Gesundheitsministerium macht sich vollends lächerlich

Wer je – zufällig oder durch ein Posting, die in den vergangenen Monaten hier und da in Blogs zu finden waren – auf die absurden “Verlinkungsregeln” gestoßen ist, die das Bundesgesundheitsministeriums für Links auf (nicht von) seine Website bmg.bund.de aufgestellt hat, wird schmunzelnd den Kopf geschüttelt haben – und zwar nicht über das fehlende Leerzeichen. Kurz: Das Ministerium interpretiert jeden Hyperlink als einen Vertrag, der ihm innerhalb von 24 Stunden mitgeteilt werden muss und “jederzeit widerrufbar” ist.

Das ist offenbar tatsächlich ernstgemeint. Die Grüne Jugend hat es ausgetest – mit verblüffendem Ergebnis:

Daher haben wir auf zwei Unterseiten, auf denen wir die Drogenbeauftragte des Ministeriums kritisieren, Link und Logo angebracht und den E-Mail-Verkehr mit dem Ministerium begonnen.

Das Rechtsreferat des Hauses zieht die selbst aufgestellten Regeln tatsächlich durch. Zur Begründung heißt es, bei flüchtiger Lektüre der Seite könne der Eindruck entstehen, als stehe das Ministerium inhaltlich hinter der auf unserer Webseite getroffenen Aussage oder sei sogar Mitherausgeber dieser Webseite.

Alle weitere erklärt die Nachwuchsorganisation der Grünen selbst auf ihren Seiten. Das Ergebnis bleibt abzuwarten.

(Das BMG wurde über den oben gesetzten Link nicht informiert. Der Autor zählt auf den Rechtsschutz über den DJV). P.S.: Das Benutzen der BMG-Website geschieht auf eigene Gefahr. Das Bundesamt für Naturschutz übernimmt keine Haftung – doch, echt wahr.

In eigener Sache: Dokumentarfilm “Alltag Überwachung”



Video-Trailer zum Dokumentarfilm “Alltag Überwachung”, Länge: 4:07 Min., ca. 15 MB. Vielen Dank an Juho “Blamstrain” Hietala für die Musik.

Updates:

  • Novmeber 2007: Der “Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung” hat in Berlin bis zum 15. November den “Kleinen Überwachungsladen” eingerichtet. Während dieser Zeit wollen die Speicherungsgegner dort auch mehrmals “Alltag Überwachung” zeigen, in dem die die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung und die Auseinandersetzung darum eines der Hauptthemen sind.
  • September 2007:Am Sonntag, 9. September, findet im Glashaus Jena unter dem Titel “Auf dem Weg zum Überwachungsstaat“ ein Informationsabend – organisiert von Vertretern des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung in Zusammenarbeit mit dem Projekt „Freiheitsredner“ – statt. U. a. wird unser Film “Alltag Überwachung” gezeigt.
  • Juli 2007: Am Mittwoch, 4. Juli, sind wir zu Gast im Leipzig bei der ersten Ausgabe des Salon Surveillance und stellen dort u. a. unseren Film vor. Hier ist die Einladung für alle Interessieren (PDF).
  • März 2007: Alltag Überwachung ist bei tagesschau.de nicht nur als vierteiliges Videodossier im Dezember 2006 veröffentlicht worden, sondern kann dort inzwischen auch im MPEG4-Format heruntergeladen werden (in vier Teilen oder in der Komplettfassung, ca. 350 MB).
  • März 2007: Kurz-Rezension bei Phlow.net
  • Januar 2007: Am Samstag, 13. Januar, wurde “Alltag Überwachung” in der Sendung “Blogspiel” auf DeutschlandRadio Kultur vorgestellt. Die Sendung ist auch als Audio abrufbar.

