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Einschätzungen für 2007, heute: Thomas Knüwer

Wegen einer ganz anderen Frage hatte ich heute Thomas Knüwer im Düsseldorfer Verlagshaus Handelsblatt besucht. Weil ich meine Kamera ohnehin schon auf ihn gerichtet hatte, bat ich ihn auch um eine Einschätzung: Was wird das Jahr 2007 für den Online-Journalismus bringen?

Unter anderem geht Knüwer davon aus, dass die Zeit reif ist für Online-Journalisten, die sich mit ihrer eigenen Idee im Internet selbstständig machen wollen.


BBC mag das C-Wort nicht

“We don’t call it citizen journalism. ”

Ein starker Eröffnungsatz, besonders wenn er von einem BBC-Vertreter kommt – ist die BBC doch gerade Pionier, wenn es darum geht, Nutzer-Inhalte sinnvoll in ein journalistisches Angebot einzubinden. Das Zitat stammt von Kevin Geary von BBC Interactive, der beim Welt Audio Festival in den Niederlanden einen Vortrag über den Wandel des öffentlich-rechtlichen Senders und Bürgerjournalismus gehalten hat. Die interessantesten Punkte seines Vortrags (laut De Nieuwe Reporter):

  • Die BCC erhält 15.000 E-Mails pro Tag.
  • Die BBC zahlt nur in Ausnahmefällen für User Generated Content (wenn aber etwas “Bürgerjournalismus” heiße, würden die Gewerkschaften Bezahlung für die Journalisten einfordern, meint Geary demnach. Eine steile These?).
  • Videos der Sendung “Newsnight” werden über YouTube häufiger gesehen als über die BBC-Website. Der Sender hat nichts dagegen und ermutigt die Nutzer zum Weiterpublizieren.
  • Rücksprache mit Einsender von Usermaterial für Erlaubnis und Verifizierung ist Standard.
  • Werbung auf der BBC-Website ist geplant.

Die Niederländer haben auch ein Audio-Interview mit Vicky Taylor von BBC Interactive online (auf englisch – mit schönen Skype-Sounds im Hintergrund): “Das letzte Jahr hat den Journalismus verändert. Und das ist erst der Anfang.”

OnRuhr und das Franchise-Konzept (Knüpfer-Interview Teil 2)

Von Jens Matheuszik, Pottblog

“Wir suchen lokale Partner” sagt Uwe Knüpfer. Gestern berichteten wir vom wir vom ersten Teil des Interviews mit dem Geschäftsführer und Chefredakteur des neuen Internet-Projektes OnRuhr. OnRuhr wird am 17. November 2006 starten und soll dem Ruhrgebiet in den Zeiten des Zeitungssterbens und der Monopolisierung eine neue journalistische Facette bieten. Dabei konkurriert OnRuhr mit den Internet-Plänen der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ), der größten Tageszeitung des Ruhrgebietes, die Anfang 2007 ihr überarbeitetes Internet-Angebot starten möchte.

Inzwischen ist der zweite und letzte Teil des Interviews verfügbar: Knüpfer spricht darin über das Geschäftsmodell und verteidigt das Konzept seines Projekts gegen kritische Stimmen, die nicht an Werbung in einer PDF-Zeitung glauben und meinen, dass seine kleine Redaktion die inhaltlichen Ziel nicht erfüllen kann. Wir dokumentieren die interessantesten Auszüge. Weiterlesen…

Keine ZEIT zum Ärgern

Stattdessen machte sich Verwunderung breit, als ich ausgerechnet bei den Kollegen aus Hamburg eine Werbeform entdeckte, die ich zwar nicht zum ersten Mal, eher selten aber bislang in deutschsprachigen Online-Medien zu sehen bekam. Die ach so große Ungerechtigkeit schimpft sich index_ad (eng verwandt mit splitscreen_ad und vom Schlage eines IntelliTXT) und verdeckte ganze 15 Sekunden, was ich suchte – lang genug, um zunächst mal meine Verwunderung voll auszukosten. Dann fragte ich mich noch schnell, warum Die Zeit nicht längst auf die Idee gekommen ist, ihre Zeitung komplett in bunt bedruckte Plastikfolie einzuschweißen, eine von der Sorte, die man ohne Schere beim besten Willen nicht aufbekommt – und war einen Augenblick später auch schon auf der “alten” Startseite. Erst eine dreifache Durchschnitts-Verweildauer später entdeckte ich im Meckerblog, dass a) die Diskussion darüber bereits im vollen Gange, und b) ich nicht der einzige war, für den die 15 Sekunden offensichtlich einfach nicht ausreichten…

