In seiner umstrittenen Rede zum DJV-Verbandstag sagte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) unter anderem:
“Der Online-Journalismus hat seinen festen Platz im deutschen Medienangebot. Ohne Medienethik ist er nicht denkbar. Die glaubwürdige journalistische Arbeit muss geschützt werden, damit die, die wirklich qualitative journalistische Arbeit leisten, geschützt werden. Wir müssen in den nächsten Monaten eine quantitative Entrümpelung vornehmen, müssen qualitativ ausdünnen und festlegen, was unseren journalistischen Ansprüchen genügt.”
Hm, wenn ich mir heute beispielsweise anschaue, wie “Kress – Der Mediendienst” unter der Überschrift “Studis zum Anfassen” einen StudiVZ-Kalender (mit Bildchen) anpreist:
“Das studiVZ erorbert (sic) die reale Welt mit einem “Eleganz-Kalender”. Hierfür ließen sich je 12 Studentinnen und Studenten von dem Fotografen Max Seam halbnackt ablichten. Heraus kam ein Wendekalender – je nach Vorliebe räkeln sich entweder leicht bekleidete Mädels oder Jungs in einem “eleganten Ambiente”. (…) Das gute Stück gibt’s ab 1. Dezember 19,90 Euro auf www.studivz-eleganz.net. Interessenten (sprich: Freunde und Bekannte der Models) müssen dann ganz schnell sein, die Auflage ist nämlich limitiert!”
Tja, und an anderer Stelle, in der Blogbar, arbeitet sich Don Alphonso auf andere Weise an StudiVZ ab, und hat dazu wohl nicht – mehr oder weniger lustvoll – im StudiVZ-Kalender (“Ihr persönliches Exemplar!” steht da bestimmt dabei) geblättert und als Dank dafür einen Anzeigentext geschrieben, er schreibt nämlich über: “Da lacht der Landser: StudiVZ und der Umgang mit Rechtsradikalen”.
So kommt halt jeder seinem Auftrag, seinen Interessen und natürlich den Interessen seiner Zielgruppen nach. Und die Richtlinien des Deutschen Presserats, beispielsweise Richtlinie 7.2 Schleichwerbung, gelten ja noch nicht für Online-Medien. Aber vielleicht gibt es ja in den nächsten Monaten tatsächlich eine “quantitative Entrümpelung”. Meinen journalistischen Ansprüchen (oha!) entspricht die Kress.de-Trallala-Berichterstattung schon seit längerem nicht mehr.
Nachtrag 30.11.07
Herrje, wie hätte man denn als Mediendienst ansatzweise anders über das Thema berichten können? So wie Olaf Kolbrück im Horizont-Blog Off the Record etwa, der im StudiVZ-Kalender ein Geschmacksverbrechen sieht und auch die braune Problemzone nicht zu erwähnen vergisst.