Ganz vorab: “Alltag Überwachung” ist ein 45-minütiger Dokumentarfilm. Darin gehen wir einer Frage nach, die sich angesichts immer neuer Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung stellt: Leben wir mittlerweile in einem Überwachungsstaat? “Alltag Überwachung” ist eine freie Produktion, die teilweise mit einem Recherchestipendium finanziert wurde. Gesucht wird noch ein TV-Sendeplatz (Kontakt für Redaktionen) Weiterlesen …

Kl. Nachtrag zur wöchentlichen Neujahrsansprache

Ich war mit dem bisherigen Verlauf der Fragestunde sehr zufrieden. Aber ich habe immer Sorge gehabt, dass es in technische Details geht. Jetzt kann ich Ihnen nur sagen: Wir geben dazu eine schriftliche Meldung heraus. Von Windows Media Playern ist hier die Rede; von MP3 nicht, sondern von MPEG-4-Playern. Ich bin da völlig überfordert. Ich muss einräumen, dass ich dieses Informationsangebot selbst nicht nutzen könnte.

Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg zum Video-Podcast der Bundeskanzlerin – laut Mitschrift der Pressekonferenz im Blog der Grünen Jugend:

Regierungssprecher ist mit Merkel-Podcast “völlig überfordert” (via wirres und hebig.com)

Gibt es eigentlich schon Wetten, wie lange die Bundeskanzlerin durchhält? Spiegel Online will ja Merkel-Mash-Ups sammeln, mal schauen, was da rauskommt.

Relaunch von kicker.de

Pünktlich zur WM wurde die Website von kicker.de gründlich überarbeitet. Was zuerst auffällt: Die Seite wirkt sehr viel aufgeräumter als zuvor. Das neue Layout ist nunmehr in fast fehlerfreiem XHTML 1.0 transitional kodiert – ein deutlicher Schritt nach vorn in Richtung Barrierefreiheit mit dem angenehmen Nebeneffekt, dass der Code nur noch halb so viel auf die Waage bringt wie zuvor.

kicker.de Relaunch
kicker.de: vorher und nachher.

Die Seite ist für eine mittlere Bildschirmauflösung von 1024×768 Pixeln optimiert, wobei der rechte Rand ausschließlich für Werbung vorgesehen ist. Weil die damals links positionierte Navigationsleiste jetzt am oberen Bildschirmrand ist, wird der 768 Pixel breite Inhaltsbereich in zwei recht üppige Spalten geteilt: links die Artikel, rechts Schlagzeilen, Teaser und anderes. Die breiten Spalten lassen zusätzlichen Raum für Werbung. Ein Trend, der sich damals ja schon beim kleinen Relaunch von Spiegel Online (außer auf der Startseite) durchgesetzt hat, oder zum Beispiel auch bei stern.de zu sehen ist.

Für 300 Euro bei jetzt anheuern

Frisch mit dem Grimme Award gekrönt, will sich jetzt.de um den Schreiber-Nachwuchs kümmern. Obwohl die Community der Süddeutschen Zeitung ja selbst gar kein Blog ist oder aber schon immer eins, wie jetzt.de-Chef Dirk von Gehlen noch kürzlich im Interview mit onlinejournalismus.de sagte. Nun aber wird ein Blogger-Stipendium ausgeschrieben.
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Urheberrechte, Haftung, Citizen Journalism

Am Beispiel der neuen Foto-/Video-Community Focus Live greift Don Alphonso in der Blogbar ein spannendes Thema auf: Wie sieht es eigentlich mit den Urheberrechten aus, und vor allem: Wer haftet, wenn Rechte Dritter verletzt wurden? Die User? Oder das veröffentlichende Medium?

Im Grunde ist die Frage übertragbar auf alle Angebote, die ihre User um Inhalte bitten. Denn jedes Foto, jedes Video birgt die Gefahr, dass dort Personen abgebildet werden, die das gar nicht wünschen. In welchen Fällen keinerlei Rechte verletzt werden, ist ohne Wissen des Kontextes, in dem das Foto/Video angefertigt wurde, oft schwer zu beurteilen. Das Risiko pauschal auf die User zu verlagern, ist sicher etwas zu kurz gedacht.

