Archivierte Einträge für Recht

Kalte Füße: Sueddeutsche.de „friert“ Kommentare zeitweise ein

In einem Artikel in eigener Sache, „Diskussion braucht Qualität“, heißt es bei Sueddeutsche.de heute: „Die Nutzung der Kommentar-Funktion auf sueddeutsche.de ist rapide angestiegen. Damit die Qualität der Debatte erhalten bleibt, werden die User-Kommentare künftig stärker moderiert.“

An Wochentagen würden rund 2.000 Kommentare eingeschickt, bisher habe man – neben der „Petz“- und Wertungsmöglichkeit von Seiten der Nutzer – zurückhaltend moderiert, dies genüge nun aber nicht mehr: „Insbesondere nachts und am Wochenende gehen zuweilen Kommentare online, die mit einer sinnvollen Form von Meinungsäußerung nichts mehr zu tun haben.“

Jetzt wird „eingefroren“:

„Deshalb werden wir die Kommentarfunktion ab sofort zwischen 19 Uhr abends und 8 Uhr morgens einfrieren. Das bedeutet, dass in dieser Zeit auf sueddeutsche.de keine Kommentare publiziert werden können. Dieser „Freeze“ gilt auch für die Zeit am Wochenende – zwischen Freitag, 19 Uhr, und Montag, 8 Uhr – sowie für Feiertage.“
Die bisherigen Reaktionen der Nutzer sind überwiegend negativ. Vielleicht sollte die Redaktion über eine bessere Lösung nachdenken.

Die „kalten Füße“ bei den Münchnern sind verständlich. Vermutlich hängt diese Entscheidung mit einem vor drei Tagen ergangenen Urteil des Landgerichts Hamburg gegen den Blogger und Journalisten Stefan Niggemeier zusammen. Danach müssen Blogger bei „brisanten“ (sic) Themen Kommentare vor der Veröffentlichung kontrollieren.

Niggemeier kommentierte das Urteil unter anderem so:

„Würde sich das Rechtsverständnis des Hamburger Landgerichts, wie es sich in vielen Entscheidungen zeigt, durchsetzen, wäre das das Ende der offenen Diskussion in Foren, Blogs und Online-Medien. Denn das Risiko, ein Forum oder ein Blog zu betreiben, das sich in irgendeiner Form mit heiklen Themen oder dubiosen Geschäftspraktiken befasst, wäre viel zu groß.“

Niggemeier kündigte an, Berufung gegen dieses Urteil einzulegen. Einen ausführlichen Überblick zur so genannten Forenhaftung bietet Spiegel Online.

Nachtrag 09.12.08
Hal Faber sieht heute in seiner Wochenschau „Was war. Was wird“ die „kalten Füße“ bei Sueddeutsche.de etwas drastischer:

(…) Die ganze Anarchie geht Graff nicht auf den Sack, aber er muss es halt schreiben in diesen schweren Zeiten, wo Kommentare moderiert oder des Nachts und am Wochenende auch mal abgestellt werden müssen. Hinter der Süddeutschen steckt manchmal wirklich kein kluger Kopf, sondern ein zusammenngekniffener Arsch, in dem es gewaltig flatuliert. Idiotae, starrsinnig an ihrer Wahrheit Klebende sind bekanntlich immer die anderen. (…)

Nachtrag 11.12.07, 8 Uhr
Stefan Niggemeier berichtet vom „Leserstreik bei sueddeutsche.de“.

Nachtrag 11.12.07, 15 Uhr
Inzwischen treffen sich verärgerte Sueddeutsche.de-Nutzer in einem eigenen Forum unter www.szenso.de (hämischer Slogan dort: „Öffnungszeiten: 24 Stunden x 7 Tage“) – sie kommentieren dort „SZ“-Artikel und beratschlagen was man sonst noch tun kann. Unterm Strich ist schon mal ein großes PR-Desaster für Sueddeutsche.de entstanden.

Kostenloses Web 2.0-Dossier: Chancen und Risiken der Mediengesellschaft 2.0

Das Magazin der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM), „tendenz“, beschäftigt sich in seiner aktuellen Ausgabe mit den gesellschaftlichen Auswirkungen des Web 2.0.

