Archivierte Einträge für Social Networks

Omg, wtf, LOL: Der Buzzfeed-Hype

Buzzfeed rockt mit seiner unterhaltungslastigen News-Seite die USA. Anspruchsvoller Journalismus steckt nur selten dahinter, doch die Seite ist so beliebt, dass es auch Pläne für eine deutsche Version gibt.

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50 Prozent Bild, 20 Prozent YouTube, 20 Prozent Digg und 10 Prozent Zeit: Die Social News-Seite Buzzfeed.com ist eine wilde Mischung aus Unterhaltung, Videos, In-Themen und Nachrichten. Der Fokus liegt dabei eindeutig auf Unterhaltung und leichter Konsumierbarkeit. Buzzfeed ist voll von Listen-Artikeln – so genannten Listicles – Ansammlungen von mehr oder weniger steilen Thesen, garniert mit einem (animierten) „Beweisbild“: Von “10 herzerweichenden Dingen, die passiert sind, als US-Olympioniken nach Hause kamen“ über „15 schockierende Wahrheiten, was Katzenverhalten alles bedeuten kann“ (ja, Katzen-Content ist groß auf Buzzfeed!) bis zu „26 Dingen, die Dir passieren, wenn Du kein Gluten mehr isst“. Dazu gibt es eine Menge Quizzes und Videos, auf YouTube zählt Buzzfeed zu den größten Inhalteanbietern – Inhalten, die massiv geguckt werden, zum Teil mehr als 110 Millionen Mal pro Monat.

Drei Viertel des Traffics aus dem social web
Die Buzzfeed-Website selbst erreichte in ihrem bislang erfolgreichsten Monat im November 2013 130 Millionen Unique Visitors. Nicht weil viele Leute Buzzfeed als Startseite im Browser haben, sondern weil Buzzfeed-Content wie hulle über die Social Networks geteilt wird. Drei Viertel des Traffics auf der Seite kommen über Links aus sozialen Netzwerken. Vor allem der Facebook-Algorithmus findet Buzzfeed klasse und verhilft so der Seite zum Erfolg. Social-Media-Sharing-Buttons sind in Hülle und Fülle vorhanden, in Listicles sogar für jedes Bild einzeln. Weil Bilder so prominent sind, ist die Bilder-Seite Pinterest für Buzzfeed genauso wichtig wie Twitter.

Unter jedem Text gibt es dann noch eine Reihe von „Text-Emoticons“ wie „omg“, „wtf“, „LOL“ oder „cute“. Für jede dieser Kategorien gibt es eigene Rankings. Die Community-Mitglieder können auch selbst Artikel schreiben – besonders gelungene werden von der Redaktion auch mal auf die Homepage gehievt. Ein Prinzip, dass Buzzfeed von social news-Seiten wie Digg (deutsches Pendant: yigg) übernommen hat: Dort können die Nutzer selbst abstimmen, welche Artikel sie witzig und interessant finden. Die Buzzfeed-Redaktion holt sich im social web Futter für „eigene“ Artikel.

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Kohle kommt natürlich auch hier über Werbung rein, besonders gut ist Buzzfeed beim Native Advertising – Inhalten, die gar nicht auf den ersten Blick als Anzeige erkennbar sind, sondern im Gewand eines normalen Artikels oder eher Listlcles daherkommen: „17 Probleme, die nur Buchliebhaber verstehen“ sehen genauso aus wie andere Listicles, sind aber vom Buchhändler HarperCollins gesponsort. Diese Native Ads erstellt ein Team innerhalb der Buzzfeed-Redaktion auf Wunsch des Kunden.

“We would love to come to Germany”
Die News stehen zwar in der Hauptnavigation an erster Stelle, haben gegen die ganzen bunten Geschichten aber eher einen schweren Stand. Damit Buzzfeed aber auch von anspruchsvolleren Lesern angenommen wird, hat die Seite Ben Smith von Politico abgeworben und mit dem Aufbau eines Hintergrund- und Investigativ-Ressorts beauftragt, das längere und gehaltvollere Artikel zum Buzzfeed-Universum beisteuert.

