Neues bei der umgekehrten Bildersuche

Zu meinem Überblick über die umgekehrte Bildersuche (reverse image search) mit Google, Yandex und anderen Suchmaschinen gibt es einige berichtenswerte Ergänzungen/Neuerungen:

  • Definitiv schlechter geworden ist Googles Suchalgorithmus nach Beobachtung verschiedener Fachleute – zumindest, wenn man die umgekehrte Bildersuche gebraucht, um dem Ursprungsbild möglichst ähnliche Bilder zu finden. Googles Suchalgorithmus scheint derzeit eher so justiert, dass er thematisch passende, aber sehr allgemeine Motive bevorzugt. Vielleicht gut, wenn man sich ganz allgemein für Illustrationen zum Thema „Hafen“ oder „Gebäude“ interessiert – eher schlecht, wenn man auf der Suche nach einer ganz spezifischen Bildähnlichkeit ist.
  • Die russische Suchmaschine Yandex ist dagegen genau momentan darin sehr gut. Zusätzlich versucht sie, Personen in Bildern zu identifizieren. Auf welcher technischen Basis das funktioniert und ob es sich tatsächlich um eine Gesichtserkennung im engeren Sinne handelt, ist mir bisher unklar (Hinweise gerne in den Kommentaren!) Auch in Bildern erkannte Schrift wird identifiziert (Abhängig von Schriftzeichen und Sprache natürlich, aber besonders praktisch, wenn man selbst mit beidem nicht so vertraut ist). Googles Bildersuchmachine kann generell auch Schrift erkennen, zeigt das Ergebnis aber anders als Yandex normalerweise nicht an.
Yandex: Automatische Texterkennung am Beispiel eines Bild des ehemaligen Tagesschau-Chefredakteurs mit einem gefälschten Zitat.
  • Microsofts Suchmaschine Bing macht ihre lange Zeit versteckte visuelle Suche seit einiger Zeit wie Google und Yandex über ein Kamera-Icon im Suchfenster und damit direkt von der Startseite zugänglich. Zusätzlich zu Bild-Datei und Bild-URL können die Nutzer auch direkt aus dem Suchfenster ein neues Foto als Suchgrundlage aufnehmen. Außerdem werden die Anwendungsmöglichkeiten anhand von Beispielen erklärt.
Screenshot: Visuelle Suche bei Microsoft Bing
Die umgekehrte Bildersuche bei Bing ist jetzt ebenfalls über ein Kamera-Icon erreichbar.
  • Hinter dem Stichwort „Thematische Suche“ und einem Lupen-Icon verbirgt sich bei Bing die Möglichkeit, einen bestimmten Bildausschnitt für die Suche zu wählen und nur dazu passende Ergebnisse anzuzeigen. Das erspart es einem, das Bild in einem externen Programm zu beschneiden und die neue Version hochzuladen, wenn es darum geht, bestimmte Objekte in einem Bild zu identifizieren. Google bietet dieses praktische Feature in seiner Bildersuche leider immer noch nicht. Und bei Yandex lässt es sich unerfindlichen Gründen nicht auf das ursprüngliche Bild, sondern nur ein bereits als ähnlich gefundenes Bild im Browser beschneiden.
  • Die Suchergebnisse bei Bing bleiben allerdings meiner Erfahrung nach deutlich hinter Yandex und Google zurück.

Recherche-Linksammlungen mit Fokus Verifikation

Vier empfehlenswerte Linksammlungen mit Tools für Verifikation und Online-Recherche:

  • Julia Bayer, Deutsche-Welle-Journalistin und Recherche-Trainerin (und Erfinderin der Verifikationstrainingsreihe „Quiztime“ auf Twitter), pflegt eine Sammlung von Recherche-Links. Enthalten sind neben Kartendiensten und Social-Media-Analystetools auch Tutorials und Browser-Erweiterungen.
  • Craig Silvermann, BuzzFeed-Redakteur im Kampf gegen Desinformation, kuratiert eine ähnliche Liste. Darunter sind auch Werkzeug für sein Spezialgebiet: die Analyse von Online-Werbeprogrammen, die Rückschlüsse auf die Betreiber einer Website ermöglichen.
  • Bellingcat’s Online Investigation Toolkit ist die umfangreichste Linksammlung dieser Liste. Mitarbeiter des Recherchekollektivs haben (derzeit) 22 Seiten Links inklusive Anmerkungen zu den einzelnen Tools zusammengestellt.
  • Die First Draft Verifikation Toolbox ist dagegen eine Metasuchseite, auf der sich ein gutes Dutzend der wichtigsten Dienste für die Überprüfung der Glaubwürdigkeit von Bildern, Videos oder Texten aus dem Netz sofort abrufen lassen (umgekehrte Bildersuche, YouTube Data Viewer, Exif-Daten, historische Wetterdaten etc.).

Infografik: Die Open-Source-Intelligence-Landschaft (Bellingcat)

Den selben Ort bei Google Maps und anderen Kartendiensten vergleichen

Bildschirmfoto Map SwitcherBei der Verifikation von Fotos oder Videos kommt es häufig vor, dass man den Bildinhalt mit Karten- oder Satellitenbilderdiensten abgleicht, um den genauen Aufnahmeort herauszufinden (Geolokalisierung). Jeder denkt wahrscheinlich zuerst an Google Maps. Aber nicht immer sind die Daten dort zufriedenstellend und es kann sich lohnen, auch auf andere Dienste zum Vergleich zurückgreifen. Wenn man zu aber bei jedem Anbieter die jeweiligen Ortskoordinaten (Adresse oder Geoposition in Längengrad und Breitengrad) wieder neu eingeben oder einfügen muss, wird das schnell lästig. Dem kann zum Glück abgeholfen werden. Weiterlesen „Den selben Ort bei Google Maps und anderen Kartendiensten vergleichen“