Archivierte Einträge für TV

Preisverdächtige Webreportagen

Am 5. Dezember verleiht das Reporter-Forum wieder den Deutschen Reporterpreis. Nominiert ist in der Kategorie Webreportage u. a. eine grandiose halbstündige Dokumentation über Fußball-Fans in Argentinien, gedreht von Studenten mit Spiegelreflexkamera.

Los Cerveceros de Quilmes – Die Bierbrauer aus Quilmes von FirleFranz.

Besonders webspezifisch ist sie allerdings nicht, sieht man mal vom Einsatz von Standbildern wie in Audio-Slideshows ab. Sie hätte auch in einem – guten – Fernsehprogramm laufen könne. Das ist für die Nominierten symptomatisch.

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Internetfernsehen für Digital Immigrants

Screenshot Spiegel.TV
“Neu fernsehen” – so sieht sich der Neustart Spiegel.TV selbst. Auf den ersten Blick wird das Versprechen nicht eingelöst: Die Website sieht es aus wie eine Mischung aus Zattoo und den bekannten Mediatheken größerer Fernsehsender. Vielleicht denkt Spiegel.TV aber auch schon weiter …
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Erdbeben in Japan: Umschalten auf Live-Ticker

Eine Momentaufnahme: Gut zwei Stunden nach den ersten Eilmeldungen zum schweren Erbeben mit Tsunami in Japan haben etliche große Online-Medien für ihre Berichterstattung auf Liveticker umgestellt. So zum Beispiel Spiegel Online, sueddeutsche.de, FAZ.Net und Bild.de, Focus Online, inzwischen auch ZDF (heute.de) und ARD (tagesschau.de).

Die BBC bot zunächst ihren “nackten” Video-Livestream zum Erdbeben in Japan an. Mittlerweile hat sie ihr bewährtes Tool angeschmissen, das parallel Video-Livestream, einen Kasten mit „Key Facts“ und einen Ticker anbietet, in dem auch User-Reaktionen berücksichtigt werden (wegen der vorherigen Ägypten-Berichterstattung steht in der URL noch “middle-east”). Damit ist sie technisch den deutschen Medien wieder meilenweit voraus.

tagesschau.de überträgt den Livestream des japanischen Senders NHK English. Al Jazeera English bietet bisher hauptsächlich eine Textmeldung – die Fernsehliveberichterstattung wurde aber auf Twitter von mehreren Nutzern hoch gelobt.

Bei N24 findet sich online außer dem Livestream wenig. Auf N-TV.de setzt man vor allem auf große Bilder.

Update, 11:45 Uhr
Zeit Online hat die wichtigsten Internet-Quellen zum Erdbeben zusammengestellt.

Update, 16:41
Ein paar weitere Beobachtungen und Skurrilitäten: Alle Reaktionen haben schnell reagiert (die einen mehr, die anderen weniger) – was sicher auch am Zeitpunkt der Katastrophe lag. Nach den Großereignissen der vergangenen Wochen ist man in den Redaktionen die Berichterstattungen sicher auch mit größerer Routine angegangen. ARD und ZDF kam gleich zupass, dass man Korrespondenten aus Japan in die Morgensendungen schalten und online verwerteten konnte. Animationen und Hintergrundtexte zur Erdbeben hatten viele Redaktionen zu früheren Katastrophen erstellt und bereits auf Lager (z. B. BBC, ZDF).

CNN wies online prominent auf seine UGC-Subsite iReport hin. Dort waren auch bereits heute morgen mehrere Videos zu Erdbeben und Tsunami zu finden – skurrilerweise zunächst vor allem abgefilmte TV-Geräte, die die Berichterstattung der Fernsehsender zeigten. Wesentlich besser scheint es seitdem nicht geworden zu sein.

Bild.de bettete in seinen Bericht ein YouTube-Video unklaren Ursprungs ein, dass die Ausbreitung des Tsunamis mit abgefilten Seiten von Tsunami-Internet-Seiten illustrierte. Inzwischen ist es statt 300 Mal am Morgen mehr als 26.000 Mal abgerufen worden.

