Alle Beiträge der Kategorie 'Weblogs'

Gegen BP - für Gauck

Von Fiete Stegers am 7. Juni 2010

Ein leicht knollennasiger älterer Herr aus dem Osten ist zum Liebling von Leuten geworden, die sich ansonsten eher für Mate oder Ipads interessieren - stark vereinfacht gesagt. Aber von vorn:

In der letzten Woche geisterten einige Links durchs Web, die sich mit der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko beschäftigten. Nicht nur mein Favorit: “If it was my home” projiziert die Größe der Verseuchung dank Google Maps auf eine beliebige Erdregion. Warum ist auf so etwas keine Online-Redaktion gekommen?

Weitere interessante Links, die eher in Richtung Aktivismus als Journalismus gehen und sich gegen den Verursacher der Ölpest wenden, hat Netzpolitik gesammelt: “Remix BP“.

Positiv versuchen hingegen in den letzten Tagen Unterstützer der Bundespräsidenten-Kandidatur von Joachim Gauck, die nicht in den Redaktionen von “Spiegel” oder “Bild am Sonntag” sitzen, ihrem Kandidaten Rückenwind im deutschprachigen Netz zu verschaffen. Nicht nur in den Online-Umfragen großer Sites - egal ob Bild.de oder heute.de - dominiert Gauck klar vor Wulff: Websites wie “Wir für Gauck” oder “Mein Präsident” zeigen, was mit minimalem oder ein wenig mehr Aufwand in Windeseile mit frei zugänglichen Social-Media-Tools zusammengebastelt werden kann. Das Pottblog bietet eine “Gauck-Ecke” zum Einbau in die eigene Website an. Die Webevangelisten sammeln Pro-Gauck-Tweets und bauen daraus ein Mosaik von mehr als 2.500 Unterstützern. Und die etablierten Medien thematisieren die Pro-Gauck-Welle auch schon - zuerst anscheinend Der Westen (ausgerechnet!), spätestens morgen dann sicher auch Spiegel Online.

Schließlich bringt es unter den diversen Pro-Gauck-Bekundungen auf Facebook eine Gruppe bereits auf mehr als 10.000 Mitglieder. Interimspräsident Jens Böhrnsen kann hingegen auf Facebook - soweit ich das sehe - nur auf etwas über 300 Freunde zählen. Immerhin sind das schon deutlich mehr als seine 24 Kumpane am Montag letzter Woche.
Jens Böhrnsen bei Facebook, Screenshot vom 31.05.2010

Update, 08.06.2010

q.e.d. - ein SpOn-Artikel

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… im Internet:

  • Das Altpapier fragt “What about the Gauck-Euphorie? Spannend an der Horst-Köhler-Nachfolge-Frage bleibt aus medialer Sicht, ob und wie es den Medien gelingt, die Gegenkandidat-Trunkenheit vom Wochenende (Altpapier von gestern) hochzuhalten.”

“Woran das Online-Portal der WAZ Mediengruppe scheiterte”

Von Fiete Stegers am 7. Juni 2010

… wird ein Artikel auf dem Titel des aktuellen “Journalist” angekündigt. Im Heft (und online) heißt es dann ein wenig differenzierter: “DerWesten - oder: Woran regionaler Journalismus im Netz krankt”.

Die Autorin Svenja Siegert beschäftigt sich intensiv mit den Erwartungen und der Realität von DerWesten.de. Sie macht vor allem das Problem einer künstlichen “Web-Dachmarke” gegenüber den traditionellen Einzelmarken der Print-Titel und - trotz des jüngsten Relaunchs - die Mängel in der regionalen Ausrichtung der Website (auch bedingt durch die mangelnde Zusammenarbeit Print-Online) für Probleme des Westens verantwortlich. Interessant ist die Diskussion über die Rolle der überregionalen Inhalte - DerWesten-CvD Kathrin Scheib verteidigt sie, die es dann eben doch gibt. Denn sie ziehen - obwohl sie nicht nur Spiegel Online besser macht als DerWesten. Sollte die regionale Plattform konsequent darauf verzichten? Svenja Siegert meint: Ja, Scheib ist anderer Meinung. Auch darüber, ob es ein Gewinn oder ein Armutszeugnis ist, wenn 80 Prozent der Online-Nutzer keine Zeitung der WAZ-Gruppe lesen, gehen die Meinungen auseinander.

