Archivierte Einträge für Weblogs

re:publica 2008

Der dreitägige Kongress re:publica im April 2007 war so etwas wie ein entspanntes Klassentreffen der Blogszene und ihres Umfelds. Vieles, was diskutiert wurde, war nicht neu – der Aufruf “Kreative gegen die Vorratsdatenspeicherung” entfaltete allerdings (zu einem Zeitpunkt, als deren Einführung politisch schon ziemlich gelaufen schien) von da an deutliche Wirkung.

2008 soll es eine Neuauflage der re:publica geben. Untertitel (“Kritische Masse”) und Termin (2. bis 4. April in Berlin) stehen fest, teilten die Organisatoren jetzt mit:

“Wenn wir heute von «Kritischer Masse» reden, ist nicht mehr der nuklearphysische Begriff gemeint”, sagt Johnny Haeusler von spreeblick.com. “Es ist stattdessen die Teilnehmerzahl in einem Netzwerk, ab der die Nutzerzahl exponenziell zu wachsen beginnt, es also zu einem Selbstläufer wird.” Mit derartigen Kettenreaktionen und den Auswirkungen sozialer Netzwerke auf das tägliche Leben, auf Wirtschaft und Politik werden sich drei Tage lang Besucher der re:publica’08 beschäftigen.

Der Westen – erste Stimmen

[aktualisiert, Dienstag, 8.00 Uhr]

Quer durch den Gemüsegarten einige Blog-Reaktionen auf den Launch von Der Westen.

“Alles wird besser, nur wird es gut genug? Ich werde das Portal ganz sicher nutzen, keine Frage. Wo sonst fände ich lokale Kompetenz im Netz. (…) Um mein neuer Netzmittelpunkt zu werden, müsste aber noch eine Menge geschehen. Um etwa primär dort zu bloggen, würde ich mir ein viel stärker individualisierbares System wünschen.”

blog.50hz.de

“Erster Eindruck, ziemlich bieder, also viel Raum sich über Qualitätsjournalismus zu beweisen.”

Hugo E. Martin

“Das ist jetzt bei regionalen Tageszeitungen endlich einmal nicht mehr Online als Randaktivität in den Händen von Beauftragten. Herausforderungen bleiben aber auch für die nächsten, die sich am Thema versuchen: beispielsweise beim Veranstaltungskalender, der sich — wie so häufig — eher wie eine überkomplexe Suchmaschine anfühlt und in diesem Fall die gesamte Bandbreite von Ruhrpott Punk Superbowl bis Tierärztlicher Notdienst Haltern abdeckt.”

Wortfeld

“Natürlich ist DerWesten gegenüber den bisherigen Webangeboten der WAZ-Mediengruppe ein Quantensprung. Inwiefern DerWesten sich etablieren wird kann man jedoch jetzt noch nicht einmal ahnen – denn das hängt natürlich vor allem auch von den Inhalten ab.”

Pottblog

“Ich sag es mal so: Wenn ich keine guten Inhalte habe, hilft mir weder die Communitylinkorgie was, noch das Layout oder eine Karte. Gilt sowohl für die lasche Schreibe der eigentlichen Frontseite als auch das weit hinten versteckte, gehaltlose Communityblog2.0-Dingens.”

Blogbar

“…alles eine Frage der Perspektive: Schaut man sich durchschnittliche (Regional-)Zeitungsportale und deren HTML-basiertes Elend in Deutschland so an, muss man der WAZ attestieren, einen ziemlich großen Wurf gelandet zu haben. Nimmt man das mediale Trommelfeuer zum Maßstab, das in den vergangenen Wochen über uns hereinprasselte, dann relativiert sich das. Gelungen, sicher. Aber die Neuerfindung des crossmedialen Journalismus ausrufen, nur weil man jetzt Videos, Blogs, Tags und eine Community hat?”

“Journalistisch jedenfalls – und noch reden wir auch im Netz in erster Linie von Journalismus und nicht von Gimmicks – ist der Westen zumindest am Tag 1 nahe an der Bankrotterklärung.”

JakBlog

“Der erste Eindruck ist positiv. Die Seite kommt zweispaltig und aufgeräumt daher, große Fotos zieren die Aufmacher. Eine Multimedia-Spalte und eine eigene Überssichtsseite für Videos sind vorhanden, die rechte Spalte zeigt die aktuelle Diskussionen, Blog-Artikel und Tags. Kein großer Wurf, eher Erwartbares bei einem Medium dieser Größe.”

