Von Bernd Oswald am 20. August 2010

Als ich heute morgen das “SZ-Magazin” in die Hand nahm, rätselte ich zuerst, wer auf dem Cover sein Gesicht hinter seinen Händen verbarg, tippte dann aber doch bald auf Sandra Maischberger. Doch das zweite Rätsel folgte sogleich: “Dieses Heft lebt”, suggerierte ein eingekreistes Plus-Zeichen. Also blätterte ich wie geheißen auf Seite 27 und erfuhr vom Augmented Reality-Experiment des SZ-Magazins.
“Augmented Reality” (AR) heißt so viel wie “angereicherte Realität” oder “erweiterte Wirklichkeit.” Man richtet seine Handykamera auf einen realen Gegenstand und wenn der im Kanal einer Smartphone-App wie Layar oder Junaio hinterlegt ist, werden auf dem Display weiterführende Informationen zu dem Objekt angezeigt.Sehen wir uns das am Beispiel des “SZ-Magazins” an: Ich habe mir die Junaio-App auf mein IPhone geladen und den Channel SZ-Magazin ausgewählt. Wenn ich nun mein Smartphone auf das Cover halte, erscheint über dem mit Händen verborgenen Gesicht eine Video-Play-Taste. Wer draufdrückt, sieht ein wenige Sekunden langes Video (ohne Ton), in dem die Hände zur Seite genommen werden und das Antlitz von Sandra Maischberger erscheint. Nett, aber noch nicht der Knaller.

Das zweite “Plus”-Zeichen findet sich beim “Sagen Sie jetzt nichts” mit Lena Meyer-Landrut. Hier werden Sprech-, nein Gedankenblasen sichtbar, die visualisieren sollen, was Lena sich bei den Fragen gedacht hat. “Ein ganz klares Nööp” zum Beispiel auf die Frage, ob wir Lena durchschauen. Sieht gut aus, gibt dem Ganzen aber eine comic-hafte Anmutung, vor allem aber konterkariert es die Idee des “Sagen Sie jetzt nichts”, die ja auf Mimik und Gestik der Interviewten beruht.
Spielerei ohne Mehrwert
Es tauchen noch drei weitere AR-Elemente auf: ein Garmischer Bauer, der auf einmal einen Parkplatz voller Autos auf seiner grünen Wiese hat, die Auflösung des Rätsels “Das Kreuz mit den Worten” und eine Animation zur Hacke-Kolumne “Das Beste aus aller Welt”. In allen fünf Fällen bleibt aber der Eindruck: eine nette, schön anzusehende Spielerei, aber wo bitte bleibt jetzt der Mehrwert der AR-Erweiterung? Was bringt mir das außer einem - allerdings sehr kurzen - Moment der Unterhaltung? Dem “SZ-Magazin” bringt es die Erwähnung, die erste deutsche Print-Redaktion gewesen zu sein, die sich an Augmented Reality versucht hat. Das ist schon mal was, da waren die Münchner mal wieder Avantgarde. Spielerische Avantgarde. Bei aller inhaltlicher Kritik muss man aber auch sagen: Sie haben es wenigstens mal ausprobiert, sie haben Mut zum Experiment bewiesen. Und der ist in der deutschen Zeitungslandschaft ja nicht besonders stark ausgeprägt.P.S.: Gut gemacht ist die crossmediale Aufbereitung des AR-Experiments. Die Erklärseite des Magazins verweist auf die Homepage, wo ein Demo-Video zu sehen ist - für alle, die kein Smartphone haben.
Update: Ich möchte noch zwei Links zum Thema AR nachreichen: 6+ Anwendungsmöglichkeiten für Augmented Reality für journalistische Zwecke bei KoopTech und den Augmented Reality-Beitrag des “Elektrischen Reporters”.
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Von Fiete Stegers am 22. August 2010
… das hat WDR.de-Reporter Stefan Domke ab Montag vor: “In fünf Tagesetappen wird er den Nebenfluss des Rheins von Schwerte bis Duisburg befahren. Seine Geoposition und das Bild einer Bordkamera werden live im Internet übertragen.” Warum das Ganze? “Am Anfang stand die Idee, das Gebiet der Kulturhauptstadt im Sommer, zur Urlaubszeit, aus eher ungewöhnlicher Perspektive kennenzulernen und zu präsentieren. Im Mittelpunkt einer solchen Tour, so der Wunsch, sollten dabei weniger die Leuchtturm-Projekte des Ruhr2010-Jahres stehen. Vielmehr wollten wir uns Orten und Landmarken widmen, die das Ruhrgebiet auch abseits von Zollverein&Co zu einem ausgesprochen lohnenswerten Ausflugziel machen.” Bin mal gespannt, wie er während des Paddels wie versprochen mit dem Publikum kommunizieren will - gibt’s fleißige Paddelhelfer?
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Von Bernd Oswald am 20. August 2010