Dritter Streitpunkt: die Rolle von lokalen/regionalen Blogs. Pottblog und Ruhrbarone bekommen zumindest in der den Artikel begleitenden Grafik ganz schön Gewicht zu bekommen. Die Rolle des großen WDR wird hingegen gar nicht beleuchtet - dafür aber kurz auf die Relikte der historischen Sonderposition von rp-online eingegangen. Also auf alle Fälle lesenswert.


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Mehr über DerWesten bei onlinejournalismus.de

Für Hans J. Schiebener hat der Artikel seinen Finger nicht dahingelegt, wo es weh tut.

[Ich habe für WDR.de gearbeitet.]

“Shitstorm” im Qualitätsblog: Die Ruhrbarone und der Fall Tauss

Von Fiete Stegers am 29. Mai 2010

“Ruhrbarone” heißt ein Gruppen-Blog von nordhrein-westfälischen Journalisten um David Schraven und Stefan Laurin. In der Vergangenheit konnte das Blog mit gut recherchierten und kritischen Beiträgen punkten - und das nicht erst im Vorfeld der Landtagswahl in NRW, die das Blog auch verstärkt in den Fokus von Kollegen und Medienseiten brachte (z. B. taz, SZ). Nun hat allerdings einer der Autoren mit einem äußerst boulevardesk formulierten Meinungsbeitrag zur Verurteilung des ehemaligen Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss wegen des Besitzes von Kinderpornographie massive Kritik der Blog-Leser hervorgerufen.

Carsten Drees analysiert in seinem Blog Artikel und Reaktionen und zeigt dabei, wie man trotz möglicher Befangenheit (”ich schätze Jörg persönlich”) sachlich argumentieren kann.

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BBC: Transparenz beim Relaunch

Von Fiete Stegers am 18. März 2010


Bei der BBC gibt es derzeit - vermutlich unabhängig von den aktuellen Plänen zu Umorganisation und Einsparungen auch im Online-Bereich - Vorbereitungen für einen umfassenden Relaunch. Dieser wird schon seit längerem durch Blog-Einträge begleitet, die einen Blick in die Werkstatt auf bereits präsentable Änderungen erlauben. So wurde kürzlich die neue Basis-Gestaltungssprache vorgestellt und erläutert. Nun widmet sich ein Eintrag der Umgestaltung der Startseite des Gesamtangebots, die in einer Beta-Version bereits online zu sehen ist.

DSLR News Shooter

Von Fiete Stegers am 13. Januar 2010

Um Nachrichten-Kameraleute, die mit (hochgerüsteten) Spiegelreflex drehen, geht es im Blog “DSLR News Shooter” von Dan Chung.

“So aufregend die schöne neue DSLR-Welt auch ist: Sie bleibt zunächst weiterhin der fiktionalen und der dokumentatorischen Schiene vorbehalten. Halt allem, was nicht bei Drei schon auf dem Sendemast sitzen muss”, kommentiert Markus Hündgen angesichts der Produktionsdauer eines dort Beispiels aus dem Blog.

(via Claus Hesseling/Regina McCombs).

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Heikle Twitter-Debatte um die “Rhein-Zeitung”

Von Thomas Mrazek am 27. Oktober 2009

rz-twitter

Bei der Koblenzer “Rhein-Zeitung” scheint der Haussegen schief zu hängen. Scheint, denn die Quelle, die einige Ungereimheiten bei der Regionalzeitung anprangert, bedient sich eines anonymen Twitteraccounts.