Turi

“Zur Zeit ist das Portal mit Werbebannern und Popups nur so überfrachtet. Zumindest zum Start könnte man auf webzwonulligere Werbeformen setzen, etwas mehr userbasiertes oder behavioral Targeting einsetzen.”

Sichelputzer

“Wer mit dem Gedanken spielt, dort den Newsletter zu abonnieren oder am Bundesliga-Tippspiel teilzunehmen, sollte sich das sehr gut überlegen. Die Daten, die DerWesten hierfür verlangt, sind fast ein eigenes Kapitel wert..”

F!XMBR

“Alles was sich zu dieser Stunde sagen läßt: der große Wurf ist es nicht und es ist ebenfalls durchaus fraglich, ob die Aufhübschung durch Web-2.0-Features genügt.”

Wissenswerkstatt

“Die große Herausforderung für Chefredakteurin Katharina Borchert besteht nun darin, viele neue Nutzer von DerWesten zu überzeugen. Denn die bisherigen Online-Auftritte der WAZ-Gruppe werden nur von sehr wenigen Menschen genutzt. Selbst WAZ.de kommt laut AGOF nur auf rund 280.000 Unique User monatlich.”

deutsche startups

Immermehrblog macht gar nix mehr

“Immer mehr Deutsche in der Schulden-Falle!”, lautete heute der Aufmacher der “Bild”. Eigentlich auch ein Fall für das Immermehrblog. Doch der letzte Beitrag auf diesem Medienblog (wir berichteten) datiert vom 29. Juni 2007: “Immer mehr Trends auch im Urlaub”. Seither herrscht dort leider Funkstille, auf eine “Hallo-noch-jemand-da-bei-euch”-E-Mail wurde nicht geantwortet. Schade, allein ein Blick auf Google News zeigt, dass der “Immer mehr Deutsche”-Blödsinn immer noch gerne herhalten muss. Vielleicht gibt’s ja jetzt mal ein kurzes Lebenszeichen.
Update 06.10.07: Das erhoffte Lebenszeichen erfolgte, recht ausführlich in den Kommentaren.
Update 10.10.07: “Eins, zwei, immer mehr”, die Immermehrblogger arbeiten wieder, einer der ersten Kunden ist die “Bild”.

Nachrichten-Videos auf Weblogs?

Bertram Gugel betracht, welche Ansätze zur Einbindung von Videos professioneller, journalistischer Anbieter in private Weblogs es gibt. Größtenteils stecken sie auch in den USA noch in den Kinderschuhen, in Deutschland ist es noch Utopie (auch wenn es in der ARD “solche oder ähnliche Überlegungen”* gibt). Gugels Fazit:

Nachrichten-Videos auf Blogs machen natürlich nur in bestimmten Fällen Sinn und bei vielen thematischen Nischen wird sich wohl kaum ein relevantes Video finden, das eine Geschichte unterstützt.
[...] Die Chancen für einen entsprechenden Anbieter in Deutschland sind trotzdem enorm: Jeder eingebundene Playlist-Player ist eine Sendestation und erreicht ein spezifisches hoch engagiertes Publikum. Man baut sich mit diesen Playern quasi ein Sendernetz auf das dann zentral angesteuert werden kann und innerhalb kürzester Zeit eine Nachricht ähnlich effektiv verbreiten kann wie dies momentan zentralisierte Nachrichtenportale tun.

Roman Mischel hatte bei uns schon vor einiger Zeit auf mögliche Probleme bei der Einbindung aufmerksam gemacht.

* Jörg Sadrozinski (Redaktionsleiter tagesschau.de – und damit auch mein Chef – im Medium Magazin August/September 2007)

Platz für etwas, das nicht ins TV passt

Folge-Mag (Screenshot [M]: ojour.de)
Beim ersten Mal war er seiner Zeit voraus. Diesmal sollte es angesichts des Video-Booms im Netz eigentlich genau der richtige Zeitpunkt sein, dachte Frerk Lintz. Sein neues Projekt ist ein erstklassig produziertes Interview-Magazin, das im Web seinesgleichen sucht. Allerdings bisher auch noch einen Abnehmer.
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Soundphotographer.de

Fabian Schweyher, Absolvent des Studiengangs Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt, hat sich in seiner Diplomarbeit mit dem Thema Audio-Bildergalerien auseinandergesetzt. Das will er jetzt in einem Blog namens Soundphotographer fortführen. Selbst steuert Schweyher die Galerie “In den Fängen der Stasi” bei, die noch mal beweist, dass sich Bildstrecken mit Audios gut für historische oder kritische persönliche (= ruhige) Themen eignen.

