniffener Arsch, in dem es gewaltig flatuliert. Idiotae, starrsinnig an ihrer Wahrheit Klebende sind bekanntlich immer die anderen. (…)

Nachtrag 11.12.07, 8 Uhr
Stefan Niggemeier berichtet vom “Leserstreik bei sueddeutsche.de”.

Nachtrag 11.12.07, 15 Uhr
Inzwischen treffen sich verärgerte Sueddeutsche.de-Nutzer in einem eigenen Forum unter www.szenso.de (hämischer Slogan dort: “Öffnungszeiten: 24 Stunden x 7 Tage”) – sie kommentieren dort “SZ”-Artikel und beratschlagen was man sonst noch tun kann. Unterm Strich ist schon mal ein großes PR-Desaster für Sueddeutsche.de entstanden.

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