augenzeuge@n24.de / Video-Einsendungen

Ich würde es mir dreimal überlegen, bevor ich diesem Aufruf des Nachrichtensenders N24 folge. Dort sucht man nämlich nach Augenzeugen interessanter Ereignisse, die kostenlos ihre Bilder und Videos davon an die Redaktion schicken. Die trifft dann eine Auswahl und sendet das Ganze im Fernsehen. Als Anreiz soll offenbar dienen, dass der Name des Urhebers genannt wird.

Dieser tritt mit Einsendung des Materials aber gleich alle Rechte ab. Bei N24 heißt es:

Mit dem Einsenden des Materials überträgt der Einsender N24 kostenlos sämtliche im Zusammenhang mit dem Material bei ihm entstandenen, entstehenden und/oder hierfür von ihm erworbenen oder zu erwerbenden urheber-rechtlichen Nutzungs-, Leistungsschutz- und sonstigen Rechte, insbesondere das Senderecht, das Recht zur Verfügungsstellung auf Abruf, das Bild- und Tonträgerrecht, das Audiotex- und Teletextrecht, das Datenbank(übertragungs)recht, das Drucknebenrecht, das Bearbeitungs-, Vervielfältigungs- und Verbreitungsrecht, das Recht zur Werbung und Klammerteilauswertung etc., zur nicht-ausschließlichen, frei übertragbaren, zeitlich, räumlich und sachlich uneingeschränkten Nutzung.

Und außerdem muss der Einsender garantieren,

  • dass N24 alle übertragenen Rechte und Befugnisse, insbesondere alle zur Ausstrahlung der Produktion erforderlichen Rechte erwirbt.
  • dass diese weder ganz oder teilweise auf Dritte übertragen noch mit Rech­ten Dritter belastet noch Dritte mit ihrer Wahrnehmung beauftragt wurden sowie
  • dass weder bei der Herstellung noch bei der Ausstrahlung des Materials Rechte Dritter verletzt werden, die zu Ansprüchen gegen N24 führen können.

Was aber, wenn der Einsender im guten Glauben eine Menge garantiert, es dann aber doch nicht einhalten kann, weil zum Beispiel Rechte Dritter verletzt sind, von denen er gar nichts weiß? Er kann dann nur auf die Sorgfaltspflicht der Redaktion hoffen, die schon bei Sichtung des Materials das Gespür haben sollte, eine mögliche Rechteverletzung zu erkennen. Ansonsten kann ich potenziellen Einsendern nur empfehlen, schonmal rechtzeitig eine Rechtsschutzversicherung abzuschließen.

(via Olaf Nitz)

Anmerkung des Autors: Ich weise darauf hin, dass ich unter anderem für den Nachrichtensender n-tv arbeite. n-tv steht gewissermaßen in direkter Konkurrenz zu N24.

taz bloggt los

Still und heimlich hatte die taz in den letzten Tagen das erste ihrer Blogs gestartet – zur WM. Jetzt gibt es mehr: Unter anderem eins von Barbara Winsemann – Stichwort “Stop 1984″. Das Medienblog Bildschirmtext verantwortet Philipp Dudek – eifrigen Lesern von onlinejournalismus.de durch seinen längeren Artikel zum Thema Citizen Media hier bekannt (der zuerst in der taz erschien).

Zum Abgleichen: Vor einigen Monaten hatte Thomas Mrazek taz-Projektchef Bröckers für uns über die Webpläne der taz befragt (dort kann man auch nachlesen, ob sich meine Prognosen zu den taz-Blogs bewahrheitet haben. Ein Medienblog ist auf jeden Fall dabei …)

Nachtrag: Der Link (siehe Kommentar) funktioniert doch auch so tadellos.

Crossmedia in der Region



Die “Rheinische Post” war einer Pioniere unter den deutschen Internetmedien. Lange galt sie als eine der wenigen gut aufgestellten Regionalzeitungen. Dann kam die Krise, und man hörte trotz weiterhin verhältnismäßig guter Ausstattung wenig aus Düsseldorf. Ende 2004 meldete sich rp-online mit “Opinio” zurück. Jetzt ist ein neuer Online-Chef mit großen Plänen angetreten – Oliver Eckert, zuvor bei Bild.t-online.
Weiterlesen …

Peter Turi meint: Bildblog zu 90 Prozent Schrott

In der Gesprächsreihe Blogtalk bringt der Medienjournalist Peter Turi seine Abneigung gegenüber dem Bildblog auf den Punkt:

“90 Prozent des Inhalts beim Bildblog sind Schrott. Und: Ein Blog ohne Kommentarfunktion ist wie ein Hahn ohne Libido.”