Widmen will sich Schweyher natürlich auch dem Standard-Werkzeug Soundslides, auf das wir hier auch schon häufiger hingewiesen hatten. (Aktuell gibt es übrigens zum ersten Mal bei tagesschau.de eine damit aufbereitete Umfrage aus Fotos + Tonspur, an der ich beteiligt war.)

Ergänzung: Navigating Slideshows – Ergebnisse einer Eyetracker-Studie im OJR.

Wie weiblich sind Weblogs?

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In Blogs und Blog-Kommentaren bestimmen Männer den Ton. Besonders, wenn die Diskussion ums Bloggen selbst geht, ist von Frauen kaum etwas zu hören. Stimmt der Eindruck? onlinejournalismus.de sprach darüber mit Jan Schmidt. Ein Mann – aber einer, der es wissen muss.
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Franzosenblog beim RBB

Darauf muss man erst mal kommen. Ausgerechnet eine Kunstausstellung wird beim RBB mit einem Blog begleitet. Gut, es ist die mit großem Trara zelebrierte Schau französischer Werke aus dem New Yorker Met in Berlin, aber trotzdem auf den ersten Blick eine nette Idee. Zumal mit Video- und Audio-Beiträgen aufgepeppt (Prominente über ihre Lieblingsstücke aus der Austellung) – so wird das Blog sinnvoll mit dem Rest des RBB-Programms verknüpft.

Das Schweigen des Chefs oder Keese und andere

Christoph Keese bloggt … - nicht
Er könnte vom Balken herab wider falschen Zeitgeist in der Weltpolitik donnern, scharfzüngig den Zustand der übrigen deutschen Presse sezieren oder uns an den fachlich fundierten, publizistisch beispielhaften Entscheidungen seiner Redaktion teilhaben lassen. Doch “Im Newsroom” herrscht Stille. WamS- und Welt-Online-Chefredakteur Christoph Keese schweigt beharrlich. Aktualisiert 22.06.2007
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“Business News” eingestellt: Dann machen wir halt was im Netz!

Die Verlagsgruppe Handelsblatt meldete heute, dass ihre kostenlose, werktäglich erscheinende Wirtschaftszeitung “Business News” ab dem 18.06.2007 nicht mehr erscheint. Zuletzt soll die Auflage des im August letzten Jahres gestarteten Tabloids 111.000 betragen haben.

Zwar wurde von “erheblichen Erfolgen im Lesermarkt” schwadroniert, aber auf dem Anzeigenmarkt konnte sich das Blatt nicht durchsetzen. Ich hatte nur einige Ausgaben in der Hand, wunderte mich aber jedes Mal darüber, dass fast nur – zum Teil großflächige – Eigenanzeigen in der Zeitung waren. Jetzt soll es mit einem “Großteil der Mitarbeiter” in einem neuen Internet-Portal weitergehen. Unter der Chefredaktion von Klaus Madzia, der das Blatt schon bisher leitete. Und der macht auf Gutwetter: “Business News war ein großer Erfolg bei den Lesern. Ich freue mich auf ein neues, spannendes journalistisches Online-Projekt”.

Herrjeh, wir sind hier nicht Boocompany, wo sich Lanu moderat über den “Final” freut, aber Madzias floskelhafte Schönrednerei (“großer Erfolg”, “spannendes journalistisches Online-Projekt”), lässt Schlimmstes befürchten. Geschenkt, dass “Business News” zumindest in den ersten Tagen im Netz keine Bäume ausriss (wir berichteten) und auch in der Folgezeit nicht auffiel. Aber mit was für einem Projekt möchte denn Madzia jetzt ausgerechnet im Netz reüssieren? Letztlich konkurriert er dort ja auch mit Handelsblatt.com oder Wiwo.de aus dem eigenen Haus. Ob von diesen Blättern dann noch Inhalte für ein weiteres Internet-Portal beigesteuert werden – kaum anzunehmen. Keine ernst zu nehmende Größe sind auch die Inhalte aus Holtzbrincks weitgehend unbeachteter und dahindümpelnder Blog-Plattform Germanblogs. Die trotzig erscheinende Strategie “Dann machen wir halt was im Netz!” wird nur für einen weiteren “Final” sorgen.

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