Archivierte Einträge für TV

Blamabel: Spiegel-TV über Twitter und die SPD

Dieses Video könnte ein Beispiel für inneren Meinungspluralismus beim Spiegel sein – für gute crossmediale Vernetzung und Qualitätsjournalismus ist der Beitrag keins. Möglicherweise könnte er noch für verunglückte Satire-Versuche in (politischen?) TV-Magazinen stehen. Wovon ist die Rede? Spiegel TV zieht sich in dem Beitrag an einem angeblich twitternden Müntefering hoch.
Hier beweist jemand zugleich Internet- und Visualisierungskompetenz (Screenshot)
Inkriminiertes Spiegel-TV-Video: Hier beweist jemand zugleich Internet- und Visualisierungskompetenz.

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Zehn mal Osama pro Tag

Die Ärzin Farrah Jarral und der Filmemacher Masood Kahn aus Großbritannien hatten 50 Tage Zeit, um fünfhundert Osamas zu finden. Das Ziel ihrer Reise durch die islamische Welt: Weg vom Klischee – das menschliche Gesicht des Islams präsentieren. Projektitel: “Osama loves” – jeder Osama sollte auf ein Poster schreiben, was er liebt. Mittlerweile sind die beiden wieder zurück in London, aber auf der Channel-4-Website können sich weitere Osamas melden (via NewTeeVee).

Wo ist das Publikum hin?

Im Netz natürlich, mit weiter wachsendem Anteil jedenfalls. Allensbach hat den Wandel im Mediennutzungsverhalten untersucht, FAZ-”Netzökonom” Holger Schmidt fasst zusammen. Er weist noch einmal auf “The State of News Media 2008″ hin, wo geschlussfolgert wird:

Mehr und mehr kommt zum Vorschein, dass das größte Problem für die traditionellen Medien nichts damit zu tun hat, wo sich die Menschen ihre Nachrichten herholen. Die immer bedrohlicher werdende Realität ist, dass die Werbung nicht so schnell ins Internet wandert wie die Konsumenten. Die Krise des Journalismus ist nicht der Verlust des Publikums. Es ist das Ende der Verbindung zwischen Nachrichten und Werbung

Passend dazu auch ein aus unserem del.icio.us-Angebot gefischter Artikel der österreichischen Presse, der von einem “blutigen Sommer” in der US-Zeitungslandschaft angesichts wegbrechender Erlöse spricht und die Antwort in Investitionen in Online sieht.

Gefunden bei Stefan Niggemeier, der angesichts der Allensbach-Daten zur Zeitungsnutzung bei jungen Menschen fragt:

Ob die Menschen, die gerne behaupten, dass noch nie ein Medium ein anderes ersetzt habe, diese Zahlen kennen?

In der Tat: Auch wenn es sicher einen Wandel bei der Art und Bedeutung der Nutzung von Medien gibt: Ich frage mich immer, warum Verlagsverantwortliche davon ausgehen, dass jemand, der nie selbst eine Zeitung gekauft hat oder es sogar nicht einmal in seinem Elternhaus mitbekommen hat, mit 30 auf einmal eine Regionalzeitung abonnieren soll? Oder was Programmverantwortliche so optimistisch macht, das jemand, der oder die heute mit DVDs, RTL und Pro7 aufwächst, in 20 Jahren auf einmal die dritten Programme der ARD für sich entdeckt?

In diesem Sommer habe selbst ich als passionierter Zeitungsleser erstmals darauf verzichtet, mir für Wucherpreise eine Auslandsausgabe für den Strand zu kaufen. Für den Liegestuhl das Taschenbuch, für Infos das Netz.

Online-Video und Tageszeitungen, BDZV-Linkliste

Ich hätte nicht gedacht, dass inzwischen 396 Ausgaben deutscher Tages- und Wochenzeitungen ihre Websites mit Video-Berichterstattung anreichern. Das geht aus einer Linkliste hervor, die der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) zusammengestellt hat.

Zwar setzen die meisten Redaktionen immer noch auf die kostenlosen ZoomIn-Videos bzw. greifen auf Material von TV-Sendern oder Agenturen zurück. Doch auch die Zahl der Redaktionen mit Eigenproduktionen ist erstaunlich hoch.

Die Linkliste bietet einen guten Überblick für alle, die mal schauen wollen, was in Sachen Online-Video in Deutschland gerade so passiert.

Wie war das noch mit werbefreien WDR-Videos auf Der Westen?

Die Video-Kooperation zwischen dem WDR und Der Westen (wir berichteten) ist jetzt offiziell gestartet. Die ersten drei Videos (1,2,3) sind online, hier die Mitteilung dazu.

“Auch müsste sich das Zeitungshaus verpflichten, die Seiten, auf denen WDR-Beiträge zu finden sind, werbefrei zu halten”, heißt es noch in dieser WDR-Meldung vom 10.03.2008.

Zwar sind die Videos selbst frei von Post- oder Pre-Roll-Werbung, aber im direkten Umfeld sind oben und am rechten Rand großflächige Anzeigen platziert.

Wurden da zwischenzeitlich neue Nutzungsbedingungen ausgehandelt?

Update 20.06.08
Spiegel Online hat das Thema nun auch aufgegriffen: “Scharfe Kritik an Werbung neben WDR-Videos auf WAZ-Webseiten”.

