Archivierte Einträge für Reportage

Mobiler Journalismus: Wenn die Community korrigiert

Als MoJane – die mobile, multi- und crossmediale Reporterin der Rhein-Zeitung – betritt Katrin Steinert neue journalistische Pfade – auch was den Workflow betrifft: Redigieren findet nicht mehr statt, Korrekturen und Tipps kommen in erster Linie aus ihrer Online-Community. Eine Zwischenbilanz nach eineinhalb Jahren. Weiterlesen…

Im Kanu mit Kamera und UMTS rund ums Ruhrgebiet

… das hat WDR.de-Reporter Stefan Domke ab Montag vor: “In fünf Tagesetappen wird er den Nebenfluss des Rheins von Schwerte bis Duisburg befahren. Seine Geoposition und das Bild einer Bordkamera werden live im Internet übertragen.” Warum das Ganze? “Am Anfang stand die Idee, das Gebiet der Kulturhauptstadt im Sommer, zur Urlaubszeit, aus eher ungewöhnlicher Perspektive kennenzulernen und zu präsentieren. Im Mittelpunkt einer solchen Tour, so der Wunsch, sollten dabei weniger die Leuchtturm-Projekte des Ruhr2010-Jahres stehen. Vielmehr wollten wir uns Orten und Landmarken widmen, die das Ruhrgebiet auch abseits von Zollverein&Co zu einem ausgesprochen lohnenswerten Ausflugziel machen.” Bin mal gespannt, wie er während des Paddelns wie versprochen mit dem Publikum kommunizieren will – gibt’s fleißige Paddelhelfer?

Reportage aus einer anderen Medienwelt

Screenshot Audio-Slideshow bei mediummagazin.de

Jan Söfjer hat für das Medium Magazin (07/2010) die “Schwarzwälder Post” in Zell besucht – die kleinste Zeitung Baden-Württembergs. Mitgebracht hat er einen Bericht aus einer Welt vor unserer Zeit: der Herausgeber ist Besitzer der nahezu archaischen Kleinstdruckerei – und zugleich Chef des lokalen Gewerbevereins. Eine einzelne Redakteurin, keine wirtschaftlichen Sorgen …

Söfjers Text gibt es online wohl nicht zu lesen, dafür aber Audio-Slideshow-Version. Ein dankbares Thema für diese Art der Aufbereitung mit einigen großen O-Tönen. Die Text-/Foto-Reportage hat mir in diesem Fall im direkten Vergleich jedoch besser gefallen. Zu einem steckten mehr Infos drin, zu anderen leidet die Slideshow an einem inhaltlich sehr guten, atmosphärischen, aber dadurch leider schwer verständlichen und langem O-Ton als Einstieg. Das mag aber auch persönliche Wahrnehmung sein, weil ich zunächst den Text gelesen haben. Als Kombo auf jeden Fall etwas, was man so im Medienjournalismus selten sieht!

Fußball-WM: Zwei junge deutsche Multimedia-Projekte

Die WM scheint traditionell ein Innovationsmotor für den deutschen Multimediajournalismus zu sein: Ich erinnere mich noch, wie ich vor vier Jahren zur Fußball-WM für jetzt.de ein selbstentwickeltes Multimedia-Format ausprobiert habe (Hat leider nie so richtig funktioniert, für die meisten Leser war es zu ungewohnt). Jetzt haben wieder zwei Gruppen von Journalisten zur WM multimediale Experiment gewagt – nicht nur erzählerisch, sondern auch wirtschaftlich.

2470media

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2470media.com ist ein Zusammenschluss von einigen jungen Hannoveraner Foto-Journalisten. Anna Jockisch, Shooresh Fezoni, Michael Hauri und Daniel Nauck stammen alle aus der neuen Talentschmiede für Audio-Slideshows, der Fachhochschule Hannover mit ihrem speziellen Studiengang Fotojournalismus. Die vier haben sich gut vorbereitet, Experten befragt und sowohl Unterstützung durch den Gründercampus Niedersachsen als auch Kapital bei einer Bank beantragt.

