Archivierte Einträge für Wiki

Ein Fehler, der nicht sein müsste

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Max Stadler ist gestorben – im Alter von 63 Jahren, wie Zeit Online in ihrem Artikel gleich zwei Mal schreibt. Eingebettet ist in den Text allerdings ein Tweet der FDP Bayern. Laut diesem wurde Stadler 64 Jahre alt. Das ist auch richtig, wie ein Abgleich mit dem Geburtsdatum auf Stadlers Homepage ergibt.

Artikel über Max Stadler bei Zeit Online (Screenshot)

Vermutlich bezieht sich die falsche Angabe auf eine frühere Version des ebenfalls verlinkten Artikel der Passauer Neuen Presse. Darauf deuten jedenfalls die Abgleich mit der verlinkten URL sowie Google News hin. Google News verrät auch, dass Zeit Online nicht als einziges Medium die falsche Angabe aus der PNP (und vermutlich einer darauf beruhende Agenturmeldung) übernommen hat.

Aber wenn man einen Tweet einbettet, der dem widerspricht, sollte man doch ins Nachdenken kommen, oder?

Artikel über Max Stadler bei Google News (Screenshot)

Nicht nur Stadler-Artikel in der deutschsprachigen Wikipedia ist übrigens nach Stadlers Tod bereits aktualisiert (16:00 Uhr), sondern auch der in im mit der PNP verbundenen RegioWiki Niederbayern und Altötting (13:53 Uhr).

Geballter Hintergrund im Kollaborationsverfahren

Julius Endert berichtet bei seinem neuen Projekt Netz-Lloyd über eine Studie zum Entstehen von Wikipedia-Artikeln bei Breaking-News-Themen. Brian Keegan, Doktorand an der Northeastern University in Boston, hat deren Entstehung untersucht.

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Wulffs Mailbox-Nachricht: Rekonstruiert via Crowdsourcing

Collage Christian Wulff in Sachsenhausen / Screenshot Wulffplag Wiki

Es ist absurd: “Bild” und Bundespräsident liefern sich einen Offenene-Briefe-Abtausch über den Inhalt des ominösen Anrufs auf Kai Diekmanns Mailbox, bei dem Christian Wulff so aus der Rolle gefallen sein soll. Eine Abschrift des Telefonats des Telefonats kursiert seit geraumer Zeit in Journalistenkreisen – laut “taz” den Kollegen bereitwillig von “Bild”-Redakteuren offeriert -, während die Zeitung offiziell um eine nachträgliche Genehmigung zur Veröffentlichung durch den Bundespräsidenten ersucht, was Wulff bislang ablehnt.

Man mag darüber streiten, ob die Veröffentlichung des kompletten Inhalts anfangs gerechtfertigt gewesen wäre. Inzwischen ist die Mailboxnachricht durch den Streit, ob Wulff hier womöglich gelogen hat und/oder aber die Freiheit der Presse einschränken wollte – längst zum Politikum geworden. Angesichts der Tatsache, dass diverse Medien inzwischen lang und breit aus der angeblichen Nachricht zitieren – teilweise über drei Ecken unter Berufung auf “mit dem Inhalt vertraute Kreise” -, hat die Öffentlichkeit ein Anrecht auf den vollständigen Wortlaut. Dies wäre auch im Sinne des Bundespräsidenten, auch wenn er sich das noch nicht eingestehen mag.

Anders als bei dem Interview mit ARD und ZDF, das zunächst aufgrund einer Vereinbarung mit Wulff von der Aufzeichnung bis zur Sendung ebenfalls nur einigen Journalisten zur Verfügung gestellt wurde, ist bisher noch keine vollständige Version des Anrufs nach außen gesickert. Wikipedianer Mathias Schindler hat deshalb über das Portal Frag den Staat unter Berufung auf das Informationsfreiheitsgesetz die Freigabe der Abschrift durch das Bundespräsidialamt beantragt (was ich unterstütze).

Da hier die Amtsmühlen aber vermutlich langsam mahlen, scheint die Methode Crowdsourcing erfolgsversprechender. Und tatsächlich: Im Wulffplag-Wiki wird seit zwei Tagen (unter anderem und trotz des irreführenden Wiki-Namens) der Anruf aus Zitaten in der bisherigen Medienberichterstattung rekonstruiert.

Man darf gespannt sein, wie sehr sie am Ende richtig liegt, wenn der Volltext auf die eine oder andere Weise an die Öffentlichkeit gelangt. (Und bei der ganzen Seite nicht vergessen, dass zur vollständigen Bewertung sicher auch der in der Schriftform nicht enthaltene Tonfall eine Rolle spielt).

Nachtrag, 10.10.2012
Seit der Link zum WulffPlag-Wiki inzwischen die Runde gemacht hat, melden sich dort eifrig Nutzer zu Wort – leider vor allem, um sich in einer wenig zielführenden Bewertung des Verhalten Wulffs, der übrigen Politik, der Medien und der wulffkritischen Internetnutzer zu ergehen.