Thomas Mrazek war so freundlich, mir einen Autorenzugang einzurichten, demnächst werde ich also in dieser Runde mitbloggen: Bernd Oswald, 36 aus München. Online-Journalist bin ich seit 2000, als ich als freier Mitarbeiter bei sueddeutsche.de anfing, das ich 2009 als Ressortleiter Nachrichten/Aktuelles verließ. Seither setze ich mich als freier Online-Journalist und -Trainer mit dem Medienwandel auseinander, der im Grunde genommen eine Medienrevolution ist: in technischer und ökonomischer Hinsicht, aber auch in Bezug auf das journalistische Berufsbild. Journalisten (vor allem in meinem Alter und aufwärts) müssen sich vor allem technisch fortbilden, das multimediale Geschichtenerzählen lernen und starke Teamplayer sein. Mein politisches Interesse kommt in meinem PIN-Blog zum Ausdruck, wo ich über Netzpolitik schreibe. Bis bald hier auf onlinejournalismus.de!
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Von Thomas Mrazek am 11. August 2010
Vor einem Jahr hatte ich an dieser Stelle moniert, “Zeit Online huldigt Renault”. Ich empfand eine allzu längliche Bildstrecke für ein französisches Automobil als Schleichwerbung, die Redaktion entfernte die werbenden Bilder dann auch nach meinem Hinweis. Gut so.
Ich wünsche mir von so einem integeren Online-Angebot, dass man auch den aus der “Zeit” vom 29.07.2010 stammenden (Werbe-)Text “Portugal: Der Strand - Die Bucht von Alteirinhos braucht keine Wellenreiter, um lässig zu sein”, mit dem verlinkten Hinweis “Weitere Informationen unter www.visitportugal.com” entfernt. Schließlich endet der durchweg schwärmerische Artikel mit der Aussage: “Wir behalten das Paradies gern für uns allein.” So soll es denn sein. Muss wohl durchgerutscht sein, ansonsten ist es wohl ein schönes Beispiel für Schleichwerbung.
Nachtrag
Herrje, man darf nicht anfangen rumzustöbern, sonst stößt man auf noch auf “Das schönste Hotel des Sommers” (”Die Zeit” vom 29.07.2010) in St. Tropez … Wer es lieber deutsch mag, der kann mit Zeit Online “Auf Tour mit dem Feldberg-Ranger” gehen. Und wie es sich für ein Online-Angebot gehört, gibt es viele Links im Text …
Nachtrag 16.08.2010
Alles nur kleine Fische (wenn überhaupt …) im Vergleich zu dem was Peer Schader bei FAZ.NET im Fernsehblog sehr schön dokumentiert hat: “See-Schwäche auf allen Kanälen: Wie das Fernsehen der Kreuzfahrtindustrie verfiel”.
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Von Fiete Stegers am 6. August 2010
Ein zerstörter Blumenkübel sorgte im Münsterland für Aufregung - und einen guten Tag lang für noch mehr bei diversen Twitterern, Bloggern usw.
Was das über Internet-Phänome und Lokaljournalismus sagt und welche Auswirkungen die unerwartete Prominenz auf die Zugriffszahlen der Münsterschen Zeitung hatte, haben schon andere aufgeschrieben:
Das Gute an der Sache: Inzwischen wurden den Betroffenen Ersatz für den Blumenkübel gespendet.