Die GmbH erinnert sofort an die amerikanische Produktionsfirma Mediastorm und mein erster Gedanke, als die vier mich vor über einem Jahr in ihre Pläne einweihten war, wie bei Mediastorm: Und mit was wollen die Geld verdienen? Neben dem reglären Verkauf von ihren Produktionen an Verlage (mit vermutlich bescheidenen Honoraren, die ich ungern durch vier teilen wollen würde), sind Auftragsproduktionen etwa für Imagekampagnen von Konzernen sicher nicht unwahrscheinlich und sicher auch ganz lukrativ. Und dann fällt auf der Seite noch der kleine Kachingle-Button auf, ein Unternehmen und eine Idee, das durchaus die Vorstufe zu einem neuen Bezahlmodell für Journalismus sein könnte.

Bei ihrem WM-Projekt Soccer for Life steht dagegen der Charity-Gedanke im Vordergrund. Die hervorragenden Reportagen aus Afrika von Felix Seuffert (der mir bereits mit seiner Übungsreportage an der FH positiv aufgefallen war) werden mit Partnern wie “11 Freunde” und “taz” und einem Spendenaufruf präsentiert. Finanziert wird das Projekt vom Gründercampus und über Honorare von DFB-TV. Jedenfalls ist es eine Freude, diese mit Leidenschaft gemachten Reportagen aus Film und Fotos anzusehen, etwa über einen taxifahrenden Fußballtrainer, der alles macht, damit seine Kunden glücklich sind und seine Jungen Fußball spielen können.

Das Wintermärchen

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Begeisterung für Fußball und für Multimediajournalismus stand auch bei Christian Frey und Kai Schächtele im Vordergrund. Sie berichten in ihrem vor wenigen Tagen gestarteten Projekt wintermaerchen2010.com täglich aus Südafrika. Beide arbeiten als freie Journalisten und haben bereits einige Audio-Slideshows zusammen produziert. Und auch sie setzen auf freiwillige Unterstützung: Bereits 450 Euro kamen über einen einfachen Paypal-Link zusammen, das ist immerhin mehr, als die großen Verlage für einen Multimedia-Beitrag zahlen. Vielleicht ist es irgendwie ein schönes Gefühl für Rezipienten, einen Privat-Korrespondenten dort unten zu haben.

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Was mir auch hier gefällt: Das Geld interessiert die beiden gar nicht so sehr. Sie wollen in erster Linie dabei sein und schöne Geschichten erzählen. Aktuell zum Beispiel über den Ärger der Afrikaner, die in der Nacht auf Montag an den Ticketbuden umsonst gewartet haben.

Egal was aus den Projekten finanziell wird … journalistisch sind sie für mich jetzt schon eine Inspiration.

Ausgezeichnete Audio-Slideshow

Glückwunsch an unserem Mitstreiter Matthias Eberl: Seine Audioslideshow “Außen ein Puff, innen die Hölle” über eine Münchener Bar (veröffentlicht bei sueddeutsche.de) ist als “beste Webreportage” 2009 vom Reporterforum geehrt worden.

(via Medium Magazin)


Mehr zum Thema Slideshows

Deutscher Reporterpreis prämiert auch Web-Reportagen

Das 2007 gegründete Reporter-Forum schreibt erstmals den Deutschen Reporterpreis – “Ein Preis von Journalisten für Journalisten” – aus. In der Ausschreibung heißt es: “Der Reporterpreis wendet sich an Journalisten in großen Blättern ebenso wie an Reporter in kleineren Zeitungen. Noch ist nicht abzusehen, wie eines Tages im Internet journalistisch erzählt wird – der Reporterpreis möchte sich schon jetzt beteiligen an der Suche nach den Web-Reportern von morgen.” Das ist sehr löblich. Mehr auf der Website des Reporterforums, und obacht: Zeit mitbringen, denn die Website lädt zum Stöbern ein, unter anderem gibt es in der Rubrik “Wie man’s macht” Texte wie “Die Reportage im Netz”.

