Archivierte Einträge für Weblogs

Christoph Schultheis verlässt das Bildblog

In eigener Sache meldet heute Clarissa alias Christoph Schultheis, dass er das Bildblog “mit unbekanntem Ziel” verlässt. Über die Gründe äußert er sich nicht. Schultheis gründete 2004 zusammen mit Stefan Niggemeier das Bildblog.

Niggemeier schrieb bei uns vor knapp vier Jahren den Beitrag “Vom Glück, BILDblog zu machen” [obacht, der Artikel erschien noch in unserem alten Layout], schade, dass Schultheis dieses Gefühl in Zukunft nicht mehr teilen wird.

Eine, wie ich finde, fruchtbare Diskussion über die Zukunft des Bildblogs hatten wir hier 2006 unter der Überschrift: “Peter Turi meint: Bildblog zu 90 Prozent Schrott”. Besonders zu empfehlen ist natürlich eines der ersten Interviews zum Bildblog mit Christoph Schultheis, dass Fabian Mohr im Juli 2004 für Onlinejournalismus.de führte.

Live-Blog von der Konferenz Digital News Affair

Logo der Konferenz Digital News AffairsAm 4. und 5. März findet in Brüssel die Konferenz Digital News Affairs statt – unter anderem mit Vordenker Jeff Jarvis, Video-Evangelist Michael Rosenblum und Katharina Borchert (Der Westen): An beiden Tagen gibt es bei onlinejournalismus.de dazu Berichterstattung im Live-Blog. Das Blog ist in englischer Sprache, denn es wird von vier Bloggern der niederländischen Website De Nieuwe Reporter bestritten und außerdem bei den Medien-Sites Journalism.co.uk (Großbritannien) und Mediakritiek.be (Belgien) abgebildet.

Im Rahmen der Konferenz wird auch der Concentra Award for Outstanding Videojournalism verliehen: Nominiert sind neben Videojournalisten-Beiträgen der Fernsehanstalten ZDF, Al Jazeera und VPRO auch ein Video der Zeitung Toronto Star und gleich zwei von Travis Fox (Washington Post).

Update: Hier ist das Live-Blog.

Exklusives “Internet-Tagebuch des Familienmörders”

abendblatt_tagebuch
Vier Menschen sind tot. Wer sucht, stößt im Internet schnell auf Seiten, auf denen sie über sich und ihr Leben berichten, private Fotos zu sehen sind. Wie gehen Medien damit um? Das Beispiel “Hamburger Abendblatt”.
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Unterstützt Jens Weinreich!

Jens Weinreich ist freier Sportjournalist, Gründer des Sportnetzwerkes und bekannterweise kein Vertreter eines Jubeljournalimus. Er liegt seit Monaten in einem Konflikt mit dem Deutschen Fussball-Bund (DFB), der beispielhaft für den Umgang grosser Organisationen mit Journalisten ist.

Da der Konflikt mit dem DFB seine finanziellen Mittel zu übersteigen droht, bittet Jens Weinreich nun um Spenden. Über die Hintergruende informiert er in seinem Weblog: Zwanziger/DFB ./. Weinreich: Spenden und Mitleidsbekundungen (22. Februar 2009)

Kontoname: Spenden DFB ./. Weinreich
Kontonummer: 1005801897
Deutsche Kreditbank AG (BLZ 12030000)
BIC/SWIFT BYLADEM1001
IBAN DE71120300001005801897

Diesen Text entnahm ich dem sehr empfehlenswerten Newsletter des Netzwerk Recherche.

Update 02.03.2009
“Am Donnerstag, 5. März, kommt es vor dem Landgericht Frankfurt am Main zur nächsten Verhandlung über den Widerspruch des DFB gegen eine von Weinreich erwirkte Gegendarstellung zur diffamierenden und mit Unwahrheiten gespickten Pressemitteilung des DFB vom 14. November 2008″, meldete heute der Newsletter des Sportnetzwerks.

Bahn will Unterlassungserklärung von Blog nach Veröffentlichung von internem Memo [Update]

Markus Beckedahl, Betreiber von netzpolitik.org, einem herausragenden Blog rund um die Themen Internet, Open Source, Politik, Datenschutz etc, hat Ärger mit der Deutschen Bahn wegen einer Veröffentlichung: netzpolitik.org hatte ein internes Memo des Berliner Datenschutzbeauftragten über eine Unterredung mit der deutschen Bahn über deren datenschutzrechtlich fraglich erscheinende Überprüfung von Mitarbeitern im Volltext publiziert. Nun verlange die Bahn die Entfernung von der Website und eine entsprechende Unterlassungserklärung wegen “Verrats von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen”, schreibt netzpolitik.org.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie hier das öffentliche Interesse an einer Veröffentlichung und das der Bahn an der Geheimhaltung gegeneinander gewichtet werden müssen, bin aber auch kein Jurist. Auf jeden Fall hätte ich wenigstens die Namen der Teilnehmer des Treffens geschwärzt.