Weitere Links
… bei onlinejournalismus.de

… im übrigen Internet

  • “Die Abschrift von Wulffs Mailbox-Nachricht sollte veröffentlicht werden”, sagt Grimme-Direktor Kammann bei Deutschlandradio Kultur
  • Stefan Niggemeier erklärt, warum es so verheerend ist, dass der Eindruck entsteht, “dass andere Medien sich von „Bild“ haben einspannen lassen, der „Bild“-Geschichte an den entscheidenden Stellen die eigene Seriösität leihen und Seite an Seite mit „Bild“ kämpfen.”
  • Richard Gutjahr betrachtet das ganze auf einer noch höheren Ebene und sieht den Medienwandel am Werk: “Politiker und Journalisten: Freunde, die einander verdienen”

Foto: Ashleigh B; Screenshot/Collage: onlinejournalismus.de – unter CC BY-NC 2.0

Zwickau: Neonazi-Jagd per Crowdsourcing?

Die Ermittler hoffen auf die berühmten sachdienlichen Hinweise aus der Bevölkerung, um rückwirkend neue Erkenntnisse über die Bewegungen der Zwickauer Nazi-Terroristen zu gewinnen. Aufgerufen wird per PlakatCrowdsourcing analog zusagen. Interessant, dass die “Süddeutsche Zeitung” den Hinweis, dass dazu ein Plakat eingesetzt werden sollte, vor der heutigen Pressekonferenz der Bundesanwaltschaft als dramatische exklusive Info verkauft …

Warum nicht gleich echtes, digitales Crowdsourcing in einem NeonaziWiki oder ähnliches? Könnten so nicht viel schneller Erkenntnisse zu Tage gefördert werden und so nicht nur die Veröffentlichungen von Journalisten die Erkenntnisse von Polizei und Verfassungsschutz alt aussehen lassen, sondern die Intelligenz des Schwarms noch viel mehr?

Ich bin skeptisch. Anders als im Fall des GuttenPlag-Wikis liegen hier die allermeisten Quellen nicht offen und für jeden überprüfbar vor. Stattdessen müssten sich Betreiber und Benutzer mit Persönlichkeitsrechten auseinandersetzen. Es könnte gerade angesichts des schwer abgrenzbaren Themenfelds schnell eine Plattform für schwer nachweisbare Verdachtsäußerungen, falschen Verdächtigungen bis hin zur Menschenjagd entstehen – ein juristisches und ethisches Himmelfahrtskommando.

Oder?

(Positiv hervorheben kann man aber mal wieder den Wikipedia-Artikel zum “Nationalsozialistischen Untergrund”, der die zahllosen Fakten und Vermutungen, die sich in den Berichten jedes einzelnen Mediums über zahllose Einzelbeiträge verstreut finden, ordnet und verdichtet.)

Wikipedia: „Wichtig ist einer, der anfängt“

Wikipedia zwischen Hausaufgabenhilfe, Sexipedia und Weltkulturerbe – unsere Gastautorin Gabriele Hooffacker berichtet von der WikiConvention.
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Klassentreffen: re:publica’08 Anfang April in Berlin

Unter dem Titel “re:publica’08: Die kritische Masse” findet vom 2. bis 4. April 2008 zum zweiten Mal ein Treffen von Bloggern und anderen Netzbewohnern in Berlin statt. Fiete Stegers bezeichnete die erste re:publica 2007 bei Tagesschau.de als “großes Klassentreffen, Bestandsaufnahme und Ideenschmiede der Szene”.

In der Pressemitteilung zur “re:publica’08″ heißt es: “Das Konferenz-Motto “Die kritische Masse” steht für verschiedene Seiten des gleichen Komplexes: Das Internet und neue Kommunikationsformen werden immer mehr in das Leben der Menschen integriert. Web 2.0-Anwendungen entwickeln sich zu Selbstläufern. Und zum anderen steht auch die Fähigkeit der Masse zur Kritik im Zentrum des dreitägigen Events.”

Die Besucher können laut den Veranstaltern, Spreeblick und newthinking communications,
vermutlich zwischen fast 100 Vorträgen, Diskussionen und Workshops auswählen. Das Programm verspricht einige sehr attraktive Inhalte: Datenschutz im Web 2.0, Zukunft der Social Networks, Qualitätsdebatte Blogs vs. Journalismus?, Miez – Über Sinn und Unsinn von Katzencontent, Porno 2.0, Placeblogging und Stadtwikis, Geld verdienen mit Blogs – reloaded (leider ohne Don Alphonso aber dafür mit Johnny Haeusler, Robert Basic und Sascha Lobo), Was dürfen wir bloggen? Recht im Web 2.0, Abgeordnetenwatch, Plagiarismus 2.0, Was ist öffentlich-rechtlich im digitalen Zeitalter? Die Internet-Strategie der ARD im Realitätscheck.

