Umgekehrte Bildersuche mit Google, Yandex und Co.

Chrome-Plugins für die umgekehrte BildersucheLohnt sich bei der rückwärtigen Bildersuche etwas anderes als Google? Das werde ich häufiger gefragt. Meine Antwort ist klar: Ja! Die Suchmaschinen Yandex und TinEye sollte man bei der Recherche keinesfalls außer Acht lassen. Und sich mit den richtigen Plugins ausstatten.
Natürlich: Auch bei der Bildersuche ist Google der Referenzrahmen, aber seine Stellung ist keineswegs so unangefochten wie in der normalen Suche. Die Suchtreffer unterscheiden sich meiner Erfahrung nach durchaus (ohne dass ich allerdings eine systematische Auswertung vorgenommen hätte). Bei zahlreichen Bildersuchen – unter anderem im Rahmen unserer Verifikations-Quizreihe auf Twitter – stellt sich immer wieder heraus, dass es sich lohnen kann, Alternativen zum Platzhirsch auszuprobieren.

Googles Bildersuche

Googles Algorithmus wertet bei Bildern auch vorhandene Metadaten sowie den Dateinamen  aus und ergänzt im Suchfeld Stichworte zum vermuteten Bildinhalt (Das Prinzip dahinter lässt sich sehr gut im kostenlosen Demo von Googles „Cloud Vision“-API ansehen, mehr zum maschinenellen Lernen auch in Googles Blog-Einträgen von 2012 und 2014).

Googles größter Vorteil neben der schieren Größe seines Indexes ist aus meiner Sicht, dass man dort bei der Reverse Image Search das Ausgangsbild mit zusätzlichen Operatoren kombinieren kann – zum Beispiel einem Suchbegriff oder einer Einschränkung auf eine bestimmte Domain oder Top-Level-Domain. Achtung: Diese Kombination funktioniert nicht mehr, sobald man auf der ersten Ergebnisseite auf „Optisch ähnliche Bilder“ geklickt hat.

Badges: Automatisch generierte Stichwort-Filter in der Google-Bildersuche
Badges: Automatisch generierte Stichwort-Filter in der Google-Bildersuche

Seit kurzem bietet Google neben Zeit, Bildgröße etc. eine neue Reihe von Sortierfiltern (Badges) auf der Ergebnisseite an, die ebenfalls auf Stichwörtern und Farben beruhen. Offenbar erkennt Google die im Bild vorhandenen Farben. Möglicherweise sich diese dann auch als Text-Operator abfragen, ohne dass sie als Text auf der Seite des Bildes vorkommen müssen (zum Beispiel Suche nach „Brücke Frankfurt rot“). Ganz neu sind automatisch generierte Bildunterschriften in den Ergebnissen.

Für die Nutzung mit Mobilgeräten ist die Reverssuche von Google Images nicht unbedingt ausgelegt – ein ziemliches Manko. Allerdings gibt es einige Workarounds:

  • Chrome bietet auch in der Mobilversion des Browsers beim Klick auf Bilder die Option „In Google nach dem Bild suchen“.
  • Den Mobilbrowser so konfigurieren, dass er die Desktop-Ansicht anzeigt
  • Eine Umleitungsmaske zur Image Search nutzen – wie zum Beispiel die Seite reverse.photos oder die App Reversee (iOS).

Yandex‘ Bildersuche

Yandex-Bildersuche (mobile Ansicht)
Yandex-Bildersuche (mobile Ansicht)

Die russische Suchmaschine Yandex hat ebenfalls eine Rückwärtssuche (mit englischsprachigem Interface) und bietet nicht nur meiner Beobachtung nach seit einiger Zeit deutlich bessere Ergebnisse, in denen – nicht ganz unerwartet – aber zumindest bei meinen Suchen tendenziell deutlich mehr Suchergebnisse von Seiten aus Osteuropa auftauchen als beim US-Konkurrenten.

In der mobilen Variante – unter Vorspiegelung eines falschen Browsers auch auf dem Desktop abrufbar – bietet Yandex noch eine Reihe weiterer Funktion: automatische Texterkennung im Bild, Suche nach einem bestimmten Automodell oder, für Journalisten vielleicht weniger interessant, Shopping-Angebote auf Basis eines vorgegeben Bildes.

Außerdem gibt es bei Yandex mobil auch  eine Cropping-Funktion: Über ein winziges Icon im der Suchleiste lässt sich ein beliebiger Ausschnitt des Ursprungsbildes als Basis für die Suche festlegen. In der Desktop-Ansicht gibt es Option leider merkwürdigerweise nur, wenn man eine Treffer-Vorschau zum Ausgangspunkt für eine neue Bildersuche machen will.

In unserem Verifikationsquiz hat sich Yandex schon häufiger bei der Suche nach Denkmälern, Statuen und ähnlichen Sehenswürdigkeiten hervorgetan.