Für die Experten wird zwar nichts Neues dabei sein, doch es ist eine gelungene Zusammenfassung bedeutender Aspekte zum Thema Web 2.0. U.a. gibt es folgende Artikel darin: „Zwischen Freiheit und Verantwortung. Chancen und Risiken der Mediengesellschaft 2.0“, sechseitiger Aufsatz von Sueddeutsche.de-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs. Der Informationsethiker Rafael Capurro spricht in einem Interview über „gesellschaftliche, journalistische und politische Auswirkungen des Web 2.0“. Weitere Themen sind u.a.: „Datenschutz in Zeiten von Web 2.0“; „Community-Laws als Ausweg aus dem Web 2.0-Dilemma?“; „Der Nutzer: Konsument, Kontrollinstanz und Koproduzent. Chancen von Web 2.0 für die Medienbranche“; „Unter Freunden. Social Networking aus München: Die Lokalisten“. Auch interessant ist die 28-seitige „tendenz“-Beilage zu den Medientagen München 2007: „Media Yourself – Wie das Internet Medien und Gesellschaft verändert.“

Die Artikel gibt es als abstracts sowie als pdf zum Download auf der Website der BLM, außerdem kann das Heft kostenlos bestellt werden.

Sind Teaser für kostenpflichtige Angebote redaktioneller Inhalt oder Werbung?

Vielleicht weiß es ja jemand aus unserer Community und kann eine rechtlich unverbindliche Meinung äußern: Ein Teaser, beispielsweise auf einer Homepage, führt zu kostenpflichtigen Inhalten. Ist der Teaser dann redaktioneller Inhalt oder Werbung? Oder ist diese Frage letztlich gar nicht wichtig? (Die Frage wurde mich gerichtet, ich habe mir ein paar Gedanken gemacht, komme aber auch zu keinem praktikablen Ergebnis.)

Ich würde einen Teaser nicht als Werbung oder als werblich betrachten, da er ja im besten Fall (so verklausuliert muss man sich ja heutzutage ausdrücken) zu keiner Werbung, werblichen Seite sondern zu redaktionellen Inhalten führt. Freilich kommt es auch darauf an, in welchen Kontext dieser Teaser eingebunden ist, so könnte er auch alleine für sich – beispielsweise als Textanzeige – werblichen Inhaltes sein und trotzdem auf ein redaktionelles Angebot führen (Beispiel im Medienweblog Turi2 wirbt der Pressedienst Echolot derzeit mit seinen Teasertexten für sein kostenloses redaktionelles Angebot). Andererseits: Wie verhält es sich etwa wenn auf einer Seite „freie“ und kostenpflichtige Teasertexte vorgehalten werden? Im Gegensatz zu den „freien“ Teasern, mit denen sich der Anbieter in erster Linie nur Aufmerksamkeit erbittet, möchte er bei den zu kostenpflichtigen Angeboten führenden Teasern zusätzlich Geld verdienen und er wirbt dafür.

Artikel im Archiv verändern?

US-Kollegen (Online Journalism Review, Mindy McAdams, Poynter) diskutieren gerade darüber, ob und unter welchen Umständen eventuell Artikel im Online-Archiv nachträglich geändert oder gelöscht werden dürfen – und wann gerade nicht: Was tun, wenn längst vergangene Geschehnisse das Bild einer Person bei Google dominieren (Bestes Beispiel: Verurteilte mit Recht auf Resozialisierung)? Wie reagieren, wenn jemand kritische Äußerungen über sich unterbinden möchte? Wie „historisch“ sollte ein Archiv sein?

Wir haben uns 2004 ausführlich mit dem Thema beschäftigt: Die Geister der Vergangenheit.

„Hausarrest“ für Blogger: Medien und Berufsverbände schweigen

„Unbequeme Blogger unter Hausarrest zu stellen [wie etwa in China, T.M.], ist in Deutschland gesetzlich nicht möglich. Hierzulande gibt es subtilere Methoden – wer sich kritisch im Internet äußert, muss damit rechnen wirtschaftlich ruiniert werden“, schreibt Horst Müller bei Blogmedien.

Er schildert den Fall von Marc Döhler, dem Betreiber der Website Call-In-TV, der mittlerweile „nach eigenen Angaben finanziell am Ende“ sei. Weiter erwähnt Müller, dass Stefan Niggemeier, „der sich häufig und besonders mit dem Fall in seinem Blog beschäftigt hatte“, nun wegen zwei Kommentaren in seinem Blog letzte Woche eine einstweilige Verfügung des Hamburger Landgerichts erhalten hat.

