Archivierte Einträge für Recht

Keine Narrenfreiheit für Blogger

Weblogs kritisieren mit spitzer Feder – doch es gibt klare rechtliche Grenzen. Ein Blick in die Schweiz. Weiterlesen…

Wie man einen YouTube-Killer baut

In letzer Zeit gab es in Sachen Videohoster wenig zu berichten, “mit Ausnahme eines neuen Videohosters jeden Tag”, schreibt Bertram Gugel. Er analysiert die Stärken und Schwächen der Konkurrenz von Revver bis MyVideo und gibt lesenswerte Tipps, wie gerade die ja bereits in dieses Gebiet eingestiegenen klassischen Medienhäuser eine Killerapplikation bauen könnten.

Könnten. Denn:

Leider glaube ich nicht daran, dass sich die Medienkonzerne jemals auf einen YouTube-Killer einigen können. Und falls doch wird es wohl Monstrum wie Movielink werden, das sich in nichts von YouTube unterscheidet und das obwohl so viele Trümpfe bei den Medienhäusern liegen.

VG Wort und die Internet-Texte

Die Geschichte der VG Wort und des Internets war immer schon eine sehr allmähliche – so dauert es ewig, bis Online-Formulare für die Meldung von Veröffentlichungen in Zeitungen und Zeitschriften zur Verfügung standen. Während dort aber immerhin die Zählung der Texte verhältnismäßig einfach war, gab es für online veröffentlichte Texte bisher gar keine Autoren-Vergütung für Kopien etc.

Jetzt hat die VG Wort ein Verwertungsystem für Online-Texte im Testbetrieb – was aber extrem umständlich über Einzelmeldungen und einen speziellen Zählpixel läuft. Ab 2007 soll das System dann voll eingesetzt werden. Skepsis gegenüber der Massentauglichkeit ist angebracht.

Ausführlicher hat sich Telepolis mit dem Thema beschäftigt.

Suche nach Perlen weiter erlaubt

Das Landgericht hat gestern die Klagen von SZ und FAZ gegen Perlentaucher abgewiesen (Presseschau), die u. a. urheber- und wettbewerbsrechtliche Argumente angebracht hatten. Die Richter sahen die Resümees und Rezensionsnotizen von Perlentaucher aber “eigengestaltet” und mithin keinen Verstoß an (anonymisiertes Abstract des Urteils als PDF).

Spielen mit den Schmuddelkindern

Das Podcasting schlägt zurück. Oder: Kreativität aus dem Netz flirtet mit dem bisherigen Massenmedium. Das heißt: Spreeblick-Gründer und Radioveteran Johnny Haeusler kündigt eine eigene Radiosendung an, die auf der RBB-Welle Fritz in Berlin laufen und sich zwei Stunden lang der Blogosphäre widmen soll. Dabei setzt er auch – aber nicht ausschließlich – auf Musiktitel, die unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht werden. Die Sendung gibt es natürlich auch als Podcast, Rückmeldungen erwünscht, wie schon der Name des ganzen verrät: “Trackback”. Das Blog zur Sendung soll nächste Woche starten, das eigentliche Radioprogramm dann auch sehr bald.

Etwas schneller waren die Kollegen vom Deutschlandradio Berlin – zumindest mit der Ankündigung. Die erste Sendung ihres “Blogspiels” soll am 4. November laufen. Dahinter verbirgt sich laut den Machern eine “Verbindung zwischen Blogosphäre und Hörfunk. Ein interaktives Projekt rund um den Komplex Blogs, Hörspiel, Radio und Community” (Fragen und Antworten zu Blogspiel). Die erste Ausgabe widmet sich passenderweise dem Thema “Radio vs Podcast – Natürliche Feinde oder komplementäre Entsprechung?”.

Abgesehen davon würde es mich nicht überraschen, wenn es in den Radiotiefen da draußen sowieso schon irgendwo eine Sendung gibt, die aufs Mit- oder Nebenherbloggen setzt, ohne dies jetzt auch thematisch komplett in den Mittelpunkt zu stellen.

FAZ und SZ kontra Perlentaucher

Heute geht es vor dem Landgericht Frankfurt zur Sache: Erster mündlicher Termin eines von SZ und FAZ angestrengten Prozesses gegen den Online-Feuilleuton-Überblick Perlentaucher.

FAZ und SZ, die sich gemeinsam durch ein Münchner Anwaltsbüro vertreten lassen, werfen dem Perlentaucher vor, in seinen Rezensionsnotizen zu den Buchkritiken dieser Zeitungen Urheberrechte zu verletzen. Die Klageschrift zielt darauf ab, dass der Perlentaucher eine Weiterverbreitung dieser Notizen an Internetbuchhändler unterlässt. Schadenersatzforderungen werden angedroht.

schreibt Perlentaucher (via Netzpolitik). Statt als Traffic- oder zumindest Interesse-Generator sieht man Perlentaucher hier offenbar als Konkurrenten, der auf Zeitungsinhalten basierende Informationen weiterkauft – was die Verlage möglicherweise lieber selbst machen würden.

