Watchblogs – wo laufense denn?

Auch wenn laut der Befragung “Zukunft des Journalismus” (Mai 2005, Uni Leipzig) fast zwei Drittel der Medienschaffenden Weblogs kennen, bleiben immer noch offene Fragen.

Wenn ich Kollegen auf Watchblog-Aktivitäten hinweise, erwähne ich neben den ausgewiesenen Watchblogs (BILDblog, Ostsee-Zeitung-Blog, ORF-Blog) auch andere Blogs. Wohlgemerkt mit dem Hinweis, dass diese häufig nur sporadisch über Medien berichten. Für Einsteiger ist es natürlich schwierig, wenn sie etwa Don Alphonsos Rebellen ohne Markt besuchen und jener sich gerade in epischer Breite über die Renovierungsarbeiten seines Hauses auslässt (was wohlgemerkt auch unterhaltsam ist).

Zwei, nein, jetzt sind es sogar drei schöne Beispiele gibt es aktuell hier auf dem Präsentierteller: Felix Schwenzel, kein Journalist!, hat sich einen Artikel über “Deutschlands einziges Zensurblog” etwas genauer angeschaut und findet “platte lügen auf politik-digital.de“. Filigran nimmt “Handelsblatt”-Reporter Thomas Knüwer die “Schwitzenden Swinger” bei Spiegel Online auseinander (äh, natürlich den so lautenden Artikel). Heute hegt Knüwer Zweifel an der spektakulären Enthüllung des ARD-Magazins plusminus, dass ein Nationalspieler auf Spiele gewettet habe, die manipuliert worden seien. Ich halte diese Beispiele für sehr lehrreich. Mehr über Watchblogs finden Sie in meinem “journalist”-Artikel “Ungebetene Kritiker“.

Nachtrag
Auch gut, aktuell und beispielhaft: Cut’n’past journalism: Mittelwert bilden! bei Medienrauschen.

Newsvine jetzt frei zugänglich

Newsvine hat seinen beta-status verlassen und ist seit rund zwei Wochen frei zugänglich.

Newsvine ist ein Experiment, das einige der “Web 2.0″-Schlagwörter unter einem Dach vereint: es ist hochgradig vernetzt, interaktiv und persönlich, zum Beispiel durch blogähnlich kommentierbare Nachrichten (die zurzeit ausschließlich über AP ins System fließen), user-initiierte News-Seeds, Foren und Chats, einem Bewertungssystem usw.

Eine Übersicht über die Funktionen von Newsvine gibt’s auf der Website von Jonathan Dube [#1, #2]. Dass es natürlich auch bei Newsvine zu Problemen kommen kann, wenn man seine Community allzu weit öffnet, dokumentieren diese beiden Einträge in den E-Media Tidbits.

Podcaster unter sich

Podcasting ist eine innovative, unangepasste Medienform, bei der die Nutzer selbst zum Sender werden – eine Vorschau auf die Zukunft der Medien. Deutsche Podcaster haben deswegen nicht nur mindestens einen Club und einen Verband gegründet und verleihen einen Award, es wird auch ein Kongress abgehalten: Am 7. April in München. Dort wird auch erstmals der iPod in Silber für langjährige Mitglieder verlieren.

Zeit.de schließt Kommentarbereiche zum Tod Milosevics

In ihrem Redaktions-Blog teilt die Zeit.de-Redaktion mit:

“Wir haben die Kommentarfunktion zu den Texten über den Tod von Slobodan Milosevic abgeschaltet. Wenige Stunden nach dem Erscheinen der ersten Texte, hatte sich der Kommentarbereich zu einem Forum für Leugner der Verbrechen des ehemaligen serbischen Ministerpräsidenten Milosevic entwickelt. Diesen wollen wir keinen Platz geben.”

Bei Focus Online ist das Forum zu diesem Thema hingegen weiter offen. Das Niveau der Beiträge darf ohne Übertreibung als grauenhaft bezeichnet werden.

Diese Beispiele zeigen wieder mal die Pole, zwischen denen sich Redaktionen in diesem Bereich bewegen: von restriktiv bis freizügig. Beide Strategien können den jeweiligen Medien schaden. Vor knapp drei Jahren habe ich für den “journalist” einen Artikel zu diesem Thema veröffentlicht: “Kommunikative Kundschaft“. Die Frage, wie Online-Redaktionen sinnvoll mit Nutzerkommentaren umgehen können, kann ich allerdings auch nicht endgültig beantworten.

Neues von zwei Solo-Journalisten

Neues von Krisenreportern, über die wir schon mehrfach berichtet haben: Kevin Sites, der für Yahoo als Backpack-Journalist mit Foto- und Videokamera in den Konfliktzonen der Welt unterwegs ist, ist mit dem einem nach einem ermordeten Kollegen benannten Preis, dem “Daniel Pearl Award” ausgezeichnet worden.

Martin Ebbing, als (offenbar) freier Korrespondent bisher unter anderem für ARD-Hörfunk und Online-Angebote u. a. im Irak tätig, hat ein Blog zum politischen Konflikt mit Iran gestartet.

NPD-Blog geht an den Start

“Das kleine Böse und das große Schlimme”: Das Bildblog startete, weil die Medienjournalisten dahinter jeden Tag auf journalistische Fehler und Sünden im Springer-Blatt stießen, die nicht immer einen Artikel in den traditionellen Medien wert waren, aber auch nicht unter den Tisch fallen sollten.