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Von Thomas Mrazek am 28. Juli 2010
“Die Netzgemeinde mobilisiert sich gegen den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Twitterer wollen sich am Mittwoch zu einem „Flashmob“ vor dem Duisburger Rathaus treffen. Um 17.30 Uhr wollen die Nutzer des Mikro-Blogs Adolf Sauerland zum Rücktritt auffordern”, heißt es im Einstieg eines Artikels bei DerWesten, der den Titel “Twitterer fordern Sauerland zum Rücktritt auf” trägt. Außerdem wird in dem Artikel auf eine Online-Petition verlinkt, die den Oberbürgermeister zum Rücktritt auffordert.
Klar muss bei dieser Katastrophe auch darüber berichtet werden, wie einige Menschen im Internet (ich halte “Die Netzgemeinde” für einen völlig unangemessenen Begriff, ebenso “des Mikro-Blogs”) mit ihrer Trauer aber auch mit ihrer Wut über das Geschehene und die vermeintlich Verantwortlichen umgehen. Dabei sollte allerdings gerade beim führenden lokalen Medium absolutes Fingerspitzengefühl angesagt sein, DerWesten, die “WAZ” tragen da große Verantwortung.
In dem Artikel wird nicht darauf hingewiesen, wer die Initiatoren dieses Flashmobs sind – es scheint sich um eine amorphe Masse zu handeln; ebenso verhält es sich bei der Online-Petition – es wird kein Urheber genannt. Da wurde einfach nicht recherchiert sondern nur plump aus dem Netz kopiert – Hauptsache, die Entwicklung wird spannend dokumentiert und “die Netzgemeinde” ist ja eh irgendwie okay. Ein gestern bei DerWesten veröffentlichter Artikel, der sich direkt unter dem “Flashmob”-Artikel befindet, weißt übrigens deutlich auf die Stimmungslage in Duisburg hin: “Morddrohungen – OB Sauerland versteckt Familie”.
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Von Fiete Stegers am 27. Juli 2010
Focus und Frankfurter Rundschau haben ihre Websites relauncht. Die FR erklärt ausführlich, was nun anders ist, der Focus sogar sehr ausführlich. Erste Eindrücke:
Die FR-Homepage wirkt deutlich bunter als Focus.de. Viel grün - aber trotzdem nicht gerade unverwechselbar. Blassgraue Schrift auf Weiß - da sollte nachgebessert werden.
Die Focus-Homepage wirkt im oberen Teil sehr elegant und aufgeräumt und bietet Platz für ein großes Titelbanner. Sobald man allerdings über die Top-Meldungen hinweg nach unten die Ressorts scrollt, sieht man, dass die Focus-Designer hier vor dem selben Problem wie andere Sites standen: “Das muss auch noch auf die Startseite.”
Der “schlanke Seitenkopf”, den der Focus extra hervorhebt, wird leider durch das massive Werbebanner konterkariert. Bei kleineren Bildschirmauflösungen bleibt da nicht viel vom Inhalt im Blickfeld (auch wenn das ebenso bei anderen Websites auftritt). Andersherum werden iPad-Nutzer auf die Mobil-Version der Website umgeleitet, die sich auf dem Tablet-Bildschirm auch nicht so gut macht.