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“Wie Journalismus heute funktioniert. 17 Behauptungen.”

Von Fiete Stegers am 7. September 2009


Internet | Foto: Fiete Stegers
Auch ohne oder trotz Sachkenntnis kannt man ja heutzutage Erklärungen in die Welt posaunen oder fromme Wünsche formulieren oder forsche Forderungen aufstellen. Wir haben versucht, Sachkenntnis einfließen zu lassen. Auch wenn wir uns an manchen Stellen nicht einigen konnten und andererorts auf abwägendes Einerseits-Andererseits zugunsten der Thesenhaftigkeit der große Linie mit dem griffigen Kürzel Internet-Manifest verzichtet wurde.

1. Das Internet ist anders.
Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln - das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.

Formuliert und unterzeichnet haben diese und 16 weitere Behauptungen zum Journalismus im Internet-Zeitalter Johnny Haeusler, Thomas Knüwer, Stefan Niggemeier, Mario Sixtus u. a.

Update:
Da der Internet-Manifest-Server auch ohne Link von Heise oder SpOn schon ächzt, gibt es gesamte Manifest jetzt auch hier.


Update, 08.09.2009:
Internet-Manifest, ein Beitrag zur Diskussion

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Linkrubrik “6 vor 9″ künftig bei Bildblog

Von Fiete Stegers am 21. August 2009

Die tägliche Linksammlung “6 vor 9″ von Ronnie Grob kommt künftig bei Bildblog unter, wie es dort heißt. Sie war vorher Teil des eingestellten Blogs Medienlese.

Außerdem integriert Bildblog den Blog-Memetracker Rivva, der - trotz aller Mängel von Blog-Ranglisten - einen brauchbaren Überblick über die aktuellen Themen deutscher Blogs verschafft.

CDU-Wahlplakat-Remix: Löschung notwendig?

Von Fiete Stegers am 12. August 2009

Mehr als 170 Einsendungen innerhalb eines Tages gab es auf den Aufruf von Netzpolitik.org, aktuelle CDU-Wahlplakatmotive zu remixen, spricht: kreativ umzugestalten. Gleich am nächsten Tag schaffte es die Aktion sogar ins ZDF-Morgenmagazin. Markus Beckedahl und seine Mitstreiter stellten einmal mehr unter Beweis, dass sie kampagnenfähig sind und das, was einem Zentralorgan für die politischen Bereiche der Blogosphäre am nächsten kommt.

Auch die Nutzer-Kommentare bei Netzpolitik bewegen sich im dreistelligen Bereich - besonders, seit die Fotografin der Plakatmotive nach Angaben von Netzpolitik.org in der Satire eine unerlaubte Nutzung sieht. Die diskutierten urheberrechtlichen Fragen spielen in diesem Fall meiner Einschätzung nach überhaupt keine Rolle, die gesamte Aktion müsste als politische Satire von der Meinungs- und Kunstfreiheit gedeckt sein. Wäre es anders, wäre das schlimm. So sieht das auch der Medienrechtler Markus Kompa.

Dennoch hat Markus Beckedahl angesichts eines drohenden Rechtsstreits zumindest einige Bilder vorerst depubliziert. Im Netz verbreiten sie sich allerdings ohnehin schon über diverse Seiten. Auch einen Generator zum Erzeugen von Bildern ganz ohne Photoshop-Kenntnisse gibt es.

Ich vermute, dass die Fotografin schließlich von ihrer Forderung abrücken wird.

Update, 18:45
Laut taz verzichtet die Fotografin auf eine juristische Auseinandersetzung

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Heddesheimblog: Seinen Job lieben und die Leser ernst nehmen

Von Thomas Mrazek am 23. Juli 2009

screenshot_heddesheimblog

Der Journalist Hardy Prothmann betreibt seit April das Heddesheimblog. Hardy Prothmann ist überzeugt, dass diese Form des Regionaljournalismus eine Zukunft hat. Wir haben mit ihm gesprochen.

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