In den USA ist Buzzfeed schon lange eine große Nummer und auch in Deutschland steigen Aufmerksamkeit und Klick-Raten. Inzwischen macht Buzzfeed-Gründer Jonah Peretti keinen Hehl mehr daraus, dass er die Seite auch bald nach Deutschland bringen will. Schon jetzt verzeichnet “BuzzFeed” eine Million Nutzer im Monat aus Deutschland, sagt Peretti. “We would love to come to Germany. Wir müssen noch die richtigen Leute finden. Dann werden wir es machen“, sagte Peretti kürzlich in einem Interview mit Gründerszene. Allerdings nicht wie die Huffington Post mit einem Verlagspartner, sondern allein. Das deutsche “Buzzfeed“ soll wohl eine Mischung von englischen Beiträgen, deutschen Übersetzungen und eigenen Inhalten werden. Das könnte eine echte Konkurrenz für bild.de werden.

Dieser Post wurde zuerst auf dem Torial-Blog veröffentlicht.

Die Community-Redakteurin: Annika von Taube (Zeit Online) im Video-Porträt

Wenn ich mich auf Zeit Online informiere, lande ich oft – noch bevor ich überhaupt Artikel lese – im Kommentarbereich darunter. Warum? Weil mir häufig schon die ersten drei bis vier bestbewerteten Nutzer-Reaktionen Aufschluss über die Relevanz des Themas oder dessen Aufbereitung geben. Das klappt zwar nicht immer, aber dennoch verblüffend oft.

Auf vielen anderen Nachrichtenangeboten würde diese Vorgehensweise nicht funktionieren, weil die Nutzer dort in den Kommentarbereichen oft ihrem eigenen Schicksal überlassen werden und nicht selten die verbale Brechstange herausholen.

Seit Juni 2013 leitet Annika von Taube die Community-Redaktion bei Zeit Online. Für die siebte Folge des Journalisten-Berufsporträt-Formats ABZV Videoreporter habe ich mit ihr ein ausführliches Interview geführt und sie und ihr Team einen Tang lang bei der Arbeit beobachtet.

“Wir sind berühmt und berüchtigt dafür, sehr stark in die Debatten einzugreifen”, sagt Taube und spricht auf die zahlreichen Kommentare an, die ihr Team im täglichen Geschäft kürzt oder sogar komplett entfernt. “Der Zensurvorwurf hängt ständig über unserer Arbeit”, sagt die Community-Chefin und stellt klar: “Wir zensieren nicht, sondern wir lenken Debatten.”

Das Video steht unter der Creative Commons Lizenz (BY-NC-ND 3.0 DE), das heißt Teilen, Verbreiten und Einbetten in andere Kontexte ist erwünscht, solange dies zu nicht-kommerziellen Zwecken geschieht.

Weitere Links zum Thema:
… bei onlinejournalismus.de

… im übrigen Internet

“Fox News Deck” soll Social-Media-Nachrichtenfluss navigieren

Moderator Shepard Smith vor riesigen Touchscreens

Vorne der Nachrichtenmoderator, hinter ihm entweder eine riesige Videowand oder ein halbes Dutzend Journalisten an riesigen Touchscreens, die an Zeichentische erinnern: Es sieht komplett albern aus, was Fox News da als neues Studio präsentiert.

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Demo-Zahlen: Die dezentrale Nicht-Live-Meldung

Demonstranten am 27.07.2013 in Hamburg

Wie viel Demonstranten sind es? (Foto: Holger Röttgers)

“Bundesweite” – also in verschiedenen Städten am gleichen Tag veranstaltete – Protestaktionen, wie sie heute und schon mehrfach zu Themen rund um staatliche Überwachung stattfanden, haben zwei unbestrittene Vorteile: Menschen können sich leichter an den Protesten beteiligen, ohne erst an einen zentralen und (für Nicht-Berliner wahrscheinlich tendenziell weit entfernten) Kundgebungsort anreisen müssen. Sie können Anwohner und Passanten an verschiedenen Orten erreichen.