Mehr unter: www.re-publica.de

“Spiegel” öffnet sein Archiv für Spiegel Wissen-Portal

Die Spiegelnet GmbH und die Bertelsmann-Tochter Wissen Media Group (Wissen Media Verlag und wissen.de) starten im Frühjahr 2008 Spiegel Wissen (wissen.spiegel.de – die URL wird noch nicht bespielt), ein neues Rechercheportal, heißt es in einer Pressemitteilung.

Spiegel Wissen greift zu auf die Inhalte des “Spiegels” und von Spiegel Online sowie der Bertelsmann-Lexika und -Wörterbücher. Hinzu kommen die Einträge aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Auf dem Portal sollen alle “Spiegel”-Artikel seit der Gründung des Blattes im Jahr 1947 und die Artikel von Spiegel Online kostenlos online abrufbar sein. Eine achtköpfige Redaktion soll die Inhalte aufbereiten.

“Multimediale Elemente wie Bilder, Grafiken, Videos und zahlreiche neue Funktionalitäten wie etwa individuelle Sammel-Ordner runden das Angebot ab.” Spiegel Wissen soll “damit die umfassendste frei zugängliche Recherche-Plattform im deutschsprachigen Internet werden.”

Nachtrag 18.12.07
Don Alphonso sieht die “Wikipedia zwischen den Mühlsteinen”, Auszug: “Man schreibt dann eben nicht mehr nur bei der Wikipedia mit, sonderrn fertigt auch kostenlose Inhalte für Medienkonzerne (…).”

Es hat mich gewundert, dass da kein Medienunternehmen früher zugegriffen hat, bekannt ist mir nur das Beispiel der “Rhein-Zeitung”, die seit August 2004 die Wikipedia als Lexikon integriert hat. Freilich kann ich mir vorstellen, dass die Einbindung bei so prominenten und nicht unumstrittenen Partner wie Spiegel Online und mittelbar Bertelsmann bei den Wikipedianern nicht unumstritten sein wird.

Mit der Wikipedia hat Spiegel Online seine eigenen Erfahrungen. In einem Interview im Medienjahrbuch 2007 der Zeitschrift “VISDP” antwortet Spiegel Online-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron auf die Frage:

Können Sie sich noch an die Ruanda-Hintergrundgeschichte vom 24. Februar 2005 erinnern?
War das die Geschichte, die wir von Wikipedia kopiert hatten? Ja, das war eine unserer schwärzeren Stunden.
Nachzulesen ist diese Geschichte übrigens auch in der Blogbar.

Die Wortverdreher vom Dienst

koeppel_wikipedia

Konzerne, Parteien, Prominente oder deren Mitarbeiter ändern oft die entsprechenden Wikipedia-Einträge – zu beobachten auch im Fall von „Weltwoche“-Chef Roger Köppel, ehemals Chefredakteur der „Welt“.

Von Michael Soukup

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User-Agent: AboutUsBot Disallow: /

AboutUs.org (bewusst nicht verlinkt) ist einer dieser Dienste, die darauf spezialisiert sind, vollautomatisch Daten zu sammeln. In diesem Fall tragen Roboter jede Menge Informationen über Websites zusammen und bedienen sich bei den öffentlich zugänglichen WHOIS-Datenbanken.

In Deutschland sind diese Daten aber nicht ohne Grund rechtlich geschützt. Wer auf den Seiten der DENIC die Daten einer .de-Domain abfragen möchte, wird auf folgenden Hinweis stoßen:

Sie [Anm.: Die Daten] dürfen nur zum Zwecke der technischen oder administrativen Notwendigkeiten des Internetbetriebs oder zur Kontaktaufnahme mit dem Domaininhaber bei rechtlichen Problemen genutzt und ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis der DENIC eG weder elektronisch noch in anderer Art gespeichert werden. Insbesondere die Nutzung zu Werbe- oder ähnlichen Zwecken ist ausdrücklich untersagt.

Wem als Betreiber einer Website die Datensammelei nicht geheuer ist, sollte die auf dem Webserver liegende Datei robots.txt um die Zeilen

User-Agent: AboutUsBot
Disallow: /

erweitern.

Da man gegenüber Diensten, die ungefragt und ohne rechtliche Grundlage Informationen sammeln, ohnehin nie skeptisch genug sein kann, sollte man vielleicht noch wirksamere Mittel anwenden. Einige davon sind hier beschrieben.

(via)

OJR/ Dank RSS übersehen

So kann es einem gehen, wenn man nur den RSS-Feed abonniert hat, man selten auf die eigentliche Website geht und obendrein Sommerpausenphänome hinzukommen: Das Online Journalism Review der University of Southern California, so etwas wie die wichtigste US-Publikation zum Onlinejournalismus, hat sich bereits vor längerem eine Blog-Optik verpasst – mir war das vollkommen entgangen. Weiterlesen…

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