Spiegel Online hat seinen Ticker um eine Liste von Tweets zum Thema erweitert. Geplegt wird sie manuell: “Mit Mühe, händisch, Twittersuche, lesen, einordnen, entscheiden.”

Update 14.03.2011 hier

Weitere Links

Was Videojournalisten verdienen und warum

Videojournalisten sind per definitionem a) billiger als ein klassisches Kamerateam und b) Einzelkämpfer.

Während “videographer” in den USA und Großbritannien oder hierzulande Kollegen wie Mario Sixtus,“Videopunk” Markus Hündgen oder unser very own Roman Mischel experimentieren, wie sich Technik und Gestaltungsmöglichkeiten des Videojournalismus weiterentwickeln lassen und sich auch öffentlich-rechtliche Sender angesichts des Spardrucks und des Engagements jüngerer Mitarbeiter verstärkt für Videojournalisten öffnen, machen es ihnen die Strukturen und Vergütungsmodelle der Sender schwer.

In einem Artikel für den Journalist 10/2010 (leider – noch – nicht online) wird das sehr schön aufgeschlüsselt: Sender versuchen, VJs fest an sich zu binden, schreiben ihnen die Benutzung hauseigener Kameras vor (bzw. zahlen den Videojournalisten nichts für den Einsatz eigenen Equipments) oder haben festgelegte Muster, wann VJs selber drehen, wann selber schneiden können und wann Kameraleute oder Cutter des Senders eingesetzt werden (müssen).

Diese Beispiele sollen die Leistungen fest angestellter Kameraleute und Cutter keineswegs abwerten. Sie sollen aber verdeutlichen, in welcher Situation sich gut ausgebildete freie VJs befinden, die aufgrund ungelenker Strukturen ihre Möglichkeiten oft nicht ausschöpfen können,

schreibt der Autor Matthias Zuber, selbst Videojournalist. Die Schuld läge aber nicht bei den Sendern (und ihren zum Schutz der eigenen Arbeitnehmer eingeführten internen Strukturen). “Sie liegt bei den VJs selbst, die es bis jetzt nicht geschafft haben, ihr Tätigkeitsfeld, verbindliche Qualitätsstandards und angemessene Margen für die Entlohnung zu definieren”, meint Zuber. Der “Journalist” liefert auch endlich einmal – eine Tabelle mit Vergleichszahlen für die Entlohnung von VJs (leider nur für öffentlich-rechtliche Sender).

Update, 19.10.2010:
Die Tabelle gibt’s beim Journalist nun auch online.

Fernsehduell der Kanzlerkandidaten ohne Live-Stream

Das von ARD, RTL, Sat 1 und ZDF am 13. September gemeinsam übertragene Fernsehduell der Kanzlerkandidaten bleibt eine reine TV-Veranstaltung. taz und Frankfurter Rundschau hatten schon darauf hingewiesen, vornehmlich mit Hinweis auf den wegen verweigerter Hörfunkrechte verärgerten Deutschlandfunk. Noch absurder ist es allerdings, dass es es – nach jetzigem Stand der Dinge – von keinem der beteilligten Sender eine Übertragung per Videolivestream ins Netz geben wird.

(mehr bei Dnews)

Update, 27.08.2009
(via Turi)

    Abschied vom Videotext

    Okay, diese Überschrift sollte nur Leser ziehen. Aber:

    “Die Nutzung des Teletexts hat nach Ansicht von Medienforschern ihren Zenit überschritten” – das ist sogar dpa eine Meldung wert. Sie bezieht sich auf eine Studie von Stefan Geese in der ARD-Fachzeitschrift “Media Perspektiven” (PDF). Seit 2007 zeichne sich ein Rückgang der Teletextnutzung ab, der vor allem auf die Verbreitung von digitalem Fernsehen und EPGs zurückzuführen sei.
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    Blamabel: Spiegel-TV über Twitter und die SPD

    Dieses Video könnte ein Beispiel für inneren Meinungspluralismus beim Spiegel sein – für gute crossmediale Vernetzung und Qualitätsjournalismus ist der Beitrag keins. Möglicherweise könnte er noch für verunglückte Satire-Versuche in (politischen?) TV-Magazinen stehen. Wovon ist die Rede? Spiegel TV zieht sich in dem Beitrag an einem angeblich twitternden Müntefering hoch.
    Hier beweist jemand zugleich Internet- und Visualisierungskompetenz (Screenshot)
    Inkriminiertes Spiegel-TV-Video: Hier beweist jemand zugleich Internet- und Visualisierungskompetenz.