Die Chancen, über die mediale Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zu bekommen, ist für die meisten Anliegen allerdings erheblich geringer als bei einer zentralen Demonstration. Hier 50 Demonstranten, dort 200 und in einer der größeren Städte vielleicht eine vierstellige Zahl – das kommt der Mechanismen und der Logistik der (Online-)Berichterstattung der größeren Medien alles andere als entgegen. Weiterlesen…

Der Social Media-Redakteur: Lars Wienand im Video-Porträt

“Wenn da nur die fiesen Fragen zur Trennung von Beruf & Freizeit nicht gewesen wären…”, twitterte Lars Wienand am 18. April direkt nach unseren Dreharbeiten für die fünfte Folge des Journalisten-Berufsporträt-Formats ABZV Videoreporter. Als so fies habe ich meine Fragen eigentlich gar nicht empfunden. Die Antworten des Rhein-Zeitung-Redakteurs waren aber umso ehrlicher und differenzierter.

Lars Wienand ist der wohl erste Social Media-Redakteur einer Regionalzeitung in Deutschland, was – wenn man es sich aus leichter Distanz anschaut – unspektakulär, vielleicht sogar ein bisschen langweilig aussieht: Ein Mann, der den größten Teil seines Arbeitstages vor zwei großen Monitoren sitzt, auf denen unaufhörlich ein Strom von Tweets und anderen Informationshäppchen vorbeifließt.

Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass hinter seinem Job im besten Fall spannender Journalismus steckt, von dem seine Kollegen jeden Tag profitieren können – wenn sie denn wollen…

Das Video steht unter der Creative Commons Lizenz (BY-NC-ND 3.0 DE), das heißt Teilen, Verbreiten und Einbetten in andere Kontexte ist erwünscht, solange dies zu nicht-kommerziellen Zwecken geschieht.

Weitere Links zum Thema:

Online-Frühling: Generationswechsel oder digitale Spaltung in den Redaktionen?

Diskussinosrunde auf der Republica 2013

Moderator mit Jochen Wegner, Katharina Borchert und Stefan Plöchinger (links)

Wie sieht es aus mit der Experimentierfreude bei Formaten und Finanzierungsmodellen? Darüber diskutierten auf der re:publica 2013 drei Vordenker des deutschen Onlinejournalismus, die in vielen einer Meinung waren. Allerdings nicht ganz bei der Frage, ob mit einer neuen Journalisten-Generation (den richtigen Digital Natives) alte Wände zwischen Print- und Online-Redaktionen von selbst wegfallen – oder ob die digitale Spaltung zwischen Papierfesthaltern und digital Denken (unabhängig vom Alter der Journalisten) noch eine Weile bestehen bleibt. Eine Dokumentation der Diskussion.

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Aufschrei über das Aus für den Google Reader

#Aufschrei: Sexismus-Debatte bei Twitter

Es ist eine der größten (und hoffentlich die folgenreichste) politischen Twitter-Wellen in Deutschland: Seit gestern Abend werden unter dem Hashtag #Aufschrei Twitter-Nachrichten gekennzeichnt, in denen Nutzerinnen alltägliche sexistische Belästigungen bis hin zur sexualler Gewalt öffentlich machten. Vorgeschlagen hatte die Aktion die Nutzerin Martha Dear. Eine ähnliche Aktion gibt es bereits in den USA unter dem Hashtag #ShoutingBack. Weitere Informationen in diesem lesenswerten Blog-Artikel “Normal ist das nicht”.

Inzwischen wird unter #Aufschrei neue natürlich auch bereits die Meta-Debatte über Sinn und Wirkung der Aktion geführt, Kritiker versuchen zu relativieren und die unvermeidlichen Spammer tauchen auf. Ich habe versucht, einige aufschlussreiche Tweets in einem Storify-Überblick zusammen. Eine annähernd vollständige Live-Sammlung hat Marco Maas initiert.

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Die Google-Minus-App

Screenshot Google Plus App (iOS)

Wo kann ich hier teilen?

Als Journalist, der Soziale Netzwerke sowohl als Informationskanäle und als zur Betreuung von Markenauftritten dort benutzt, ärgere ich mich seit langem über ein paar Macken der (iOS-)Apps für Google Plus und Facebook. Häufiger checke ich von unterwegs am Smartphone, was sich getan hat und würde gerne die eine oder andere Information aus meinem Newsstream weiterverteilen.