Aus ähnlichen Motiven ist jetzt das NPD-Blog (http://npd-blog.info) online. Patrick Gensing schreibt und sammelt Berichte über die Extremisten. Seit einiger Zeit schon, nun auch öffentlich zugänglich. Unter anderem bietet das NPD-Blog ein Personenregister.

Ernüchternde Zwischenbilanz beim “global reporting” des Handelsblatts

Seit knapp einem Jahr schildern 28 Korrespondenten des “Handelsblatts” in Weblogs ihre “Erlebnisse abseits der üblichen Pfade”. Jetzt wurde Zwischenbilanz gezogen, “Handelsblatt”-Reporter Thomas Knüwer, dessen Blog Indiskretion Ehrensache monatlich fünfstellige Abrufzahlen hat*, schreibt:

“In der vergangenen Woche bei unserer Korrespondententagung wurde auch viel über Weblogs gesprochen. Zum Beispiel, wie sich das bisher nicht zufrieden stellende Global Reporting verbessern lassen könnte.”

In meinem im September 2005 veröffentlichten Telepolis-Artikel zum journalistischen Bloggen (Schwer ist leicht was. Wenn Journalisten auch noch bloggen müssen …) hatte ich bereits moniert:

“Den meisten Kollegen von Knüwer fällt das Nebenbei-Bloggen nicht so leicht. Einige der 28 bloggenden “Handelsblatt”-Korrespondenten aktualisieren ihre Internet-Journale nur alle paar Wochen und entsprechend werden diese kaum kommentiert bzw. überhaupt von Lesern und anderen Bloggern wahrgenommen. Manche Beiträge wirken für ein Blog schlichtweg langweilig oder uninspiriert; von mangelnder Formatierung der Texte ganz abgesehen.”

Andererseits finden sich natürlich auch viele sehr gute, interessante Texte in diesen Blogs, bloß die Korrespondenten müssen halt auf dieser Publikationsplattform auch erst mal ihre Leser und ihren Stil finden, das geht halt nicht immer so schnell wie etwa bei Knüwer, der auch erst seit Januar 2005 sein Blog schreibt. Manchen mag dies gelingen, anderen eben nicht.

Ich denke, das “Handelsblatt” wird da weiter am Ball bleiben. Als Knüwer zum Bloggen anfing, war ich anfangs auch recht skeptisch, mittlerweile besuche ich sein Blog fast täglich. Andererseits ist natürlich auch mein Zeitbudget begrenzt, ich bin zudem bequem und mit einer gewissen Grundskepsis ausgestattet was neue Blogs betrifft – und sehr viel anders wird der “Nutzer draußen im Lande” auch nicht handeln, oder?

* Kürzlich habe ich irgendwo mal Besucherzahlen gelesen, die Julius Endert mitteilte, vielleicht hat einer unserer Leser diese Zahl parat …

Epic 2006: Norddeutschlands meister Blogger

Von Andreas K. Bittner

Schon wieder eine Revolution im Web? Begriffe wie Wiki, Tagging, Folksonomy und Podcasting machen die Runde. Journalistisch interessant, das so genannte Blogging. Für die einen aggressiver Internet-Journalismus, für die anderen sind es wohl die größten Banalitäten der Welt. Es tut sich was im Web.

Weiterlesen …

www.online-volontaer.de

Gleich zweimal wurden in der vergangenen Woche Online-Volontäre im Hamburger Abendblatt gesucht: Einmal vom Job-Portal Stepstone, einmal von einem mir bisher unbekannten Informationsdienst für Ärzte.

Renommiertere Redaktionen, die mit speziellen Volontariaten Online-Journalisten ausbilden wollten, haben diese Programme ja mittlerweile meist mit ihren normalen Volontariaten verschmolzen oder ganz eingestellt wie Gruner und Jahr. Ausnahme offenbar: Vorreiter ProSiebenSat1, die erst kürzlich noch jemanden für ihr Online-Volontariat suchten. Die Aufgaben umfassen allerdings auch “Konzeption und Umsetzung von Sales-relevanten Themen in Zusammenarbeit mit Produktmanagement” (Ausschreibung).

Die Boomzeit der damals neu aus der Taufe gehobenen Online-Volontariate war um 2000/2001. Damals habe ich diese in einer Pionierstudie detailliert untersucht. “Ausbildung für den Online-Journalismus” gibt es nun auch hier zum Download (PDF, ca. 1,9 MB). Mehr Informationen zur Studie auf meiner Homepage. Veränderungen der Lage bis 2003 dokumentierte ein Artikel im alten Design von onlinejournalismus.de.

Zehn Jahre Telepolis

Nein, wir sind keine Jubelperser (gestern Zeit.de, heute Telepolis, oh, haben wir eigentlich Focus Online vor einigen Wochen auch gratuliert?). Natürlich freut es mich besonders, dass ein Projekt wie Telepolis diese magische Marke erreicht hat. Zum zweiten Geburtstag, 1998, schrieb ich für die “taz” 69 Zeilen über Telepolis. Die Reaktionen auf diesen Artikel waren interessant: Telepolis-Leser sahen in mir den Prototyp des “kleinbürgerlichen Journalisten” für andere war ich ein “Lakai des Großbürgertums”. Ja mei. Und immer noch komme ich mit Telepolis nicht so richtig klar. Der bunte, manchmal für mich schon abstrus erscheinende Themenstrauß irritiert mich. Vielleicht gehört es gerade deswegen zur täglichen Lektüre.

Glückwunsch an die sympathische Redaktion!

Fundierte Informationen zu zehn Jahren Online-Journalismus finden Sie in unserem im herkömmlichen Design gestalteten Dossier Online-Journalismus dekade1.

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