Zapp über die Readers Edition

Wenn es ein guter PR-Agent ist und der hat einen wirklich guten Text geschrieben, so what? Dann kann man den ja auch veröffentlichen. Ich möchte nicht wissen, wie viele Zeitungen ihre Buchbesprechungen einfach aus den Klappentexten abschreiben, ohne dass es dem Leser jemals mitgeteilt wird. Es geht um die Qualität der Texte und wenn die gut sind, dann soll sie der PR-Agent geschrieben haben.

Dr. Michael Maier, Chefredakteur der Netzeitung, über Bürgerjournalismus und die Gefahr der Vermengung mit PR bei der Readers Edition (O-Ton aus einem TV-Beitrag, der beim NDR-Medienmagazin Zapp gelaufen und online abrufbar ist).

RP-Ideen bei der WAZ

“Im Moment schaue ich vornehmlich aufs Internet. Die Dynamik des Netzes bringt für uns eine große Chance”, sagt Ulrich Reitz, Chefredakteur beim Regionalzeitungsriesen WAZ. Dafür hat er die Bloggerin Katharina Borchert angeheuert, die er am Montag offiziell vorstellen will. Im Interview mit der Fachzeitschrift Journalist führt Reitz die neuen Online-Ziele der WAZ bereits weiter aus: “Das Stichwort ist ‘User generated Content’.” Das klingt verdammt nach RP und Opinio – doch Reitz will seinen früheren Arbeitgeber nicht kopieren.
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Videoeinbindung bei SpOn, Teil 4

Seit kurzem werden Werbespots vor einige der Videoclips bei Spiegel Online geschaltet (z.B. vor die von der Videoredaktion selbst produzierten Clips sowie Carsten van Ryssens WM-Kolumne; werbefrei bleiben alle alten Videos, Ehrensenf und auch die Reuters-Beiträge).

Die Werbung scheint tatsächlich noch von Redakteuren in die Videos geschnitten und nicht über einen Ad-Server geliefert zu werden. Denn einerseits läuft immer dieselbe Werbung (arena.tv), andererseits lässt sie sich geschickt überspringen (durch einfaches “Vorspulen” mittels Slider) – was dem Nutzer sehr entgegen kommt.

Übrigens: Was man an sämtlichen Videoplayern noch verbessern sollte, ist die Art und Weise, wie sie mit Traffic umgehen. Gerade bei den direkt in die Seite integrierten Videos kommt es doch häufig vor, dass man mal kurz auf Play drückt, nach kurzer Zeit aber das Interesse verliert und wieder auf Stop klickt. Auch wenn man jetzt vielleicht nur ein Drittel des Videos gesehen hat, wird der Rest weiter geladen. Bei Tausenden Abrufen täglich kann das für den Site-Betreiber richtig ins Geld gehen.

Auch aufgewacht?

Herr Murdoch hat seinen Verlegerkollegen schon letztes Jahr den Marsch geblasen. Herr Kundrun von Gruner und Jahr äußert jetzt auch für ein klassiches Medienhaus ungewohnte Töne:

«Wir müssen unsere Medien-Marken nicht mehr nur als reine Zeitschriftenmarken verstehen, sondern als Themenleuchttürme, die heute ihren Ausgangspunkt im Magazingeschäft haben, aber sehr viel mehr beinhalten können.» So erwartet Kundrun auch über das Internet neue Impulse. Immer mehr Menschen organisierten sich im Netz in neuen «Communities», der Verlag müsse «Leser und Anzeigenkunden» dorthin
begleiten, wo sie sich austauschen. (dpa)

In der klassischen Jahrebilanz bei G+J spielt Online allerdings keine Rolle.

Blogging for bucks

Spiegel Online berichtet über die Versuche von Bloggern, Finanzierungsquellen zu erschließen. Beispiele: Spreeblick, IT&W. Kommt bekannt vor? Das Thema hatten wir ja auch schon mal – es wurde ja unter anderem beim Jonet-Tag 2005 im November diskutiert. Passend dazu der aktuelle Hinweis von IT&W: Bildblog bemüht sich mittlerweile nicht nur um Spenden, sondern um Hemdchenträger.

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