In der iPhone-App von Google Plus ärgert mich schon die Darstellung. Der App-Newsstream stellt hier (relativ) große Bilder in den Vordergrund. Diese laden mobil häufig erst verzögert nach – das erste Ärgernis. Der Nachrichten-Text, also dass, was mir der Absender mitteilen will, wird nach wenigen Worten abgeschnitten. Zum Überfliegen des Newsstreams ist beides denkbar schlecht. Der von Google als Vorschau präsentierte (< title >)Text des eigentlichen Links, der in der Browserdarstellung am Rechner sehr prominent ist, wird in der App nur sehr klein angezeigt.

Dadurch, dass die Darstellung so erheblich von der Browserdarstellung am Rechner abweicht, ist es auch für mich als Absender einer Google-Plus-Nachricht (= Betreiber einer Marken-Seite) schwerer, diese optimal für beide Plattformen zu verfassen. Eine überflüssige Unterscheidung, wie ich finde.

Aktivierter Sharing-Button in der Google-Plus-App

Erst "plussen", dann darf man teilen

Bitte erst ein Plus

Das Weiterverteilen macht mir Google auch schwer: Sharen kann ich erst, wenn ich den Beitrag mit einem “+1″ gewürdigt habe. Gerade als Seitenbetreiber will ich das aber vielleicht gar nicht. Außerdem ist der dafür notwendige “+Zähler” unten rechts ins Bild eingesetzt und bei bestimmten Hintergründen teilweise ziemlich schlecht zu sehen.

Mobile App von Facebook (Screenshot)

Platzhirsch FB: ganz ohne Teilen-Funktion

Doof auch: Ich habe keine Möglichkeit, wenn ich etwas im Stream meines Personen-Profil sehe, dass unter der Identität der Seite zu teilen. Stattdessen muss ich mich ziemlich kompliziert aus der gesamten App ausloggen, wenn ich zwischen Identitäten hin und her wechsele (oder diese Funktion ist sehr gut versteckt). Unbequem finde ich auch, dass ich offenbar von der keine Möglichkeit habe, einzelne Google-Plus-Seiten (nicht einmal meine eigenen) schnell anzusteuern, sondern diese jedes Mal über die Suche finden muss.

Was bei Facebook besser, was schlechter ist

Konkurrent Facebook bietet in seiner App immerhin eine Übersicht über gelikte und eigene Seiten als Bookmarks.

Über die Größe der Fotodarstellung im Newsstream ärgere ich mich aber auch hier jedesmal außerhalb von WLAN-Zonen (wenn sind auch gefühlt etwas weniger opulent sind als bei Google). Eine Funktion für das Weiterverteilen (Hallo? Soziale Netzwerke? Viralität und so …) fehlt hier bisher ganz, so dass es schon eigene Drittentwicklungen gab. Inzwischen hat Facebook aber wohl erkannt, dass das nicht so klug war und gelobte Besserung.

tl;dr:
Es wird immer über Facebooks fehlende Mobilstrategie gemeckert. Die Google-App ist aus Journalistensicht aber auch ziemlich beknackt.

(Wenn ich etwas übersehen habe, gerne in den Kommentaren korrigieren. Zu den meiner Erfahrung nach elend langsamen Ladezeiten von externen Webseiten innerhalb beider Apps schweige ich mal lieber.)

Update:
Marco Bereth macht darauf aufmerksam, dass in der iPad-Variante der Facebook-App bei bestimmten Sternenkonstellationen der Teilen-Button bereits gesichtet wird.

Neue SZ-Optik: Frische Schönheit, alte Macken

Screenshot Rebrush sueddeutsche.de [M]

Ist es denn nun ein Relaunch, ein Redesign oder nur ein Rebrush bei süddeutsche.de? Chefredakteur Stefan Plöchinger kündigt die Umstellung auf die neue Optik zunächst über Twitter bloß mit einem “Huch, @SZ! http://sz.de sieht plötzlich anders aus!” an.

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