„99 Prozent der Blogs einfach nur Müll“

onlinejournalismus.de: Stichwort „Medium der Zukunft“. Kürzlich erschien mit interner Link“Blogs!“ ein Buch, in welchem einer der Autoren, Don Alphonso, behauptet, dass Blogs künftig „den Journalismus im Internet aufmischen“ werden. Sehen Sie das auch so dramatisch?

Blumencron: Ich glaube Blogs sind eines der Hype-Themen, die wir alle paar Jahre haben. Mal ist es Paid Content, 1999/2000 war es die Konvergenz von TV und Internet – alles wird eins, hieß es damals. Das sind schöne Phantasien. Und genauso verhält es sich mit der These, dass Blogs den Journalismus verdrängen oder grundsätzlich revolutionieren werden. Das ist für mich völliger Nonsens! Blogs sind wichtig, wenn sie gut gemacht sind und interessante neue Stimmen liefern

Aber so revolutionär sind sie in vielen Dingen dann auch nicht. Seit es das Internet gibt, gibt es auch interessante Autoren, die mit ihren Homepages im Netz sind; es gibt Kolumnen oder Tagebücher, die vom üblichen Stil etwa einer Tageszeitung abweichen. Aber heutzutage muss eben alles Blog heißen. Dazu kommt, dass 99 Prozent der Blogs einfach nur Müll oder zumindest journalistisch einfach nicht relevant sind. Es handelt sich um eine interessante Entwicklung, die aber den Journalismus nicht grundsätzlich verändern wird.

Das klassische Zitat von Spiegel-Online-Chef Mathias Müller von Blumencron stammt aus einem Interview, das Teil unseres Dossiers zu zehn Jahren Onlinejournalismus in Deutschland war und im Oktober 2004 online ging. Häufig wurde es verkürzt wiedergegeben, die Blogger-Meute stürzte sich drauf – ebenso, als sich Blumencron 2005 auf dem Jonet-Tag noch einmal anders äußerte.