Vorschau eines Treffers in der Yandex-Bildersuche
In der Desktop-Ansicht merkwürdiger erst auf Ebene 2 möglich: Bildausschnitt für erneute Bildersuche wählen.

TinEye

TinEye ist eine auf die Rückwärtssuche von Bildern spezialisierte Suchmaschine aus Kanada. Sie sucht vor allem nach Varianten des Originalbildes, nicht nach ähnlichen Bildinhalten, und findet manchmal deshalb auch nur sehr wenig.

Größter Vorteil sind die einfachen Sortiermöglichkeiten: Abweichung des Bildes vom Suchobjekt, Treffern nach Domain (Stockphotodatenbanken sind extra erfasst). und nach Uploaddatum des Bildes. Tendenziell haben aber alle Bildersuchmaschinen mit Uploaddaten so ihre Schwierigkeiten.

Achtung, wer TinEye extensiv nutzt, mag an das Limit der kostenlosen Nutzung gelangen. Nach eigenen Angaben hat TinEye mehr als 25 Milliarden Bilder indiziert.

Sortierfunktionen bei TinEye
Sortierfunktionen bei TinEye

Baidus Bildersuche

Die Suchmaschine aus China biete ebenfalls eine Rückwärtssuche an. Das Kamerasymbol zum Upload des Bildes lässt sich auch ohne Sprachkennntnisse finden, sonst wären die aber schon praktisch. Bei meinen Suchanfragen konnte mich Baidu aber nicht überzeugen, lieferte oft nur Schrott oder gar keine Treffer. Möglicherweise sieht das bei der Suche nach Bildern mit Ursprung in China ganz anders aus. Wie Yandex und Bing bietet Baidu eine Cropping-Funktion.

Bings Bildersuche

Und Bing? Ach, Bing … Allein schon, die Revers-Funktion in Microsofts Bildersuche zu finden, ist viel zu kompliziert, so dass man jedes Mal überlegen muss, wie das noch mal ging. Vernünftige Treffer bringt sie meiner Ansicht nach auch nicht zustande. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Immerhin gibt es bei Bing auch die Möglichkeit, nach Bildausschnitten zu suchen und so möglicherweise abgebildete Gegenstände oder Personen zu identifizieren.

Bing-Bildersuche (Screenshot)
Bing-Bildersuche: Ausschnitte auswählen und bestimmen

Image Raider

Die Metasuchmaschine Image Raider hat sich darauf spezialisiert, für Fotografen regelmäßig das Web zu durchsuchen und zu melden, wo ihre Fotos verwendet werden. Dazu fragt Image Raider Google, Bing und Yandex ab. Auch im normalen, kostenlosen Webinterface kann man mehrere Bild-URLS auf einmal abfragen. Die Metasuche kann allerdings meiner Meinung nach manchmal auch quälend langsam sein und bietet dann kaum Vorteile gegenüber der Einzelnutzung von Google und Yandex.

Browser-Plugins für die Rückwärts-Bildersuche

Wer Chrome als Browser nutzt, für den genügt ein Rechtsklick auf ein Bild zur Google-Suche nach seinem Ursprung. Auch in Tweetdeck, dem Twitter-Tool der Profis, ist die umkehrte Bildersuche ebenfalls inzwischen integriert (in der Großansicht eines Fotos auf die Lupe in der rechten oberen Bildecke klicken). So muss weder das Bild gespeichert noch die URL kopiert werden – wenn es sich nicht nur um eine rasche Überprüfung, sondern um eine richtige Recherche handelt, ist beides natürlich trotzdem unbedingt zu empfehlen.

Um das auch in anderen Browsern oder mit anderen Suchmaschinen ähnlich einfach machen zu können, gibt es verschiedene Add-ons. Die RevEye Reverse Image Search (kostenlos für Chrome und Firefox) öffnet beim Klick auf ein Bild parallel Tabs für die Suche auf Google, Bing, Baidu, TinEye und Yandex.

Mein momentan bevorzugtes Plugin ist InVID. Das gibt es ebenfalls kostenlos für Firefox und Chrome. Abfragen für Google, Yandex, Baidu, TinEye müssen hier separat gestartet werden. Dafür kann das Plugin des InVID-Konsortiums, zu dem Technologieunternehmen, AFP und die Deutsche Welle gehören, bei der Rückwärtssuche nach Videos auftrumpfen und bietet hier inzwischen mehr als der bekannte YouTube Data Viewer von Amnesty International. Via InVID kann man bequem gleich mit mehreren Suchmaschinen parallel nach den Thumbnails eines Videos bei YouTube, Twitter und Facebook suchen. Außerdem kann InVID auch aus anderen Videodateien auf einen Schlag gleich eine ganz Reihe von Standbildern generieren, die dann wiederum direkt in die Rückwärtssuche geschmissen werden können. Für die direkte umgekehrte Suche nach Bewegtbildern gibt es nämlich leider immer noch kein geniales Tool.

(Mit Dank an Julia Bayer, Tilman Wagner & Wolfgang Wichmann)

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