Vorher schildert er freilich, dass er mit dem Bildblogger Stefan Niggemeier ein persönliches Problem hat:

“Vielleicht liegt’s an der Person. (…) So circa 2001/2002 hat Nigge einen sehr, sehr bösen und hämischen Artikel über die Krise beim kressreport geschrieben, der in dem Satz gipfelte. “Der kressreport ist tot.” Das war und ist gelogen und hat den Kollegen, die ums Überleben kämpften, sehr, sehr, sehr geschadet. Es wäre um ein Haar eine Self-Fullfilling-Prophecy geworden. Deshalb möchte ich von Stefan, der meines Erachtens an in dramatischen Situation jedes Verantwortungsgefühl hat vermissen lassen, nicht über Ethik im Journalismus belehrt werden.”

Das Ganze ist für einen Medienjournalisten ziemlich unprofessionell. Selbstverständlich sollen und müssen das Bildblog und seine Macher auch kritisiert werden, aber nicht auf so eine dämliche und primitive Art und Weise.

Nachtrag 24.06.2006

Jürgen Habermas lobte das Bildblog kürzlich bei einer Tagung in Dresden:

Laut Habermas kann die Online-Kommunikation nur dann einen relevanten Beitrag zum politischen Diskurs leisten, wenn sie sich mit der Berichterstattung der etablierten Medien auseinander setzt. Ein positives Beispiel hierfür sei die Webseite von bildblog.de. Die Bildblog-Redakteure haben der Online-Ausgabe des Massenblatts neulich eine Honorarforderung in Höhe von 2088 Euro für ihre ungebetenen Korrekturarbeiten zukommen lassen. Über diesen Gag kann sich der Theoretiker des kommunikativen Handelns köstlich amüsieren.

Nachzulesen im “Tagesspiegel” vom 23.06.2006

Ach, das E-Paper gibt’s ja auch noch: Heute “Die Zeit”

Peter Giesecke musste kürzlich nolens volens auf die E-Paper-Ausgabe der “Zeit” zurückgreifen und schildert im – übrigens sehr empfehlenswerten – Blog Netzausfall seine Rezeptionsprobleme auf süffisante Weise.

Ich halte das E-Paper in den meisten derzeit angebotenen Formen für einen Rohrkrepierer. Das weiß man selbstverständlich auch bei den Medienhäusern. Wie es beispielsweise die “Zeit” entscheidend besser machen könnte – ich weiß es nicht. Und selbst mit ein besseren Lösung würde man so verwöhnte Nutzer, wie Peter Giesecke oder mich, wohl nicht vollkommen zufriedenstellen können. Schwer ist leicht was.

Online: Erwachen im Ruhrgebiet?

Den Zeitungen wachsen keine Leser nach – aber ob dies das Rezept ist? Uwe Knüpfer, früher Chef der WAZ in Essen, will seinem alten Arbeitgeber Konkurrenz machen: Mit einer kostenlosen Online-Zeitung. Oder eher einem E-Paper? “”Das Angebot besteht aus mehreren Lokalausgaben und wird – bis auf Ausnahmen – nicht ständig, sondern einmal täglich aktualisiert, so dass der Leser das zu Haus ausgedruckte Produkt wie eine Tageszeitung nutzen kann”, schreibt der Spiegel. Soviel zum Thema Vorteile des Online-Mediums (Der Spiegel-Artikel ist nicht online – wohl aber ein darauf basierender Text der Netzeitung).

Mit zunächst zwei Lokalteilen will Knüpfer den Zeitungen der WAZ-Gruppe auf den Pelz rücken. “Wir halten uns dabei an eine strikte Trennung von Redaktion und Werbung”, sagte Knüpfer der dpa.

Die WAZ, die nach massiven Investitionen in ihr Projekt Cityweb während der Boomzeit seit einigen Jahren nur noch ein Online-Angebot zum Abgewöhnen macht, will reagieren. Chefredakteur Ulrich Reitz arbeitet nach Spiegel-Angaben federführend an dem
Projekt “WAZ live”. Er führt ebenfalls große Worte im Munde: “Bis zum Jahresende haben wir Blogger in allen 28 Lokalredaktionen und zehn Redakteure in der Online-Mantelredaktion”. Bloggende WAZ-Redakteure? In einem Konzern, der seinen Mitarbeitern vor einigen Jahren nicht mal Internet-Zugänge gönnte?

