Am Anfang noch eine „One-Man-Show“

passau100

Der Informatiker Daniel Wildfeuer ist 28 Jahre alt und startet dieser Tage ein regionales und interaktives Onlineportal für den Landkreis Passau. Wie Passau 2011 „100% lokal“ (so lautet der vorläufige Projekttitel) werden soll, sagt er uns im E-Mail-Interview. Weiterlesen …

Was wird uns 2011 beschäftigen?

Jahresanfang, Zeit den Schreibtisch und die Gedanken zu ordnen. Welche Diskussionspunkte aus dem vergangenen Jahr werden uns 2011 im Onlinejournalismus weiterhin beschäftigen, welche neuen sind am Horizont schon absehbar? Da ich noch keine entsprechende Aufstellung gesehen habe, fangen wir hier einfach mal:

  • Das von den Verlegern geforderte und von der schwarz-gelben Koalition versprochene sogenannte Leistungsschutzrecht wird in einem Gesetzentwurf konkretisiert.
  • Mittelbar betrifft uns auch die gesetzliche Neuregelung der Vorratsdatenspeicherung von Telefon- und Internetdaten, nachdem das Bundesverfassungsgericht das bisherige Gesetz für ungültig erklärt hatte.
  • Wie beeinflusst die steigende mobile Internet-Nutzung journalistische Angebote? Welche Strategien bei der Entwicklung von Apps durch Medienunternehmen sind erfolgreich, welche eher nicht? Wird das iPad Ende 2011 weiter als Heilsbringer gefeiert?
  • Wie muss mit der weiterhin steigenden Bedeutung von Facebook umgegangen werden?
  • Wer bringt Open Data, Crowd Sourcing oder die Verbindung in Deutschland voran? taz, Zeit Online und Nichtregierungsorganisationen wären hier Kandidaten, die 2010 beispielhaft vorangehen könnten.

Ergänzungen gerne in den Kommentaren.

Nachtrag 05.01.2011
Don Alphonso macht sich in der Blogbar auch seine Gedanken, er erwartet, “dass wir 2011 bei den Verlagen keinen echten Paradigmenwechsel sehen werden”. Außerdem spricht er von “einem neuen, gut finanzierten und entschlossen durchgezogenen Projekt”, welches in diesem Jahr auf den Markt kommen soll: “Erst mal abwarten”.
Der Datenjournalist meint, dass 2011 deutlch werden könne, dass der Datenjournalismus ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal des Onlinejournalismus sei.

Nachtrag, 08.01.2011:
Adam Westbrokes Prognose für 2011 widmet sich u. a. Hyperlocal-Sites, Online-Video (“huge”) und Social News.

Google und die Adresszeile

Browser-Puristen wird die Galle hochkommen: Die Liste der am häufigsten bei Google eingegebenen eingegebenen Suchbegriffe zeigt einmal mehr, wie viele Menschen inzwischen das Internet benutzten, ohne der Adresszeile ihres Browsers Beachtung zu schenken, um dort ordnungsgemäß eine URL einzugeben (Angaben für Deutschland 2010):

Die häufigsten Suchbegriffe:
1. Facebook
2. YouTube
3. Berlin
4. eBay
5. Google
6. Wetter
7. TV
8. GMX
9. You
10. Test

Am schnellsten wachsende Suchbegriffe:
1. WM 2010
2. Chatroulette
3. iPad
4. DSDS 2010
5. Immobilienscout24
6. iPhone 4
7. Facebook
8. Zalando
9. Street View
10. Studi VZ

Gefettet habe ich die Begriffe, bei denen ohne Zweifel einfach nur eine Website angesteuert werden sollte und der User auch “Facebook.com” oder “GMX.de” hätte eingeben können. “You” könnte auch gut der erste Teil des Suchbegriffs “You Tube” sein. Schleierhaft ist mir allerdings, warum man bei Google nach “Google” sucht. Sind das die Menschen, die noch nicht mal wissen, dass sie sich auf der Google-Homepage befinden bzw. das Suchfeld in ihrem Browser eine Google-Anfrage ist?

Was heißt das?