Die Anwälte wollten sich vor der […] Verhandlung zu dem Vorgang nicht äußern.

heißt es bei der Welt weiter.

Nachtrag: Die Entscheidung wird für den 23. November erwartet (Welt).

Blogger aller Länder vereinigt Euch (im Blogger-Verband)?

Die Fälle bei denen Bloggern der Spaß am Bloggen gründlich verleidet wurde, häufen sich in letzter Zeit mal wieder (siehe hierzu etwa entsprechende Hinweise bei Medienrauschen). Johnny Haeusler hat bei Spreeblick “eine kleine Hilfestellung” zusammengestellt: “Was darf man als Blogger und was darf man nicht?”. Bei dieser Gelegenheit erscheint es mir angemessen, mal wieder (ich habe jetzt die “Stellen” nicht zur Hand) über die Gründung eines Blogger-Verbands nachzudenken – aber der Gedanke sei jetzt – aus Zeitmangel – einfach mal ganz “unreflektiert” in die Runde geworfen. Machense mal!

Urlaubsfotos und Heise-Foren in die Nationalbibliothek

Alle deutschen Internetseiten speichern? Dauerhaft? Ein Wahnsinnsprojekt – aber Realität und bereits Gesetz, wie die SZ in einem längeren spannenden Artikel berichtet:

Sisyphos bekam von den Göttern eine Strafe auferlegt: Jeden Tag musste er einen Felsbrocken einen steilen Hang hinaufrollen. Bevor er den Gipfel erreichte, rutschte ihm der Stein aus den Händen, und er musste von vorne beginnen. Seine Aufgabe sollte trotz aller Mühen niemals erledigt sein. Das Gesetz zur Deutschen Nationalbibliothek vom 22. Juni 2006 hört sich an, als wäre es direkt der griechischen Mythologie entsprungen.

Dort steht, dass vom 29. Juni an auch Internet-Publikationen gespeichert werden. Jede einzelne deutsche Webseite. Auch Homepages von Privatleuten. Ein ehrgeiziges Projekt, das 2005 von Christina Weiss, zu dieser Zeit noch Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, ins Kabinett eingebracht wurde. Der Vorschlag geht zurück auf die Generalkonferenz der Unesco im Jahr 2001, die eine Resolution zur Bewahrung des digitalen Erbes annahm.

Die Nationalbibliothek hat bereits angekündigt, die Suche in drei Schritten anzugehen. Zuerst sollen alle Publikationen gesammelt werden, die eine Entsprechung im Printbereich haben – Monografien, Dissertationen, Online-Ableger von Zeitungen etwa. Dann folgen webspezifische Veröffentlichungen wie Forenbeiträge und Weblogs. Im dritten Stadium soll dann das gesamte deutsche Netz archiviert werden. Inklusive jener Homepages, die nicht unbedingt für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Die Seite mit privaten Urlaubsfotos etwa, die man nur seinen besten Freunden zeigen will, muss laut Gesetz ebenfalls archiviert werden

Wer sich das ausgedacht hat, muss verrückt sein, urteilt der SZ-Autor. Was ist mit Paid Content? Bleiben aus juristischen Gründen online entfernte Inhalte in der Bibliothek erhalten? Gipfel der Absurdität: Laut Gesetz (PDF) müssen die “Medienwerke” “in einfacher Ausfertigung“ „vollständig, in einwandfreiem, nicht befristet benutzbaren Zustand“ abgeliefert werden.

Mit Fragen der Archivierung von Online-Medien von der Bewahrung des kulturellen Gedächtnisses bis zu Tücken für Online-Redaktionen beschäftigt sich der Artikel “Die Geister der Vergangenheit” – passenderweise auf einer alten, archivierten Version unserer Website.

trueffeljaeger: Tote Magazine leiden länger

Mitte Mai 2006 wurde “Deutschlands erstes PDF-Magazin für Werbung, Medien und Trends”, die “trueffeljaeger” bei Dotcomtod-Nachfolger BooCompany endgültig ins digitale Nirvana geschickt (schönes Bild, übrigens). Wir ahnten es schon ein paar Tage vorher. Aus, vorbei, tot. Nicht ganz, post mortem musste jetzt noch ein Widerruf veröffentlicht werden.

Das nächste Mal wird Schleichwerbung teuer

Die Berliner Justiz hat Bild.de einen kräftigen Nasenstüber verpasst.

Das Kammergericht Berlin erließ in zweiter Instanz eine einstweilige Verfügung (pdf)18, die es Bild.T-Online untersagt, in gleicher Weise in redaktionell gestalteten Beiträgen für einzelne Unternehmen zu werben. Andernfalls muss Bild.T-Online Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro zahlen.

formuliert Bildblog nüchtern.

Bei uns berichtete Stefan Niggemeier vor gut einem Jahr “Über das Glück, Bildblog zu machen”.

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