Und wie schaut es zum Beispiel mit Musikrechten aus, selbst wenn Musik von Netlabels benutzt wird, die unter einer Creative Commons-Lizenz veröffentlicht wurde? Die kommerzielle Nutzung wird durch eine CC-Lizenz meistens ausgeschlossen. Mal angenommen, ein musikuntermaltes Video landet zum Beispiel bei Focus Live – ist das dann kommerziell genutzt, weil Focus Online ohnehin wirtschaftliche Ziele verfolgt? Oder nichtkommerziell, weil die User ja kein Geld damit verdienen, anderen ihre musikuntermalten Videowerke zur Verfügung zu stellen?

Readers Edition offiziell gestartet

Die Readers Edition ist seit gestern für jedermann freigeschaltet und macht auf dem ersten Blick einen soliden Eindruck. Von den angestrebten 20 Millionen Redakteuren hat das von der Netzeitung initiierte Projekt schon etwa 50 gewonnen (Stand: 15:00 Uhr).

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Fotos von den Fans

Ein Trend ist deutlich bei der massiven Berichterstattung rund um die Fußball-WM: Etliche Websites wollen ihr Angebot durch Bilder von Fans aufpeppen. Ein buntes Thema mit viel Begeisterung – sicher ideal, um mal das Potenzial für diese Spielart von Citizen Journalism auszuloten. So bittet zum Beispiel das ZDF unter www.ihrebilder.zdf.de um Digitalfotos (nicht vom doppelten Teaser irritieren lassen).
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Grimme Online Award 2006 – Auszeichnungen

Ausnahmsweise mal keine Preise für die Online-Angebote von ARD und ZDF. Stattdessen äußerte die Jury den Wunsch an die Öffentlich-Rechtlichen, künftig “mehr der interaktiven und hohen kommunikativen Potenziale im Netz” zu nutzen.

Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr sieben Websites von unabhängigen, nicht-institutionellen Anbietern, die nach Meinung der Jury “auf beeindruckende Weise neue Formen der Informationsvermittlung prägen, einen zeitgemäßen, zukunftsweisenden Beitrag zur Vermittlung relevanter Wissensinhalte liefern oder hochwertige kreative Formen der Unterhaltung entwickeln”:

Herzlichen Glückwunsch!

Wann funktioniert Online-Video?

Ist Online-Video mehr als nur witzige Clips an die Kollegen mailen? Das Online Journalism Review geht in einem lesenswerten Text der Frage nach, wann Videos auf Nachrichtenseiten funktionieren und berichtet über die Erfahrungen amerikanischer Sites. Eine an sich wenig überraschende Erkenntnis: Videos wirken, wenn das Thema nach Bewegtbildern verlangt (Action, Boulevard, etc.), es sich um ein interessantes Interview handelt oder einen “Dauerbrenner”.

Im notebook-onlinejournalismus sind Wolfgang Harrer und Mitdiskutanten einen Schritt weiter und widmen sich der Frage, wie man Videos “aufbohren” kann bzw. für die gängigen Informationskanäle im Web erschließen, d. h. mit Metadaten versehen oder an ein Transkript koppeln kann – oder es in Beta-Projekten teilweise auch schon tut.

Wir werden die Entwicklung insbesondere in Deutschland weiter beobachten – neben dem massiven Videoausbau bei Spiegel Online stand letztens “unter ferner” liefen in einem Artikel über die Bilanz des Süddeutschen Verlags das Wörtchen “IP-TV” (PDF). Bei der Zeit wird mit Online-Video experimentiert, Focus Online und Handelsblatt.com hegen ebenfalls entsprechende Pläne. onlinejournalismus.de experimentiert – sofern es die Kapazitäten eines Hobby-Projekts zulassen – selbst auch, z. B. in Video-Interviews mit Peter Schink von der Netzeitung und Oliver Eckert von rp-online, der ebenfalls von multimedialen Plänen spricht (erscheint demnächst).

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