Auf den Artikelseiten übernimmt Focus Online das von Spiegel Online bekannte Muster, in der linken Spalte verwandte Inhalte anzubieten und rechts andere Angebote zu bewerben - gefällt mir hier gut. Die FR setzt neben den Artikel rechts einen Kasten mit Meta-Daten - bekannt etwa von Zeit Online.
Die Nutzerkommentare sind bei beiden Sites bisher positiver als beim jüngsten Relaunch von BBC News.
(wird evtl. noch ergänzt)
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Von Frank Miener am 23. Juli 2010
Facebook statt einer eigenen Webseite - diesen Weg geht die Zeitschrift FHM seit einigen Tagen. Der Egmont-Verlag hat die bisherige Präsenz unter www.fhm-online.de abgeschaltet und setzt stattdessen voll auf das Soziale Netzwerk, dass inzwischen mehr als 500.000.000 Millionen Nutzer meldet.
Der Branchendienst kress.de zitiert die Verantwortlichen mit den Worten, dass man dahin gehe, wo die Nutzer seien. Die Interaktion ist für den Verlag sehr wichtig, hieß es. Wobei freilich nur Facebook-Mitglieder Kommentare abgeben können.

Das Profil bei Facebook wird redaktionell betreut. Dennoch: Große journalistische Inhalte sind nicht zu finden. Stattdessen werden Bilderstrecken gezeigt, das Cover des aktuellen Hefts und einige weitere Funktionen des Netzwerks genutzt. 20.651 Fans hat die Seite am Freitag gehabt.
Dadurch stellt sich die Frage, ob sich der Egmont Verlag nicht eher die Server- und Personalkosten für sein Angebot sparen möchte. Das Profil wirkt sowieso eher wie ein Vertriebsweg, was auch freimütig zugegeben wird. Das Magazin werde am Kiosk verkauft, hieß es bei Kress.
Das allerdings auch nicht mehr so erfolgreich, wie bisher. Meedia.de rechnet vor, dass in den vergangenen Jahren 25 Prozent Auflage verloren gegangen seien. Im zweiten Jahresquartal 2010 kam FHM laut IVW auf insgesamt 150.217 verkaufte Exemplare. Im Vergleich zum Vorjahresquartal bedeutet dies ein Plus von vier Prozent.
Weitere Links
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Von Fiete Stegers am 18. Juli 2010
Die A40, die geliebt-gehasste Verkehrsschlagader quer durchs Ruhrgebiet, ist heute auf 60 Kilometer Länge gesperrt. Zwischen Duisburg und Dortmund findet stattdessen das vermutlich größte Picknick der Welt statt - eine Aktion im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr 2010. Wer wie ich nicht dabei ist, kann sich die Strecke aber (bereits seit einigen Tagen) in einer Art Streetview-Special auf WDR.de ansehen.

Das aus 1500 Panorama-Fotos zusammengefügte Special zeigt die Strecke zunächst im Normalzustand. Es lässt sich nach Autobahn-Ausfahrten und den (von den Organisatoren zugeteilten) Nummern der 20.000 Picknicktische durchsuchen. Hotspots markieren interessante Punkte entlang der Strecke, bereits vorhandene WDR-Berichte und externe Links.
Der Mammut-Akt steht der Redaktion aber erst noch bevor: Ab Sonntagabend sollen nach und nach rund 10.000 Fotos vom Tag der Aktion eingebaut - so dass ein Vorher-/Nachher-Vergleich möglich ist.
Hinweise auf weitere interessante Links zum “Still-Leben A40″ gerne in den Kommentaren.
[Ich bin ARD-Mitarbeiter und habe für WDR.de gearbeitet.]
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Von Fiete Stegers am 14. Juli 2010

Jan Söfjer hat für das Medium Magazin (07/2010) die “Schwarzwälder Post” in Zell besucht - die kleinste Zeitung Baden-Württembergs. Mitgebracht hat er einen Bericht aus einer Welt vor unserer Zeit: der Herausgeber ist Besitzer der nahezu archaischen Kleinstdruckerei - und zugleich Chef des lokalen Gewerbevereins. Eine einzelne Redakteurin, keine wirtschaftlichen Sorgen …
Söfjers Text gibt es online wohl nicht zu lesen, dafür aber Audio-Slideshow-Version. Ein dankbares Thema für diese Art der Aufbereitung mit einigen großen O-Tönen. Die Text-/Foto-Reportage hat mir in diesem Fall im direkten Vergleich jedoch besser gefallen. Zu einem steckten mehr Infos drin, zu anderen leidet die Slideshow an einem inhaltlich sehr guten, atmosphärischen, aber dadurch leider schwer verständlichen und langem O-Ton als Einstieg. Das mag aber auch persönliche Wahrnehmung sein, weil ich zunächst den Text gelesen haben. Als Kombo auf jeden Fall etwas, was man so im Medienjournalismus selten sieht!
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