Ein Videopunk als Abteilungsleiter

Markus Hündgen | Foto: Fiete Stegers
“DerWesten” hat längst nicht alle hochtrabenden Erwartungen erfüllt, die er vor seinem Launch im Oktober 2007 geschürt hatte. Aber zumindest in Sachen Video zeigt sich das WAZ-Portal experimentierfreudig. Das liegt auch an Markus Hündgen. Er ist einer der wenigen Video-Spezialisten bei Regionalzeitungen. Hündgen probiert aus, schreibt darüber und stört sich nicht daran, wenn es mal schief geht. Die Zukunft muss multimedial sein, ist er überzeugt. Weiterlesen…

Henri-Nannen-Preis für Onlinejournalisten offen – zumindest teilweise

Einer der renommiertesten Journalistenpreise in Deutschland ist 2009 erstmal nicht nur für Printjournalisten offen:

Für den Henri Nannen Preis 2009 können journalistische Arbeiten eingereicht werden, die in deutscher Sprache verfasst und im Jahr 2008 in einer deutschsprachigen Zeitung oder Zeitschrift oder auf einer deutschsprachigen Website veröffentlicht wurden

Die Beiträge müssen allerdings als PDF eingereicht werden. Das macht es für multimediale Formate eher schwierig (dass der Preis weiterhin nur für reine Textformate vergeben wird, steht in den Teilnahmebedingungen nicht). Aber die Jury kann ja hoffentlich auf Links klicken.

Die Juroren sind namhafte Printjournalisten, ein Fotograf sowie Elke Heidenreich, bei der Vorauswahl sollen Journalistenschüler helfen. Einsendeschluss für Vorschläge ist der 15. Januar 2009.

Update, 16:55 Uhr:
Der Veranstalter hat auf Nachfrage von onlinejournalismus.de reagiert und seine Teilnahmebedingungen geändert:

Der Henri Nannen Preis ist nach wie vor eine reine Auszeichnung für Texte (journalistische Artikel und Fotoreportagen). Lediglich neu ist, dass diese Arbeiten auch auf deutschsprachigen Internetseiten veröffentlicht worden sein können. Es tut uns leid, wenn das in der Ausschreibung nicht deutlich genug zum Ausdruck gekommen ist. Wir haben diese inzwischen konkretisiert.

Ich glaube jedoch, dass die Abgrenzung zwischen Texten und multimedialen Formaten möglicherweise sehr schwer sein kann. Wie wird zum Beispiel eine als Slideshow aufbereitete Fotoreportage eingestuft?

Moderne Diashows

Reportagen und Porträts lassen sich im Internet dank Audio-Slideshow besonders emotional und persönlich erzählen. Videos und Bildergalerien waren lange die Favoriten in den Onlineredaktionen. Doch langsam etabliert sich die Audio-Slideshow im journalistischen Alltag – auch wenn sie pro Leser nur einen Klick bringt.
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Zeit Online: Video-Reise, Thema Wiedervereinigung

Andrea Senzel und Simon Seeger sind für Zeit Online quer durch Deutschland unterwegs gewesen und haben Menschen gefragt: “Woran denken Sie, wenn Sie an die Wiedervereinigung denken?” Herausgekommen sind Video-Porträts von ganz normalen Menschen, ihren Geschichten und ihren Ansichten.

Das ist gut gelungen. Auch zeigt Zeit Online, dass sich so ein Projekt mit für jeden zugänglichen externen Mitteln bauen lässt und man keine extra Flash-Oberfläche zu designen braucht: Auf einer Google-Map können die Reise nachverfolgt und einzelne Stationen angewählt werden. Die Videos bei Vimeo gelagert – dadurch lassen sie sich auch auf anderen Websites einbinden.



Eines der Videos von Zeit Online

Gewöhnungsbedürftig ist aber der extrem wackelige Handkamera-Stil mit zahllosen Unschärfen, vermutlich durch einen wildgewordenen Autofokus. Ohne die beruhigende Hintergrundmusik wäre das kaum zu ertragen. Aber im Netz zählt ja bekanntlich der Content mehr als die Verpackung.

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