Update, 04.02.2009
Das Büro des Berliner Datenschutzbeauftragten möchte die Veröffentlichung durch netzpolitik.org nicht kommentieren. Eine Sprecherin verwies aber gegenüber onlinejournalismus.de darauf, dass der Vermerk schon vorher in Medienkreisen kursierte und daher öffentlich geworden sei (darauf wies ja auch der ursprüngliche Beitrag bei netzpolitik hin). Das juristische Vorgehen der Bahn zu kommentieren stehe dem Datenschutzbeauftragten ebenfalls nicht an, sagte die Sprecherin.

Update, 06.02.2009
Kurz nach dem Markus Beckedahl die Antwort seines Anwaltes an die Deutsche Bahn online stellte, konnte er melden: “Deutsche Bahn AG gibt auf!”. Ralf Bendrath macht sich ebenfalls bei Netzpolitik Gedanken über das Zusammenspiel Affäre/Dokumentveröffentlichung/PR-Desaster, “da “gerade die halbe deutsche Blogosphäre sich siegestrunken gegenseitig auf die Schultern klopft, sich ihrer kollektiven Stärke als unabhängige Kontrollinstanz versichert und die Demokratie als gerettet erklärt”, und fragt: “Was lernen wir daraus?”

Weitere Links

Grimme Online Award 2009

In der Hoffnung, dass einige “Gute” diese PR-Mitteilung aufnehmen, leite ich das mal weiter:

“Der Wettbewerb zum nächsten Grimme Online Award startet am 1. Februar 2009. In der Zeit vom 1. Februar bis zum 31. März 2009 können dann wieder Website-Anbieter und User ihre Favoriten online vorschlagen.”

Möge sich der doch arg ramponierte Wettbewerb in diesem Jahr besser präsentieren. Alles weitere unter: www.grimme-online-award.de.

Berliner Theatertreffen fördert sechs bloggende Kulturjournalisten

Der ZDF-Theaterkanal berichtet auf seiner Website:

“Das Theatertreffen fördert in diesem Jahr sechs Nachwuchs-Kulturjournalisten bis 35 Jahre sowie einen Fotografen, die vom 1. bis 17. Mai 2009 erste Online-Erfahrung sammeln oder bereits bestehende Kenntnisse ausbauen wollen. (…) Dabei werden sie redaktionell von erfahrenen Mentoren der Berliner Zeitung begleitet. Die Teilnahme der ausgewählten Journalisten wird durch ein Arbeitsstipendium in angemessener Höhe, die Unterbringung in Berlin, die Übernahme der Reisekosten und einen Festivalpass unterstützt.”

Einsendeschluß für Bewerbung ist der 15. Februar 2009; alle weiteren Informationen finden sich auf der Website des ZDF-Theaterkanals. Eine lobenswerte Initiative!

Jens Weinreich Sport- und Onlinejournalist des Jahres

Nachdem er vor wenigen Tagen vom “Medium Magazin” zum Sportjournalisten des Jahres ernannt wurde, gab es gestern beim Goldenen Prometheus des Medienmagazins “VISDP” eine weitere Auszeichnung für Jens Weinreich: Onlinejournalist des Jahres.

Selbstverständlich kannmuss man Journalisten- und Medienpreise kritisch betrachten. “Mit ihren Bewertungskriterien sollen sie handwerkliche Standards festlegen und damit zur Professionalisierung beitragen”, schrieb ich 2002 – ach, was für ein edles Ansinnen, könnte ich in der Rückschau über mich selbst höhnen.

Aber bei Jens Weinreich kann ich guten Gewissens sagen, dass die Juroren mit seiner Wahl allein diesem hehrem Anspruch gerecht werden. Denn sie weisen damit auf die Arbeit eines Journalisten hin, der unter anderem mit beharrlicher und unbequemer Recherche aber auch mit dem vielfältigen und umfangreichen Publizieren auf seinem Weblog nolens volens so etwas wie Vorbildcharakter erlangt hat. Wir gratulieren Jens Weinreich!

Nachtrag 06.02.09

Eine “Inflation der Journalistenpreise” moniert der Evangelische Pressedienst und schlägt zugleich einige neue, eher nicht ernst zu nehmende Journalistenpreise vor.