Videos traffic-freundlicher laden

Auf vielen Websites werden Videos ausschließlich im Flash-Format angeboten. Aus redaktioneller Perspektive ist das keine schlechte Wahl, will man doch das größtmögliche Publikum erreichen. Das Flash-Plugin ist (nach Hersteller-Angaben) viel weiter verbreitet als sämtliche Player-Alternativen wie Real, Windows Media oder Quicktime.

Wenn ich mir allerdings die Videoplayer auf bekannten Nachrichten-Sites in Deutschland anschaue, taucht immer wieder dasselbe Problem auf: Sie streamen nicht richtig. Beispiel: Der “Miniplayer” in der rechten Spalte auf der Startseite von Focus Online. Drückt man “Play”, wird das Video so schnell wie möglich geladen, und zwar komplett in einem Durchgang. Mit einer durchschnittlichen DSL-Verbindung sind die Videodaten also nach etwa einer halben Minute beim Nutzer angekommen.

Was aber, wenn der Nutzer nach 30 Sekunden feststellt, dass ihn die restlichen 2:30 Minuten nicht mehr interessieren? Er wird vermutlich stop drücken bzw. weitersurfen. Von den 100% übertragenen Videodaten hat er dann nicht einmal 20% angesehen. Pure Verschwendung. Ich habe zwar keine Ahnung, wieviel ein Großabnehmer wie Focus Online für 1 Gigabyte Datenverkehr zahlen muss – aber vermutliche ließe sich eine Menge Geld sparen.

Dasselbe Problem tritt auch bei Spiegel Online, YouTube, Google Video, Yahoo Video, MyVideo, Dailymotion etc. auf.

Insofern gehen Websites wie tagesschau.de oder heute.de, die Standard-Player wie Real oder Windows Media mit ausgereifter Streaming-Technik einsetzen, besser mit der wertvollen Ressource “Traffic” um.

Einen gut programmierten und sauber streamenden Flash-Videoplayer setzt c|net news ein. Dieses Video beispielsweise ist der Mitschnitt einer Pressekonferenz mit Bill Gates, der seine neue Rolle bei Microsoft erklärt. Dabei werden paketweise immer nur soviele Daten vorgeladen, wie auch tatsächlich benötigt werden, um das Video gerade noch ohne Aussetzer anschauen zu können – mehr aber nicht. Drückt man auf Pause, werden auch keine Daten mehr geladen.

Videoeinbindung bei SpOn, Teil 4

Seit kurzem werden Werbespots vor einige der Videoclips bei Spiegel Online geschaltet (z.B. vor die von der Videoredaktion selbst produzierten Clips sowie Carsten van Ryssens WM-Kolumne; werbefrei bleiben alle alten Videos, Ehrensenf und auch die Reuters-Beiträge).

Die Werbung scheint tatsächlich noch von Redakteuren in die Videos geschnitten und nicht über einen Ad-Server geliefert zu werden. Denn einerseits läuft immer dieselbe Werbung (arena.tv), andererseits lässt sie sich geschickt überspringen (durch einfaches “Vorspulen” mittels Slider) – was dem Nutzer sehr entgegen kommt.

Übrigens: Was man an sämtlichen Videoplayern noch verbessern sollte, ist die Art und Weise, wie sie mit Traffic umgehen. Gerade bei den direkt in die Seite integrierten Videos kommt es doch häufig vor, dass man mal kurz auf Play drückt, nach kurzer Zeit aber das Interesse verliert und wieder auf Stop klickt. Auch wenn man jetzt vielleicht nur ein Drittel des Videos gesehen hat, wird der Rest weiter geladen. Bei Tausenden Abrufen täglich kann das für den Site-Betreiber richtig ins Geld gehen.

Mediokratie statt Meritokratie im Web 2.0

Was wir jetzt beobachten können, ist eine beängstigende Ausbreitung des Trugschlusses, das Kollektiv sei unfehlbar.

Eine Art Abrechnung: Internet-Veteran Jaron Lanier (Homepage) in der SZ über Schwarmintelligenz, Wiki-Gläubigkeit und Maiosmus im “sogenannten Web 2.0″.

BBC lässt sich in die Karten schauen

Was sonst höchstens Redakteure wissen: Bei der BBC kann man sich auf einer Weltkarte anzeigen lassen, welche Artikel die populärsten sind – auch nach Weltregionen getrennt. Weiter hereinzoomen wie beim Nachrichten-Weltatlas von tagesschau.de geht nicht. Ein nettes Spielzeug – und ein Generator für zusätzlichen Traffic?

(via Basicthinking)

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