Oliver Pocher: EM-Beiträge in der ARD und bei Bild.de

In den vergangen Wochen haben öffentlich-rechtliche Rundfunksender und private Verlage einander mit harten Bandagen bekämpft. Dabei sind sie an anderer Stelle manchmal personell eng miteinander verbunden. Das NDR-Magazin Zapp hat süffisant einige Verbandelungen zwischen Promis, Sendern und Verlagen kritisiert. Etwa, dass Oliver Pochers EM-Kaspereien mit einem Mikro ohne ARD-Logo teilweise nicht nur im Ersten, sondern auch bei Bild.de zu sehen sind (Zapp-Beitrag als Video)

ARD-Mediathek startet mit Testversion

ARD-Mediathek (Screenshot) | [M]: ojour.de

Still und leise – nicht mal eine Pressemeldung wurde herausgegeben – startete die ARD an diesem Wochenende ihre Mediathek, zu finden unter: www.ardmediathek.de. Die Seite ist mit einer roten Banderole versehen: Testversion. So lässt etwa die Übersichtlichkeit noch zu wünschen übrig. +++ Update 19.05.08 +++
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Verleger-/TV-Kooperationen, neueste Folge

BR kooperiert nicht mit “Focus”. Dafür aber das ZDF mit der “Zeit”: Die Kooperationen von Öffentlich-Rechtlichen mit der Presse bleiben schwierig

(taz, via Websehen)

Webfernseher von Adobe

Still und leise hat Adobe den Adobe Media Player gestartet – mit Inhalten von US-Fernsehsendern, auch hier zu empfangen. Frank Patalong schwärmt bei Spiegel Online.

Der Westen und der WDR – Welche Folgen hat die neue Video-Partnerschaft?

Das ist sie also, die erste Audio- und Video-Kooperation zwischen einem öffentlichen-rechtlichen und einem privaten Medienunternehmen. DerWesten.de wird künftig fertige Beiträge, die bereits im WDR-Programm gelaufen sind, lizenzieren und auf seiner Seite “ausstrahlen”. Das teilten beide Partner heute mit (1, 2).

Für die Nutzung wird eine Lizenzgebühr fällig, über deren Höhe beide Vetragsparteien Stillschweigen vereinbart haben. WDR-Material soll aber teurer sein als das der privaten Anbieter.

Als ich vor einigen Monaten zum ersten Mal von diesen Kooperationsplänen hörte, dachte ich: Ach, das läuft eh auf was ganz anderes hinaus. Die Öffentlichen-Rechtlichen werden ihre Videobeiträge früher oder später für jedermann freigeben, also – ähnlich wie YouTube – mit einem Embed-Code versehen, so dass Interessierte sie einfach in ihr Blog oder ihre Website einbinden können. Das ganze natürlich geknüpft an strenge Auflagen, zum Beispiel Werbefreiheit, nicht-kommerzielle Nutzung etc. Prinzipiell wäre das nur konsequent gewesen, denn die Gebührenzahler haben die Beiträge schließlich bezahlt.

Jetzt ist es ganz anders gekommen, und das wirft ein paar Fragen auf.

Darf der WDR überhaupt auf diese Weise kommerziell tätig werden? Den Privaten schwillt verständlicherweise der Kamm, juristische Schritte sind bereits angedroht.

Was macht der WDR mit den Erlösen? Beteiligt er die Autoren der weiterverkauften Beiträge?

Nach welchen Kriterien wählt der WDR seine künftigen Kooperationspartner aus? Schließlich dürften ja auch andere Online-Plattformen neben dem Westen Interesse haben. Hat der WDR das Recht, einem bestimmten Verlag abzusagen? Oder gilt gleiches Recht für alle?

Die verkauften Beiträge müssen übrigens verständlicherweise werbefrei bleiben. Doch was heißt das im Detail? Post-Roll- oder Pre-Roll-Werbung bzw. anderweitige Einblendungen im Video werden ganz sicher verboten sein. Aber ein Werbebanner über der Seite eines Artikels, in der irgendwo im Inline-Player ein WDR-Video integriert ist? Da bleibt viel Spielraum für Interpretation.

Könnte ja sein, dass das Kooperations-Modell erfolgreich ist und alle rechtlichen Hürden nimmt. Dann wird es ganz sicher von anderen öffentlich-rechtlichen Anbietern kopiert (das ZDF steht laut WDR kurz vor dem Abschluss eines Vertrages mit dem Süddeutschen Verlag, der Bayerische Rundfunk verhandelt angeblich mit Focus Online).

Nur was wiederum bedeutet das für die vielerorts erst kürzlich gestarteten und teils sehr ambitionierten Video-Aktivitäten der einzelnen Online-Redaktionen? Werden Formate eingestampft? Werden die neuen Online-VJs schlagartig überflüssig? Kommt die große Gleichförmigkeit? Werden dann überall dieselben Videos abgespielt? Oder schafft so eine Kooperation mehr Freiraum für die Umsetzung eigener interessanter Themen?

Und noch ein Punkt: In Fachblogs wird bereits seit längerem diskutiert, dass Online-Video eine ganz andere Bildsprache als TV hat: Schneller, näher dran, authentischer. Gerade durch die Experimentierfreude der Online-Videoproduzenten entsteht eine andere, oft viel ansprechendere und mutigere Ästhetik als die des durchformatierten Fernsehens. Wäre doch schade, wenn das künftig verloren ginge.

(Hinweis: Ich arbeite unter anderem selbst gelegentlich für die Video-Redaktion von DerWesten.de.)

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