Blogs, Politik und Journalismus in Deutschland

Brauchen Blogger den Mainstream? In der vorherigen Ausgabe der Medienzeitschrift Message wurde eine kommunikationswissenschaftliche Studie der Uni Leipzig veröffentlicht (Text als PDF). Sie hatte deutsche Blogs auf politische Inhalte untersucht (zum einen populäre Weblogs ausführlich, zum anderen mittels Analyse von Suchmaschinen-Ergebnissen, Untersuchung im Sommer 2008 – also für wissenschaftliche Verhältnisse geradezu brandneu). Zentrale Thesen waren: Viele Blog-Inhalten bauten auf den traditioneller Medien auf, wären mithin ohne diese nicht möglich. Politik sei ein Randthema in Blogs.

In der aktuellen Message-Ausgabe reagieren darauf Johnny Haeusler (Spreeblick), Stefan Niggemeier (Medienjournalist & -blogger), Lukas Heinser (Blog Coffee & TV) und Johannes Boie (bei Bloggern wenig beliebter SZ-Autor). Auch ich wurde Ende Dezember um meine Meinung gebeten. Hier ist sie.
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Problematisch? Bloggende Politiker auf journalistischen Websites

Am 27.18. Januar wird in Hessen gewählt. Der Hessische Rundfunk meldet heute, dass am 5. Januar sein “umfangreiches hr-online-Wahlangebot” unter wahl.hr-online.de starten wird. Als Besonderheit wird unter anderem erwähnt, dass Politiker ein Wahlkampf-Blog bei HR Online führen.

Und so wird es angepriesen:

“Den Wahlkampf aus Sicht derer erleben, die ihn führen: neue Perspektiven ermöglicht jetzt ein Blog, mit dem hr-online vom 5. Januar an die heiße Phase des hessischen Wahlkampfs begleitet. Fünf Politiker der im Landtag vertretenen Parteien führen gemeinsam und abwechselnd Tagebuch im Netz, über Persönliches und Politisches, über Termindruck und Standdienste, über Ärger mit Plakaten und die Freude am Diskutieren. Sie schreiben als Beteiligte und als Betroffene. Begleitet von den Kommentaren der Blog-Leser reflektieren sie die Ausnahmesituation eines kurzen, gedrängten Wahlkampfs kurz nach dem Jahreswechsel.”

Solche Wahlkampf- oder Politiker-Blogs sind freilich nichts Neues. Bei Focus Online beispielsweise bloggen seit über drei Jahren Oswald Metzger, der mittlerweile für die CDU, oder die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin. Diese Politiker-Blogs sind mittlerweile nur noch im Hinterzimmer angesiedelt (über die Navigation habe ich sie nicht gefunden), als wäre diese Polit-PR mehr oder weniger peinlich.

Das neue Blog-Angebot des Hessischen Rundfunks halte ich ebenso für unangebracht: Es kann nicht Aufgabe einer journalistischen, zumal einer öffentlich-rechtlichen Seite sein, auf diese Art und Weise den politischen Diskurs in Gang zu bringen. Eine Frage die sich in diesem Superwahljahr öfters stellen wird. Klar will man nur so gut wie möglich informieren und zur Meinungsbildung beitragen, aber dass man sich dermaßen in die Nähe der handelnden Akteure begibt und ihnen so einen prominenten Raum zur Eigen-PR einräumt, kann doch wirklich nicht Sinn der Sache sein.

Nachtrag
Ein ähnliches Projekt bietet PHOENIX mit dem “MDB 2.0 das Bundestags-Tagebuch”:

“Es liegt nahe, dass PHOENIX sich auch an neuen Formen der Berichterstattung über das Parlament und der medialen Kommunikationsvermittlung zwischen Bürger und Abgeordneten beteiligt.”

Nachtrag 14.01.09
Via dem sehr lesenswerten Augsblog habe ich eben von folgendem Irrsinn bei HR Online erfahren:

Hinweis zur Forennutzung
Der Hessische Rundfunk steht als öffentlich-rechtlicher Sender in der besonderen Verantwortung, in Wahlkämpfen absolute Neutralität zu wahren. Das gilt auch für vom hr betriebene Plattformen mit nutzergenerierten Inhalten. Wir bitten Sie daher um Verständnis für die Entscheidung, bis zur Landtagswahl am 18.1.2009 keine politischen Meinungsäußerungen in den Foren der hr-community zuzulassen.”

Schade, so etwa trübt natürlich den insgesamt guten Eindruck von der Sonderseite des HR Online zum Wahlkampf, nein, es führt das Ganze leider ad absurdum. Schade. Mathias Schindler hat in seinem Weblog nicht nur den Beitrag “Öffentlich-Rechtliche Informationsselbstkastration in Hessen” geschrieben, sondern auch gleich beim Hessischen Rundfunk nachgefragt, die – wie ich finde fadenscheinige – Antwort findet sich hier.

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