1. Google bekommt eine gigantische Menge “Durchgangsverkehr” von Nutzern, die eigentlich nur zu einer ihnen längst bekannten Website wollen, die sie durch ein Bookmark oder direkte Eingabe der URL sofort ansteuern könnte. Und in der obigen Auswertung sind ja noch nicht einmal die Fälle enthalten, die zwar standardmäßig eine komplette URL samt “www.” eintippen – allerdings nicht in die Adresszeile, wo sie hingehört, sondern ins Google-Suchfeld.
2. Wer seinen Nutzer – etwa durch Bewerbung – beibringen will, eine lange und womöglich noch durch eine Schrägstrich getrennte URL in die Adresszeile einzugeben, kämpft bei vielen Zielgruppen auf verlorenem Posten.
3. Die Adresszeile wird zunehmend weniger wichtig werden. Klar, ehe man lange überlegt, ob man nun eher Sony.com oder Sony.de eingibt, um ans Ziel zu gelangen, ist es auch für Profi-Nutzer einfacher, die “Sony” ins Suchfeld einzugeben. Wer als Online-Redakteur Telefon-Support für orientierungslose Nutzer leisten muss und im Gespräch erst mal auf den Gedanken kommen muss, dass der Nutzer gar nicht von den Navigationspunkten auf der eigenen Website spricht, sondern die von Google als Shortcuts angebotenen “Sitelinks” unter dem ersten Suchergebnis meint, muss trotzdem erst mal tief durchatmen.

Weitere Links

“After The War”: Audioslideshow advanced

Am 6. Dezember wurde der Deutsche Reporterpreis vergeben. In der Kategorie “Beste Web-Reportage” hat Felix Seuffert mit seiner Audio-Slideshow “After The War” gewonnen. Dabei ist es die Reportage, die das Schicksal eines vor dem Bürgerkrieg in Kongo nach Südafrika geflohenen Fußballprofis erzählt, gar keine reine Audioslideshow, sondern enthält mindestens genauso viele Video-Elemente.“After The War”Preiswürdig ist “After The War” aus mehreren Gründen: Weiterlesen …

SpeedLab Journalism

Deutschlandradio Wissen organisiert am 1. Dezember in Berlin ein “SpeedLab Journalism”. “Das SpeedLab versteht sich als Mischung aus Konferenz, Barcamp und Speeddating”, schreiben die Veranstalter. Inhaltlich geht es die Frage “Wie hat sich der Journalismus verändert und welche Transformationen warten noch auf uns?” Mit dabei sind unter anderem Joshua Benton, Leiter des Nieman Journalism Lab, Phil Fearnly, der “General Manager Future Media” der BBC.

Die Irak-Protokolle von WikiLeaks

Todesopfer in Bagdad (Screenshot von Guardian.co.uk)
Mit einem Twitter-Gewitter macht sich die parallele Veröffentlichung der Iraq War Logs bemerkbar. Diesmal hat Wikileaks für die Auswertung und Aufbereitung seiner geleakten Dokumente zum Irak-Krieg eine ganze Armada großer Redaktionen ins Boot geholt.
Weiterlesen …

Do-It-Yourself-Datenjournalismus bei der taz

Die “taz” macht einen Schritt Richtung offenen Datenjournalismus und zeigt, dass tatsächlich funktioniert, wovon andere in Deutschland nur reden: Daten mithilfe von kostenlosen, externen Tools darstellen und auch die Rohdaten verfügbar machen. Einen Bericht über die Schließung von Post-Filialen zugunsten von Post-Service-Agenturen in anderen Geschäften ergänzt die Online-Redaktion mit einer Google-Maps-Karte der verschiedenen Arten von Postvertretungen in Berlin (passt leider nicht in der richtigen Darstellungsgröße ins taz.de-Design), einem Chart zur Fillialentwicklung und zur Flächenabdeckung der Postfilialen. Im Print wird das Ganze abgerundet mit längeren Lesestrecken.

Vor gut einem Jahr hatte Sebastian Heiser für die “taz” schon mal die Standorte von Überwachungskameras auf einer Karte verzeichnet.

Update: Das Blog Datenjournalist hatte gestern schon die Machart des taz-Beitrags seziert.

Was Videojournalisten verdienen und warum

Videojournalisten sind per definitionem a) billiger als ein klassisches Kamerateam und b) Einzelkämpfer.