Diese Fälle sind weitestgehend bekannt. Müller konstatiert jedoch, dass „die deutsche Bloggerszene offenbar fassungs- und sprachlos“ sei. „Kommentarfunktionen wurden am Mittwoch und Donnerstag gleich reihenweise abgeschaltet.“ Er kritisiert das Blogger in Deutschland kaum mit Unterstützung rechnen könnten: „Weder aus der Politik, noch von den Leitmedien (…) Warum sollten sich die so genannte etablierten Medien und deren Berufsververbände auch für unliebsame Konkurrenten ins Zeug legen, die ihnen dazu auch noch regelmäßig selbst auf die Finger schauen, so wie Stefan Niggemeier in seinem Blog?“

Nachtrag:
Vielleicht kann ich ja meinen Verband, den Deutschen Journalisten-Verband (DJV), davon überzeugen, neben Professoren und Polizisten auch einen betroffenen Blogger zu seinem Zukunftskongress im September einzuladen – schließlich lautet das Leitthema dieser Veranstaltung: „Ethik 2.0 – Schöne neue Online-Welt?“ Ich bin selbst ehrenamtlich im Bayerischen Journalisten-Verband, einem Landesverband des DJV, als Sprecher der Online-Journalisten tätig.

Nachtrag 15.08.07
Stefan Niggemeier wurde erneut von Callactive abgemahnt. Er kommentiert dies u.a. so:

„Hätte Callactive mit diesem Vorgehen Erfolg, wäre das meiner Meinung nach das Ende der offenen Diskussion in Foren und Blogs, in den Leserkommentaren von Online-Medien und im Internet überhaupt.“

Verfassungsrichter zum Rundfunkauftrag

Der ehemalige Verfassungsrichter und CDU-Politiker Hans Hugo Klein äußert sich in der FAZ zur Grundversorgung und zum Rundfunkauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender – differenzierter, als es die Überschrift „Ungehemmer Expansionsdrang“ vermuten lässt.

Interviewt wurde er laut Autorenzeile von Reinhard Müller, den die FAZ im Vorspann allerdings mit dem Spiegel-Autor Reinhard Mohr verwechselt (oder umgekehrt?).

WAZ-TV geplant

Während wir weiter auf den Start der WAZ-Plattform WestEins warten, hatten wir uns gefragt, wie diese angesichts der steigenden Relevanz von Video und der starken Regionalberichterstattung des WDR mithalten will. Die Antwort: Die WAZ hat offiziell einen Lizenantrag für einen „richtigen“ Fernsehsender im Ruhrgebiet gestellt, wie sie jetzt selbst verkündete. Dessen Inhalte fänden sich dann mit Sicherheit auch auf Westeins wieder.

Das Pottblog fasst die aktuellen Meldungen zum Thema zusammen. Unsere frühere Berichterstattung zu WAZ/Westeins findet sich hier.

Abteilung Attacke

Als Reaktion auf die angekündigten Online-Neuerungen der ARD gibt es bei Spiegel Online und in der FAZ gepfefferte Gegenreden. Die FAZ schreibt von der „Enteignung der freien Presse“, ein Vertreter des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger spricht ebenfalls in der FAZ von der „gebührenfinanzierten Zeitung“. Aktualisiert 26.06.2007
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Diesmal hat Axel Springer recht

Unglaublich – ich bin mal einer Meinung mit Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner.

Denn die Idee, dass für Videopodcasts und andere von Online-Medien verbreitete Bewegtbildinhalte eine Sendelizenz notwendig sei, ist absurd und anachronistisch. Weiterlesen…

Medienaufsicht für Internet-TV?

Medienaufsicht für Internet-TV?

Die Experimentierphase ist in vollem Gange, die großen Online-Redaktionen haben in Sachen Video aufgerüstet. Klassische Print-Häuser wie Springer sehen hier eine Chance, mit den TV-Sendern gleichzuziehen. Dann sei aber auch eine klassische Sendelizenz notwendig, meinen VPRT und NRWs Medienwächter.

Von Steffen Grimberg
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