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    Zehn mal Osama pro Tag

    Die Ärzin Farrah Jarral und der Filmemacher Masood Kahn aus Großbritannien hatten 50 Tage Zeit, um fünfhundert Osamas zu finden. Das Ziel ihrer Reise durch die islamische Welt: Weg vom Klischee – das menschliche Gesicht des Islams präsentieren. Projektitel: “Osama loves” – jeder Osama sollte auf ein Poster schreiben, was er liebt. Mittlerweile sind die beiden wieder zurück in London, aber auf der Channel-4-Website können sich weitere Osamas melden (via NewTeeVee).

    Wo ist das Publikum hin?

    Im Netz natürlich, mit weiter wachsendem Anteil jedenfalls. Allensbach hat den Wandel im Mediennutzungsverhalten untersucht, FAZ-”Netzökonom” Holger Schmidt fasst zusammen. Er weist noch einmal auf “The State of News Media 2008″ hin, wo geschlussfolgert wird:

    Mehr und mehr kommt zum Vorschein, dass das größte Problem für die traditionellen Medien nichts damit zu tun hat, wo sich die Menschen ihre Nachrichten herholen. Die immer bedrohlicher werdende Realität ist, dass die Werbung nicht so schnell ins Internet wandert wie die Konsumenten. Die Krise des Journalismus ist nicht der Verlust des Publikums. Es ist das Ende der Verbindung zwischen Nachrichten und Werbung

    Passend dazu auch ein aus unserem del.icio.us-Angebot gefischter Artikel der österreichischen Presse, der von einem “blutigen Sommer” in der US-Zeitungslandschaft angesichts wegbrechender Erlöse spricht und die Antwort in Investitionen in Online sieht.

    Gefunden bei Stefan Niggemeier, der angesichts der Allensbach-Daten zur Zeitungsnutzung bei jungen Menschen fragt:

    Ob die Menschen, die gerne behaupten, dass noch nie ein Medium ein anderes ersetzt habe, diese Zahlen kennen?

    In der Tat: Auch wenn es sicher einen Wandel bei der Art und Bedeutung der Nutzung von Medien gibt: Ich frage mich immer, warum Verlagsverantwortliche davon ausgehen, dass jemand, der nie selbst eine Zeitung gekauft hat oder es sogar nicht einmal in seinem Elternhaus mitbekommen hat, mit 30 auf einmal eine Regionalzeitung abonnieren soll? Oder was Programmverantwortliche so optimistisch macht, das jemand, der oder die heute mit DVDs, RTL und Pro7 aufwächst, in 20 Jahren auf einmal die dritten Programme der ARD für sich entdeckt?

    In diesem Sommer habe selbst ich als passionierter Zeitungsleser erstmals darauf verzichtet, mir für Wucherpreise eine Auslandsausgabe für den Strand zu kaufen. Für den Liegestuhl das Taschenbuch, für Infos das Netz.

    Online-Video und Tageszeitungen, BDZV-Linkliste

    Ich hätte nicht gedacht, dass inzwischen 396 Ausgaben deutscher Tages- und Wochenzeitungen ihre Websites mit Video-Berichterstattung anreichern. Das geht aus einer Linkliste hervor, die der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) zusammengestellt hat.

    Zwar setzen die meisten Redaktionen immer noch auf die kostenlosen ZoomIn-Videos bzw. greifen auf Material von TV-Sendern oder Agenturen zurück. Doch auch die Zahl der Redaktionen mit Eigenproduktionen ist erstaunlich hoch.

    Die Linkliste bietet einen guten Überblick für alle, die mal schauen wollen, was in Sachen Online-Video in Deutschland gerade so passiert.

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