Während “videographer” in den USA und Großbritannien oder hierzulande Kollegen wie Mario Sixtus,“Videopunk” Markus Hündgen oder unser very own Roman Mischel experimentieren, wie sich Technik und Gestaltungsmöglichkeiten des Videojournalismus weiterentwickeln lassen und sich auch öffentlich-rechtliche Sender angesichts des Spardrucks und des Engagements jüngerer Mitarbeiter verstärkt für Videojournalisten öffnen, machen es ihnen die Strukturen und Vergütungsmodelle der Sender schwer.

In einem Artikel für den Journalist 10/2010 (leider – noch – nicht online) wird das sehr schön aufgeschlüsselt: Sender versuchen, VJs fest an sich zu binden, schreiben ihnen die Benutzung hauseigener Kameras vor (bzw. zahlen den Videojournalisten nichts für den Einsatz eigenen Equipments) oder haben festgelegte Muster, wann VJs selber drehen, wann selber schneiden können und wann Kameraleute oder Cutter des Senders eingesetzt werden (müssen).

Diese Beispiele sollen die Leistungen fest angestellter Kameraleute und Cutter keineswegs abwerten. Sie sollen aber verdeutlichen, in welcher Situation sich gut ausgebildete freie VJs befinden, die aufgrund ungelenker Strukturen ihre Möglichkeiten oft nicht ausschöpfen können,

schreibt der Autor Matthias Zuber, selbst Videojournalist. Die Schuld läge aber nicht bei den Sendern (und ihren zum Schutz der eigenen Arbeitnehmer eingeführten internen Strukturen). “Sie liegt bei den VJs selbst, die es bis jetzt nicht geschafft haben, ihr Tätigkeitsfeld, verbindliche Qualitätsstandards und angemessene Margen für die Entlohnung zu definieren”, meint Zuber. Der “Journalist” liefert auch endlich einmal – eine Tabelle mit Vergleichszahlen für die Entlohnung von VJs (leider nur für öffentlich-rechtliche Sender).

Update, 19.10.2010:
Die Tabelle gibt’s beim Journalist nun auch online.

The Revolution will be televised streamed via mobile

Nach den Protesten gegen den G8-Gipfel 2007 und die iranische Präsidentschaftswahl 2009 und der Dokumentation von Polizeigewalt bei einer Demo in Berlin im September 2009 kam es mir vor, als sähen wir heute nächste logische Entwicklungsstufe: Es wird nicht mehr nur gebloggt, gewittert und nachträglich Videos hochgeladen: 2010 streamen Demonstranten live (oder quasi-live) – mit Mobil-Geräten direkt vom Geschehen, organisiert oder sogar aus einem von Robin-Wood-Mitarbeitern besetzten Baum im Stuttgarter Schlosspark. (O-Ton: “Ruhig, solange die keene Kletterbullen haben, passiert hier gar nichts.” – knapp 25.000 Mal angeguckt).

Streaming Robin Wood
Ich habe heute kein Fernsehen verfolgt, würde aber wetten, dass die Demonstranten damit nicht nur an den großen Medien vorbei an die Öffentlichkeit gehen, sondern vermutlich auch schneller waren.

Weitere Links
Christoph Ulmer: Die Pracht der Bilder

Online vs. Print reloaded

Dass der Kampf zwischen Online und Print anscheinend immer noch nicht beigelegt ist, zeigen verschiedene Veröffentlichungen aus den vergangenen Tagen: Stefan Niggemeier  und netzpolitik.org haben innerhalb von zwei Tagen mehrere Anzeichen dafür gesammelt.

Kern aller Aussagen ist dabei: Print wirkt, online ist immer noch nicht als eigenes Medium oder gar journalistisches Umfeld anerkannt. Markus Beckedahl berichtet über die zweite Jahrestagung der “Nationalen Initiative Printmedien” und zitiert aus deren Thesenpapier. Interessant ist am Rande, dass die Tagung im Kanzleramt stattfand und sowohl Gewerkschaften als auch Verlegerverbände sowie der Kulturstaatsminister Mitglied sind.

Das Thesenpapier fasst die Kernaussagen zusammen, die alle natürlich sagen: Nur Print bietet hochwertigen Journalismus, und den bieten nur die Verlage (die, nebenbei ein wenig polemisch gesagt, Online zum Großteil noch heute verschlafen haben).

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